{"id":9580,"date":"2018-10-20T18:14:08","date_gmt":"2018-10-20T16:14:08","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=9580"},"modified":"2020-05-21T11:52:25","modified_gmt":"2020-05-21T09:52:25","slug":"was-kann-m-a-couturier-uns-sammler-und-liebhaber-afrikanischer-kunst-lehren","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=9580","title":{"rendered":"M.-A. Couturier&#8217;s Auffassung von Weltkunst und wir"},"content":{"rendered":"<p>Upload: 20.10.2018\u00a0\u00a0 Revision: 17.5.2020<\/p>\n<h4><span style=\"color: #333333;\"><strong>Couturiers Auffassung von Weltkunst sollte uns heute selbstverst\u00e4ndlich sein. Sie verzichtet auf Wahrnehmungsbarrieren zwischen den Kulturen, Funktionen, Stilen und unterschiedlichem gesellschaftlichem Status, doch sie bleibt ein Randph\u00e4nomen!<\/strong><\/span><\/h4>\n<p>Die k\u00fcnstlerische T\u00e4tigkeit steht im Zentrum und wird anerkannt \u2013 unabh\u00e4ngig vom Grad der Bekanntheit oder relativen Anonymit\u00e4t des K\u00fcnstlers, von seiner Bildung, sozialen Klasse, Kulturzugeh\u00f6rigkeit und praktiziertem Stil.<!--more--><\/p>\n<p>\u00dcberall lassen sich relevante K\u00fcnstler finden, unabh\u00e4ngig vom sozialen und kulturellen Rahmen, in dem sie arbeiten, in welcher Zeit auch immer.<\/p>\n<p>Der Formbegriff bleibt aufs das Menschliche bezogen und wird nur gegen Formalismus und Manierismen aus k\u00fcnstlerischer Schw\u00e4che abgegrenzt<\/p>\n<p>In \u201aKunst\u2019 verk\u00f6rperte Religion wird als \u00fcberkonfessionelle universelle Gemeinsamkeit aller Traditionen und sogar Rebellionen gedacht, abgegrenzt blo\u00df zu gemalter Doktrin. Und selbst bei der h\u00e4ngt alles vom Einzelfall ab.<\/p>\n<p>Couturiers Projekt der Erneuerung der christlichen Kunst von den k\u00fcnstlerischen Mitteln aus war ein Projekt ganz am Rande der Nachkriegsgesellschaft. Da Frankreichs Kirchen bereits seit hundert Jahren mit religi\u00f6sem Kitsch vollgestopft waren, war ihm klar, dass eine Erneuerung nicht von denThemen und Motiven ausgehen konnte, sondern von den k\u00fcnstlerischen Mitteln her, und dass dazu die \u00e4sthetische und ethische Haltung der K\u00fcnstler neu zu formulieren war.<\/p>\n<p>Er projektierte eine ideelle Koalition aus alter christlicher Kunst, unterdr\u00fcckten au\u00dfereurop\u00e4ischen Kulturen und profilierten K\u00fcnstlern abstrakter und fig\u00fcrlicher Avantgarde.<\/p>\n<div id=\"attachment_9594\" style=\"width: 189px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Sacred-Art-123-sc.-unknown-1912..jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9594\" class=\"wp-image-9594\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Sacred-Art-123-sc.-unknown-1912.-140x360.jpg\" alt=\"\" width=\"179\" height=\"460\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Sacred-Art-123-sc.-unknown-1912.-140x360.jpg 140w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Sacred-Art-123-sc.-unknown-1912.-350x900.jpg 350w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Sacred-Art-123-sc.-unknown-1912..jpg 388w\" sizes=\"auto, (max-width: 179px) 100vw, 179px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9594\" class=\"wp-caption-text\">Sacred Art 123, sc. unknown 1912.