{"id":9517,"date":"2018-09-16T23:37:46","date_gmt":"2018-09-16T21:37:46","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=9517"},"modified":"2020-05-17T20:37:01","modified_gmt":"2020-05-17T18:37:01","slug":"couturiers-notizbuch-oder-schreibe-ich-braque-matisse-picasso","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=9517","title":{"rendered":"M.-A.Couturiers Notizen. Oder lieber \u00bbBraque, Matisse, Picasso\u00ab ?"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: center;\"><em>\u00d6ffnet Couturier einen Zugang zu versch\u00fctteten traditionellen K\u00fcnsten?<\/em><\/h3>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Marie-Alain Couturier<\/span><span style=\"color: #000000;\"> habe ich Autor <\/span><span style=\"color: #000000;\">von &#8222;<em>L&#8217;Art Sacr\u00e9<\/em>&#8220; <\/span><span style=\"color: #000000;\">bereits in zwei fr\u00fcheren Beitr\u00e4gen vorgestellt: <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">&#8222;<em>Marie-Alain Couturier (1897\u2013 1954) und die zerst\u00f6rten Fetische<\/em>&#8220; <span style=\"color: #000000;\">am<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\">\u00a0<\/span> <a title=\"14:12\" href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4403\" rel=\"bookmark\"><time class=\"entry-date\" datetime=\"2016-05-25T14:12:48+00:00\">25. Mai 2016 (Link)\u00a0<\/time><\/a><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">und <span style=\"color: #ff0000;\">&#8222;<em>Eine arme Mbole-Figur inmitten Europas sakraler Kunst<\/em> &#8222;<\/span> am<\/span>\u00a0 <a title=\"14:53\" href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=9306\" rel=\"bookmark\"><time class=\"entry-date\" datetime=\"2018-09-04T14:53:21+00:00\">4. Sept. 2018 (Link)<\/time><\/a><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Obschon afrikanische K\u00fcnstler nicht im Zentrum seiner Kunstbetrachtung standen, bietet <\/span><span style=\"color: #000000;\">ein 1964\u00a0 erschienenes Buch mit Notizen zwischen 1947 und 1954 <\/span><span style=\"color: #000000;\">die Chance, aus seiner Perspektive Gewinn f\u00fcr dies Feld der Kunst zu ziehen. Damals war Couturier an legend\u00e4ren Bauprojekten im kirchlichen Raum Frankreichs engagiert und stand den beteiligten K\u00fcnstlern nahe.<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><!--more--><\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">Couturiers Notizbuch wurde posthum unter dem Titel <em>\u00bbSe Garder Libre\u00ab <\/em>in dem kirchlichen Verlag <em>\u00bbLes Editions du Cerf\u00ab <\/em>(<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/%C3%89ditions_du_Cerf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a>) ver\u00f6ffentlicht <\/span><span style=\"color: #000000;\">&#8211; Neuauflage 2008 <a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/www.editionsducerf.fr\/librairie\/livre\/818\/se-garder-libre\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a>) und 1964 <\/span><span style=\"color: #000000;\">\u00a0in deutscher \u00dcbersetzung <\/span><span style=\"color: #000000;\">unter dem Titel <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>\u00bb<\/em><em>Die Freiheit des Christen<\/em><em>\u00ab<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">. Ich zitiere\u00a0 diese Quelle aus zweiter Hand und in biederer Gestalt(ung). Der schwach s\u00fc\u00dfliche Geruch des antiquarischen Exemplars scheint dazu zu geh\u00f6ren.<\/span><span style=\"color: #808080;\"><span style=\"color: #000000;\">F\u00fcr das Verst\u00e4ndnis vielleicht das gr\u00f6\u00dfte Hindernis: Es sind unkommentierte pers\u00f6nliche Notizen eines Intellektuellen. Auf dem Umschlag werden zwar <em>Gespr\u00e4che mit Braque, Matisse, Picasso<\/em> versprochen: Doch fanden nur pr\u00e4gnante Gespr\u00e4chsfetzen und Zitate Eingang ins Notizbuch, das dem Leser <em>zu einem sehr nahen edlen Freunde<\/em> werden soll. (Einleitung, 7) <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\">Das Notizbuch verlangt dem Agnostiker zumindest empathische Lekt\u00fcre ab, manchmal auch Ausblenden bzw. \u00dcbersetzung. Ich musste erst einmal schlucken, wie viel <em>Ordensmann<\/em> in diesen Aufzeichnungen steckt, und wieviel <em>Mystiker<\/em>, auch wenn Couturier deren <em>Gedanken und ihre mittelm\u00e4\u00dfigen Schriften nach einigen Seiten langweilen<\/em>; er w\u00fcrde <em>gern alle B\u00e4nde f\u00fcr die wenigen Rufe hergeben &#8230; als echter Widerhall einer christlichen Seele <\/em>&#8230; (34-35)<\/span><\/h5>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">Doch in der Abw\u00e4gung hat Couturiers religi\u00f6se Verankerung viele Vorteile gegen\u00fcber den\u00a0 \u00fcblichen intellektuellen Zug\u00e4ngen: etwa dem &#8222;Primitivismus&#8220; der Klassischen Moderne und ihrer Verehrer, der Kanonbildung\u00a0 und Suche nach unbezahlbaren &#8222;Meisterwerken&#8220; im Raum des Kunsthandels oder einseitig auf Funktion fokussierten ethnologischen Analysen&#8230;<br \/>\n<\/span><\/h5>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">Couturier nahm nicht nur zu seiner Zeit eine Au\u00dfenseiterposition ein. Vor allem, dass er au\u00dfereurop\u00e4ische und europ\u00e4ische \u2013 alte wie die der Avantgarde seiner Zeit \u2013 in einem Atemzug nennt, stimmt erwartungsvoll. In den Notizen formuliert Couturier Anspr\u00fcche, die auch traditionelle Meister einfordern, und er \u00a0beleuchtet die besondere, zwischen zwei Sph\u00e4ren vermittelnde Rolle, die &#8222;Kunst&#8220; einnehmen kann, wie immer die zweite Sph\u00e4re zu benennen ist.\u00a0 <\/span><\/h5>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">Nach mehreren vergeblichen Anl\u00e4ufen vertage ich das Bilanzieren lieber auf sp\u00e4ter und begn\u00fcge mich mit Randnotizen und lasse die Notizen Couturiers auf mich wirken. Soweit sie einander zu widersprechen scheinen, erweisen sie sich meist als komplement\u00e4r.<br \/>\n<\/span><\/h5>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">Auswahl und K\u00fcrzungen sind nat\u00fcrlich subjektiv und fokussiert auf Couturiers Zugang zu \u201aprimitiver\u2019 und mittelalterlicher sakraler Kunst, so wie ich ihn verstehe. Seine Notizen schlie\u00dfen in \u00fcberraschender F\u00fclle auch \u00c4u\u00dferungen des alten Henri Matisse ein, aber auch solche von Pablo Picasso und Georges Braque.