{"id":9385,"date":"2018-10-10T00:45:48","date_gmt":"2018-10-09T22:45:48","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=9385"},"modified":"2021-10-16T21:02:58","modified_gmt":"2021-10-16T19:02:58","slug":"heidenmission-lieber-nicht-hilft-nichts","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=9385","title":{"rendered":"Heidenmission? Lieber nicht! Hilft nichts!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"color: #808080;\">Verfasst\u00a0 29.6.\/5.9.\/ 10.10.\/17.10. 2018<\/span><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Literatur<\/strong><\/span><\/h3>\n<ol>\n<li>\n<h5>Thoralf Klein: Die Basler Mission in Guangdong (S\u00fcdchina) 1859-1931, ERGA Bd.3, iudicium M\u00fcnchen 2002, 48 \u20ac<strong><br \/>\n<\/strong><\/h5>\n<\/li>\n<li>\n<h5>Josef Franz Thiel: Jahre im Kongo &#8211; Missionar und Ethnologe bei den Bayansi, Otto Lembeck Frankfurt\/M 2001\u00a0 (augenblicklich um 100\u20ac)<\/h5>\n<\/li>\n<li>\n<h5>Johannes Harnischfeger: Demokratisierung und islamisches Recht &#8211; Der Scharia-Konflikt in Nigeria, Studien HSFK Band 51, Campus Frankfurt\/Main 2006<\/h5>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p><!--more--><\/p>\n<div id=\"attachment_9429\" style=\"width: 505px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Pantili.Basilika-Ve\u0301zelay.Postkarte.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9429\" class=\"wp-image-9429\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Pantili.Basilika-Ve\u0301zelay.Postkarte-636x900.jpg\" alt=\"\" width=\"495\" height=\"700\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Pantili.Basilika-Ve\u0301zelay.Postkarte-636x900.jpg 636w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Pantili.Basilika-Ve\u0301zelay.Postkarte-255x360.jpg 255w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Pantili.Basilika-Ve\u0301zelay.Postkarte-624x883.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Pantili.Basilika-Ve\u0301zelay.Postkarte.jpg 707w\" sizes=\"auto, (max-width: 495px) 100vw, 495px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9429\" class=\"wp-caption-text\">Cim &#8211; Excl. Magasins St-Bernard, Vezelay o.Datum<\/p><\/div>\n<h5>\u201e<em>In den Bergen Indiens, wo das Schilf w\u00e4chst, lebt ein Volk von etwa drei\u00dfigtausend Seelen. Frauen geb\u00e4ren nur einmal in ihrem Leben und ihre Kinder kommen mit wei\u00dfen Haaren auf die Welt. Sie behalten diese Farbe bis zum drei\u00dfigsten Lebensjahr, dann werden sie nach und nach dunkler, so dass Bart und Haare mit sechzig Jahren so schwarz wie Ebenholz sind. Diese Leute haben acht Finger pro Hand und acht Zehen pro Fu\u00df. Ihre Ohren sind so lang, dass sie sich ber\u00fchren und ihre R\u00fccken und Arme an den Ellenbogen bedecken.<\/em>\u201c(Photios) (<a href=\"https:\/\/fr.wikipedia.org\/wiki\/Panotii\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a>)<\/h5>\n<h4>Die Panot\u00e4er, ein sagenhaftes Volk in der Antike. Wie gut, dass niemand daran dachte, sie zu missionieren. Aber wozu diente ihre Abbildung im 12. Jahrhundert in der Basilika von V\u00e9z\u00e9lay ?