{"id":974,"date":"2010-10-22T23:23:25","date_gmt":"2010-10-22T22:23:25","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=974"},"modified":"2017-12-22T18:28:24","modified_gmt":"2017-12-22T17:28:24","slug":"riefenstahls-triumph-des-willens","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=974","title":{"rendered":"Riefenstahls Triumph des Willens"},"content":{"rendered":"<p>Ein dummer Film, was ich so nicht erwartet h\u00e4tte. Eisenstein muss ich geradezu Abbitte\u00a0leisten, den ich im \u201ePanzerkreuzer Potemkin\u201c als \u00fcblen Propagandisten verabscheute, der\u00a0aber um einiges raffinierter, reflektierter war und ein genialer Perfektionist. Hier wurde \u2013\u00a0nicht nur wegen der Sch\u00e4den an der Kopie \u2013 h\u00e4ufig sichtbar gestoppelt. Direkt r\u00fchrend. \u00a0 \u00a0<!--more--><\/p>\n<p>Ein\u00a0typisches P.R.-Produkt in dem Sinn, dass es vor allem eine logistische Leistung ist. Waren nicht die Veranstaltungen die gr\u00f6\u00dfere logistische Leistung? Das Einfliegen war doch auch schon ein erprobtes Verfahren.\u00a0Der Film hat keinen Charakter, keinen eigenen Standpunkt,\u00a0wenig wie ein moderner Werbestreifen f\u00fcr eine Corporate Identity. Er \u00fcberschreitet nicht\u00a0den Horizont der Auftraggeber und trifft den Geschmack des Tyrannen.<\/p>\n<p>Die Riefenstahl\u00a0<strong><span class=\"Apple-style-span\" style=\"font-weight: normal;\">dirigierte hundertf\u00fcnfzig Handlanger, war aber das willf\u00e4hrige und schlaue kleine M\u00e4dchen, ein Horizont, den sie zeitlebens nicht \u00fcberschritt. Sie war zu dumm oder willf\u00e4hrig, um die Selbstentlarvung der Spitze des Regimes zu verhindern. Und jeder \u00fcberpr\u00fcfte wohl eifers\u00fcchtig mit\u00a0der Stoppuhr, dass er nicht zu kurz kam.\u00a0Die Gaunerbande ist aus gro\u00dfer N\u00e4he zu besichtigen.Ein Zeitdokument, das einzige Verdienst. Doch kam das nicht dem Auftraggeber zu?<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Sie macht \u2013 wie Hitler auch, der sich am Ende gar als Mephisto stilisiert, der die Seelen ergreifen und mit sich nehmen will \u2013 Anleihen beim\u00a0 Traditionsbestand: bei Faust 1 und dem deutschen Stummfilmexpressionismus. Das Archaisierende!\u00a0 Der verschwenderische Gebrauch von\u00a0Pechfackeln \u00a0&#8211; ohne Sinn f\u00fcr deren eingef\u00fchrte symbolische Bedeutung. Das M\u00e4rchenhafte der dargestellten Volksgemeinschaft, ihrer Alters- und Geschlechts-Sterotype.\u00a0Betroffen macht mich die Altstadt von N\u00fcrnberg. Ich verstehe den Hass der Alliierten, auch die altfr\u00e4nkischen Kulissen deutscher Barbarei in Schutt und Asche zu legen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1300947N\u00fcrnberg.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1300947N\u00fcrnberg-300x289.jpg\" alt=\"P1300947N\u00fcrnberg\" width=\"300\" height=\"289\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1300948HessNS.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-983\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1300948HessNS-300x295.jpg\" alt=\"P1300948HessNS\" width=\"300\" height=\"295\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1300948HessNS-300x295.jpg 300w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1300948HessNS-624x614.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1300948HessNS.jpg 828w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der angebliche Verzicht auf einen gesprochenen Kommentar war 1934 vielleicht neu, aber entspricht der absoluten Leere der Selbstdarstellung, die durch einen Sampler nationalistischer Marschmusik und phasenweise gebr\u00fcllten Schlagworten immer m\u00fchsamer \u00fcberdeckt wurde.\u00a0Hitler musste danach als Mussolini-Kopie erscheinen. In meinem Kopf tauchte immer wieder Charles Chaplins geniale Parodie auf.<\/p>\n<p>Dass der Streifen &#8218;am meisten zitiert und mit Kultstatus versehen&#8216; sein soll, w\u00e4re ein b\u00f6ses Zeichen, und zwar f\u00fcr den Zustand der Cineasten und Medienwissenschaftler. Am breiten Publikum kann es ja nicht liegen, das ihn seit siebzig Jahren nicht mehr zu sehen bekommt.\u00a0Der die Einf\u00fchrung vortragende Nachwuchs-Experte war regelrecht begeistert.<\/p>\n<p>Er hat den Auftrag das Konzept f\u00fcr die \u201eAnalyse\u201c durch Sch\u00fcler zu entwickeln. Ein solches St\u00fcck Schei\u00dfe ist die Bem\u00fchung, die kostbare Zeit der Sch\u00fcler nicht wert und in seiner Hohlheit h\u00f6chstens gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p>Was er \u00a0am \u201eber\u00fchmten\u201c Filmschnitt hervorhob, erwies sich als hei\u00dfe Luft. Die hundert Minuten wurden sehr lang. Wir waren Zeugen von stundenlangen Fu\u00dfm\u00e4rschen \u2013 wie sie dem Touristen in Berlin bekannt sind.\u00a0 Haupts\u00e4chlich paradierten uniformierte Bl\u00f6cke am \u201eF\u00fchrer\u201c vorbei, an wuseldem Publikum und wieder anderen uniformierten Bl\u00f6cken. Zur Abwechslung gab es dann ein paar Mal den \u201eF\u00fchrer\u201c und ein paar Getreue an uniformierten Bl\u00f6cken zu besichtigen. Der Ausdruck\u00a0<i>Dumpfbacken<\/i>\u00a0passt\u00a0zur Ausstrahlung des Films. Und:\u00a0Trotz des ger\u00fchmten &#8222;Eindampfens&#8220; des Parteitags ist er blo\u00df ein schwacher Abklatsch in Schwarzwei\u00df. &#8218;Wenn es mich doch gruselte!&#8216;<\/p>\n<p>L\u00e4ngst f\u00e4llig w\u00e4re: die ewige Ruhe im Archiv. Nicht zu retten.<\/p>\n<p>Berlin, nach dem Besuch im &#8218;Arsenal&#8216;-Kino am\u00a016.10.2010<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein dummer Film, was ich so nicht erwartet h\u00e4tte. 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