{"id":9746,"date":"2018-12-11T16:59:40","date_gmt":"2018-12-11T15:59:40","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=9746"},"modified":"2020-05-23T11:41:39","modified_gmt":"2020-05-23T09:41:39","slug":"aktuell-bei-berggruen-afrikanische-werke-in-u-haft","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=9746","title":{"rendered":"Bei BERGGRUEN : \u201eAfrikanische Werke\u201c in U-Haft"},"content":{"rendered":"<h5><\/h5>\n<h5><\/h5>\n<h5 style=\"text-align: center;\">PROVENIENZFORSCHUNG ALS GEWINN<\/h5>\n<h5>Zuerst bin ich regelrecht animiert: der attraktive und unbezahlbare \u201aPicasso\u2019 im Eingangsbereich besitzt eine R\u00fcckseite voller Aufkleber.<\/h5>\n<p><!--more--><\/p>\n<h5>Zweiter Eindruck: Die Bilder in den R\u00e4umen des Vorderhauses bekommen eine Geschichte, selbstverst\u00e4ndlich eine l\u00fcckenhafte. Sie hatten Menschen geh\u00f6rt, auch wenn die erst einmal nur Namen sind. \u201aAlte Bekannte\u2019 von fr\u00fcheren Besuchen erscheinen in neuem Licht, gewinnen an historischer Tiefe. Zwischen Entstehungsdatum und Depotnummer lie\u00df man fr\u00fcher keinen Raum. Was im dickleibigen Katalog stand, war vor dem Bild nicht pr\u00e4sent.<\/h5>\n<h5>Irgendwann kommt der Moment: Wenn keine \u201aKonfiskation\u2019 wie bei Kahnweiler und dem Kunstraub der Nazis vermeldet werden kann, \u201aentt\u00e4uscht\u2019 mich das schon.<\/h5>\n<h5><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Montage-IMG_4501.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-9747\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Montage-IMG_4501-900x675.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"413\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Montage-IMG_4501-900x675.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Montage-IMG_4501-360x270.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Montage-IMG_4501-624x468.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Montage-IMG_4501.jpg 1100w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/a><\/h5>\n<h5>Der mit einer starken Installation von Raphael Denis gestaltete Raum bildet den dramaturgischen Mittelpunkt. Seine\u00a0 Botschaft: \u201aKonfiziert\u2019 wurde ohne Ansehen der Individualit\u00e4t eines Werks. \u201aIndividualit\u00e4t\u2019 reduzierte sich auf dessen Au\u00dfenma\u00dfe.<\/h5>\n<h5><\/h5>\n<h5><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5 style=\"text-align: center;\">AFRIKANISCHE WERKE IN UNTERSUCHUNGSHAFT<\/h5>\n<h5>Ich st\u00fcrme in den Raum \u201eAfrikanische Werke\u201c. Es ist ein kleiner Durchgangsraum mit f\u00fcnf aus fr\u00fcheren Zusammenh\u00e4ngen gerissenen Skulpturen. Sie vertragen das nicht. Sie nehmen einander die Wirkung. Der Gro\u00dfe Hornvogel (<em>Calao<\/em>) bildet die Ausnahme. Er \u00fcberragt die \u00fcbrigen Skulpturen und deklassiert sie schon optisch.<\/h5>\n<h5><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Die-Fu\u0308nf-IMG_4513.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-9748\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Die-Fu\u0308nf-IMG_4513-900x675.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"413\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Die-Fu\u0308nf-IMG_4513-900x675.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Die-Fu\u0308nf-IMG_4513-360x270.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Die-Fu\u0308nf-IMG_4513-624x468.