{"id":9795,"date":"2018-12-16T20:35:41","date_gmt":"2018-12-16T19:35:41","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=9795"},"modified":"2020-05-21T22:30:33","modified_gmt":"2020-05-21T20:30:33","slug":"alles-gut-restitution-ja-bitte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=9795","title":{"rendered":"Alles gut. Restitution?  Ja bitte!"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #cc99ff;\"><em>Win-Win\u00a0 <\/em>\/\u00a0 <em>Paris London\u00a0 <\/em>\/\u00a0 <em>Berlin und Benin<\/em><\/span><\/h2>\n<p><em>\u00a0<\/em>Ich habe es in der New York Times gelesen und im Guardian: Jede Beunruhigung von Museen und B\u00fcrgern durch die Kulturg\u00fcter-R\u00fcckgabe-Debatte ist gegenstandslos!<!--more--><\/p>\n<p>Was kann sch\u00f6ner sein, als wenn die Nachfahren der Sklavenh\u00e4ndler an der Guinea-K\u00fcste und die Erben der Aufk\u00e4ufer und Veredler ihres Rohstoffs sich \u00fcber Kulturg\u00fctern die H\u00e4nde reichen?<\/p>\n<p>Beide Seiten liebten zu ihrer Zeit beuteges\u00e4ttigte Angriffskriege gegen alte wie neue Nachbarn, die sie durch Kriegserkl\u00e4rungen und Gottesdienste f\u00f6rmlich einzuleiten pflegten, die Afrikaner bis zu ihrer kolonialen Unterwerfung durch Europ\u00e4er; diese bis zu ihrer Unterwerfung durch die Amerikaner.<\/p>\n<p>Wenn nun afrikanische Staatschefs und entmachtete F\u00fcrstenfamilien ihre Herrschaftssitze f\u00fcr ein internationales Publikum mit den Symbolen einer Gr\u00f6\u00dferen Vergangenheit vergolden wollen &#8230;.<\/p>\n<p>Wenn zuf\u00e4llig gerade die Erben der Milit\u00e4rs, die sich im Fin de Si\u00e8cle mit kolonialen Kriegen einen\u00a0 Ruf erwarben, nun die Chance nutzen, deren heute wie damals verabscheute, weil blutbehaftete Troph\u00e4en loszuwerden, was ist daran schlecht?<\/p>\n<p>Vielleicht wird die afrikanische Seite dem hochherzigen Entschluss der Kolonialisten mit ein wenig mehr an seltenen Erden, Erd\u00f6l, Uran, Gold oder nachwachsenden Rohstoffen zu g\u00fcnstigen Preisen nachhelfen!<\/p>\n<p>Ein unscheinbarer Erbe des General Dodds (Dahomey 1892) ging der modernen Bewegung bereits um 1930 voraus, nur in die falsche Richtung. Er verkaufte an einen Pariser Kunsth\u00e4ndler (Ratton, <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=9345\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a>).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_9796\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Fon-P1110698_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9796\" class=\"wp-image-9796\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Fon-P1110698_2-206x360.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"262\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Fon-P1110698_2-206x360.jpg 206w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Fon-P1110698_2.jpg 457w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9796\" class=\"wp-caption-text\">Paris 2009 c DvG<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist ein bi\u00dfchen schade, wenn wir im Quai Branly nicht mehr auf die mythologisierte Fratze der herrschenden Klasse im alten Dahomey glotzen d\u00fcrfen, die uns noch bei jedem Besuch unweigerlich angezogen hat! Doch um die neidischen Nachbarv\u00f6lker der Fon braucht man sich keine Gedanken machen. Die waren fr\u00fcher Ziel der Sklavenkriege und sind heute in der globalen Konkurrenz blo\u00df mit ethnografischen Objekten vertreten, deren b\u00fcrgerlicher Interessentenkreis unweigerlich wegstirbt. Immerhin wurde wegen ihnen der Staatsname von Dahomey in Benin ge\u00e4ndert.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: center;\"><\/h5>\n<h3 style=\"text-align: center;\">DRC<\/h3>\n<p>Als Sonderfall erscheint mir die Demokratische Republik Kongo, dessen immer-noch-Pr\u00e4sident j\u00fcngst erst Anspruch auf Europas gr\u00f6\u00dftes Museumsdepot angemeldet hat. Ein paar repr\u00e4sentative Thronsessel &#8211; ich meine nicht die abgekupferten Liegest\u00fchle mit den Polsterkn\u00f6pfen \u2013 gibt es ja zu verteilen, doch die K\u00f6nigreiche Loango und Kongo sind mit ihrem interessanten Christentum lange schon vermodert und lagen sowieso au\u00dferhalb des heutigen Staatsgebiets.