{"id":8970,"date":"2018-05-25T16:06:55","date_gmt":"2018-05-25T14:06:55","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=8970"},"modified":"2024-02-12T22:06:40","modified_gmt":"2024-02-12T21:06:40","slug":"irgendwann-1999-im-spiegel-zwei-juedische-newyorker-und-der-staat-israel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=8970","title":{"rendered":"1999 im SPIEGEL:   Zwei j\u00fcdische Newyorker und der Staat Israel"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #ff0000;\">Zwei Texte, \u00fcber die wir im Unterricht sprachen und die\u00a0 aus dem Abstand von zwei Jahrzehnten einen eigenen Reiz entwickeln. Schon der Name &#8222;Netanyahu&#8220;! Es war nicht schwer, im Netz Spuren von Joseph Frager (<a href=\"http:\/\/www.nydailynews.com\/new-york\/hamill-doctor-works-hard-save-lives-israel-article-1.1806330\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Link)<\/a> und Kenneth Bialkin (<a href=\"https:\/\/www.skadden.com\/professionals\/b\/bialkin-kenneth-j\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Link<\/a>)zu finden. Die Bialkins sind diskreter, eigentlich nur einschl\u00e4gige Mitgliedschaften.\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Der Beitrag erscheint gemeinsam mit weiteren aus den vergangenen Jahren, die in der jetztigen Situation nicht verloren gehen sollen.\u00a0\u00a0 25.5.2018<br \/>\n<\/span><!--more--><\/p>\n<p>1<\/p>\n<p>Doktor<strong> Joseph Frager <\/strong>steht jeden Tag, den der Herr werden l\u00e4\u00dft, kurz vor sechs Uhr auf, geht zum Morgengebet in die Synagoge um die Ecke und l\u00e4uft anschlie\u00dfend f\u00fcnf Meilen durch Queens. Er schafft die Strecke in weniger als 30 Minuten, &#8222;keine schlechte Zeit f\u00fcr einen Mann \u00fcber 40&#8220;. Dann zieht er sich um, steigt in sein Auto und f\u00e4hrt nach Riverdale, einen besseren Teil der Bronx, wo er eine private Klinik unterh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Der Facharzt f\u00fcr Gastrologie hat gut zu tun. Nicht nur magenkranke New Yorker lassen sich von ihm behandeln, es kommen auch Patienten aus fernen L\u00e4ndern, &#8222;einige sogar aus den Arabischen Emiraten&#8220;. Frager ist rund um die Uhr erreichbar, an seinem G\u00fcrtel h\u00e4ngen zwei Beeper, ein gew\u00f6hnlicher und einer f\u00fcr extreme Notf\u00e4lle, damit er auch am Schabbat alarmiert werden kann. Denn es gibt nur ein Gebot, das mehr wiegt als die Pflicht, am siebten Tag der Woche alle Arbeit ruhen zu lassen &#8211; &#8222;Kranken zu helfen und Menschenleben zu retten.<\/p>\n<p>Seit 1990 hat Frager ein Ehrenamt inne, das ihn zwar seine freie Zeit kostet, zugleich aber enorm befriedigt. Er ist Pr\u00e4sident der <strong>American Friends of Ateret Cohanim<\/strong>, richtet einmal im Jahr ein gro\u00dfes Fund-Raising-Dinner mit \u00fcber looo G\u00e4sten aus und organisiert ein Freiluftkonzert im Central Park, zu dem 30000 Besucher kommen: &#8222;Es ist mein Hobby, ich liebe es.&#8220;<\/p>\n<p>So gut wie alle \u00f6ffentlichen Institutionen in Israel &#8211; Museen, Universit\u00e4ten, Krankenh\u00e4user &#8211; haben ihre Fan-Gemeinden im Ausland, von denen sie mate-<\/p>\n<p>riell unterst\u00fctzt werden. Aber die Jeschiwa Ateret Cohanim ist etwas Spezielles: eine religi\u00f6se Hochschule f\u00fcr M\u00e4nner, die mitten im arabischen Teil der Jerusalemer Altstadt liegt. F\u00fcr die Araber eine unerh\u00f6rte Provokation, zumal sich die Jeschiwa darum bem\u00fcht, durch den Ankauf von H\u00e4usern in der Umgebung ihre Basis zu erweitern. Auch geben sich die Studierenden nicht zweckfreier Gelehrsamkeit hin: Sie werden jetzt schon als Priester f\u00fcr den Dienst im Dritten Tempel ausgebildet, der eines nicht allzu fernen Tages an der Stelle stehen soll, an der sich vorl\u00e4ufig noch der moslemische Felsendom erhebt.Kein Wunder, da\u00df die frommen Studenten unter weltlichen Israelis als fanatische Eiferer und wirklichkeitsfremde Spinner gelten. Das wei\u00df auch Frager, obwohl er versichert: &#8222;Ateret Cohanim ist eine Hochschule wie viele andere auch. Der einzige Unterschied ist: Sie liegt mitten in Gottes eigenem Hinterhof. Basta.&#8220;<\/p>\n<p>Die Arbeit bedeute ihm die &#8222;Erf\u00fcllung meiner Ideale&#8220;, gebe ihm &#8222;das Gef\u00fchl, in Israel zu sein, indem wir denjenigen helfen, die wirklich dort leben&#8220;; nat\u00fcrlich w\u00fcrde auch er am liebsten in Israel leben, aber das Schicksal habe ihm &#8222;eine Aufgabe in den USA&#8220; zugewiesen.