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 19.10.2018<\/span><\/h5>\n<h5><span style=\"color: #993300;\">Bei 92% braucht der Ausdruck des\u00a0 Beitrags 13 Seiten.<\/span><\/h5>\n<article id=\"post-9567\" class=\"post-9567 post type-post status-draft format-standard hentry category-afrikanische-kunstobjekte category-kunstkommissar\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p class=\"hide-if-no-js\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=9517&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-post-thumbnail size-post-thumbnail\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Couturier-96-Vence-Matisse-624x465.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 624px) 100vw, 624px\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Couturier-96-Vence-Matisse-624x465.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Couturier-96-Vence-Matisse-360x268.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Couturier-96-Vence-Matisse-900x671.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Couturier-96-Vence-Matisse.jpg 1100w\" alt=\"\" width=\"624\" height=\"465\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Couturier:\u00a0 SACRED ART\u00a0 p.96 &#8211; Kapelle in Vence &#8211; Henri Matisse<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"entry-content\">\n<h2 style=\"text-align: center;\">EXZERPTE UND RANDNOTIZEN<\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">ERSTES HEFT<\/h2>\n<p><strong>16<\/strong><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>In jeder romanischen Skulptur sp\u00fcrt man ein Streben nach dem Menschlichen, die Geometrie ist in ihr auf das Menschliche ausgerichtet, die geometrische Form strebt danach, eine menschliche Form zu werden: Dreiecke und B\u00e4ume werden vermenschlicht. Ebenso ist es bei den Negern. Jene Formen, die abstrakt erscheinen, rufen z\u00e4rtlich geliebte Formen wach (erinnern an sie), sch\u00f6ne sich w\u00f6lbende Stirnen, langgestreckte volle Wangen. <\/em>(\u2026)<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Gleich zu Beginn setzt Couturier afrikanische mit mittelalterlicher, genauer romanischer Skulptur gleich, \u00fcbrigens hier abgesetzt gegen zwei nicht namentlich genannte \u201amoderne\u2019 Bildhauer.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>21\u00a0\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Couturier pr\u00e4zisiert diese Feststellungen in einer weiteren Notiz:<\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>Eins ist gewi\u00df: die figurative Darstellung der \u00bbPrimitiven\u00ab (der Neger und der romanischen K\u00fcnstler), enth\u00e4lt selbst in ihren Abstraktionen einen Willen zum Menschlichen, ein Streben nach dem Menschlichen. Sie ist auf eine Darstellung der menschlichen Form \u00bbausgerichtet\u00ab, insofern sie menschlich ist (auf die Geschmeidigkeit des Lebens, ja sogar auf die Gesichtsausdr\u00fccke); \u00bbausgerichtet\u00ab sage ich, gewendet und nicht mehr, denn man kann bewusst von irgendeinem Ziel sehr weit entfernt bleiben, obgleich man ganz auf es hin \u00bbgewendet\u00ab. W\u00e4hrend unsere dekorativen Bildhauer genau das Gegenteil tun: obwohl sie das Menschliche sehr gut kennen, machen sie aus ihm eine abstrakte, geometrische Umschreibung.<\/em> (\u2026)<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der Ausdruck <em>Geschmeidigkeit des Lebens<\/em> ruft sofort Figuren der Luba, Lega u.a. ins Ged\u00e4chtnis. Gute Masken haben ihren <em>Gesichtsausdruck<\/em>, allerdings auf ihre Weise, oft <em>bewusst vom Ziel sehr weit entfernt<\/em>. Auf ganze \u201aStile\u2019 angewandt, denke ich an die groben Skulpturen der V\u00f6lker Westnepals, die seit zwei Jahrtausenden in Kontakt mit der Hochkultur Indiens stehen oder an die \u201aarchaischen\u2019 Typen der gallo-romanischen Skulptur. Die Versuchung zur \u00dcbernahme deren abbildender Kunst war immer vorhanden. Man k\u00f6nnte auch sagen: <em>\u00bbPrimitiv\u00ab<\/em> war ihr Programm.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>17\/18<\/strong><\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>Damit ein \u201aWerk\u2019 religi\u00f6s sei, muss es aus \u00bbreligi\u00f6ser Haltung\u00ab geschaffen sein. Diese Grundhaltung<\/em> (\u2026.)<em> muss wahrnehmbar bleiben. Es ist zun\u00e4chst eine bestimmte Art, die Dinge zu betrachten, es geht um eine gewisse Sch\u00fcchternheit und gleichsam um \u201akindliche\u2019 Arglosigkeit, die der Naivit\u00e4t ganz nahekommt.<\/em>(\u2026.)<em> Dazu geh\u00f6rt der \u00bbSinn f\u00fcr das Geheimnis\u00ab der Dinge, der bewirkt, dass die Wirklichkeiten nicht nur sind was sie sind, und da\u00df sie nicht f\u00fcr sich selbst da sind <\/em>(\u2026.)<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Diese Notiz k\u00fcrze ich stark, um das Verbindende deutlich zu machen:\u00a0 <em>Der \u00bbSinn f\u00fcr das Geheimnis\u00ab der Dinge<\/em> l\u00e4sst sich auch bei den K\u00fcnstlern der unterschiedlichsten Kulturen in Afrika finden, und <em>diese Grundhaltung<\/em><em>muss wahrnehmbar <\/em>sein<em>, <\/em>wenn deren Arbeiten nicht nur dekorative und\/oder kommerzielle Zwecke erf\u00fcllen sollen. <em>Dass die Wirklichkeiten nicht nur sind was sie <\/em>zu sein scheinen, ist meines Wissens auch heute noch afrikanische Grund\u00fcberzeugung.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>27\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/strong><\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><strong><em>In der Passion diese menschliche Seite, diese armseligen Verh\u00e4ltnisse der Geschehnisse, ihre akzidentellen Seiten sehen. Statt da\u00df Gott verf\u00fcgt und alles herbeif\u00fchrt, unterwirft er sich allem, indem er sich so weit ins Fleisch hinein begibt\u2026<\/em><\/strong><\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><em>Die Passion <\/em>abz\u00fcglich christlicher Theologie betrachten, hei\u00dft : den Text k\u00fcrzen. <\/span><span style=\"color: #000000;\">Wo immer auf der Welt Kunst menschliches Leiden in seiner ganzen Gr\u00f6\u00dfe ernstnimmt \u2013 hier ist es gleich <em>Gott<\/em> \u2013 entfaltet es eine derartige Spannung, verzichtet es auf jeden sedierenden Trost.