{"id":8572,"date":"2018-01-30T23:49:03","date_gmt":"2018-01-30T22:49:03","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=8572"},"modified":"2023-10-29T18:58:41","modified_gmt":"2023-10-29T17:58:41","slug":"lwalwa-figur-eines-jungen-taenzers","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=8572","title":{"rendered":"Lwalwa &#8211; Figur eines jungen T\u00e4nzers"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: center;\">BEGEGNUNG<\/h3>\n<p>Der Flohmarkt ist dieses Jahr eine Herausforderung. Die von weither anreisenden H\u00e4ndler haben mein Mitgef\u00fchl. Doch diese Figur lohnt die M\u00fchen. Die Verortung bei den <em>Lwalwa<\/em> durch ein stiltypisches Kennzeichen ist nur eine komfortable Zugabe. Ihre Ausstrahlung entsteht aus der Kraft m\u00e4nnlicher Jugend wie aus der k\u00fcnstlerischen Umsetzung. Der Federschmuck tut ein \u00dcbriges. Der K\u00f6rper spricht seine eigene Sprache; \u00fcber und \u00fcber rot gef\u00e4rbt muss er unwiderstehlich gewesen sein.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_5952-Lwalwa-Figur-frontal.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-8638 alignleft\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_5952-Lwalwa-Figur-frontal-234x360.jpg\" alt=\"IMG_5952-Lwalwa-Figur frontal\" width=\"234\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_5952-Lwalwa-Figur-frontal-234x360.jpg 234w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_5952-Lwalwa-Figur-frontal-584x900.jpg 584w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_5952-Lwalwa-Figur-frontal-624x961.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_5952-Lwalwa-Figur-frontal.jpg 714w\" sizes=\"auto, (max-width: 234px) 100vw, 234px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_5959-Lwalewa-Figur-seitl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-8648\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_5959-Lwalewa-Figur-seitl-259x360.jpg\" alt=\"IMG_5959-Lwalewa-Figur seitl\" width=\"259\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_5959-Lwalewa-Figur-seitl-259x360.jpg 259w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_5959-Lwalewa-Figur-seitl-649x900.jpg 649w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_5959-Lwalewa-Figur-seitl-624x866.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_5959-Lwalewa-Figur-seitl.jpg 792w\" sizes=\"auto, (max-width: 259px) 100vw, 259px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">ERSTE ORIENTIERUNG<\/h3>\n<p>Bei <strong>Kerchache\/Paudrat (Kunst des schwarzen Afrika, 1989<\/strong>, 593)) lese ich:<\/p>\n<p><em>An Skulpturen existierten nur einige recht rohe Figurinen, deren Gesichtsz\u00fcge nach den Masken kopiert sind und die beim Fruchtbarkeitsritual oder auch dem den Boten der Ahnen, Geistern, geweihten Kult eine Rolle spielten. <\/em>Dagegen hei\u00dft es von den Masken<em>, <\/em>dass sie <em>von gro\u00dfer plastischer Kraft und bemerkenswerter Abstraktion sind &#8230;. Der Bildhauer hatte einen privilegierten Status und lie\u00df sich reichlich bezahlen; sein Beruf war erblich und es kam oft vor, dass er durch seinen Reichtum die Funktion des Dorfoberhauptes aus\u00fcbte und mit der Organisation der Maskent\u00e4nze betraut war.<\/em><\/p>\n<p>Mir erscheint das Ganze eigenartig: Da hebt man die Kunstfertigkeit und den hohen Status der Schnitzer hervor &#8211;\u00a0 und macht dann diese abwertende Bemerkung \u00fcber Figuren!