{"id":8709,"date":"2018-02-08T22:23:39","date_gmt":"2018-02-08T21:23:39","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=8709"},"modified":"2018-02-10T17:23:05","modified_gmt":"2018-02-10T16:23:05","slug":"die-traenke-der-tiger-zwei-paneele-aus-dem-terainepal","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=8709","title":{"rendered":"Die Tr\u00e4nke . Der Tiger &#8211; zwei Paneele der Santal (Terai\/Bihar)"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">DER GANG ZUR TR\u00c4NKE<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Treiber hat schon zwei Buckelrinder angebunden. Ein Knabe reitet sein Dromedar zur Tr\u00e4nke, er streckt die Beine vor. Ein Mann folgt ihm auf einem offenen einachsigen Maultierkarren. <!--more--><\/p>\n<p>Die Darstellung, m\u00e4\u00dfig bewegt, strahlt Ruhe aus.<\/p>\n<p>Die Haustiere sind subtil aus der Platte geschnitten. Sag man \u201ehalbplastisches Relief\u201c, wenn die K\u00f6rper <u>auf<\/u> der Platte zu stehen scheinen, wie mit Sandkastenf\u00f6rmchen abgedr\u00fcckt?<\/p>\n<p>H\u00e4lse und K\u00f6pfe sind verkleinert und verk\u00fcrzt, weil die H\u00f6he des Frieses auf 13 cm beschr\u00e4nkt ist, doch sind sie fein ausgearbeitet. Alle Tiere sind hochbeinig, was ihnen W\u00fcrde gibt. Auch ist genug Platz, um den Moment des Ankommens durch entsprechende Beinposition dreidimensional anschaulich werden zu lassen. Die drei dargestellten Menschen sind wohlproportioniert und haben eine markante Kopfform.<\/p>\n<p>Das Relief wirkt zugleich sensibel und archaisch. Karl dachte an \u201eviel \u00e4ltere Vorbilder\u201c des popul\u00e4ren Frieses. (Dass er dazu irgendeine Ged\u00e4chtnisspur hat!)<\/p>\n<p>Ich schlage spontan Pommerantz-Liedkes Band \u00fcber \u201echinesische Steinabreibungen\u201c nach und werde in der Han-Zeit f\u00fcndig: Dieselbe k\u00f6rperliche Plastizit\u00e4t mit einfachsten Mitteln.<\/p>\n<p>Je nach Lichteinfall werden jeweils andere Konturen stark akzentuiert. Wenn vor dem Fenster dichtes Laub vom Wind hin- und her bewegt wird, also schnell wechselndes Licht auf die Paneele trifft, m\u00f6chte man meinen, sie bef\u00e4nde sich wieder an einem authentischen Standort in einer Holzkonstruktion unter tropischer Sonne.<\/p>\n<p>Zumal sie nicht mehr allein ist! Zwei weitere Bretter, geringf\u00fcgig l\u00e4nger, hatte Sch. an den Stand auf dem Bergerstra\u00dfenfest mitgebracht, eines davon von der gleichen Qualit\u00e4t aus derselben Werkstadt, dessen bin ich mir sicher. Auf meiner Staffelei \u00fcbereinander montiert, vervielfacht sich die Wirkung.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/P1050734Mithila2Paneelen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-8710\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/P1050734Mithila2Paneelen.jpg\" alt=\"P1050734Mithila2Paneelen\" width=\"600\" height=\"450\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/P1050734Mithila2Paneelen.jpg 600w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/P1050734Mithila2Paneelen-360x270.jpg 360w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">TIGERJAGD<\/p>\n<p>Die Darstellung k\u00f6nnte f\u00fcr mich folgende Geschichte in drei Teilen erz\u00e4hlen :<\/p>\n<p>Abtransport des Opfers auf dem R\u00fccken eines Maultiers (links), die Verfolgung des Tigers durch einen Zweiradfahrer (Mitte) und Mobilisierung des Milit\u00e4rs (rechts).