<\/span><\/p>\n<h5><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>28<\/strong><\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>Jeder von uns tr\u00e4gt ein gewisses instinktives \u2026 Modell von Sch\u00f6nheit in sich, \u2026<\/em><\/span><\/h5>\n<h5><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><em><strong>29<\/strong><\/em><\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>Bei der religi\u00f6sen Kunst ist eine gewisse manuelle Schwerf\u00e4lligkeit eher vorteilhaft: Die Leute, f\u00fcr welche die Kunst kein Geheimnis mehr enth\u00e4lt, werden sehr schnell geschw\u00e4tzig; sie verlieren den Sinn f\u00fcr das Geheimnis, das im Gegenstand selbst enthalten ist. <\/em><\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong><em>30<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>\u201aManierismus\u2019 in jedem Zeitabschnitt\u2026 Aber die gr\u00f6\u00dften K\u00fcnstler entgehen ihm; Durch ein direktes Erfassen der Dinge (Intuition). Dagegen sind zu allen Zeiten die zweitrangigen K\u00fcnstler \u201aManieristen\u2019: Sie erreichen ein Stil nur durch eine Parteiname, die sich in einer bestimmten \u201aManier\u2019 ausdr\u00fcckt, an der sie festhalten.<\/em><\/span><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><em><strong>32<\/strong><\/em><\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>\u201aZeichnen\u2019 bedeutet nicht kopieren: Die Zeichnung ist vielmehr eine Dichtung, eine Musik der Formen und Linien. Wo es diese Musik (und entsprechend ein Prinzip der organischen Ordnung der Formen, die durchaus nicht die anatomische Wirklichkeit darstellt) nicht gibt, ist keine Wirklichkeit vorhanden.<\/em><\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>50<\/strong><\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>\u201aLeonardo da Vinci\u2019 zeichnet sehr gut, zwar nicht mit einem sehr gro\u00dfem Formenreichtum (wie zm beispiel Degas oder gar Ingres), sondern in sehr festen und klaren Umrissen. Das ist keine leichte Art zu zeichnen.(\u2026)Die Rolle des bewu\u00dften inneren Bildes, das vorausgeht, ist in den meisten F\u00e4llen entscheidend.<\/em><\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die Schwierigkeit ist bei der Skulptur anders als bei der Zeichnung, aber von gleicher Art. Bei den Beschreibungen afrikanischer Skulpturen bereitet mir deren allzu komplexe Geometrie die gr\u00f6\u00dften Probleme. Die Schulgeometrie ist zu arm, eine entwickelte ist nur in einer Fachsprache denkbar, die ich nicht kenne. Der Computer geht damit stumm und pragmatisch um, digitaler 3D-Druck hilft meiner Unruhe nicht weiter.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>52\u00a0<\/strong>Umkehrung des Blicks!<\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>\u2026\u00dcbrigens tr\u00e4gt aber auch die Darstellung das Wirken der Formen bis in Bereiche, wohin die reinen Formen f\u00fcr die Allgemeinheit der Menschen nie gelangen w\u00fcrden.<\/em><\/span><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong><em>54<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>\u2018Abstrakte Malerei, funktionelle Architektur\u2019. Die Vollkommenheit der L\u00f6sungen ist im voraus gesichert durch die strengste Vereinfachung der gegebenen Probleme. Aber vielleicht verliert man dabei bald an Tiefe des menschlichen Wertes. Braque ist unf\u00e4hig, ein gutes Portr\u00e4t zu malen.<\/em><\/span><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\">53<\/span><\/strong><\/p>\n<h5><em><span style=\"color: #000000;\">Oft beunruhige ich mich \u00fcber den &#8218;wahren&#8216; Wert der modernen Maler. Oft f\u00fcrchte ich, da\u00df ihre &#8218;Vollendung&#8217;nur um den Preis von schrecklichen beschr\u00e4nkungen erreicht wurde &#8211; von gewollten Beschr\u00e4nkungen oder von Beschr\u00e4nkungen, die in wirkichkeit von schrecklichen Beschr\u00e4nkungen auferlegt wurden: Oft kommen diese willk\u00fcrlichen Vereinfachungen von der Unf\u00e4higkeit, blo\u00df ein &#8218;gutes Portr\u00e4t&#8216; zu malen <\/span><\/em><span style=\"color: #000000;\">(&#8230;) <em>Braque erscheint mir oft eng und Picasso oberfl\u00e4chlich und akrobatisch. Rouault schrecklich summarisch, Matisse wankelm\u00fctig. Das alles trotz der Erfolge,die aus ihnen unsere gr\u00f6\u00dften Maler machen.<\/em> (&#8230;)<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Picasso\u00a0 nahm sich die Freiheit zur Umkehr, wann immer er wollte. Couturier kritisiert ihn eher als ungeb\u00e4rdiges Kind.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>60<\/strong><br \/>\n<\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>22. Juni (1948). Matisse<\/em>. (&#8230;) <em>Er sagte zu mir: \u00bbDas ganze Leben lang habe ich eine Heidenangst gehabt, die Angst n\u00e4mlich, da\u00df ich meine Aufgabe (in der Malerei) nicht erf\u00fclle. Wenn man keine Gesetze hat, die einen f\u00fchren.\u00ab\u00a0 <\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Er versteht unter den Gesetzen die Tradition der Meister. (&#8230;)<br \/>\n<\/em><\/span><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\">63<\/span><\/strong><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">(&#8230;) \u00bb<em>Mein ganzes Leben bin ich gehetzt gewesen\u00ab \u2013 von der Angst, nicht wie die anderen zu malen.<\/em><\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Geeignet, das g\u00e4ngige Vorurteil \u00fcber afrikanische Handwerker und Werkst\u00e4tten zu ersch\u00fcttern, sie h\u00e4tten keine Freiheit! Der Anthropologe Till F\u00f6rster schildert in \u201e<em>Zerrissene Entfaltung<\/em>\u201c (1998) mehrere Lebensl\u00e4ufe von Schnitzern unter den Senufo. \u2013 Dagegen arbeitet der professionelle, angeblich \u201aautonome\u2019 K\u00fcnstler relativ unfrei, schon gar, wenn er dem \u201aMarkt\u2019 gehorchen will.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\">66<\/span><\/strong><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>Matisse. 9.August<\/em> (1948): <em>\u00bbPicasso war w\u00fctend, dass ich eine Kirche mache.\u00ab \u2013 \u00bbWarum machen sie nicht lieber einen Markt? Sie k\u00f6nnten dabei Fr\u00fcchte und Gem\u00fcse malen?\u00ab \u2013 \u00bbAber das ist mir einerlei: Ich habe mehr Gr\u00fcn als die Birnen und mehr Orange als die K\u00fcrbisse. Wozu also? Er war wild. \u00ab<\/em><\/span><\/h5>\n<h5><\/h5>\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\">\u00a068 <\/span><\/strong><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>Antibes. Picasso sagt zu mir in Vallauris: \u00bbDiese taube Seite der Menschheit ist entsetzlich.