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Die-Fu\u0308nf-IMG_4513.jpg 1100w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/a><\/h5>\n<h5>Dass die Nationalgalerie im Jahr 2000 nur f\u00fcnf St\u00fccke aus einer gr\u00f6\u00dferen Gruppe \u00fcbernahm, war mir fr\u00fcher nicht bekannt. Ging es nur um etwas W\u00fcrze f\u00fcr den Kern der Sammlung oder gab es qualitative Ausschlussgr\u00fcnde? Auf diesem Gebiet war der Kunstsammler vielleicht \u2013 es w\u00e4re nicht untypisch &#8211; Anf\u00e4nger. Als Reflektoren der Klassischen Moderne Europas waren sie genug.<\/h5>\n<h5>Der Raum macht traurig. Und erst recht die Beschriftung! Da die f\u00fcnf Objekte nicht von dem Subventionstopf \u201e<em>des vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gef\u00f6rderten Provenienzforschungs-projektes<\/em>\u201c profitierten, engagierte man 2017 f\u00fcr die Bearbeitung ein Seminar der \u201aAbteilung Kunst Afrikas\u2019 im \u201aKunstwissenschaftlichen Institut\u2019 an der FU. &#8211; Der Tagesspiegel (21.11.) sah diese Ma\u00dfnahme nur vom Grunds\u00e4tzlichen her und bewertete sie positiv <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/museum-berggruen-eine-ausstellung-wie-ein-forscherkrimi\/23660008.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">(Link<\/a>).<\/h5>\n<h5><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5 style=\"text-align: center;\">DURCHSCHNITTLICHE SEMINARARBEIT<\/h5>\n<h5>\u00a0Das Museum \u00fcbernahm die unbedarfte Seminar-Kritik, an einer Stelle der Wandtafel immerhin unter Verwendung indirekter Rede. Und was kam dabei heraus? Etwa <em>die Er\u00f6ffnung eines Dialogs<\/em>? Wor\u00fcber denn? Ach was, das muss man heute so sagen!<\/h5>\n<h6><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/SCHRIFTTAFEL-IMG_4549_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-9754\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/SCHRIFTTAFEL-IMG_4549_2-832x900.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"676\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/SCHRIFTTAFEL-IMG_4549_2-832x900.jpg 832w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/SCHRIFTTAFEL-IMG_4549_2-333x360.jpg 333w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/SCHRIFTTAFEL-IMG_4549_2-624x675.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/SCHRIFTTAFEL-IMG_4549_2.jpg 1108w\" sizes=\"auto, (max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><span style=\"color: #ff0000;\">\u00a0 (BILDFL\u00c4CHE ANKLICKEN!)<\/span><\/h6>\n<h5>Ein direkter dialogischer Zusammenhang wird bewusst zerrissen, und zwar \u201e<em>der direkte dialogische Zusammenhang mit den Werken Picassos, da ihm \u00e4hnliche afrikanische Werke als Inspirationsquellen dienten<\/em>\u201c. Zugegebenerma\u00dfen ist <em>\u00c4hnlichkeit<\/em> materiell ein d\u00fcnnes Band, aber ein Band, das wohl der Sammler Berggruen selbst gekn\u00fcpft hatte.<\/h5>\n<h5><em>\u201eIm Laufe des 20. Jahrhunderts kam bei Sammlern der Klassischen Moderne die Mode auf, ihre Sammlung um Werke afrikanischer Herkunft zu erg\u00e4nzen.\u201c<\/em><\/h5>\n<h5><em>Mode, Erg\u00e4nzung, Herkunft &#8211; <\/em>Aus diesen Ausdr\u00fccken spricht blo\u00df Unverst\u00e4ndnis und Fremdheit junger Leute, die als Konsumenten st\u00e4ndig Moden folgen.<\/h5>\n<h5>\u201e<em>Die bisherige Pr\u00e4sentation &#8230;. wurde kritisiert, da die Objekte aus Afrika nie als Kunst im westlichen Sinne gefertigt, sprich nicht zur betrachtenden Ausstellung in einem eigens daf\u00fcr vorgesehenen Raum, sondern oftmals in rituelle und performative Praktiken eingebunde<\/em>n <em>waren<\/em>.