{"id":8888,"date":"2018-03-30T12:39:30","date_gmt":"2018-03-30T10:39:30","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=8888"},"modified":"2021-10-19T21:48:48","modified_gmt":"2021-10-19T19:48:48","slug":"als-moderner-candide-bei-den-senufo-und-anderswo-nachwort","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=8888","title":{"rendered":"Als moderner Candide bei den Senufo. Nachwort 2018 zum Reisebericht"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Im M\u00e4rz 2018<\/p>\n<h3>Hier die Links zu den Kapiteln: (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=172\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1<\/a>)\u00a0\u00a0 (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=1554\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2)<\/a>\u00a0\u00a0 (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=3390\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">3<\/a>)\u00a0\u00a0\u00a0 (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4188\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">4<\/a>)\u00a0\u00a0\u00a0 (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=8822\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">5<\/a>)<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Endlich schaffe ich es, den Reisebericht 1985 von der Elfenbeink\u00fcste abzuschlie\u00dfen. Das dritte Kapitel von den Senufo war am kniffligsten.<br \/>\n<\/strong><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Geholfen hat mir Till F\u00f6rsters Habilitationsschrift von 1997. Darin erz\u00e4hlt er in enzyklop\u00e4discher Gr\u00fcndlichkeit von den Institutionen und dem Leben in den D\u00f6rfern der Senufo und ihren Ver\u00e4nderungen im 20. Jahrhundert. Was in den Scheinwerferkegel ger\u00e4t, steht zuverl\u00e4ssig im Hellen. Mit ihrer hoch aufl\u00f6senden Optik macht die Studie noch den letzten Stuhl im Haus und Gespr\u00e4chsfetzen wie einzelne Redewendungen sichtbar. Auftretende Individuen gewinnen in diesem Licht nicht nur biografische Konturen, auch ihre Entscheidungsspielr\u00e4ume werden deutlich. &#8211; Nach der Lekt\u00fcre sehe ich eine Zeit lang die Welt anders, bev\u00f6lkert von Individuen statt von Klischees und Mannequins, selbst beim Durchbl\u00e4ttern eines trivialen FAZ-Magazins.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Till F\u00f6rster \u201eZerrissene Entfaltung &#8211; Alltag, Ritual und k\u00fcnstlerische Ausdrucksformenim Norden der C\u00f4te d&#8217;Ivoire\u201c (Frobenius-Institut: Studien zur Kulturkunde 107, R\u00fcdiger K\u00f6ppe Verlag K\u00f6ln 1997, 599 S., illustriert)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00f6rster hat seine Kenntnis und das Verst\u00e4ndnis \u00fcber zehn Jahre den Leuten abgerungen, durch Mitmachen, geduldiges Verfolgen der Gespr\u00e4che, durch Fragen und Nachfragen in ihrer Sprache. Er wusste am Ende mehr als der Durchschnitt der Initiierten je wusste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hingegen zog durch diese Welt wie ein Gro\u00dfes Kind, irritierte die Leute, eckte an, aber hatte immerhin Kontakt, und ich schrieb auf, was ich h\u00f6rte, sah, sagte und dachte. F\u00f6rsters Studie\u00a0 tr\u00f6stet mich heute: Was h\u00e4tte ich denn besser machen k\u00f6nnen? Welche Chance hatte der\u00a0 Durchreisende? So blieb mir zum Beispiel die Rivalit\u00e4t Senufo \u2013 Diula verborgen, ebenso wie die Bedeutung des Eigennamens oder die biografischen \u00dcberg\u00e4nge von einer Gemeinschaft zur anderen. Doch ich bin auch nicht mit dem Notizblock im Dorf herumgelaufen, um Erbsen zu z\u00e4hlen.<em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>*<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die folgende Zusammenstellung von Zitaten aus dem <em>\u201eBericht von der Elfenbeink\u00fcste (3): Senufo<\/em><\/strong><strong> soll Ansatzpunkte zum Weiterdenken bieten \u2013 Textzitate sind\u00a0 <em>kursiv<\/em> gedruckt<\/strong><strong>:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ich meide inzwischen die fonctionnaires.<\/em> Bei den Lehrern war ich wieder dort, und wieder als Ausgangspunkt. Das Milieu war mir vertraut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fragen: Was war <em>die tiefere Schicht<\/em>, die ich <em>mit Assita buchstabierte<\/em>? Was machte die <em>wachsende Unbehaglichkeit <\/em>aus? Hatten die Kindheitserfahrungen der im einf\u00fchrenden Dialog erw\u00e4hnten l\u00e4ndlichen Verwandten im katholischen Rheinland damit zu tun?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum gelang mir der Text \u00fcber den <em>Ancien<\/em> nicht? Weil der Vermittler fehlte, der empathische <em>interpr\u00e8te<\/em>, der in Worte gefasst h\u00e4tte, was zwischen uns passierte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So entstand meine Verwirrung \u00fcber gesp\u00fcrte und gew\u00fcnschte N\u00e4he und un\u00fcberbr\u00fcckbares Distanz!