<\/p>\n<p>Die einzige Literaturangabe f\u00fchrt zu einer schmalen Monographie: <strong>P. Timmermans, <em>Les Lwalwa<\/em><\/strong> in <em>Africa-Tervuren<\/em> 1967 (Frobenius-Bibl. : Ps VI 3c XIII -1067). Dieser Aufsatz hat nur 18 Druckseiten mit 25 Abbildungen und endet in Fragen.<\/p>\n<p>Timmermans bildet eine einzige \u2013 weibliche \u2013 <strong>Figur<\/strong> ab (S. 85,89 Fig 18a und b) &#8211; aus einem Fruchtbarkeitsritus und beruft sich dabei auf eine m\u00fcndliche Mitteilung von M.R. Ceyssens. Andere Ausk\u00fcnfte zur Verwendung solcher Figuren habe er nirgends erhalten. <em>Morphologisch <\/em>urteilt er: <em>Der Kopf korrespondiert mit den Gesichtsz\u00fcgen der Masken. Die anderen Teile des K\u00f6rpers sind ungelenk und ohne den geringsten Ausdruck<\/em>. (<em>La t\u00eate correspond aux traits des masques. Les autres parties du corps sont raides et sans la moindre expression<\/em>.)<\/p>\n<p><em>Statuen sind sehr selten bei den Lwalwa <\/em>(\u201e<em>La statuaire est tr\u00e8s rare chez les Lwalwa<\/em>\u201c) kann also als Entschuldigung f\u00fcr eine gewisse Ratlosigkeit gelesen werden.<\/p>\n<p><strong>Felix<\/strong> (<em>100 Peoples .<\/em>..) zeigt auch nur ein Figurenpaar (Zeichnung), doch im Stil ganz anders, angeblich handelt es sich um Ahnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">BESCHREIBUNG DER FIGUR<\/h3>\n<p>Mit dem Hinweis auf Maskengesichter kann ich etwas anfangen, ich erkenne darin den Typ <em>Shifola<\/em> mit Kussmund und einer kr\u00e4ftigen gebogenen Nase, deren Wurzel vom Stirnbogen verschattet wird. Wenn man die strenge Frontalsicht verl\u00e4sst, erscheint das Gesicht der Figur als integraler Teil des Kopfes. Repr\u00e4sentiert die Figur einen Maskent\u00e4nzer? (Abbildungen unten)<\/p>\n<p>Der eher kantige Kopf und der muskul\u00f6s gerundete K\u00f6rper stehen in kaum wahrnehmbarer Spannung zueinander. Man muss die Masken der <em>Lwalwa<\/em> schon kennen, um sie an der Figur zu wiederzuerkennen, aber sie sind ja bekannt. Diese <em>Maske<\/em> wirkt jedenfalls nicht aufgesetzt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_5961-Lwalwa-Figur-Ru\u0308cken.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-8637\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_5961-Lwalwa-Figur-Ru\u0308cken-245x360.jpg\" alt=\"IMG_5961-Lwalwa-Figur Ru\u0308cken\" width=\"245\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_5961-Lwalwa-Figur-Ru\u0308cken-245x360.jpg 245w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_5961-Lwalwa-Figur-Ru\u0308cken-613x900.jpg 613w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_5961-Lwalwa-Figur-Ru\u0308cken-624x916.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_5961-Lwalwa-Figur-Ru\u0308cken.jpg 715w\" sizes=\"auto, (max-width: 245px) 100vw, 245px\" \/><\/a>Obwohl\u00a0 bereits ohne seinen Federschmuck der Kopf dominiert, ist der kraftstrotzende junge Mann mit der Figur eines Ringk\u00e4mpfers die muskul\u00f6seste afrikanische Figur, die ich kenne. Von hinten gesehen, l\u00e4sst eine Pilzfrisur den Hinterkopf frei. Der sitzt auf einem klassischen \u201aStiernacken\u2019, und der w\u00e4chst aus gewaltigen Schultern und einem breiten Kreuz bei eingezogenen Pobacken. Die Beine stehen breit auf dem Boden. Zwischen ihnen sieht man ein beeindruckendes Geh\u00e4nge.<\/p>\n<p>Von vorn und von der Seite gesehen, sind Brust, Schulter und Bizeps eins und Unterarm und Hand zu blo\u00dfen Anh\u00e4ngseln geworden. Muskelpakete und Bauchw\u00f6lbung bilden einen Dreiklang. Der Penis \u2013 nicht erigiert &#8211; ist kr\u00e4ftig und beschnitten. Die kurzen Beine sind S\u00e4ulen auch von vorn, die F\u00fc\u00dfe \u00fcberdimensionierte Bl\u00f6cke.