<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_9593\" style=\"width: 326px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Sacred-Art-122-Matisse.Vence_..jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9593\" class=\"wp-image-9593\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Sacred-Art-122-Matisse.Vence_..jpg\" alt=\"\" width=\"316\" height=\"460\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Sacred-Art-122-Matisse.Vence_..jpg 388w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Sacred-Art-122-Matisse.Vence_.-247x360.jpg 247w\" sizes=\"auto, (max-width: 316px) 100vw, 316px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9593\" class=\"wp-caption-text\">Sacred Art 122, Matisse.Vence.<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich habe die publizierten Tagebuchnotizen der Jahre 1947-1954 in einer deutschen Ausgabe durchgelesen und exzerpiert. (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=9517\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link)<\/a><\/p>\n<p>Nur einen kostbaren Moment lang bestand in Frankreich die ungew\u00f6hnlich enge Nachbarschaft von \u201achristlicher Kunst\u2019 und k\u00fcnstlerischer Avantgarde, den \u201aArts Premiers\u2019 und dem Mittelalter, der Bewegung des \u2019Art Brut\u2019 (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Art_brut\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link)<\/a>, von selbstbewussten K\u00fcnstlern und katholischem Klerus, nicht zu vergessen der angesto\u00dfene Dialog \u00fcber k\u00fcnstlerische Mittel und Spiritualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Das war eine Zeit, als die \u201aVolkskirchen\u2019 in einem von Diktaturen, Krieg und Besatzung gebeutelten Europa wieder ihren festen Platz zu einzunehmen schienen. In der Bonner Republik machten sie sogar politisch Karriere, mit sp\u00fcrbaren Folgen bis heute.. Im Nachkriegsfrankreich setzte sich unter der laizistischen Verfassung blo\u00df das alte Elend der Provinzialit\u00e4t und Armut der katholischen Kirche fort. In ihrer religi\u00f6sen Kunst sahen Geistliche wie Couturier Vorboten ihres weiteren Verfalls.<\/p>\n<p>Die K\u00fcnstlerrebellen von einst wurden in ihrer Heimat selber nie wirklich popul\u00e4r. Die gesellschaftliche Anerkennung, welche ihre kolonisierten \u2019Lehrmeister\u2019 in ihrer Bedr\u00e4ngnis dringend gebraucht h\u00e4tten, konnten sie ihnen gar nicht verschaffen. Dass die bereits ausgelaugte Akademiekunst noch einmal in den Kolonien Einfluss aus\u00fcben konnte, ist vielleicht tragisch, aber nicht ohne Komik. Couturier hat sich im Namen &#8217;seiner&#8216; Kirche daf\u00fcr entschuldigt (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=9306\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a>) in einem Beitrag zu <em>L&#8217;Art Sacr\u00e9<\/em>.<\/p>\n<p>Heute sind alle im Elend: die \u201achristliche\u2019 Kunst und traditionelle au\u00dfereurop\u00e4ische Kulturen sind verkommen. Die abstrakte und fig\u00fcrliche \u201aKlassische Moderne\u2019 wird musealisiert und als Geldanlage kapitalisiert, neuerdings zusammen mit einer \u201aElite\u2019 ehemals \u201aprimitiver\u2019 Kunst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">ZWEI ASPEKTE IM DETAIL<\/h4>\n<h5><strong>Als Afrika-Sammler m\u00f6chte ich auf zwei Aspekte n\u00e4her eingehen. 1. auf seinen weiten Begriff religi\u00f6ser Kunst, 2.\u00a0 auf das Verh\u00e4ltnis von Zweck und k\u00fcnstlerischen Mitteln als eine komplexe Balance von Elementen.<\/strong><\/h5>\n<h4 style=\"text-align: center;\">1<\/h4>\n<p>Couturiers tolerante und weite Auslegung ergibt sich in den privaten Notizen ( dt.