{"id":8271,"date":"2017-11-07T21:06:51","date_gmt":"2017-11-07T20:06:51","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=8271"},"modified":"2020-05-23T11:44:11","modified_gmt":"2020-05-23T09:44:11","slug":"unvergleichlich-die-erzwungene-nachbarschaft-smb-im-spagat","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=8271","title":{"rendered":"&#8222;Unvergleichlich&#8220; &#8211; erzwungene Nachbarschaft im Bode-Museum"},"content":{"rendered":"<h6 style=\"text-align: left;\"><\/h6>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Zitat aus dem Flyer <\/strong>(<span style=\"color: #ff0000;\">Signalfarbe<\/span> original):<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em><span style=\"color: #ff0000;\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Fahne-IMG_4434.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-8273\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Fahne-IMG_4434-266x360.jpg\" alt=\"Fahne-IMG_4434\" width=\"266\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Fahne-IMG_4434-266x360.jpg 266w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Fahne-IMG_4434-665x900.jpg 665w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Fahne-IMG_4434-624x845.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Fahne-IMG_4434.jpg 738w\" sizes=\"auto, (max-width: 266px) 100vw, 266px\" \/><\/a><\/span><\/em><\/strong><em><span style=\"color: #ff0000;\">Achtzig Hauptwerke afrikanischer Skulptur aus dem verblichenen Ethnologischen Museum sind zu Gast im Bode-Museum. Kunst aus West- und Zentralafrika trifft auf Meisterwerke aus Italien und Mitteleuropa. Im direkten Dialog geht es um die gro\u00dfen Themen der Menschheit: Macht und Tod, Sch\u00f6nheit und Identit\u00e4t, Gerechtigkeit und Erinnerun<\/span><\/em><em><span style=\"color: #ff0000;\">g. <\/span><\/em>AMEN<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>In beiden Hauptetagen des Bode-Museums werden punktuell Skulpturen beider Kontinente gegen\u00fcbergestellt. <\/em>(&#8230;) <em>Die experimentellen Gegen\u00fcberstellungen thematisieren m\u00f6gliche Zusammenh\u00e4nge auf verschiedenen Ebenen, beispielsweise historische Zeitgenossenschaft, inhaltliche und technische Gemeinsamkeiten oder k\u00fcnstlerische Strategien.<\/em>(&#8230;.)<!--more--><\/p>\n<h6 style=\"text-align: left;\"><\/h6>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0 ?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; War da noch eine Wortmeldung?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; Ja, ich m\u00f6chte mein wachsendes Unbehagen artikulieren.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Je l\u00e4nger, desto verst\u00f6render<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Je l\u00e4nger, desto verst\u00f6render ist f\u00fcr mich der unvermittelte Einbruch des Fremden in ein Dutzend auf Epochen bezogener R\u00e4ume auf zwei Etagen eines gediegenen Museums f\u00fcr alteurop\u00e4ische Skulptur. Der Museumsplan hebt sie auch noch farblich heraus, &#8218;dass\u00a0 man einfach mit muss&#8216; (Volkslied)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr mich selber sind die exotischen <strong><em>G\u00e4ste<\/em> <\/strong>alte Bekannte; wir kommen sofort ins Gespr\u00e4ch. Sie wirken hilfsbed\u00fcrftig und irgendwie verloren. Die Paarungen wurden wohl mit der Lostrommel vorgenommen. Poster, Ikon und Flyer spielen un\u00fcbersehbar mit dem Choc.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was als <em>direkter Dialog<\/em> ausgegeben wird, ist im Einzelfall harte Konfrontation. Mit ein paar d\u00fcrren Worten wird der <em>Gast <\/em>vorgestellt. Un\u00fcbersetzbare <em><strong>Bildsprachen<\/strong><\/em> kann aber der Blick des Laien nicht \u00fcberbr\u00fccken. Der Audioguide \u2013 mit hei\u00dfer Nadel gestrickt \u2013 walzt nur den Tafeltext aus, reine Zeitverschwendung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die <em><strong>G\u00e4ste<\/strong> <\/em>sind auch nicht <em><strong>zu Gast<\/strong><\/em>, au\u00dfer im Sch\u00f6nsprech der Ausstellungsdesigner. Sie haben mit der Museum Dahlem ihren Kontext, die Gemeinschaft ihrer Familie, Br\u00fcder und Schwestern verloren, wo sie ihre Eigenst\u00e4ndigkeit leben konnten. Und das tut man &#8218;Afrikanern&#8216; an!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Wahrheit sind sie fehl am Platz, &#8218;Displaced Persons&#8216;, die nun an verschiedenen Spielst\u00e4tten anlanden und f\u00fcr kurze Zeit in glei\u00dfendem Rampenlicht stehen, als <strong><em>Kunstwerke<\/em><\/strong>, ja <strong><em>Hauptwerke<\/em> <\/strong>angepriesen.