<\/p>\n<p>Eine perfekte Rundplastik, in die sich Profil und Dreiviertelansichten bruchlos einf\u00fcgen. So stelle ich mir vor, dass geschulte und erfahrene Schnitzer weltbekannter Tanzmasken Figuren schnitzen!<\/p>\n<p>Die Oberfl\u00e4che zeigt Glanz, aber nicht den gereinigter und aufgearbeiteter Figuren, wie ich sie heute wieder bei M. sehen konnte. Manchmal bekommt W. Figuren, die \u00fcberreich an &#8218;forensischen&#8216; Spuren sind, ohne deshalb Ruinen oder primitiv zu sein.<\/p>\n<p>\u00dcberall zeigen sich verborgene rote Pigmente \u2013 wohl wie bei den Masken aus dem roten Saft der <em>mukula<\/em> Frucht (Timmermans 85) &#8211; an Bauch und Armen auch Spuren von Wei\u00df, wenn das nicht Ausbl\u00fchungen oder Opferspuren sind. Daraus besteht aber vermutlich die sehr unruhige dunkle Oberfl\u00e4che. Wegen leichter Fra\u00dfspuren an den Oberfl\u00e4chen im Beinbereich der Figur, st\u00e4rker am Penis, komme ich darauf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">DER TANZ IN DER IDEALEN WELT DER TRADITION<\/h3>\n<p>Von den zahlreichen <em>Lwalwa<\/em>-Masken hei\u00dft es gew\u00f6hnlich: \u201e<em>Sie erscheinen im Augenblick der Beschneidung und geh\u00f6ren zu Geheimb\u00fcnden, die sp\u00e4ter bestimmten Mitgliedern eine weitere Vertiefung der I<\/em>nitiation vermitteln, die mit der Initiation begonnen hat. So <strong>Laure Meyer<\/strong> in <em>Schwarzafrika <\/em>(1992, S.89, Nr. 70\u00a0 Abb.rechts).<\/p>\n<div id=\"attachment_8640\" style=\"width: 213px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/LaureMeyer1992-no.70-Nkaki.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8640\" class=\"size-medium wp-image-8640\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/LaureMeyer1992-no.70-Nkaki-203x360.jpg\" alt=\"LaureMeyer1992-no.70 Nkaki-Maske\" width=\"203\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/LaureMeyer1992-no.70-Nkaki-203x360.jpg 203w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/LaureMeyer1992-no.70-Nkaki.jpg 508w\" sizes=\"auto, (max-width: 203px) 100vw, 203px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8640\" class=\"wp-caption-text\">LaureMeyer1992-no.70 Nkaki-Maske<\/p><\/div>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_5957-Lwalwa-Figur-Kopf.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-8639 alignleft\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_5957-Lwalwa-Figur-Kopf-265x360.jpg\" alt=\"IMG_5957-Lwalwa-Figur Kopf\" width=\"265\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_5957-Lwalwa-Figur-Kopf-265x360.jpg 265w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_5957-Lwalwa-Figur-Kopf-624x849.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_5957-Lwalwa-Figur-Kopf.jpg 661w\" sizes=\"auto, (max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6><\/h6>\n<p><strong>William Fagg<\/strong> formulierte in seinem sch\u00f6nen Buch \u201e<em>Tribes and Forms in African Art<\/em>\u201c, London 1965 pr\u00e4gnant die traditionelle Rolle dieses Tanzes:<\/p>\n<p><em>Wie in den meisten St\u00e4mmen des s\u00fcdwestlichen Kongo feiern die frisch beschnittenen jungen M\u00e4nner den Abschluss der Buschuniversit\u00e4t und ihren Eintritt in den Stamm mit rituellen Maskent\u00e4nzen, die nicht nur ein Mittel der Selbstdarstellung sind, sondern den direkt der Gemeinschaft n\u00fctzen, indem sie Lebensenergie generieren unter rituell kontrollierten Bedingungen, die das Risiko einer Kontaminierung mit dieser fast radioaktiven Substanz auf ein Minimum beschr\u00e4nken sollen. <\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_8641\" style=\"width: 236px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Fagg-Tribes-1965-Balwalwa.