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Abschnitt <em>Abrechnung mit dem afrikanischen Dorf<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Unsicherheit des <em>Dorflehrers nach drei Jahren \u2013 <\/em>seinen Bildungsgang der Entfremdung nicht vergessen! Wem stellte er mich vor? Dem <em>Kollegen<\/em>, dem <em>Schmied<\/em>; der <em>Ancien<\/em> und andere kamen ins Haus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine Rolle, wenn er sich in meinen Augen <em>streng b\u00e4urisch<\/em> verhielt, mich <em>als Aufpasser <\/em>und <em>guide <\/em>einpferchte, war die Pflicht des Gastgebers. Er tat das stellvertretend. Niemand hatte mir gesagt, zuerst zum Oberhaupt zu gehen und ich ging auch nicht! Ich traf die Alten wohl erst am letzten Abend. Da boten sie mir \u2013 als Freund von KH Krieg \u2013 eine Figur an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sein Umgang mit dem <em>Frankfurt-<\/em>Heft in deutscher Sprache Wie weit war f\u00fcr ihn Abidjan?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der mit K.H.Kriegs monografischer Brosch\u00fcre. Die Scherze der Alten hat er mir damals nicht \u00fcbersetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Man muss nicht alles aufrechnen. <\/em>Wollte ich das?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Abschnitt <em>Von Anfang an&#8230; <\/em><\/strong><strong>bis <em>Bes\u00e4ufnis beim Abschied<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Buschtaxi <em>Moped<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Peul-Frau<\/em> <em>und Kinder;<\/em> Gesch\u00e4ftsbeziehung mit Nomaden;<em> man verst\u00e4ndigt sich auf Diula, man h\u00e4lt Distanz \u2013<\/em> was ich nicht akzeptierte. Doch damals bewunderte ich auch die Gro\u00dfz\u00fcgigkeit der Bauern. <strong>Foto<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Um 5 die Fufustampfer geh\u00f6rt, um halb acht herausgescheucht! <\/em>Mir fiel nichts auf<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Malaria und Alkoholproblem?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Sommerferien der verwandten Sch\u00fclerin, die sonst in Abidjan lebt: Ihr ganzes Verhalten, auch die Sprache, dr\u00fcckt Unzufriedenheit aus <\/em><strong>Foto<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wahlniederlage des von den Alten empfohlenen Kandidaten; ansonsten sagt man ja ja ja. <\/em>Ha, ein Krisensymptom!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kontrastierende Fr\u00f6hlichkeit der beiden Hausfrauen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>KH Krieg lebt im Bus und kommt immer nur kurz vorbei, spreche inzwischen wenigstens verst\u00e4ndliches Franz\u00f6sisch. <\/em>Auch damals ern\u00fcchternd. Hielt seine Brosch\u00fcre eigentlich, was sie versprach? (Karl-Heinz Krieg\/ Wulf Lohse \u201eKunst und Religion bei den Gbato-Senufo, Elfenbeink\u00fcste\u201c, Selbstverlag Hamburgisches Museum f\u00fcr V\u00f6lkerkunde 1981)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erwerbungen beim <em>Schmied<\/em>; Reineisen und Alteisen; T\u00f6chterchen am Blasebalg <strong>Foto<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Siesta<\/em>, die T\u00fcr <u>wird<\/u> mir geschlossen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Leute arbeiten hart&#8230;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8230; bitten sich entfernen zu d\u00fcrfen, um sich zu waschen <\/em>&#8211; ich bin nie zu ihnen aufs Feld gegangen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Konate <em>liebt Kaffee, aber die Familie sei zu gro\u00df<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Leute zogen in H\u00e4user ein, die gar keins im Feuer verloren hatten<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Indochinakrieg-Veteran w\u00fcrde wieder in den Krieg gehen, aber mit Schulbildung etwas daraus machen; die Bauern wollen ihn nicht h\u00f6ren, spricht nur noch mit den Alten<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eSonntag\u201c d.h. Erinnerung an die Negermama mit K\u00fcchlein <\/em>im Kinderbuch<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Schreiben ist an sich schon verd\u00e4chtig &#8230; ich sitze also weiter unt\u00e4tig herum<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das Trinkritual mit dem kreisenden Glas, <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Verbergen ist verboten (die geschlossene Hand mit dem Bonbon)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im M\u00e4rz 2018 Hier die Links zu den Kapiteln: (1)\u00a0\u00a0 (2)\u00a0\u00a0 (3)\u00a0\u00a0\u00a0 (4)\u00a0\u00a0\u00a0 (5) Endlich schaffe ich es, den Reisebericht 1985 von der Elfenbeink\u00fcste abzuschlie\u00dfen. 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