<\/p>\n<p>Die rund 200 Studenten von Ateret Cohanim, die meisten l\u00e4ngst vollj\u00e4hrig und verheiratet, m\u00fcssen sich um ihren Lebensunterhalt keine Sorgen machen. Die Adre\u00dfliste der American Friends of Ateret Cohanim umfa\u00dft rund loooo Namen, auf jeden Studenten kommen 5o Unterst\u00fctzer. &#8222;Sie k\u00f6nnen es auch ohne uns schaffen, aber wir machen es ihnen leichter&#8220;, versichert Frager und sagt, Pioniere und Idealisten h\u00e4tten es immer schwer. &#8222;George Washington war umstritten, Theodor Herzl und David Ben-Gurion waren es auch. Wenn man der Masse voraus sein will, mu\u00df man auch bereit sein, den Preis daf\u00fcr zu zahlen.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>2.<\/p>\n<p>\u201eIch bin das Ergebnis weltlicher Erziehung, doch ich empfinde eine Menge Respekt und Bewunderung f\u00fcr Menschen, die nach den Regeln ihres Glaubens leben&#8220;,sagt <strong>Kenneth Bialkin.<\/strong><\/p>\n<p>Von seinem B\u00fcro iM 43. Stock eines Wolkenkratzers an der Ecke Third Avenue und 55. Stra\u00dfe schaut Bialkin \u00fcber einen Teil von Manhattan. Die Lower East Side, wo er 1929 als Kind russischer Einwanderer geboren wurde, hat er weit<\/p>\n<p>hinter sich gelassen. Der Absolvent der Harvard Law School ist Senior Partner einer gro\u00dfen und renommierten Anwaltskanzlei, die Liste seiner \u00c4mter und Ehren\u00e4mter f\u00fcllt zwei Seiten, auf dem Fenstersims stehen Bilder, die ihn zusammen mit Ex-Gouverneur Mario Cuomo, Pr\u00e4sident Bill Clinton und Papst Johannes<\/p>\n<p>Paul II. zeigen. Und dennoch hat er Verst\u00e4ndnis f\u00fcr jene, die das Wort Gottes noch w\u00f6rtlich nehmen. &#8222;In der Bibel steht, da\u00df uns das Heilige Land gegeben wurde. Die Orthodoxen handeln aus dem Gef\u00fchl heraus: Irgend jemand mu\u00df die Arbeit im Namen aller tun.&#8220; Bialkin spricht von Pflicht, Tradition, Erf\u00fcllung, von Idealismus, Patriotismus und Hingabe &#8211; von Tugenden, die in der s\u00e4kularen Welt aus der Mode gekommen seien und die nur noch von den praktizierenden Orthodoxen hochgehalten w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Nie w\u00fcrde er sein B\u00fcro auf der East Side Manhattans gegen eine Bleibe in Hebron tauschen, aber er findet es gut, da\u00df es Menschen gibt, die dazu bereit sind. &#8222;Sie stehen an vorderster Front im Kampf um Israels Existenz, um das \u00dcberleben der Juden.&#8220; M\u00f6gen die Siedler manchen als Karikaturen erscheinen, &#8222;f\u00fcr uns, die wir ganz anders leben, sind sie das Salz der Erde&#8220;.<\/p>\n<p>Bialkin vermutet, da\u00df viele weltliche Juden genauso denken und f\u00fchlen wie er, sei es aus Schuldgef\u00fchlen, weil sie sich von der traditionellen Lebensweise entfernt haben, sei es, weil sie das Verhalten der Orthodoxen als eine Art Vorsorge f\u00fcr den Fall des Falles sehen. &#8222;Es gibt keinen Anfang und kein Ende der Geschichte. Wir leben hier wie im Paradies, umgeben von Prosperit\u00e4t und Toleranz. Aber das mu\u00df nicht ewig so bleiben.&#8220;<\/p>\n<p>Auch in Deutschland h\u00e4tten sich die Juden bis 1933 absolut sicher geglaubt; h\u00e4tte es damals schon den Staat Israel gegeben, w\u00e4re es nicht zum Holocaust gekommen. Woraus folgt: Israel darf keine Schw\u00e4che zeigen, keine territoiialen Zugest\u00e4ndnisse an die Pal\u00e4stinenser machen. Doch weil Bialkin ein echter Liberaler ist, pl\u00e4diert er immerhin f\u00fcr einen &#8222;politischen Kompromi\u00df&#8220;, f\u00fcr einen &#8222;Modus vivendi&#8220; mit den Pal\u00e4stinensern. Die Einzelheiten des Arrangements \u00fcberl\u00e4\u00dft er vertrauensvoll Netanjahu.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">*<\/p>\n<p>Die beiden Adressen:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.nydailynews.com\/new-york\/hamill-doctor-works-hard-save-lives-israel-article-1.1806330\">Hamill- Doctor works har#3DCE6F<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 .\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Kenneth J. Bialkin | Pro#3DCF04<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Texte, \u00fcber die wir im Unterricht sprachen und die\u00a0 aus dem Abstand von zwei Jahrzehnten einen eigenen Reiz entwickeln. Schon der Name &#8222;Netanyahu&#8220;! Es war nicht schwer, im Netz Spuren von Joseph Frager (Link) und Kenneth Bialkin (Link)zu finden. 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