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8641\" class=\"size-medium wp-image-8641\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Fagg-Tribes-1965-Balwalwa-226x360.jpg\" alt=\"Fagg-Tribes 1965 Balwalwa\" width=\"226\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Fagg-Tribes-1965-Balwalwa-226x360.jpg 226w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Fagg-Tribes-1965-Balwalwa.jpg 507w\" sizes=\"auto, (max-width: 226px) 100vw, 226px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8641\" class=\"wp-caption-text\">Fagg: Tribes&#8230;. 1965\u00a0 p.99\u00a0 Balwalwa<\/p><\/div>\n<p>(<em>As in the most of the tribes of the south-west Congo the newly circumcised young men celebrate their graduation from the bush university and their entry into the tribe by performing ritual masked dances which are not only a means of self-expression but are of a direct value to the community by generating life-force under conditions which are ritually controlled so as to minimize the risk of meddling with this almost radioactive substance.<\/em>) (99)<\/p>\n<p>An der 1930 im <em>Mboi Distrikt<\/em> gesammelten Maske (Abb.) aus Tervuren hob Fagg die Aggressivit\u00e4t der Nase (<em>aggressive salient nose<\/em>) hervor. Die der weiblichen Masken sei zur\u00fcckhaltender (<em>more restraint<\/em>). Wie bei der Initiation bei den <em>Yaka <\/em>wird die &#8218;m\u00e4nnliche&#8216; Lebensenergie gefeiert und mit &#8218;erigierten&#8216; Nasen verbildlicht. (<strong><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4497\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link <\/a><\/strong>zu &#8222;Drei Masken f\u00fcr festliche Auftritte&#8220;). Rik Ceyssens vergleicht in &#8222;Masterpieces&#8230; Tervuren&#8220; (1996, no.51 p.166) den Nasentyp mit &#8222;the overwhelming beak of a kind of <em>calao<\/em>&#8220; (Hornvogel).<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">TANZ IN DEN F\u00dcNFZIGER JAHREN<\/h3>\n<p>Timmermans hatte in den f\u00fcnfziger Jahren Gelegenheit, einen solchen Tanz\u00a0 namens <em>bangongo<\/em> im Dorf <em>Mukwenda <\/em>des <em>groupement Bishi-Kaluama<\/em> zu sehen. Er wurde jeweils von einem Dutzend T\u00e4nzern mit nacktem Oberk\u00f6rper und einem Schurz aus dem Fell kleiner Affen oder Schleichkatzen auf den H\u00fcften ausgef\u00fchrt. (87) Die jungen M\u00e4nner zwischen 15 und 20 kamen aus einem Buschlager, wo sie zwei oder drei Tage durch Stockschl\u00e4ge und Training auf ihren Auftritt vorbereitet worden waren. Hoch erregt kehrten sie zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Timmermans schildert, wie die T\u00e4nzer in acht sehr anstrengenden und perfektionierten Choreographien sich v\u00f6llig ersch\u00f6pfen, anfangs auf den Fersen hockend, dann trampelnd, mit Tempo und Artistik, mit konzertierten Schreien, l\u00e4rmend gegen das Publikum vorr\u00fcckend. Mehrere Saltos vorw\u00e4rts hintereinander, die auf den Fersen enden, schlie\u00dfen die Folge ab (87). Am Ende sind die T\u00e4nzer kaum noch wiederzuerkennen, sind durchgeschwitzt und ringen nach Atem. Nach einhelligem Urteil der Zuschauer geh\u00f6ren sie zu den besten T\u00e4nzern \u00fcberhaupt. (88) Einen solchen idealen jungen Mann k\u00f6nnte die Figur darstellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">WIE WEIT GING DIE PROFANIERUNG DES TANZES ?