<\/p>\n<p>Oder sind sie vielmehr demobilisiert? Drei Soldaten marschieren mit geschultertem Gewehr nach rechts. Der Tiger \u201etigert\u201c ihnen nach, mit erhobenem Schwanz, anscheinend unbemerkt. Sie k\u00f6nnten die n\u00e4chsten Opfer sein. Die zwei M\u00e4nner transportieren (wie gehabt) das Opfer auf dem Maultier nach Hause. Der Radfahrer f\u00e4hrt voraus, die Familie zu benachrichtigen.<\/p>\n<p>Oder wie reimen Sie sich die Geschichte zusammen?<\/p>\n<p>Ich mag es , wie die Bildgeschichte \u2013 und es ist zweifellos eine Geschichte \u2013 so elementar wie unverbindlich erz\u00e4hlt wird, wie auf einer Serie von Fotos, die man zu numerieren vergessen hat. Die zeitliche Abfolge befindet sich in Unordnung, b.z.w. es herrscht Simultanit\u00e4t, eben Bildlogik.<\/p>\n<p>Wir haben das Feature \u00fcber die Sundarbans ( Delta \u00f6stlich von Calcutta) gesehen und \u00fcber die Gef\u00e4hrdung des Lebensraums f\u00fcr den bengalischen Tiger in der \u201eNatur\u201c gelesen.<\/p>\n<p>Im Terai-Gebiet, aus der die Darstellungen stammen, sind sie ja wohl ausgerottet. Doch kann man es den Leuten \u00fcbelnehmen? Ist ihnen zuzumuten, mit diesem Risiko zu leben, wo in Deutschlands Berggegenden Panik aufkommnt, wenn einzelnde Braunb\u00e4ren oder gar Wolfsrudel gesichtet werden?<\/p>\n<p>Die beiden Paneele \u00fcbereinander polarisieren \u201ed\u00f6rflichen Frieden\u201c und \u201edie Gefahr in der Wildnis\u201c, erg\u00e4nzen also einander auch thematisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">4.8.2008<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #7f5ba3;\">NACHWORT:<\/span><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #7f5ba3;\">Bretter und Text gefallen mir seit langem. Die Bretter &#8211; um die 1 m lang &#8211; stammen von einem der bei den Santal traditionellen &#8222;Brautwagen&#8220;, wie einer in einem Buch \u00fcber indische Volkskunst aus der damaligen DDR schematisch abgebildet ist. <\/span><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #7f5ba3;\">Ein junger Anthropologe, der sich auf die aktuellen Seifenoper-Videos der Santal in der Ganges-Ebene spezialisiert hat, wollte auf Anfrage von den traditionellen Bilderz\u00e4hlungen gar nichts wissen, ich durfte nicht einmal mit einem solchen Brett im benachbarten Institut vorbeikommen.\u00a0<\/span><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #7f5ba3;\">Ich habe nun andere Informationsquellen. Gestern bot die Webseite &#8222;Ethnoantiques&#8220; (<a style=\"color: #7f5ba3;\" href=\"http:\/\/www.ethnoantiques.com\/wordpress\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Link<\/a>) gleich ein habes Dutzend interessanter Bretter in guten Aufnahmen. Und bereits 2007 hatte allein auf weiter Flur das Crocker-Art-Museum in Sacramento\/CAL eine Ausstellung \u00fcber Wagen und Bretter organisiert (<a style=\"color: #7f5ba3;\" href=\"http:\/\/artknowledgenews.com\/200701212863\/Crocker_Art_Museum_Tribal_Art_North_India.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Link<\/a> zu Reportage)<\/span><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #7f5ba3;\">Mein Beitrag heute ist f\u00fcr mich ein Ausgangspunkt. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/span><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #cc99ff;\"><span style=\"color: #7f5ba3;\">9. 2. 2018<\/span><br \/>\n<\/span><\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; DER GANG ZUR TR\u00c4NKE &nbsp; Der Treiber hat schon zwei Buckelrinder angebunden. Ein Knabe reitet sein Dromedar zur Tr\u00e4nke, er streckt die Beine vor. 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