{"id":9189,"date":"2018-07-18T12:12:56","date_gmt":"2018-07-18T10:12:56","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=9189"},"modified":"2024-02-11T19:59:31","modified_gmt":"2024-02-11T18:59:31","slug":"song-from-the-forest-louis-sarno-und-die-baaka-der-film","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=9189","title":{"rendered":"Song ? from ? the Forest ? &#8211; Louis Sarno und die BaAka &#8211; Der Film"},"content":{"rendered":"<p>19.10.2014! Aber es gibt ja die DVD zu kaufen! (<a href=\"http:\/\/songfromtheforest.com\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a>)<\/p>\n<p>Der Film beginnt wie im richtigen Leben: mit der Fassade, zugeschnitten auf das Publikum von Programmkinos und Arte oder 3sat: also spirituell, in diesem Fall mit Lichtstrahlen, die wie eine Inszenierung wirken, obschon sie zwischen Regeng\u00fcssen im Regenwald von Gabun auftreten. Begleitet von mittelalterlichem Chorgesang, der &#8211; wie wir sp\u00e4ter erfahren &#8211; vom batteriegetriebenen Kassettenrecorder in der H\u00fctte des Musik-Forschers in die Umgebung ausstrahlt. <!--more-->Soweit so gut. Eigentlich ist alles gesagt. Ich resumiere: Gesang, Wald, Licht, Gregorianik, Forscher, Recorder, Stromversorgung und \u2013 das gemeinsame Singen der Pygm\u00e4en. Das ist es ja, weswegen wir uns im Kino einfinden, das (fast) verlorene Paradies.<\/p>\n<p>Zum richtigen Leben geh\u00f6rt aber auch der Versuch der Filmleute, den Moment der Faszination dieser Ein\u00f6de einem Publikum zu vermitteln, das sich inzwischen gut in New York zurechtfinden w\u00fcrde, aber kaum in diesem gottverlassenen Winkel eines besonders unterentwickelten Landes.<\/p>\n<p>Louis Sarno aus New York folgte vor drei\u00dfig Jahren einem leidenschaftlichen Impuls. Er ging nach Gabun und\u00a0 zeichnete die Musik einer untergehenden Kultur auf. Musikethnologisch war der Autodidakt so erfolgreich, dass seine Sammlung heute als UNESCO-Weltkulturerbe\u00a0 im Pitts Rivers Museum der Universit\u00e4t Oxford lagert.<\/p>\n<p>Dann blieb er h\u00e4ngen bei Leuten, die schon lange die letzten in der Fresskette der afrikanischen Geschichte sind, und denen nun selbst das kunstvoll ausbalancierte \u00dcberleben im prek\u00e4ren \u201aEinklang mit ihrer Umgebung\u2019 unm\u00f6glich gemacht wird. Angesichts von Feuerwaffen der benachbarten Konkurrenten bei der Jagd und der Holzeinschlag habendie Parias\u00a0 keine andere Aussicht, als armselige Pflanzungen am Rand der Bantu-D\u00f6rfer anzulegen. Unser Protagonist wei\u00df das alles, er subventioniert bereits seit geraumer Zeit den anachronistischen Lebensstil seiner Dorfgenossen und inzwischen seiner Verwandtschaft, mit Produkten der Zivilisation aus dem Kramladen des Mauretaniers, mit Werkzeugen, Medikamenten, ja Nahrungsmitteln und Krediten.<\/p>\n<p>Der Film setzt in dem Moment ein, als seine eigenen Einnahmen versiegen. Auf seiner Amerika-Reise, deren intime Schilderung den zweiten Teil der Dokumentation ausmacht, wird bei ihm eine fortgeschrittene Hepatitis diagnostiziert. Er wei\u00df am Ende nicht aus noch ein. Er hat Schulden. Sein bisheriger Status in der Gemeinschaft wird sich nicht mehr aufrecht erhalten lassen. Sollte er \u00fcberhaupt zur\u00fcckkehren, nicht lieber beim wohlhabenden Bruder oder der verst\u00e4ndnisvollen Ex-Frau Unterschlupf suchen? Sich um einen kleinen Job im Rahmen der laufenden Auswertung seiner inzwischen digitalisierten Tonaufnahmen bem\u00fchen?<\/p>\n<p>Doch da ist ja noch der afrikanische Sohn, dessen Mutter hat sich bereits umorientiert. Sarno hat sie beide nicht alphabetisiert, sie auch bisher nicht aus dem Wald hinaus gebracht \u2013 nun hat er den Dreizehnj\u00e4hrigen mitgenommen. Und wir d\u00fcrfen dessen Kulturschock zuschauen.<\/p>\n<p>Der packt das ganz gut an, verarbeitet die Erfahrung wohl als <em>Initiation<\/em>, freilich unter der schwachen Obhut eines \u00fcberforderten Vaters, der seinen geheimen Stolz auf die Errungenschaften der Zivilisation nicht wirklich \u00fcberwunden hat. Ich frage mich, warum nach alledem Sarno den Sohn in eine Welt entf\u00fchrt, in der er ohne jede Qualifikation dast\u00fcnde. Und ohne Familie.<\/p>\n<p>An diesem Kreuzungspunkt von Sackgassen entl\u00e4sst uns der Film, auch wenn das nicht gleich klar wird. Auch ich habe ein Bed\u00fcrfnis nach gutem Ausgang von Geschichten. Ich hoffe in diesem Fall sogar auf den Vertrag mit den Filmproduzenten. Eine traurige Geschichte!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weitere Informationen stehen im \u201aPortr\u00e4t\u2019 von Michael Obert in der natur+kosmos Nr.4\/2012 \u201eDer wei\u00dfe Pygm\u00e4e\u201c.<\/p>\n<p>Auf ihrer Website (<a href=\"http:\/\/songfromtheforest.com\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a>) rufen die Filmemacher zu Spenden f\u00fcr den \u201eBaAka Fund des WWF auf. Warum nicht? Sie kennen ihr Publikum.<\/p>\n<p>Sabine Vogel, Rezensentin der Frankfurter Rundschau vom 14.9.2014 (\u201aMesse f\u00fcr ein fast verlorenes Paradies\u2019, <a href=\"http:\/\/www.fr.de\/kultur\/kino\/kino-song-from-the-forest-messe-fuer-ein-fast-verlorenes-paradies-a-562392\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a>) betrachtet Sarnos Lebensentscheidungen ebeso wie Oberts Film mit Sympathie, aber auch Distanz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>19.10.2014! Aber es gibt ja die DVD zu kaufen! (Link) Der Film beginnt wie im richtigen Leben: mit der Fassade, zugeschnitten auf das Publikum von Programmkinos und Arte oder 3sat: also spirituell, in diesem Fall mit Lichtstrahlen, die wie eine Inszenierung wirken, obschon sie zwischen Regeng\u00fcssen im Regenwald von Gabun auftreten. 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