<\/p>\n<p>Was steckt hinter dem zweiten Anlauf des Pr\u00e4sidenten \u2013 nach dem von Diktator Mobutu \u2013, sich und der Nation ein neues Nationalmuseum zu schenken oder vielmehr schenken zu lassen? Liebt er wie einst Mobutu seine hundert, zweihundert, vierhundert\u00a0 oder mehr V\u00f6lker so sehr \u2013 und gleichzeitig auf so eigent\u00fcmliche Art \u2013 dass er sie zwar aufeinander hetzen und im Elend verkommen lassen, aber furchtbar gern in klimatisierten und ausgeleuchteten S\u00e4len repr\u00e4sentiert sehen m\u00f6chte? Die von europ\u00e4ischer Seite ge\u00e4u\u00dferte Idee von rotierenden Leihgaben w\u00fcrde ideal zu einer Bev\u00f6lkerung passen, die seit langem zwischen Land und Metropole, aber auch in der \u00fcbrigen Welt rotiert. Dass bereits die H\u00e4lfte der Nation permanent oder zeitweise in Kinshasa lebt, wird die integrierende Wirkung des neuen Museums nur verst\u00e4rken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_9797\" style=\"width: 303px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-16-um-18.04.36.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9797\" class=\"wp-image-9797\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-16-um-18.04.36-170x150.png\" alt=\"\" width=\"293\" height=\"215\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-16-um-18.04.36-360x264.png 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-16-um-18.04.36-624x458.png 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-16-um-18.04.36.png 661w\" sizes=\"auto, (max-width: 293px) 100vw, 293px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9797\" class=\"wp-caption-text\">c NYT 2018<\/p><\/div>\n<p>Dazu k\u00f6nnten auch die belgischen Gro\u00dfskulpturen in Tervuren aus den f\u00fcnfziger Jahren beitragen, die in den Medien als \u201erassistisch\u201c oder \u201eproblematic\u201c (NYT) verunglimpft werden, wenn man sich entschlie\u00dfen kann, sie nach Kinshasa zu entsorgen. Sie sind noch immer muskul\u00f6s, \u00fcberlebensgro\u00df und stilrein naturalistisch. Nicht anders als alle anti-imperialistischen Skulpturen des 20. Jahrhunderts, die ich kennenlernen durfte. Ich habe an ihnen nichts auszusetzen, bessere bekommt man auch heute nicht. Man schaue sich die Abbildung unvoreingenommen an. Dasselbe gilt f\u00fcr kolossale Tierpr\u00e4parate und liebevoll gemalte Fresken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Geduld wird n\u00f6tig sein. Im Guardian vom 8.Dezember lese ich, dass momentan etwa 85.000 Objekte in Kinshasa unter erb\u00e4rmlichen Bedingungen untergebracht seien und man keine weiteren brauchen k\u00f6nne. Trotzdem sagt dort Guido Grysels vom Museum Tervuren wie alle Welt, dass es \u201enicht normal\u201c sei, \u201e80 % des afrikanischen Kulturerbes in Europa\u201c zu finden. Das denke ich auch, wenn die Zahl seri\u00f6s ist, aber befinden sich nicht auch achtzig Prozent der Verm\u00f6gen von Kongolesen im Ausland? Und verh\u00e4lt es sich anders mit den Konzessionen f\u00fcr Holzraub und Bergbau etc.? Vielleicht untertreibe ich noch. Die Kulturstaatsministerin Gr\u00fctters in Berlin verspricht im Feuilleton der\u00a0 FAZ (15.12.): Die R\u00fcckgabe von Kulturg\u00fctern ist nur der Anfang. Recht hat sie! Packen wir&#8217;s an.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Win-Win\u00a0 \/\u00a0 Paris London\u00a0 \/\u00a0 Berlin und Benin \u00a0Ich habe es in der New York Times gelesen und im Guardian: Jede Beunruhigung von Museen und B\u00fcrgern durch die Kulturg\u00fcter-R\u00fcckgabe-Debatte ist gegenstandslos!<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[215],"tags":[],"class_list":["post-9795","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-museen-und-fremdes-kulturerbe"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9795","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9795"}],"version-history":[{"count":14,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9795\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11375,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9795\/revisions\/11375"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9795"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9795"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9795"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}