\u00ab\u00a0 <\/em>(\u2026.) <em>\u00bbIch gehe auf die Quellen zur\u00fcck, aber alle Rohre waren verstopft, man muss sie freimachen.\u00ab <\/em><em>Er scheint um die Traditionen \u00e4u\u00dferst besorgt zu sein. <\/em>(&#8230;)<em><br \/>\n<\/em><\/span><\/h5>\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\"><em>70<\/em><\/span><\/strong><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em> Ich hasse Ergriffensein als Verneinung der Linien. In den bedeutendsten Epochen l\u00e4sst das Ergriffensein die wesentliche Komposition (wesentlich f\u00fcr ein bestimmtes gegebenes Werk) unger\u00fchrt. Das \u00bbNachgeben\u00ab der Formen zugunsten erhabener Gef\u00fchle ist in der Kunst Feigheit und L\u00fcge.<\/em><\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Auch hiergegen gab und die afrikanische Werkstatt Schutz, bis der Naturalismus sich durchsetzt!<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>71-72<\/strong><\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>Bei den gr\u00f6\u00dften K\u00fcnstlern ist ein gewisser Ekel vor der \u00bbKunst\u00ab vorhanden. Ein Mensch wie Picasso, seine innige Liebe, seine dauernde leidenschaftliche Verbindung mit der Erde und dem Leben. So wenig abstrakt. F\u00fcr solche K\u00fcnstler ist die Kunst vor allem Gemeinschaft mit der Wirklichkeit und dem Leben.<\/em><\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>73\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/strong><\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">(\u2026)<em> Diese Angst von Matisse war schmerzlich anzusehen. Bevor er zu zeichnen begann, schlo\u00df er mitunter lange die Augen, dann \u00f6ffnete er sie klar und entschieden, wie der Verschlu\u00df eines Fotoapparats aufgeht, dann zeichnete er sehr bed\u00e4chtig und ohne den Hauch der Fieberhaftigkeit.<\/em><\/span><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>77<\/strong><\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>Einst lebte der Mensch von dem Boden, auf dem er sein Leben verbrachte, und von dem, was das Klima und die Bodensch\u00e4tze ihm einbrachten und erm\u00f6glichten: Aus all dem ergaben sich sein Beruf, seine Besch\u00e4ftigungen und seine Sorgen. So gestaltete sich allm\u00e4hlich zwischen ihm und dieser erde und durch das, was er aus dieser Erde machte, eine \u00dcbereinstimmung, eine Gemeinschaft und ein Gleichma\u00df. Als diese Eintracht zerbrochen wurde, war es auch mit der Harmonie zu Ende <\/em>(&#8230;)<em><br \/>\n<\/em><\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Eine \u2013 beschr\u00e4nkte \u2013 Basis f\u00fcr das Grundverst\u00e4ndnis der Lebenswelt der Bauern und Hirten.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>79<\/strong><\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"> (zu Matisse): <\/span><span style=\"color: #000000;\">Couturier fragt nach einer vielleicht<em> kaum wahrnehmbaren Nuancen <\/em>einer <em>neuen Qualit\u00e4t <\/em>in den Arbeiten nach Vence.<\/span><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\">80<\/span><\/strong><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">Vence, Dezember 1948. \u2013 Matisse: <em>\u00bbich muss von meinem Gegenstand so durchdrungen und durchtr\u00e4nkt sein, dass ich ihn mit geschlossenen Augen zeichnen kann\u00ab Ein wenig sp\u00e4ter: \u00bbEs muss mir gelingen (es handelt sich um den Kreuzweg) mit geschlossenen Augen zu zeichnen.\u00ab Wie die\u00a0 Zeichnung \u00fcber dem Eingang: ein sehr eindrucksvolles Haupt, mit Kohle gezeichnet, bei dem aber alles fehlt, die Augen, die Nase usw. Er ist so durchdrungen von der Gr\u00f6\u00dfe des Darzustellenden, da\u00df er keine Kontrolle mehr \u00fcber sich hat. <\/em><em>\u00bb <\/em><em>Das geht ganz nat\u00fcrlich von mir aus, und dann ist das Zeichen edel.<\/em><\/span><em><span style=\"color: #000000;\">\u00ab Das hei\u00dft die Qualit\u00e4t der Formen als solche.<\/span><\/em><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Auszug Wikipedia <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Henri_Matisse\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">(Link<\/a>): <\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\"><em>Henri Matisse 1869-1954 \u2013 :<\/em> Mit seinen in den 1940er Jahren entstandenen Scherenschnitten <em>(gouaches d\u00e9coup\u00e9es),<\/em> ein Beispiel ist das K\u00fcnstlerbuch <em>Jazz,<\/em> schuf Matisse, der schwer erkrankt war, ein Sp\u00e4twerk, das seine Reduktionsbestrebungen zum Abschluss bringt und mit ihrer Farbigkeit und Ornamentik als H\u00f6hepunkt seiner k\u00fcnstlerischen Laufbahn gilt.<sup><a style=\"color: #000000;\" href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=9567&amp;preview=true#cite_note-2\">[2]<\/a><\/sup> Die von ihm geplante und ausgestattete Rosenkranzkapelle in Vence, eingeweiht im Jahr 1951, hielt der K\u00fcnstler f\u00fcr sein Meisterwerk.<sup><a style=\"color: #000000;\" href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=9567&amp;preview=true#cite_note-3\">[3]<\/a><\/sup><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Er war 1948 bereits 79 Jahre alt und hatte seit 1940 schwere Krankheiten \u00fcberstanden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">In mehrerer Hinsicht kam er im Alter Couturiers\u00a0 Askese (97) und seiner Ergebung in Gott n\u00e4her. <\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>94<\/strong><\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">Couturier zitiert Rodin zu einem Sch\u00fcler: <em>\u00bbH\u00fcten Sie sich, man hat mit zwanzig Jahren viele Dummheiten im Kopf. Man muss bescheiden arbeiten<\/em>.<em>\u00ab<\/em><\/span><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\">95<\/span><\/strong><\/p>\n<h5><em><span style=\"color: #000000;\">Die Welt der \u201aWirklichkeit\u2019 und Welt der \u201aKunst\u2019 geh\u00f6ren radikal verschiedenen Ordnungen an. Nur das widersteht der Zeit, was diesbez\u00fcglich ohne irgendein Zugest\u00e4ndnis, ohne Nachsicht und ohne Kompromisse geschaffen worden ist. Es handelt sich um einen Kompromi\u00df und um Unlauterkeit, wenn das Kunstwerk durch Sinnlichkeit, Reiz, Gefallsucht oder Schw\u00e4che sich durch ein au\u00dferhalb der einmaligen Sch\u00f6nheit des Kunstwerkes liegendes Gesetz regeln l\u00e4sst (Realisten, Naturalisten).