<\/h4>\n<h4><\/h4>\n<h4><\/h4>\n<h4><\/h4>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>DIALOG\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 (frei und <em>frei nach<\/em> Diderot)<\/strong><\/span><\/h3>\n<h4><\/h4>\n<ul>\n<li>\n<h4><strong>Du machst auf mich einen nachgerade niedergeschlagenen Eindruck. Was ist? Hat die christliche Mission denn den Menschen in den Kolonien nicht geholfen?<\/strong><\/h4>\n<\/li>\n<li>\n<h4><strong>War denen denn noch zu helfen? Ich sehe blo\u00df, dass Missionare die Probleme der Leute nur komplizierter machten, weil sie unn\u00f6tigerweise fremde Normen in gewachsene Sozialbeziehungen einf\u00fchrten. <\/strong><strong>Die Vorschriften der schw\u00e4bischen Pietisten in China bedrohten sogar die verwandtschaftlichen Beziehungen und damit materielle Basis der d\u00f6rflichen Hakka-Familien, die sich dem Christentum zuwandten.<\/strong><\/h4>\n<\/li>\n<li>\n<h4><strong>Geschah das nicht in der erkl\u00e4rten Absicht, einen \u201aGewissenskonflikt\u2019 daraus zu machen?\u00a0\u00a0 Aber die konnten doch nicht anders, das waren etwa bei der Basler Mission so etwas wie Parteisoldaten mit geringer Bildung und beschr\u00e4nktem Horizont.<\/strong><\/h4>\n<\/li>\n<li>\n<h4>Joseph Franz Thiel berichtet, dass an seinem Missionsseminar St.Gabriel bei Wien nur ein einziger Lehrer je in Afrika gewesen war und dass italienische Nonnen im Kongo ein Abendmahl nur mit importiertem Wein akzeptierten. Undsoweiter. Eine &#8218;Afrikanisierung des Christentums in Ritus, Wortverk\u00fcndigung und Kunst&#8216; (Klappentext) konnte man von einer solchen Truppe nicht erwarten.<\/h4>\n<\/li>\n<li>\n<h4><strong>Wenn man ihnen ja noch pers\u00f6nlich Vorw\u00fcrfe machen k\u00f6nnte! Aber im Grunde waren es ja tragische Gestalten, sogar im antiken Verst\u00e4ndnis, die blind f\u00fcr die Anzeichen ihres Scheiterns waren, was sich viele bis heute nicht eingestehen. &#8218;The Game must go on.&#8216;<br \/>\n<\/strong><\/h4>\n<\/li>\n<li>\n<h4><strong>Thiel sprach nur davon, dass er allm\u00e4hlich vom Missionsauftrag wegdriftete, der sich als\u00a0 nicht reformierbar erwies, bis er kein Missionar mehr sein wollte.<\/strong><\/h4>\n<\/li>\n<li>\n<h4><strong>Warum haben sich\u00a0 \u00fcberhaupt Proselyten am Kongo und in Fukien gefunden?<\/strong><\/h4>\n<\/li>\n<li>\n<h4><strong>Die Erinnerungen\u00a0 Josef\u00a0<\/strong><strong>Franz <\/strong><strong>Thiels und die Studie von A. Klein beschreiben unter beiden Gruppen vergleichbare Hilfserwartungen an die neue Gemeinschaft wie an deren Gott und dazu dieselben Ausweichstrategien gegen\u00fcber unerf\u00fcllbaren Forderungen der Kirchenoberen. W<\/strong><strong>enn aber einzelne Missionare vor Ort Konsequenzen ziehen wollten, wenn sie Aspekte der Gemeindearbeit und &#8218;der christlichen&#8216; Alltagsmoral \u201eafrikanisieren\u201c oder &#8217;sinifizieren&#8216; wollten, wurde ihnen das von der Hierarchie verboten.