\u201c<\/h5>\n<h5>Haben <em>Objektschilder <\/em>und die\u00a0 Pr\u00e4sentation auf ineinander geschobenen schwarzen Tischen etwas ge\u00e4ndert? Inmitten einer \u00fcber ein halbes Jahrhundert gewachsenen pers\u00f6nlichen Kunstsammlung, durchtr\u00e4nkt von der k\u00fcnstlerischen Praxis des europ\u00e4ischen \u201aPrimitivismus\u2019 (William Rubin* MOMA 1984), muss eine wohlerzogene Jugend an ein paar au\u00dfereurop\u00e4ischen Figuren ein Exempel statuieren: <em>Die Betonung der formal<del>en<\/del>-\u00e4sthetischen \u00c4hnlichkeiten<\/em> <em>zwischen europ\u00e4ischen und afrikanischen Werken reduziere und verleugne somit die soziale Funktion &#8230;.\u201c<\/em> &#8211; Verleugnung? Verleugnung blo\u00df wegen ein paar <em>\u00c4hnlichkeiten<\/em>? Das w\u00e4re wirklich skandal\u00f6s!<\/h5>\n<h5>Penible Strenge im Urteilen geh\u00f6rt zum akademischen Werkzeug. Darf man den Seminaristen \u00fcbel nehmen, wenn sie ideologische \u2019Inkorrektheit\u2019 lange verstorbener K\u00fcnstler korrigieren wollen, weil sie nicht wissen, dass K\u00fcnstler sich seit jeher von Vorbildern und Vorlagen inspirieren lassen, ohne sich viel um deren soziale Bez\u00fcge zu scheren?<\/h5>\n<h5>Die Autoren \u00fcbersehen noch etwas: Was sie unter <em>Kunst im westlichen Sinn<\/em> verstehen, ist selbst in Europa kunsthistorisch nicht sehr alt, und seit dem 20. Jahrhundert ein Krisenph\u00e4nomen.<\/h5>\n<h5>Wer hat schon etwas gegen ethnologische Zusatzinformationen? Im K\u00f6lner &#8222;Rautenstrauch-Museum &#8211; Kulturen der Welt&#8220; fand man f\u00fcr den \u201aKunst\u2019-Saal sogar die elegante L\u00f6sung einer Einblendung auf Knopfdruck. Doch der Mangel war bei f\u00fcnf Objekten zu verschmerzen, jedenfalls eher als ihr verlorener bisheriger Kontext. Die Spaltung zwischen Form und Funktion ist \u00fcbrigens l\u00e4ngst \u00fcberwunden, in angels\u00e4chsischen L\u00e4ndern fr\u00fcher als auf dem europ\u00e4ischen Kontinent. Dort sind die Pioniere bereits im verdienten Ruhestand.<\/h5>\n<h5>Irref\u00fchrend ist auch die Behauptung zu Zeitpunkt und Art der Kommerzialisierung \u201aafrikanischer Kunst\u2019:<\/h5>\n<h5>\u201e<em>Seit den 1950er Jahren entwickelte sich der westliche Kunstmarkt f\u00fcr afrikanische Werke rasant, sodass viele Objekte in afrikanischen L\u00e4ndern direkt f\u00fcr den Export nachgefertigt wurden. Es k\u00f6nnte sich somit bei den Werken im Museum Berggruen um Nachbildungen handeln&#8230;.<\/em> \u201c<\/h5>\n<h5>Man lege lieber weitere f\u00fcnfzig und mehr Jahre drauf!<\/h5>\n<h5>Bereits bei lange vor dem Kolonialismus entstanden in Afrika Objekte f\u00fcr den Export. Man handelte nicht nur mit Sklaven, Elfenbein und Palm\u00f6l, sondern gern auch mit Souvenirs oder \u201aCuriosa\u2019.\u00a0\u00a0 Die europ\u00e4ischen Kunden, zum Beispiel in Paris oder Berlin, bestimmten mit ihrer Nachfrage schon weit vor 1900 das Angebot, nicht anders als heute. Der sp\u00e4ter im Dorf von der kolonialen Kopfsteuer bedr\u00fcckte Schnitzer freute sich \u00fcber zus\u00e4tzliche Auftr\u00e4ge von au\u00dfen. Hat man das an der Freien Universit\u00e4t noch nicht mitbekommen?