<\/span><\/em><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die <em>Zeit <\/em>ist moderne Zutat, \u201asie\u2019 soll es erweisen. Hier geht C. einen Schritt auf die afrikanischen Schnitzer und Auftraggeber zu, f\u00fcr die diese Grenze sehr interessant ist. <em>Einmalige Sch\u00f6nheit des Kunstwerkes<\/em> ist auch eine Zutat.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>Zo\u00e9 Strother<\/strong> berichtet vom Argwohn der \u00f6stlichen Pende gegen\u00fcber den Sch\u00f6nheiten, die H\u00e4uptlinge sich aufs Dach stellen: unlautere Zauberei, Verf\u00fchrung! (in \u201e<em>A terrifying mimesis\u201c <\/em>in<em> RES <\/em>65\/66 2014\/2015, p.143<em>)<\/em><\/span><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #000000;\">ZWEITES HEFT<\/span><\/h2>\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\">104<\/span><\/strong><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>Die \u201aNiedrigkeit\u2019 der angewandten \u201aMittel\u2019 deckt mehr als die Absichten die Niedrigkeit des Herzens auf. So (\u2026) die Niedrigkeit der k\u00fcnstlerischen Elemente, welche die neutralsten, die indifferentesten (die materiellsten)zu sein scheinen <\/em>(\u2026)\u201c<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Wieder ein anderer Weg, \u201ak\u00fcnstlerische\u2019 Qualit\u00e4tsunterschiede wahrzunehmen und zu bewerten. <\/span><span style=\"color: #000000;\">Ich denke an verr\u00e4terische Nachl\u00e4ssigkeiten an Bedeutung tragenden Stellen einer Figur oder Maske, eine stumpfe Gleichmacherei unter den k\u00fcnstlerischen Elementen\u2026<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\">104<\/span><\/strong><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>Sobald irgendein Prinzip anstelle einer sinnlich wahrnehmbaren Form tritt, entsteht \u201aAkademismus\u2019: Die Sch\u00f6nheit der besonderen Formen ist die einzige reine Ausdrucksweise in der Kunst<\/em>.<\/span><\/h5>\n<\/div>\n<\/article>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>111<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<h5><em>Matisse, Nizza. \u2013 <strong>&#8222;<\/strong><\/em><em>Die K\u00fcnstler sind dazu da, um die Geschehnisse ihrer Zeit wiederzugeben, aber sie tun das mit Zeichen, die nicht f\u00fcr jeden lesbar sind\u2026<\/em>\u201c (&#8230;)<\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<article id=\"post-9567\" class=\"post-9567 post type-post status-draft format-standard hentry category-afrikanische-kunstobjekte category-kunstkommissar\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>113<\/strong> <\/span><\/p>\n<h5><em><span style=\"color: #000000;\">Sie machen eine Filiale der Mittelschule aus dem Louvre \u2013 und nicht die wunderbare St\u00e4tte, die er sein sollte.<\/span><\/em><span style=\"color: #000000;\">(&#8230;)<\/span><em><span style=\"color: #000000;\"><br \/>\n<\/span><\/em><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\">115<\/span><\/strong><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>Vielleicht wird uns <\/em>(\u2026) <em>nachdem alles zusammengebrochen ist, wie in Indien die Weisheit gelehrt haben, da\u00df sehr wenig f\u00fcr das Wesentliche gen\u00fcgt.<\/em><\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Zugang zu afrikanischen Figuren und Maskengesichtern \u00fcber eine Ars povera<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\">117\/18\u00a0\u00a0 <\/span><\/strong><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>Die franz\u00f6sische Tradition ist antiexpressionistisch. Nach dieser wesentlich franz\u00f6sischen Tradition gibt die Form im plastischen Ausdruck nie etwas von ihren rechten an die Ideen oder an das Gef\u00fchl ab. Und gerade durch diesen Radikalismus<\/em> (\u2026) <em>dient sie (in ihrer Ordnung) den Ideen und dem Gef\u00fchl am besten.<\/em><\/span><\/h5>\n<p>Eine Erfahrung relevant nicht nur zum Pariser Geschmack, sondern auch zum gez\u00fcgelten Realismus der Afrikaner!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\">119<\/span><\/strong><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">(\u2026) <em>Es gibt in der Entwicklung der Formen (in der religi\u00f6sen Kunst) ein Bleibendes an gewissen Eigent\u00fcmlichkeiten, die allen Epochen und allen Orten gemeinsam sind und die von \u201aspirituellen\u2019 Forderungen als solchen abh\u00e4ngen (Ruhe, Ernst, Adel usw.)<\/em> (\u2026)<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Zum ersten Mal f\u00e4llt mir Anerkennung auch von &#8218;Stammeskunst&#8216; als religi\u00f6ser Kunst auf; und wenn einem das unbehaglich ist, f\u00fcge man hinzu: im weitesten Sinn. Doch <em>Ruhe, Ernst, Adel<\/em> ist wirklich f\u00fcr afrikanische Figuren ganz bezeichnend!<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>120<\/strong> <\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">(&#8230;) In<em> der Kunst schafft man immer nur das, was man ist.<\/em><\/span><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\">122<\/span><\/strong><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>Er <\/em>(Matisse)<em> sagt zu mir: \u201eIch bin von all dem, was ich gesehen habe, geformt.\u201c Er zeigt mir ein romanisches Kapitell, das sehr m\u00e4chtig, sehr rauh und sehr archaisch ist. Er zeigt mir, wie sehr seine Formen nicht nur durch ihre Lage, sondern auch durch die architektonische Funktion dieses Elementes bestimmt sind. \u2013 \u201eWie gut sieht man, da\u00df sie geschaffen wurden, um das was sie tragen, auszuhalten.\u201c <\/em>(\u2026)<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Ich bemerke, dass ich Couturiers Notizen gerade auch als Schule der Betrachtung, der Wahrnehmung nutzen und propagieren m\u00f6chte.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\">124<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der Sinn in der fremden Interpretation! L\u00e4sst sich die Aussage auf Fremde anwenden?