<\/h3>\n<p>1967 traten feste Tanzgruppen junger M\u00e4nner <em>unter dem Einfluss westlicher Kultur<\/em> gelegentlich in <em>Luluabourg<\/em> oder <em>Tshikapa <\/em>auf, um damit etwas Geld zu verdienen. (86)<\/p>\n<p>Dieser Trend wird von Zo\u00e9 <strong>Strother<\/strong> f\u00fcr die <strong>Pende<\/strong> best\u00e4tigt <strong>(<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=7997\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a>)<\/strong>. Andererseits muss man vielleicht den Eindruck relativieren. Arthur <strong>Bourgeois<\/strong> beschrieb 1985 bei den <strong>Yaka<\/strong> effektvolle Auftritte, die durchaus mit dem ernsten und komplexen Geschehen der Knabenbeschneidung vereinbar waren. Von den erheblichen Unkosten musste wenigstens ein Teil wieder herein kommen. Freilich ist der Auftritt vor einem st\u00e4dtischen Publikum oder bei einem von der staatlichen Obrigkeit organisierten Tanzfestival wohl nicht dasselbe wie vor den zur Solidarit\u00e4t verpflichteten entfernten Verwandten aus den Nachbard\u00f6rfern. (<strong><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4497\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a><\/strong> \u201eYaka \u2013 Drei Masken &#8230;.\u201c).<\/p>\n<p>Timmermans betonte, dass man w\u00e4hrend des Tages generell ohne Maske\u00a0 tanzte &#8211;\u00a0 ohne Gesichtsmaske ? Dabei ist zu bedenken: Der Tanz und das Kost\u00fcm sind das Prim\u00e4re, nicht die h\u00f6lzerne Maske &#8211; und zwar, um die Frauen vor dem Anblick zu sch\u00fctzen, denn das k\u00f6nne b\u00f6se Folgen haben, namentlich die Fruchtbarkeit und Entbindung gef\u00e4hrden. (85) Ich w\u00e4re gespannt zu erfahren, wie lange die Vorsichtsma\u00dfnahme die Profanierung \u00fcberlebt hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">MASKEN-VIELFALT<\/h3>\n<p><em>Die Lwalwa verwenden <strong>vier Maskentypen<\/strong><\/em><strong>,<\/strong> schreibt Timmermans. Er orientiert sich an einem Unterscheidungsmerkmal, der Form und L\u00e4nge der Nase: Die m\u00e4nnliche Maske <em><strong>Nkaki<\/strong> <\/em>hat eine sehr lange gerade Nase, die sich \u00fcber die Stirn in einem Kamm fortsetzen kann, <em><strong>Mushika<\/strong>, <\/em>weiblich, tr\u00e4gt eine Stirnhaube und eine etwas k\u00fcrzere Nase, darin \u00e4hnelt ihr die m\u00e4nnliche <strong><em>Mwondo<\/em><\/strong>. Die <em><strong>Shifola<\/strong><\/em> schlie\u00dflich ist e<em>benso Darstellung eines Mannes, doch die Nase ist kurz und rund. <\/em>(85).<\/p>\n<div id=\"attachment_8642\" style=\"width: 376px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Timmermans-Lwalwa-Masken-p84_shifola-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8642\" class=\"wp-image-8642\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Timmermans-Lwalwa-Masken-p84_shifola-2-360x256.jpg\" alt=\"Timmermans Lwalwa Masken p,84_shifola\" width=\"366\" height=\"260\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Timmermans-Lwalwa-Masken-p84_shifola-2-360x256.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Timmermans-Lwalwa-Masken-p84_shifola-2-900x640.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Timmermans-Lwalwa-Masken-p84_shifola-2-624x443.