<\/strong><\/h4>\n<\/li>\n<li>\n<h4><strong>Katholizismus und evangelisches Freikirchentum gleichen sich mehr als man im ersten Moment denkt! Und sie scheitern beide in dem was sie f\u00fcr ihr Kernanliegen halten. Wenn ich mich recht erinnere: Missionar Thiel konnte aus seinen D\u00f6rfern \u00fcber keine einzige glaubw\u00fcrdige innere Zuwendung zur Botschaft des Evangeliums berichten.<\/strong><strong><br \/>\n<\/strong><\/h4>\n<\/li>\n<li>\n<h4><strong>Ich bin gespannt, wie die <\/strong><strong>zweite und dritte Generation der <\/strong><strong>Hakka-Christen der Studie von A. Klein im 20. Jahrhundert ihre M\u00fcndigkeit erreichten und was sie daraus machten. Die sozialen Nachteile ihres \u00dcbertritts liegen auf der Hand. Wird sich eine Art \u201achristlicher Mehrwert\u2019 aus der Qu\u00e4lerei und Zermarterung des Gewissens zeigen?<\/strong><\/h4>\n<\/li>\n<li>\n<h4><strong>F\u00fcr einen Au\u00dfenstehenden war bereits \u201adie frohe Botschaft\u2019 h\u00f6chst zweifelhaft. Und Spiritualit\u00e4t und Sozialmoral lassen sich doch nicht wirklich &#8218;exportieren&#8216;.<\/strong><\/h4>\n<\/li>\n<li><strong>Ausgerechnet eine heillose Heilslehre, die allein mittels theologischer Akrobatik aus einem \u00fcberlieferten &#8218;Selbstopfer Gottes&#8216; die Rettung seiner Anh\u00e4nger ableitet, wobei Zeitpunkt, Personenkreis und Bedingungen ewig strittig bleiben m\u00fcssen?<\/strong><\/li>\n<li>\n<h4><strong>Dem Konzept des &#8217;s\u00fcndigen&#8216; Menschen, sogar der &#8218;Erbs\u00fcnde&#8216; k\u00f6nnte ich als Diagnose <\/strong><strong>zustimmen, etwa <\/strong><strong>im schopenhauerschen Verst\u00e4ndnis, aber keineswegs der Reglementierung und <\/strong><strong>Moralisierung <\/strong><strong>durch christliche Kirchen.<br \/>\n<\/strong><\/h4>\n<\/li>\n<li>\n<h4><strong>F\u00fcr einen Geist der Aufkl\u00e4rung, der auf Selbstaufkl\u00e4rung und gesellige Unterst\u00fctzung &#8211; wegen des &#8218;Stolperns&#8216; (Kant) <\/strong><strong>&#8211; z\u00e4hlt, ist\u00a0 jede &#8218;Kirche&#8216; ein\u00a0 \u00c4rgernis. Solange wir leben, sollten wir M\u00fcndigkeit anstreben d\u00fcrfen, ohne von Vorm\u00fcndern daran gehindert zu werden.<\/strong><\/h4>\n<\/li>\n<li>\n<h4><strong>Zur\u00fcck zu den Hakka (Fukien) und Yanzi (Kongo): In ihrer traditionellen Umgebung gab es bereits sozialen Druck und Anl\u00e4sse genug, sein eigenes Wollen und Tun zu verbergen, zu Heuchelei und zum scheelen Blick auf die Autorit\u00e4ten. Ein schlechter Witz, wenn \u201adie frohe Botschaft\u2019 dazu st\u00e4ndig neue Anl\u00e4sse schuf!<\/strong><\/h4>\n<\/li>\n<li>\n<h4><strong>Wirklich niemand brauchte die Missionare in Afrika und China. Sie waren nicht gerufen worden. Sie sind ein Beispiel daf\u00fcr, dass \u201adie Geschichte anders verlaufen&#8216; kann, aber darum nicht besser. Menschen \u2013 Individuen wie Gruppen &#8211; versuchen schlie\u00dflich aus jeder Situation\u00a0 f\u00fcr sich <\/strong><strong>das Beste <\/strong><strong>herauszuholen. Und wir Europ\u00e4er sind keineswegs f\u00fcr jeden von ihnen verantwortlich. Du ahnst bereits, worauf ich hinaus will? Klar, auf die Bootsfl\u00fcchtlinge und andere, die auf dem Landweg zu uns pilgern.