<\/h5>\n<h5>Meine Vermutung geht in eine andere Richtung: Die <em>50er Jahre<\/em> schlie\u00dfen chronologisch ideal an den Geltungsbereich des gerade modischen Generalverdachts an:\u00a0 &#8218;<em>Unrechtskontexte wie Raub&#8216; &#8218;beim \u00dcbergang von afrikanischem zu europ\u00e4ischem\u00a0 Eigentum&#8216;<\/em> sind\u00a0<em>&#8218;aufgrund des juristischen Ungleichgewichts zuungunsten der lokalen Bev\u00f6lkerungen&#8216; &#8217;nicht auszuschlie\u00dfen&#8216;.<\/em><\/h5>\n<h5>Man muss sich die mit Sorgfalt sterilisierten Formulierungen auf der Zunge zergehen lassen! Jemand in Frankreich hat bereits die Vorlage von Quittungen f\u00fcr Erwerbungen w\u00e4hrend der Kolonialepoche verlangt. Bei dem bekannten Mangel an schriftlicher Dokumentation sogar in Ethnologischen Museen ein praktischer Vorschlag. Wieso sich im Kampf gegen &#8218;Raubkunst&#8216;\u00a0 unn\u00f6tige M\u00fche machen? Was gibt es\u00a0 denn noch <em>Wichtiges zu erforschen<\/em>? Oder geht es bei dem Projekt &#8218;Provenienz&#8216; um Anschlussfinanzierung?<\/h5>\n<h5>Nat\u00fcrlich suggeriert auch der Ausdruck \u201e<em>Nachbildungen<\/em>\u201c\u00a0 falsche Bez\u00fcge!<\/h5>\n<h5>Objekte f\u00fcr den Kult, auf den die Autoren abheben, waren in der Regel <em>Nachbildungen<\/em> ihrer Vorg\u00e4nger, die sie ersetzten (F.K.). Aber auch Handwerkergilden f\u00fcr die h\u00f6fische Produktion \u2013 bestes Beispiel die Benin-Bronzen \u2013 pflegten und pflegen ihre Modellpalette. Selbstverst\u00e4ndlich untersucht nun das Berggruen-Museum gezielt das Alter der zwei Benin-Bronzen. Man wird dabei herausfinden, ob sie exklusiv f\u00fcr den K\u00f6nig (vor 1897) oder auch f\u00fcr eine andere zahlende Kundschaft produziert wurden. Die Frage ist eigentlich nur kommerziell relevant, auch wenn man so sch\u00f6n naiv schreibt: \u201c<em>Aus Sicht einer Museumssammlung w\u00e4re der ihnen zugeschriebene kulturhistorische Wert geringer als der der \u00e4lteren Originale.\u201c <\/em><\/h5>\n<h5>Will man die <em>kulturhistorische Wert<\/em>bestimmung &#8211; was immer das ist und verbunden mit einer technischen Materialuntersuchung &#8211; etwa den internationalen Kunstb\u00f6rsen\u00a0 \u00fcberlassen?\u00a0 &#8218;Die gute Nachricht&#8216; soll konsequenterweise sein: <em>M\u00f6gliche Restitutionsforderungen <\/em>w\u00e4ren <em>entkr\u00e4ftet<\/em>. Dann also ab auf den Flohmarkt!<\/h5>\n<h5>Der Hype um die Benin-Bronzen selber scheint mir ein Zeichen mangelnden Verst\u00e4ndnisses f\u00fcr traditionelle K\u00fcnste in Afrika zu sein. Sind sie doch w\u00e4hrend Jahrhunderten des Austauschs mit Europa an einer Sklavenk\u00fcste Westafrikas entstanden. Manchmal stammte sogar die Bronze aus England. Wer bei ihnen stehen bleibt, versteht \u201aafrikanische Kunst\u2019 \u00fcberhaupt nicht.<\/h5>\n<h5>Wo wir schon dabei sind:<\/h5>\n<h5>Unter den Sachen bei Berggruen steht auch ein leerer Knochenbeh\u00e4lter (Reliquar) aus Gabun, ein &#8218;rituelles Objekt&#8216;, wenn es denn echt ist. W\u00fcrden Sie das\u00a0 dekorative Geh\u00e4use\u00a0 nach Afrika zur\u00fcckgeben wollen? Wie viele individuelle Z\u00fcge kann ein mangelhaft dokumentiertes und wahrscheinlich f\u00fcr den Markt \u00fcberarbeitetes Objekt noch haben? Welcher \u201aGemeinschaft\u2019 w\u00e4re es zuzuordnen? Im Berggruen-Museum ist es nicht nur <em>tausende Kilometer<\/em>, sondern auch hundert Jahre von seinem Ursprung entfernt. Man sollte sich auch diese Distanz ganz konkret vorstellen.<\/h5>\n<h5>Bilanz: Keine einzige erfrischende neue Perspektive. Die g\u00e4ngigen Vorurteile unerfahrener Student(inn)en verbinden sich mit den schr\u00e4gen Ideen, welche die aktuelle kulturpolitische Hysterie befeuern.