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Timmermans-Lwalwa-Masken-p84_shifola-2.jpg 999w\" sizes=\"auto, (max-width: 366px) 100vw, 366px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8642\" class=\"wp-caption-text\">Timmermans Lwalwa Masken p,84_shifola<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_8643\" style=\"width: 180px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Timmermans-Lwalwa-Maske-p.86-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8643\" class=\"wp-image-8643\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Timmermans-Lwalwa-Maske-p.86-1-227x360.jpg\" alt=\"Timmermans Lwalwa Maske p.86\" width=\"170\" height=\"270\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Timmermans-Lwalwa-Maske-p.86-1-227x360.jpg 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alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Timmermans-Lwalwa-Maske-p.83-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8645\" class=\"wp-image-8645\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Timmermans-Lwalwa-Maske-p.83-1-200x360.jpg\" alt=\"Timmermans Lwalwa Maske p.83\" width=\"167\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Timmermans-Lwalwa-Maske-p.83-1-200x360.jpg 200w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Timmermans-Lwalwa-Maske-p.83-1-500x900.jpg 500w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Timmermans-Lwalwa-Maske-p.83-1.jpg 555w\" sizes=\"auto, (max-width: 167px) 100vw, 167px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8645\" class=\"wp-caption-text\">Timmermans Nkaki Maske p.83<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6><\/h6>\n<p>Die genannten Kriterien sagen wenig \u00fcber die Vielfalt in den Maskengesichtern aus, f\u00fcr welche die <em>Lwalwa<\/em>-K\u00fcnstler ber\u00fchmt sind. Ich habe eine ganze Reihe von Abbildungen vor mir liegen.<\/p>\n<p>Da gibt es gro\u00dffl\u00e4chige breite Gesichter und eher zarte mit hervortretenden Wangenknochen, die Nase kann grotesk oder plump sein oder elegant, die Stirn heiter oder finster, die waagrechten Augenschlitze, parallel oder individualisiert, liegen im Hellen, weil die Augenbrauen zusammen mit der Nasenwurzel weit nach oben versetzt sind, oder wie bei der <em>shifola<\/em> im Schatten der schweren Augenbrauen. Der Ausdruck des hervorstehenden Mundes variiert zwischen kokett oder \u201asch\u00f6n\u2019 und \u201ah\u00e4sslich\u2019 und brutal. Die Ohren sind eher unwichtig, vor ihnen ragen zwei pockenartige Schmucknarben als seitliche Fixpunkte vor. Alle diese Variationsm\u00f6glichkeiten lassen sich noch durch die Bemalung steigern.<\/p>\n<p>Das Maskengesicht der T\u00e4nzerfigur ist ein Gesicht von gleichem Recht wie alle die anderen! Auch wenn wir nicht wissen, wann dieser Figurentyp erfunden wurde und welche kultische Rolle er gespielt hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Was bedeuten unterschiedliche Maskengesichter, m\u00e4nnliche wie weibliche?<\/strong><\/h3>\n<p>In der Anmerkung 45 (85) \u00fcbernimmt Timmermans von Maesen den vollst\u00e4ndigen Namen der <em>shifola<\/em>-Maske, <em>Tshikuluulu<\/em>, was <em>hibou <\/em>(Eule) bedeuten soll. Passen dazu Schlitzaugen? Wie demm auch sei, ich habe im Blog (<strong><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=8366\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a><\/strong>) \u00fcber eine Eulenmaske der Luba gezeigt, dass uns\u00a0 wir damit jedenfalls mitten in der typischen Drohkulisse von Initiationsveranstaltungen und in der zwielichtigen Sph\u00e4re von Geheimb\u00fcnden befinden. Die Eule ist ein in Afrika gef\u00fcrchtetes Wesen des Zwielichts.\u00a0 An traditionellen Bedeutungen erfahren wir hier nicht mehr.<\/p>\n<h4>In der Anmerkung 46 macht Timmermans eine Aussage \u00fcber den zeitgen\u00f6ssischen Auftraggeber und dessen Typwahl!