<\/strong><\/h4>\n<\/li>\n<li>\n<h4><strong>Heute m\u00fcssen die Menschheitsbegl\u00fccker und Missionare nicht einmal mehr von zu Hause aufbrechen, sie k\u00f6nnen ganz bequem vom Fernsehsessel und B\u00fcrostuhl aus ihre Ressourcen teilen und sich an der Akkulturation versuchen, damit die &#8218;Integration\u201c gelingt&#8216;, was immer das bedeuten mag.<\/strong><\/h4>\n<\/li>\n<li>\n<h4><strong>Und die\u00a0 Idealisten unter ihnen? Ihre Absichten und Gesten z\u00e4hlen, aber werden unweigerlich von anderen Akteuren ausgenutzt, \u201amissbraucht\u2019 pflegt man zu sagen.<\/strong><\/h4>\n<\/li>\n<\/ul>\n<h4><\/h4>\n<h3 style=\"text-align: center;\">WOCHEN SP\u00c4TER (OKTOBER)<span style=\"color: #ff0000;\"><br \/>\n<\/span><\/h3>\n<ul>\n<li>\n<h4>Soll etwa der Islam ungeschoren bleiben? Das fragte ich mich w\u00e4hrend der Lekt\u00fcre der Studie von Johannes Harnischfeger \u00fcber Nigeria.<\/h4>\n<\/li>\n<li>\n<h4>Was hat denn das mit uns zu tun? Immer &#8218;Afrika&#8216;! \u00a0Wenn du f\u00fcr Europa, Deutschland relevant sein willst, ist doch\u00a0<em>Der Scharia-Konflikt in Nigeria <\/em>gar zu abseitig.<\/h4>\n<\/li>\n<li>\n<h4>Der Afrikanist <span style=\"font-size: 1rem;\">kennt Nigeria und seine politischen Akteure seit Jahrzehnten aus eigener Anschauung, er <\/span>erz\u00e4hlt, <span style=\"font-size: 1rem;\">dokumentiert und reflektiert den <\/span>Konflikt <span style=\"font-size: 1rem;\">auf mehreren Ebenen,<\/span><span style=\"font-size: 1rem;\"> sodass das Konfliktpotential\u00a0 zur \u00dcbertragung auf andere Regionen anregt, sogar auf Deutschland. Harnischfeger ist zu fr\u00fch verstorben. Ich <\/span><span style=\"font-size: 1rem;\">h\u00e4tte ihn gern selbst dazu gefragt. <\/span><\/h4>\n<\/li>\n<li>\n<h4><strong>L\u00e4sst sich etwa auch <em>Boku Haram<\/em> mit uns in Verbindung bringen?<\/strong><\/h4>\n<\/li>\n<li>\n<h4><span style=\"font-size: 1rem;\">Irgendwann dachte ich beim Lesen auch an <em>Boku Haram<\/em>. Die Miliz gab es damals noch nicht. Prompt finde ich im Netz Harnischfegers Fortsetzung der Geschichte : &#8222;Rivalit\u00e4t unter Eliten&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.leviathan.nomos.de\/fileadmin\/leviathan\/doc\/Aufsatz_Leviathan_12_04.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a> zum pdf!). Ja, <em>Boku Haram<\/em> ist aus dem Zerfallsprozess in Nigeria entstanden! Am 2o.11. (2018) wird sogar ARTE wieder ein realistisches Feature von 2016 dazu senden! (<a href=\"https:\/\/programm.ard.de\/TV\/arte\/boko-haram---nigerias-terrorgruppe\/eid_287241000156832\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Informationen <\/a>\u00fcber die Dokumentation von Xavier Muntz und Bruno Fay)<br \/>\n<\/span><\/h4>\n<\/li>\n<li>\n<h4><span style=\"font-size: 1rem;\">Wollen wir nicht lieber auf das Thema der islamischen Heidenmission zur\u00fcckkommen?