<\/h5>\n<h5>Vom Museum BERGGRUEN h\u00e4tte ich eine angemessene Herangehensweise erwartet, nicht ein unausgegorenes Projekt mit notwendigerweise \u00fcberforderten Akteuren. Wem habe ich diese Kritik noch elektronisch \u00fcbermittelt? Ach, ja, dem Berggruen vorgesetzten momentanen Preu\u00dfischen Kulturbesitzer. Wer h\u00e4tte es gedacht: sein Briefkasten ist ein M\u00fclleimer.<\/h5>\n<h5><\/h5>\n<h5>Ich wollte vers\u00f6hnlich schlie\u00dfen. Denn im Alter soll man sich nicht mehr aufregen.<\/h5>\n<h5>Berggruens Kunstsammlung muss durch das Feuer der &#8218;jakobinischen&#8216; Widerg\u00e4nger einfach durch. Dann wird sie in einem neuen \u201aThermidor\u2019 wieder in den Dornr\u00f6schenschlaf \u201areiner Kunst\u2019 fallen. Heinz\u00a0 Berggruen hat sich &#8211; nach bisherigem Forschungsstand \u2013 wohl keine Nachl\u00e4ssigkeit zuschulden kommen lassen. Der Reiz der mit der Provenienzfrage er\u00f6ffneten neuen Dimensionen verfliegt schnell. Der Eindruck von \u201aNormalit\u00e4t\u2019 entsteht vielleicht schon, bevor diese Sonderausstellung\u2019 zu Ende ist.<\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Postskriptum zu einer Objekttafel<\/h4>\n<h5><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Calao-IMG_4508.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-9755\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Calao-IMG_4508-270x360.jpg\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Calao-IMG_4508-270x360.jpg 270w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Calao-IMG_4508.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 270px) 100vw, 270px\" \/><\/a><\/h5>\n<h5><strong>Die Figur ist dem Vogel nicht <em>nachempfunden. <\/em>Diesen Ausdruck habe ich auf afrikanische Kunst bezogen \u00fcberhaupt noch nie gelesen. Lasst sie auf euch wirken, schaut sie euch genau an. Studiert die \u00c4sthetik der alten Senufo. Worauf kommt oder kam es an?<\/strong><\/h5>\n<h5><strong>Sicher nicht auf die Altersangabe \u201e19.\/20. Jahrhundert\u201c: \u201e<em>Das bisher angegebene Alter kann nicht als gesichert gelten.<\/em>\u201c Interessant w\u00e4re vielmehr, warum man das 19. Jahrhundert vorher \u00fcberhaupt in Erw\u00e4gung gezogen hat: Bisher diente diese Zeitangabe schlicht als Metapher f\u00fcr gediegene Qualit\u00e4t, und man tr\u00e4umte von der &#8218;guten alten Zeit&#8216; vor den Katastrophen des 20. Jahrhunderts.<\/strong><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PROVENIENZFORSCHUNG ALS GEWINN Zuerst bin ich regelrecht animiert: der attraktive und unbezahlbare \u201aPicasso\u2019 im Eingangsbereich besitzt eine R\u00fcckseite voller Aufkleber.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[216,234],"tags":[],"class_list":["post-9746","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-afrikanische-aesthetik","category-humboldtforum-berlin"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9746","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9746"}],"version-history":[{"count":32,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9746\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11579,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9746\/revisions\/11579"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9746"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9746"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9746"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}