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u00a0<strong>Kunstkammer<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manche sollen vor Jahrhunderten bereits <em>gemeinsam in der Brandenburgisch-Preu\u00dfischen<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Benin-Nr.IMG_4493.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8276 size-medium\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Benin-Nr.IMG_4493-270x360.jpg\" alt=\"Benin-Nr.IMG_4493\" width=\"270\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Benin-Nr.IMG_4493-270x360.jpg 270w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Benin-Nr.IMG_4493.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 270px) 100vw, 270px\" \/><\/a> Kunstkammer (ge)standen<\/em> haben. (Flyer) Das m\u00fcssen goldene Zeiten gewesen sein, denn bei der Trennung im 19. Jahrhundert <em>endeten viele Objekte aus Afrika als v\u00f6lkerkundliche Anschauungsobjekte<\/em>. (Ebd.) Daraus befreit sie nun endg\u00fcltig das Management der Staatlichen Museen zu Berlin (SMB<strong>)<\/strong>. Was aus dieser Zeit als Hundemarke etwa auf dem R\u00fccken angebracht wurde, bleibt nat\u00fcrlich stehen, dank deutscher Gewissenhaftigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr <strong><em>experimentelle Gegen\u00fcberstellungen <\/em><\/strong>ist der Schauplatz eines konventionellen Museumssaals ungeeignet. Experimentell war die Sache nur f\u00fcr die Macher. Das Publikum darf nicht mitspielen, etwa mit einem kongolesischen Fetisch ins europ\u00e4ische Mittelalter verschwinden oder die jeweils gebotenen Mutterschafts-Darstellungen austauschen. Man kann auch nicht den ganzen Spuk f\u00fcr eine gewisse Zeit wieder verschwinden lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als seien die meisten Besucher, denen bekanntlich in der Schule europ\u00e4ische Geschichte brutal zusammengestrichen wurde, von den vielen Epochen, Stilen und Themen nicht schon genug gefordert, sollen sie nun auch noch wie auf einem Suchbild das Fremde identifizieren, dann begreifen und schlie\u00dflich frei spekulierend in <strong><em>m\u00f6gliche Zusammenh\u00e4nge <\/em><\/strong>versetzen, w\u00e4hrend der Guide im Ohr labert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da die <em>gemeinsame Pr\u00e4sentation im Bode-Museum <\/em>als Morgenr\u00f6te einer <em>neuen Nachbarschaft im Humboldt Forum<\/em> ausgegeben wird, sei noch eine Besorgnis ge\u00e4u\u00dfert: Dass <em><strong>die gro\u00dfen Themen der Menschheit<\/strong> <\/em>von nun an f\u00fcr Mehr und Mehr und &#8218;Mehr desselben&#8216; den Vorwand abgeben m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit sind wir nun endlich bei \u00e4sthetischen und inhaltlichen Aspekten der Migration <em>afrikanischer Kunst <\/em>in die Schatzkammer untergegangener europ\u00e4ischer Kunsttraditionen im Hause Bode.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #333333;\">Man tut den vorgef\u00fchrten &#8218; <em>Afrikanern&#8216;<\/em> mit der Gegen\u00fcberstellung keinen Gefallen.<\/span><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Benin-Leopard.IMG_4520.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8274\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Benin-Leopard.IMG_4520-360x270.jpg\" alt=\"Benin-Leopard.IMG_4520\" width=\"228\" height=\"171\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Benin-Leopard.IMG_4520-360x270.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Benin-Leopard.IMG_4520-900x675.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Benin-Leopard.IMG_4520-624x468.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Benin-Leopard.IMG_4520.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 228px) 100vw, 228px\" \/><\/a>Nur einmal \u00fcberstrahlt eine afrikanische Skulptur die europ\u00e4ische: eine bronzene <strong><em>Leoparden-Aquamanile<\/em><\/strong> aus dem K\u00f6nigreiche Benin (Nigeria, 17. Jh.) distanziert das honorige L\u00f6wen-Gef\u00e4\u00df aus Niedersachsen (um 1500). Der geniale Realismus des &#8218;Leoparden&#8216; speist sich gleich aus mehreren Quellen: der Beobachtung und einer sprichw\u00f6rtlichen Hochachtung f\u00fcr dieses herrschaftliche Tier. <strong>(<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=6805\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a>)<\/strong> Der direkten <em>Gegen\u00fcberstellung<\/em> steht zwar eine breite Treppe im Wege, aber die innere Verwandtschaft ist bereits durch die gleiche Funktion (Handwaschung) und die gemeinsame Herkunft dieses Ger\u00e4tetyps aus dem Orient gegeben.