<br \/>\n<\/span><\/h4>\n<\/li>\n<li>\n<h4><strong>Ja, der islamische <em>Dschihad<\/em> war <\/strong><strong>wie die christliche Mission <\/strong><strong>durch Aus\u00fcbung von Gewalt und Macht, durch Eroberung und Kolonisierung erfolgreich. Seine <\/strong><strong>Bedr\u00fcckung und Versklavung kleiner &#8218;heidnischer&#8216; V\u00f6lker sind ja bekannt, <\/strong><strong>aber auch ein \u00dcbertritt zum Islam brachte nicht die sprichw\u00f6rtliche &#8218;Br\u00fcderlichkeit&#8216; aller Muslime. Die bestehenden &#8218;ethnischen&#8216; Rivalit\u00e4ten in der Region wurden nur komplizierter. Neue Konflikte entstanden, zum Beispiel soziale durch Vertreter\u00a0 eines radikalen Monotheismus. <\/strong><strong>Der war und ist den traditionellen afrikanischen\u00a0 <\/strong><strong>Denkweisen, <\/strong><strong>Br\u00e4uchen und\u00a0 Strukturen fremd. Doch auch ethnische Konflikte versch\u00e4rften sich durch Bedrohung traditioneller B\u00fcndnisse und historisch gewordener Identit\u00e4ten, durch die nun eine &#8218;religi\u00f6se&#8216; Frontlinie verlief, etwa bei den Yoruba.<br \/>\n<\/strong><\/h4>\n<\/li>\n<li>\n<h4><strong>Aber entstand am S\u00fcdrand der Sahara nicht ein lokaler&#8217;synchretistischer&#8216; Islam?<br \/>\n<\/strong><\/h4>\n<\/li>\n<li><strong>Bei den islamisierten Eliten wurde fromme <\/strong><strong>Heuchelei <\/strong><strong>Normalit\u00e4t und im Volk <\/strong><strong>Doppelmoral und <\/strong><strong>die stillschweigende Umgehung islamischer Vorschriften<\/strong><strong>, sobald diese \u00fcbergeordnete Pflichten (etwa Ahnenkult) st\u00f6rten oder einfach zu l\u00e4stig waren. <\/strong><strong>Die Herrschenden wechselten und wechseln bis heute ohnehin nach ihrer Interessenlage zwischen &#8218;feudaler&#8216; und &#8218;religi\u00f6ser&#8216; Legitimation.<br \/>\n<\/strong><\/li>\n<li><strong>Ein &#8218;reiner&#8216; fundamentalistischer Islam aber erweist sich vor allem in j\u00fcngerer Zeit als gesellschaftlicher und politischer Sprengstoff. <\/strong><strong>Viele Nigerianer im S\u00fcden f\u00fcrchteten ohnehin seit der Unabh\u00e4ngigkeit Nigerias eine schleichende Islamisierung des Landes. <\/strong><\/li>\n<li>\n<h4><strong>Mitten im gesellschaftlichen Zerfall (Link zu &#8222;<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=6686\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Vigilant Things<\/a>&#8222;) um 2002 entstand aus l\u00e4cherlich banalem Anlass ein neuer Riss durch die nigerianische Gesellschaft, von der populistischen Taktik eines Kandidaten verursacht, mit dem Versprechen der <\/strong><strong>Einf\u00fchrung der <em>Scharia<\/em> <\/strong><strong>den Gouverneursposten in seinem Bundesstaat zu erringen. <\/strong><strong>Andere Bundesstaaten zogen nach. <\/strong><strong>Mit der <em>Scharia<\/em>, dem traditionellen islamischen Familien- und Strafrecht, verbanden sich bei den anvisierten entt\u00e4uschten W\u00e4hlern unrealistische Tr\u00e4ume von einer moralischen Erneuerung des Nordens und schlie\u00dflich des ganzen Landes. <\/strong><strong>Der S\u00fcden war alarmiert. Pogrome und Morde an Zuwanderern aus der jeweils anderen Region fanden statt &#8230;. Die politischen Verwicklungen und Abgr\u00fcnde Nigerias sind ein eigenes Kapitel, von Harnischfeger virtuos zerlegt und ausgebreitet.<br \/>\n<\/strong><\/h4>\n<\/li>\n<li>\n<h4><strong>Aber die <em>Scharia<\/em>, das g\u00f6ttliche unver\u00e4nderliche Gesetz,\u00a0 erf\u00fcllte diese <em>Scharia<\/em> wenigstens die Erwartungen?