\u201e<em>Von der Freiheit eines Christen<\/em>\u201c 1964, , <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=9517\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a> zu weiteren Zitaten) und darin aus kurzen Erw\u00e4hnungen, Anspielungen und Kontexten. Dieser katholischen Ordensmann wurde ziemlich deutlich:<\/p>\n<p><em>Ich sehe die Kirche immer mehr als eine gro\u00dfe verst\u00fcmmelte Platane: Ein gro\u00dfer Stamm, (&#8230;) dessen Haupt\u00e4ste aber einer nach dem anderen abgeschnitten worden sind: die griechische Welt, die slawische Welt, die germanische Welt, die angels\u00e4chsische Welt. \u2013 Was an Heiligkeit verloren wurde, ist zweifellos in Zahlen nicht feststellbar, aber auf dem Gebiet der Gotteserkenntnis ist eine furchtbare Verarmung eingetreten. (&#8230;) (145)<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eMan sagt zu mir, dass ich einseitig bin. Gewiss, aber dadurch gehe ich weiter als die anderen. Die in der Mitte taugen zu nichts.\u201c (144)<\/em><\/p>\n<p>Sein Begriff religi\u00f6ser Kunst ist mit dem Leben der Menschen untrennbar verbunden, mit individueller und mit Volksfr\u00f6mmigkeit\u2019, mit Moral, Sitten und Gebr\u00e4uchen, mit magischen Vorstellungen und Praktiken, dem Wirken von \u201aWundern\u2019, mit Erziehung und Propaganda&#8230;.. \u201aReligi\u00f6se Kunst\u2019, die sich nicht auf elit\u00e4re Extreme beschr\u00e4nkt wie etwa Askese, Verz\u00fcckung, , gemalte oder geschnitzte theologische oder kosmologische Spekulation, und eine, die keine \u201aReligion\u2019 auf Kosten anderer bevorzugt. So wie \u201areligi\u00f6se Kunst\u2019 nicht an eine einzelne Religion oder Konfession gekettet ist, sondern findet sich bei \u201agl\u00e4ubigen\u2019 Menschen in aller Welt und allen sozialen Schichten. (126\/127)<\/p>\n<p>Das ist nur realistisch. Die meisten Afrikaner betrachte ich sogar heute als desinteressiert an &#8218;Religion&#8216; im emphatischen Sinn etwa der christlichen Heilserwartung. Wenn ich die ethnographischen Gew\u00e4hrsleute richtig verstanden habe, geht es um Lebensbew\u00e4ltigung im Alltag, um die Beziehungen innerhalb der Verwandtschaft, um Tod und andere Schicksalsschl\u00e4ge; \u201eErl\u00f6sung\u201c von dieser Welt hat erst seit den Bedr\u00fcckungen der Versklavung und Kolonisierung Konjunktur. Im Verh\u00e4ltnis zu den jenseitigen M\u00e4chten spielt Ambivalenz eine gro\u00dfe Rolle, die Zweischneidigkeit der Macht und des Erfolgs, das Verh\u00e4ltnis von Geben und Nehmen.<\/p>\n<p>Die unter Pariser Intellektuellen modische Gro\u00dfideologie fand ebensowenig seine Sympathie:<\/p>\n<p>\u201e<em>Die Kommunisten, L\u00e9ger und ich. Sie stehen in einer Ordnung der Dinge, bei welcher der Zweck die Mittel rechtfertigt, und ich befinde mich in einer Ordnung, bei der letztlich die Mittel, insofern sie sauber sind, den Zweck rechtfertigen<\/em>\u201c. (143)<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">2.<\/h4>\n<p>Dieselbe Universalit\u00e4t beweist Couturier in der Frage der eingesetzten k\u00fcnstlerischen Mittel, mit einer Einschr\u00e4nkung, die sich f\u00fcr ihn aus der Kunstgeschichte Europas ergibt, worin Renaissance und Barock durch frivole, naturalistische und dekorative Darstellung die christliche Kunst in ihren schleichenden Tod gelenkt h\u00e4tten. Was sich von selbst versteht: unter tatkr\u00e4ftiger Mitwirkung seiner Katholischen Kirche. Wenn man Clouturiers Notizen liest, sieht man beide auf Anfang gesetzt: \u201eSelig sind die Armen\u201c, was sich erst sechzig Jahre sp\u00e4ter bis in die Spitze der Hierarchie herumgesprochen haben soll.