<br \/>\n<\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">Es geht hier wieder mit Matisse um die Phantasie, Beethoven selbst seine Neunte dirigieren zu lassen; lassen wir <em>das Genie <\/em>und <em>in besonderer Weise begabt <\/em>f\u00fcr unsere Zwecke beiseite:<\/span><\/h5>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">(\u2026) \u201e<em>Aber nein, sicher nicht, das w\u00e4re v\u00f6llig uninteressant, antwortet Cortot. Das Werk des Genies <\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>ist gr\u00f6\u00dfer, als sein Sch\u00f6pfer selber wei\u00df: Es bedarf noch eines anderen, der in besonderer Weise und anders begabt ist, um seinen ganzen Umfang zu offenbaren. <\/em><\/span><\/h5>\n<h5><\/h5>\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\">126-127<\/span><\/strong><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>10.Oktober<\/em> (1950). <em>\u2013 Ich beobachte (\u2026.), da\u00df das Fehlen des religi\u00f6sen Charakters sich in einem abstrakten Werk viel unverh\u00fcllter verr\u00e4t als in einem figurativen. In einem figurativen Werk verdeckt das fromme Sujet das Fehlen der religi\u00f6sen Inspiration, der \u00bbreligi\u00f6sen\u00ab Substanz im Werk an sich; diese Substanz wird immer offenbart durch die eigent\u00fcmliche Qualit\u00e4t ihrer Formen.<\/em><\/span><\/h5>\n<h5><em><span style=\"color: #000000;\">Es gibt einen Unterschied zwischen dem \u00bbProfanen\u00ab und dem \u00bbReligi\u00f6sen\u00ab. Gibt es einen Unterschied zwischen dieser und jener Religion? Gibt es einen Unterschied zwischen einem frommen Heiden und einem frommen Christen, zwischen einem Christen und einem Buddhisten und einem Neger? \u2026.<\/span><\/em><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Couturier strebt nach einer Identifizierung <em>\u00bb<\/em>religi\u00f6ser<em>\u00ab <\/em>Kunst abgel\u00f6st vom bequemen Kriterium des \u201afrommen Sujets\u2019 oder \u2013 vielleicht genereller \u2013 von entsprechender Ikonographie oder kultischer Funktion. Was er als <em>eigent\u00fcmliche Qualit\u00e4t ihrer Formen<\/em> formuliert, ist eine ganze Haltung zur Welt und zur Form, durch fr\u00fchere Notizen vielleicht besser zu verstehen, eine Notiz wie die bereits zitierte S. 21:<\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>Eins ist gewi\u00df: die figurative Darstellung der \u00bbPrimitiven\u00ab (der Neger und der romanischen K\u00fcnstler), enth\u00e4lt selbst in ihren Abstraktionen einen Willen zum Menschlichen, ein Streben nach dem Menschlichen. Sie ist auf eine Darstellung der menschlichen Form \u00bbausgerichtet\u00ab, insofern sie menschlich ist (auf die Geschmeidigkeit des Lebens, ja sogar auf die Gesichtsausdr\u00fccke); \u00bbausgerichtet\u00ab sage ich, gewendet und nicht mehr, denn man kann bewusst von irgendeinem Ziel sehr weit entfernt bleiben, obgleich man ganz auf es hin \u00bbgewendet<\/em><em>\u00ab ist.<\/em><\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die sich anschlie\u00dfende Frage nach den Unterschieden zwischen den Kulturen scheint rhetorisch.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Es kann \u00fcberall <em>\u00bbreligi\u00f6se\u00ab Kunst<\/em> in diesem weitesten und tiefsten Sinne entstehen. Auch seri\u00f6se Sammler suchen nach solchen St\u00fccken, oft lassen sie sich aber von technischer Brillanz oder vom sozialen Status in der Ursprungsgesellschaft blenden, von dem, was f\u00fcr den D\u00fcsseldorfer Galeristen Simonis \u201e<em>wichtige St\u00fccke<\/em>\u201c ausmacht, worauf er anf\u00fcgt: \u201e\u2026<em>sind nicht billig zu erwerben<\/em>\u201c.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>139-140<\/strong>\u00a0\u00a0 <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Abrechnung mit der \u201aklassischen\u2019 Tradition europ\u00e4ischer Kunst, welche <em>die <\/em><em>christliche Kunst<\/em> erstickt habe, die Schuldzuweisung ist holzschnittartig, ungerecht, einseitig, aber so kann sie Augen \u00f6ffnen:<\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>Nur durch eine Art Machtmi\u00dfbrauch konnte die sogenannte \u00bbklassische\u00ab Tradition, das hei\u00dft jene, die aus der \/ heidnischen und naturalistischen Renaissance hervorgegangen war und die in Wirklichkeit unter so viel anderen Traditionen aus abendl\u00e4ndischen Gebieten (\u2026) nur eine \u00bbakademische\u00ab ist, die mittelalterliche und alle antinaturalistischen und antirealistischen Traditionen der primitiven Kunst des Morgen- oder Abendlandes, die in Wirklichkeit viel spiritualistischer waren, verdr\u00e4ngen. Das geschah nicht ohne einen totalen Zusammenbruch in der Ordnung des Heiligen; weil man aber durch den ganzen Nimbus der Renaissance und dann der barocken Sentimentalit\u00e4t vergiftet war, bemerkte man es kaum. Als man es um 1850 wahrnahm, war es zu sp\u00e4t: Die christliche Kunst war tot.<\/em><\/span><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>142\u00a0<\/strong><br \/>\n<\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>Jahrhunderte hindurch ist die Kunst f\u00fcr die Mehrheit der Menschen nur eine \u00bbreligi\u00f6se\u00ab Kunst gewesen, das hei\u00dft, da\u00df selbst die Formen durch den Willen, das \u00dcbernat\u00fcrliche auszudr\u00fccken , bestimmt und modifiziert waren, und keineswegs durch de naturalistische Darstellung der sichtbaren Wirklichkeiten, die kaum mehr als eine unbedeutende Tradition bildet, fast nur auf die griechisch-lateinische Welt beschr\u00e4nkt ist und erst mit dem Mittelalter beginnt. Alle K\u00fcnste der Eingeborenen offenbaren eine eigentlich \u00bbreligi\u00f6se\u00ab Kunst, die unendlich machtvoller und umfassender ist als die christliche Kunst. Sie ist durch die spezifische \u201aAktion\u2019 der Formen bestrebt, Ergriffenheit oder religi\u00f6se Wirklichkeiten unmittelbar hervorzubringen<\/em>. (\u2026)<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201aVolkskunst\u2019 wird rehabilitiert, und zwar nicht blo\u00df deren \u00e4sthetischer Reichtum, auch ihr vielleicht \u201aspiritueller\u2019 Ernst, ihre Verbundenheit mit dem Leben. Bei jedem Anklang an das \u00fcbersteigerte Pathos von Carl Einstein (Link) bin ich <\/span><span style=\"color: #000000;\">aber <\/span><span style=\"color: #000000;\">alarmiert, vielleicht unn\u00f6tig. Auch Couturier schreibt leidenschaftlich. So anschlie\u00dfend: <em>Die Meister der modernen Kunst haben gelebt und gearbeitet \u00bbwie Heilige\u00ab<\/em>. (142) Diese Wertsch\u00e4tzung ist bei ihm an besondere Anforderungen gekn\u00fcpft.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\">144<\/span><\/strong><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>Man sagt zu mir, da\u00df ich einseitig bin. Gewi\u00df, aber dadurch gehe ich weiter als die anderen. Die in der Mitte taugen zu nichts<\/em>.