<\/strong><\/h4>\n<\/li>\n<li>\n<h4><strong>Nein, das konnte sie &#8211; eine juristische Konstruktion aus dem arabischen Mittelalter &#8211; auch gar nicht. Aber lies doch selber mal das entsprechende Kapitel aus der Studie.<\/strong><\/h4>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: center;\">*<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Kommentar per eMail 6.11.2018 von GMZ:<\/h4>\n<ul>\n<li><em>Ich habe die letzten Ihrer Blogs gelesen, man ahnt, dass Sie viel wissen und auch gesehen haben, aber es scheint mir, als g\u00e4be es in Deutschland (die Amerikaner sind da anders, Engl\u00e4nder auch) gewisse Vorbehalte, die Strukturen des Denkens in Afrika ausser im Rahmen der \u00d6konomie sehen zu wollen \u2014 vielleicht ist da doch deutsches Denken inzwischen kulturell eng und karg geworden, trotz der scheinbar so gro\u00dfen Freiheit, die unsere Kultur bietet. Ich hatte fr\u00fcher mal einen hervorragenden Beitrag in Lettre \u00fcber Magie und Familienbeziehungen in Afrika gelesen, nur, es war ein Franzose, der ihn geschrieben hatte.<\/em><\/li>\n<li><em>Ich denke, wenn Sie \u00fcber Mission schreiben, dass lange \u2014 wie in Europa bis in das 20.Jahrhundert auch \u2014 Schichten des Denkens nebeneinander existiert haben. Kennen sie Ursprung und Gegenwart von Jean Gebser? <\/em><\/li>\n<li><em>\u00a0\u00a0 Ich lese zu Zeit ein Buch von Navid Kermani \u00fcber den Koran, dessen These ist, auf Arabisch sei der Koran als rezitierter Text so sch\u00f6n, dass er alles andere \u00fcbertreffe. Nur findet das merkw\u00fcrdigerweise in die jetzige Diskussion keinen Eingang, ebensowenig wie die \u00fcberw\u00e4ltigende Sch\u00f6nheit mancher islamischen Architektur, es ist, als w\u00e4re ein Geheimnis, das Geheimnis, ausgeklammert.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verfasst\u00a0 29.6.\/5.9.\/ 10.10.\/17.10. 2018 Literatur Thoralf Klein: Die Basler Mission in Guangdong (S\u00fcdchina) 1859-1931, ERGA Bd.3, iudicium M\u00fcnchen 2002, 48 \u20ac Josef Franz Thiel: Jahre im Kongo &#8211; Missionar und Ethnologe bei den Bayansi, Otto Lembeck Frankfurt\/M 2001\u00a0 (augenblicklich um 100\u20ac) Johannes Harnischfeger: Demokratisierung und islamisches Recht &#8211; Der Scharia-Konflikt in Nigeria, Studien HSFK Band [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[220],"tags":[],"class_list":["post-9385","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-hochkultur-volkskultur"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9385","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9385"}],"version-history":[{"count":32,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9385\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11853,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9385\/revisions\/11853"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9385"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9385"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9385"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}