<\/h4>\n<p>\u201e<em>Der T\u00e4nzer bestellt bei einem Schnitzer eine Maske seines bevorzugten Typs. Ohne die Kriterien zu kennen, auf die er die Entscheidung f\u00fcr einen Typ gr\u00fcndet, wissen wir doch, dass die Physiognomie des T\u00e4nzers eine Rolle dabei spielt. Man muss dazu bemerken, dass die M\u00e4nner ebenso in der weiblichen Maske \u201amushika\u2019 tanzen<\/em>. <em>Der Lohn f\u00fcr den Schnitzer hei\u00dft \u201akatanu\u2019\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Das Gesicht der Figur zitier<u>t<\/u> zwar den Typ der <em>shifola<\/em>, aber ist ebenso individuell gestaltet wie andere <em>shifola<\/em>-Masken es sind. Der T\u00e4nzer w\u00e4hlt die f\u00fcr ihn passende &#8218;Mischung&#8216; der Gender, und das ist gerade heute in Europa ein aktuelles Thema. Strother erz\u00e4hlt von den <em>Pende<\/em> die Erfahrungen eines eigenwilligen jungen T\u00e4nzers (<strong><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=6743\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a><\/strong>: &#8222;Modernisierung der Pende-Masken &#8220; &#8211; dort im &#8222;Nachtrag vom\u00a0 20.1.17&#8220;). Interessant ist auch die moralische Komponente im Verst\u00e4ndnis der <em>Pende<\/em>: &#8218;Weibliche&#8216; Zur\u00fcckhaltung zeichnet auch den idealen H\u00e4uptling aus.<\/p>\n<p>Gerade weil die T\u00e4nzer im Tanz &#8211; in der Choreografie, den Gesichtsmasken und im Kost\u00fcm &#8211; die T\u00e4nzer mit ganzer Kraft \u2013 bis zur Ersch\u00f6pfung &#8211; die kollektive Lebensenergie erneuern, spielt ihre ganz pers\u00f6nliche Konstitution eine entscheidende Rolle. Die Anpassung der Maske an die individuelle Physiognomie kann man also als Steigerung der Identifikation mit dieser &#8218;tragenden Rolle&#8216; f\u00fcr die Gemeinschaft sehen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">FEDERBUSCH<\/h3>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/artpremier-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-8646 alignleft\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/artpremier-1-254x360.jpg\" alt=\"artpremier\" width=\"254\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/artpremier-1-254x360.jpg 254w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/artpremier-1-624x883.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/artpremier-1.jpg 635w\" sizes=\"auto, (max-width: 254px) 100vw, 254px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Den Masken hat die Figur den Federbusch voraus, der aus einer \u00d6ffnung auf der Sch\u00e4delmitte w\u00e4chst, einem f\u00fcr magische Kraftfiguren wichtigen Ort, von den <em>Yombe<\/em> und <em>(Ba)kongo<\/em> \u00fcber <em>Yaka<\/em> (Bourgeois, Art of&#8230; 1984, no.206, <em>charm container<\/em>) und <em>Pende<\/em> (Strother : <em>Pende<\/em> pl.41) bis zu den daf\u00fcr notorischen <em>Songye<\/em> und <em>Luba<\/em>. \u2013 Nun zeigt aber die Facebook-Seite \u201e\u201c unter dem Datum 26.9.2011 einen Maskent\u00e4nzer mit Federbusch und Kost\u00fcm, Ausschnitt aus einem Feldfoto (anonym). Was der wohl bedeutet?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BEGEGNUNG Der Flohmarkt ist dieses Jahr eine Herausforderung. Die von weither anreisenden H\u00e4ndler haben mein Mitgef\u00fchl. Doch diese Figur lohnt die M\u00fchen. Die Verortung bei den Lwalwa durch ein stiltypisches Kennzeichen ist nur eine komfortable Zugabe. Ihre Ausstrahlung entsteht aus der Kraft m\u00e4nnlicher Jugend wie aus der k\u00fcnstlerischen Umsetzung. Der Federschmuck tut ein \u00dcbriges. 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