<\/span><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>143<\/strong><br \/>\n<\/span><\/p>\n<h5><em><span style=\"color: #000000;\">Die Kommunisten, L\u00e9ger und ich. Sie stehen in einer Ordnung der Dinge, bei welcher der Zweck die Mittel rechtfertigt, und ich befinde mich in einer Ordnung, bei der letztlich die Mittel, insofern sie sauber sind, den Zweck rechtfertigen.<\/span><\/em><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Wieder ein Beweis der Toleranz. <\/span><span style=\"color: #000000;\">Gewiss auch gegen\u00fcber \u201aFetischen\u2019, Initiationsmasken, Festmasken und so weiter!<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>145\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Verlorene Dimensionen der Heiligkeit<\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>Ich sehe in der Kirche immer mehr als eine gro\u00dfe verst\u00fcmmelte Platane: Ein gro\u00dfer Stamm, (\u2026) dessen Haupt\u00e4ste aber einer nach dem anderen abgeschnitten worden sind: die griechische Welt, die slawische Welt, die germanische Welt, die angels\u00e4chsische Welt. \u2013 Was an Heiligkeit verloren wurde, ist zweifellos in Zahlen nicht feststellbar, aber auf dem Gebiet der Gotteserkenntnis ist eine furchtbare Verarmung eingetreten.<\/em> (\u2026)<\/span><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>149-150<\/strong> ( siehe die Abb. der Kapelle in Vence\u00a0 ganz oben)<\/span><\/p>\n<h5><em><span style=\"color: #000000;\">Marie Cuttoli sagte mir neulich, dass Picasso in der Matisse-Kapelle die gro\u00dfen keramischen Zeichnungen und besonders \/\/ der Kreuzweg gefielen. Das \u00fcberrascht mich nicht, und ich glaube, da\u00df er recht hat.<\/span><\/em><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\">154<\/span><\/strong><\/p>\n<h5><em><span style=\"color: #000000;\">Besuch bei Matisse. \u2013 Er sagt mir, da\u00df er Greco Velasquez entschieden vorzieht. Velasquez ist zu vollkommen, zu gelehrt: \u00bb Er ist wie ein sehr sch\u00f6ner Stoff, ein sehr sch\u00f6ner Marmor. Aber bei Greco ist alles beseelt, bis in die Beine des Pferdes vom heiligen Martin.\u00ab<\/span><\/em><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\">156<\/span><\/strong><\/p>\n<h5><em><span style=\"color: #000000;\">Matisse wird vor allem durch seine Zeichnungen einer der gr\u00f6\u00dften Portr\u00e4tisten seiner Zeit gewesen sein: Ich denke an einige von ihnen, bei denen der geschwungene Zug wie ein lebendiges Wort ist, welches das Wesentliche eies Menschen aussagt. Diesewr Zug, der sich ohne Unterbrechung fortsetzt, wie ein Wort, wie ein gesprochener Satz.<\/span><\/em><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>165\u00a0<\/strong> \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00bbbeinahe anonym\u00ab \u00bbin der Werkstatt\u00ab<\/span><\/p>\n<h5><em><span style=\"color: #000000;\">Darin liegt etwas Wahres: Die Kunst muss, wenn es sich wirklich um sakrale Kunst handeln soll, beinahe anonym sein. Eine individuelle Pers\u00f6nlichkeit darf uns nicht aufgedr\u00e4ngt werden. Deshalb sind alle Glasfenster von Leger in Audincourt mit ihren verschiedenen Mitarbeitern in der Werkstatt L\u00e9gers wie in der Werkstatt Barillets den nat\u00fcrlichen Wegen des Sakralen n\u00e4her.<\/span><\/em><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\">176\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/span><\/strong><span style=\"color: #000000;\"> \u00bbh\u00e4ssliche Dinge\u00ab<\/span><\/p>\n<h5><em><span style=\"color: #000000;\">Sonntag, 17. Februar. \u2013 Matisse ruft mich von Nizza aus an. Unter anderem sagt er mir, da\u00df Pater Valensin S.J. die Kapelle von Vence heftig angegriffen hat, indem er die moderne Kunst anklagte, da\u00df sie die h\u00e4\u00dflichen Dinge wieder in die Kirche einf\u00fchre.<\/span><\/em><\/h5>\n<h5><em><span style=\"color: #000000;\">Er sagt mir auch, da\u00df eine Indochinesin ihm sagen lie\u00df, da\u00df sie in Vence die religi\u00f6se Atmosph\u00e4re einer Pagode wiedergefunden habe \u2026 Und wie ich ihm sage, da\u00df sich auf einer gewissen H\u00f6he alles gleicht, erwidert er mir: \u00bbAber nat\u00fcrlich, weil es nur einen Gott gibt.\u00ab<\/span><\/em><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\">176\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/span><\/strong><span style=\"color: #000000;\">\u00bbNur eine Blume, aber eine Blume\u00ab<\/span><\/p>\n<h5><em><span style=\"color: #000000;\">Samstag, 8. M\u00e4rz, bei Matisse. Im vergangenen Sommer ging er in Paris nach Notre-Dame. \u00bbDie unerme\u00dfliche Menge, die unabsehbaren K\u00f6pfe, die Architektur, die Fenster, und f\u00fcr Augenblicke die Wogen der Orgelmusik, die \u00fcber diese K\u00f6pfe dahinbrausten. Als ich hinausging, sagte ich zu mir: Was ist nun gegen\u00fcber all dem die Kapelle? \u2026 Dann habe ich mir gesagt: Sie ist eine Blume. Sie ist nur eine Blume, aber sie ist eine Blume\u00ab<\/span><\/em><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><em>176\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/em>das Sakrileg<\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>Er <\/em>(Matisse)<em> erz\u00e4hlte mir ferner, da\u00df unl\u00e4ngst Olga Picasso <\/em>(<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Olga_Picasso\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a>) <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>die krank in irgendeiner Klinik lag, erz\u00e4hlte, da\u00df Picasso der \u201amystischste\u2019 Mensch sei. Auf seinem Besitz in Gisors befindet sich eine Kapelle aus dem dreizehnten Jahrhundert, und eines Tages, als Breton und X. zu ihm zu Besuch kamen, hat er sie zur Kapelle gef\u00fchrt und gesagt, da\u00df in der Kapelle noch die Messe gefeiert werde und da\u00df die Bauern hierher k\u00e4men. Ostentativ z\u00fcndete sich daraufhin Breton drinnen in der Kapelle eine Zigarette an. Picasso war w\u00fctend und schrecklich betroffen.<\/em> (\u2026)<\/span><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\">181<\/span><\/strong><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>\u00bbIn jede wahre Kultur gehen zur H\u00e4lfte Dinge ein, die man nicht kennt\u00ab (das stammt von einem Deutschen, aber ich wei\u00df nicht mehr von wem). Das gilt auch von jeder Erkenntnis und sogar von jedem Urteil.