<\/p>\n<p>Couturier zeigte sich nach zwei Seiten empf\u00e4nglich, f\u00fcr die vielen \u201aprimitiven\u2019 k\u00fcnstlerischen Traditionen ohne Ausnahme und f\u00fcr die L\u00f6sungsans\u00e4tze seiner Zeitgenossen in der Kunstavantgarde.<\/p>\n<p>Er pr\u00fcfte die m\u00f6glichen Partner in der Kunstavantgarde, von denen er einige pers\u00f6nlich\u00a0 \u00a0\u00a0 kannte. Er wollte von der \u201e<em>Vollkommenheit der<\/em> (abstrakten) <em>L\u00f6sungen durch strengste Vereinfachung der gegebenen Probleme<\/em>\u201c (54) nichts wissen. Und: \u201e<em>Sobald irgendein Prinzip anstelle einer sinnlich wahrnehmbaren Form tritt, entsteht \u201aAkademismus\u2019: Die Sch\u00f6nheit der besonderen Formen ist die einzige reine Ausdrucksweise in der Kunst<\/em>.\u201c (104) \u2013<\/p>\n<p>Wenige Namen kehren in den Aufzeichnungen immer wieder:<\/p>\n<p>\u201e<em>Braque erscheint mir oft eng und Picasso oberfl\u00e4chlich und akrobatisch. Rouault schrecklich summarisch, Matisse wankelm\u00fctig. das alles trotz der Erfolge, die aus ihnen unsere gr\u00f6\u00dften Maler machen.\u201c <\/em>(53)<\/p>\n<p>Der alte Matisse (1869-1954) wurde sein wichtigster Gew\u00e4hrsmann &#8211; zahlreiche Zitate belegen das \u2013 schon deshalb, weil der aus der Kapelle von Vence sein opus magnum machen wollte und vor ihm sozusagen in Fortsetzungen eine k\u00fcnstlerische Lebensbeichte ablegte.<\/p>\n<p>So notierte er 1948:<\/p>\n<p><em>Er sagte zu mir: \u00bbDas ganze Leben lang habe ich eine Heidenangst gehabt, die Angst n\u00e4mlich, da\u00df ich meine Aufgabe (in der Malerei) nicht erf\u00fclle. Wenn man keine Gesetze hat, die einen f\u00fchren.\u00ab Er versteht unter den Gesetzen die Tradition der Meister<\/em>. (60)<\/p>\n<p>Und 1950:<\/p>\n<p><em>Matisse, 29. Dezember: \u00bbDas muss in mir wachsen wie eine Pflanze in der Erde.\u00ab Heute morgen bestand er auf der Einheit der Empfindung in seinem ganzen Werk, auf der \u00bbreligi\u00f6sen\u00ab Empfindung, in der er immer gemalt hat. \u00bbSelbst die Odalisken\u00ab, sagt er.<\/em> (138\/139)<\/p>\n<p>Couturiers Ausgangspunkt und Sichtweise erm\u00f6glicht ein tieferes Verst\u00e4ndnis \u201aprimitiver\u2019 au\u00dfereurop\u00e4ischer Kunst. Die Spontaneit\u00e4t und Pr\u00e4gnanz seiner privaten Notizhefte eignen sich f\u00fcr h\u00f6chst komplexe Fragen, die keine einfachen widerspruchsfreien Antworten erlauben.\u00a0\u00a0 Er umkreist in verschiedenen Ans\u00e4tzen die Fragen der Form und des Sujets, etwa in dem bewusst paradox formulierten Satz: &#8222;<em>Die Sch\u00f6nheit der besonderen Formen ist die einzige reine Ausdrucksweise in der Kunst.<\/em>\u201c (104) \u2013 Damit st\u00f6\u00dft \u201a<em>rein<\/em>\u2019 in andere Sph\u00e4ren vor.<\/p>\n<p>Couturier erweitert diesen Satz in einer weiteren Notiz:<\/p>\n<div id=\"attachment_9597\" style=\"width: 243px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Thiel.Jahre58.Nzambi-Nkisi-Holo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9597\" class=\"size-medium wp-image-9597\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Thiel.Jahre58.Nzambi-Nkisi-Holo-233x360.jpg\" alt=\"\" width=\"233\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Thiel.Jahre58.Nzambi-Nkisi-Holo-233x360.jpg 233w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Thiel.Jahre58.Nzambi-Nkisi-Holo-582x900.jpg 582w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Thiel.Jahre58.Nzambi-Nkisi-Holo-624x965.