<\/em> (\u2026)<\/span><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>182<\/strong>\u00a0\u00a0 Zur Vermeidung von Missverst\u00e4ndnissen und zur Zusammenf\u00fcgung notwendiger Aspekte:<\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>\u201aNon figuration\u2019. Pater Regamey: \u00bbDie christlichsten Formen der Kunst sind sicher nicht die Nicht-Figurativen. Der Geist der Menschwerdung verlangt usw \u2026\u00ab<\/em><\/span><\/h5>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>Nein, er geht in unzul\u00e4ssiger Weise von einer Ebene auf eine andere \u00fcber. Es ist in einem echt-sinnenf\u00e4lligen nicht-figurativen Werk ebensoviel an Menschwerdung enthalten wie in einem figurativen. Die Menschwerdung geschieht nicht durch die Darstellung. Das Herz Bachs nimmt in einer Fuge ganz und gar Fleisch an. Wenn mir Chagall und die jungen Nichtfigurativen sagen, da\u00df Mondrian nicht abstrakt sei, so haben sie recht. \u00bbMondrian ist die Poesie selbst\u00ab, sagte Chagall. Und das stimmt: Die Ausma\u00dfe, die Beziehungen und die T\u00f6ne Mondrians sind durch die Sensibilit\u00e4t allein bestimmt und nicht durch eine rationale oder willentliche Entscheidung. <\/em>(\u2026)<\/span><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>184\u00a0\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0 Patina oder <em>\u00bbdie Haut der Dinge\u00ab <\/em><\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>25.7. <\/em>(1952) <em>Dominique de M\u00e9nil zitiert <\/em>(\u2026)<em> ein Wort von Le Corbusier, das ich nicht kannte: \u00bbIch glaube an die Haut der Dinge.\u00ab Wir haben ihre Bedeutung \u00fcberall bei den \u201aresturierten\u2019 Denkm\u00e4lern gesehen, die bei diesen unklugen Restaurierungen alles Leben verlieren. Man r\u00fchrt nicht ungestraft an Wesen, die ganz in die Umwandlungen von Zeit und Raum hineingenommen sind. Diese Denkm\u00e4er der Vergangenheit verlieren ihre Seele, wenn sie ihre Haut verlieren. Diese wunderbaren und lebendigen Oberfl\u00e4chen, die seit Jahrhunderten atmeten, lebten im Wind, in der Sonne und im Regen.<\/em><\/span><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\">187\u00a0\u00a0<\/span><\/strong><span style=\"color: #000000;\"><em>\u00bbFalschgeld\u00ab <\/em><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>\u201aDie Ehrlichkeit der Malerei\u2019: Sie besteht in der Sch\u00f6nheit der Formen und in nichts anderem; die besten Absichten k\u00f6nnen einen nicht freisprechen, wenn man mit Falschgeld zahlt. Die schlechte Malerei ist immer Falschgeld.<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em><br \/>\n<\/em><\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Mir wird klar, wie kompliziert die Lage \u201aehrlicher\u2019 K\u00fcnstler geworden ist, seitdem die traditionellen Ordnungen, so unvollkommen und eng sie auch gewesen sein m\u00f6gen, verlassen wurden. Jeder der hier benutzten Begriffe ist eine Tretmine<em> .<br \/>\n<\/em><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\">187\/188<\/span><\/strong><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>Pater McGlynn fragt Matisse bei einem Besuch, ob er seinen Gesichtern Augen und einen Mund gemacht h\u00e4tte, wenn er \/\/ nicht f\u00fcr Klosterfrauen, sondern f\u00fcr Bauern gearbeitet h\u00e4tte.<\/em><\/span><\/h5>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>\u00bbJa, wahrscheinlich.\u00ab<\/em><\/span><\/h5>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>\u00bbAber w\u00fcrden sie das in diesem Fall auch f\u00fcr aufrichtig halten?\u00ab<\/em><\/span><\/h5>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>\u00bbJa, selbstverst\u00e4ndlich, aber es w\u00e4re weniger ausdrucksvoll gewesen\u2026\u00ab<\/em><\/span><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\">188<\/span><\/strong><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><em>Braque im Vertrauen zu Clayeux: \u00bbMan ist im Leben so allein, da\u00df man von Zeit zu Zeit das Bed\u00fcrfnis versp\u00fcrt, etwas zu schaffen, was die Leute gern m\u00f6gen\u00ab (\u00fcber ein Bild, das gef\u00e4lliger und \u201abekannter\u2019 ist als die anderen).<\/em><\/span><\/h5>\n<\/div>\n<footer>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <span style=\"color: #ff0000;\">Stand der Arbeiten: 19. 10. 2018<\/span><\/footer>\n<footer><\/footer>\n<footer><\/footer>\n<\/article>\n<div id=\"comments\" class=\"comments-area\">\n<div id=\"respond\" class=\"comment-respond\">\n<form id=\"commentform\" class=\"comment-form\" action=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-comments-post.php\" method=\"post\">\n<p class=\"comment-form-comment\"><span style=\"color: #000000;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<\/form>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"primary\" class=\"site-content\">\n<div id=\"content\" role=\"main\">\n<div id=\"comments\" class=\"comments-area\">\n<div id=\"respond\" class=\"comment-respond\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"secondary\" class=\"widget-area\" role=\"complementary\"><\/div>\n<div id=\"main\" class=\"wrapper\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00d6ffnet Couturier einen Zugang zu versch\u00fctteten traditionellen K\u00fcnsten? Marie-Alain Couturier habe ich Autor von &#8222;L&#8217;Art Sacr\u00e9&#8220; bereits in zwei fr\u00fcheren Beitr\u00e4gen vorgestellt: &#8222;Marie-Alain Couturier (1897\u2013 1954) und die zerst\u00f6rten Fetische&#8220; am\u00a0 25. Mai 2016 (Link)\u00a0 und &#8222;Eine arme Mbole-Figur inmitten Europas sakraler Kunst &#8222; am\u00a0 4. Sept. 2018 (Link) Obschon afrikanische K\u00fcnstler nicht im Zentrum [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[49],"tags":[],"class_list":["post-9517","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kreativitaet"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9517","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9517"}],"version-history":[{"count":19,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9517\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9522,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9517\/revisions\/9522"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9517"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9517"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9517"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}