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Thiel.Jahre58.Nzambi-Nkisi-Holo.jpg 734w\" sizes=\"auto, (max-width: 233px) 100vw, 233px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9597\" class=\"wp-caption-text\">Thiel. Jahre im Kongo 2001, Abb.58\u00a0 o.Q.A. Nzambi-Nkisi Holo<\/p><\/div>\n<p><em>Eins ist gewi\u00df: die figurative Darstellung der \u00bbPrimitiven\u00ab (der Neger und der romanischen K\u00fcnstler), enth\u00e4lt selbst in ihren Abstraktionen einen Willen zum Menschlichen, ein Streben nach dem Menschlichen. Sie ist auf eine Darstellung der menschlichen Form \u00bbausgerichtet\u00ab, insofern sie menschlich ist (auf die Geschmeidigkeit des Lebens, ja sogar auf die Gesichtsausdr\u00fccke); \u00bbausgerichtet\u00ab sage ich, gewendet und nicht mehr, denn man kann bewusst von irgendeinem Ziel sehr weit entfernt bleiben, obgleich man ganz auf es hin \u00bbgewendet bleibt\u00ab . W\u00e4hrend unsere dekorativen Bildhauer genau das Gegenteil tun: obwohl sie das Menschliche sehr gut kennen, machen sie aus ihm eine abstrakte, geometrische Umschreibung .Deshalb interessieren uns ihre Werke nur als Kraftprobe, als eine (oft bezaubernde) Seilt\u00e4nzerkunst: Sie ber\u00fchren uns nicht; w\u00e4hrend das, was wir aus der Gebundenheit der primitiven K\u00fcnste sich entwickeln sehen, eben dieser Funke der br\u00fcderlichen Menschheit (und der Liebe) ist, die uns ans Herz greift. (&#8230;.)<\/em> (21)<\/p>\n<p>Er wird dann noch sagen, da\u00df es einen immer ver\u00e4nderlichen und immer schwer zu bewahrenden Gleichgewichtszustand (zwischen k\u00fcnstlerischen Notwendigkeiten und dem Ausdruck des Menschlichen) gibt. (21)<\/p>\n<p>So souver\u00e4n kann man <em>religi\u00f6se<\/em> Kunst definieren! Diese offenen und undramatischen Formulierungen bewahren selber den <em>Gleichgewichtszustand<\/em> und die Mittellage zwischen der expressionistischen Theatralik eines <u>Carl Einstein<\/u> (1917: <em>Das Werk als Gottheit ist frei und losgel\u00f6st von jeglichem; Arbeiter und Adorant stehen zu ihm in unmessbarem Abstand. <\/em>(<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4019\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a>) und dem unversch\u00e4mten Hochmut des arrivierten Transsylvaners <u>Brancusi<\/u>: \u201e<em>Christliche Primitive und schwarze Wilde lassen sich von Glaube und Instinkt leiten; der moderne K\u00fcnstler entwickelt sich durch einen Instinkt, der von der Vernunft gelenkt wird<\/em>. So auch an anderer Stelle, dass <em>primitive K\u00fcnstler<\/em> nicht wie er bef\u00e4higt seien<em>, mit Pr\u00e4zision bis zum Ende zu arbeiten.<\/em> <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=3092\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">(Link<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Upload: 20.10.2018\u00a0\u00a0 Revision: 17.5.2020 Couturiers Auffassung von Weltkunst sollte uns heute selbstverst\u00e4ndlich sein. Sie verzichtet auf Wahrnehmungsbarrieren zwischen den Kulturen, Funktionen, Stilen und unterschiedlichem gesellschaftlichem Status, doch sie bleibt ein Randph\u00e4nomen! 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