<\/p>\n<div id=\"attachment_8279\" style=\"width: 370px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Engel-im-Hintertreffen.IMG_4582.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8279\" class=\"size-medium wp-image-8279\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Engel-im-Hintertreffen.IMG_4582-360x267.jpg\" alt=\"&quot;Wer ist mein Nachbar?&quot;\" width=\"360\" height=\"267\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Engel-im-Hintertreffen.IMG_4582-360x267.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Engel-im-Hintertreffen.IMG_4582-900x669.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Engel-im-Hintertreffen.IMG_4582-624x464.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Engel-im-Hintertreffen.IMG_4582.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8279\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Wir sind Engel. Was sind das f\u00fcr Nachbarn?&#8220;<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ganze Bode-Museum steht voll von Kunst eines veredelten \u201aNaturalismus\u2019 in der Tradition<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Kota-Bischof.IMG_4685.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8275 alignleft\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Kota-Bischof.IMG_4685-270x360.jpg\" alt=\"Kota-Bischof.IMG_4685\" width=\"240\" height=\"320\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Kota-Bischof.IMG_4685-270x360.jpg 270w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Kota-Bischof.IMG_4685-675x900.jpg 675w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Kota-Bischof.IMG_4685-624x832.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Kota-Bischof.IMG_4685.jpg 825w\" sizes=\"auto, (max-width: 240px) 100vw, 240px\" \/><\/a> der griechischen Antike. Wie kann ein <em><strong>punktuell<\/strong> <\/em>abgeworfenes Werk <strong><em>anderer Bildsprache<\/em><\/strong> sich dagegen behaupten?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die St\u00fccke wirken\u00a0 buchst\u00e4blich mangelhaft, so\u00a0 wie etwa die flache Scheibe einer <em><strong>Akuaba<\/strong> <\/em>aus Ghana gegen einen Christusknaben, den man knuddeln m\u00f6chte oder der breit geschlagene kupferne Schlangenkopf <em><strong>Bwiti<\/strong> <\/em>(Kota) gegen den wie in einer Momentaufnahme erfassten und geschminkten Kopf eines Bischofs im Goldornat (<em>Reliquienb\u00fcste<\/em>) aus Belgien um 1520.<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li style=\"text-align: justify;\">1520? Das war doch eine selbstbewusste, wenn nicht arrogante\u00a0 Demonstration der Kirche unter den Habsburgern gegen die anrollende Reformation!<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">&#8211; Und dem steht ein Familienerbst\u00fcck gegen\u00fcber. Was soll denn daran vergleichbar sein?<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">&#8211; Die Kn\u00f6chelchen im Innern, Dummkopf!<\/li>\n<\/ul>\n<h4><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: left;\">Um ehrlich zu sein, manchmal sind als <strong><em>Hauptwerke <\/em><\/strong>\u2013 eigentlich <strong><em>Meisterwerke<\/em><\/strong> \u2013 ausgezeichnete St\u00fccke serielles Kunsthandwerk, wie viele Bronzen aus Benin.<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bronzen aus k\u00f6niglichen Werkst\u00e4tten Alt-Nigerias boten sich nat\u00fcrlich f\u00fcr das Unternehmen <strong><em>direkter Dialog<\/em><\/strong> an. Standen sie doch schon damals \u00fcber den Atlantikhandel in regem Austausch mit Europa, manchmal wurde auch die Bronze geliefert. Aber <strong><em>Hauptwerke <\/em><\/strong>kamen selten vor, daf\u00fcr war der Bedarf der K\u00f6nige an diplomatischen Geschenken zu hoch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Yombe-Mann.IMG_4620.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-8277\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Yombe-Mann.IMG_4620-263x360.jpg\" alt=\"Yombe-Mann.IMG_4620\" width=\"263\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Yombe-Mann.IMG_4620-263x360.jpg 263w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Yombe-Mann.IMG_4620-659x900.jpg 659w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Yombe-Mann.IMG_4620-624x853.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Yombe-Mann.IMG_4620.jpg 731w\" sizes=\"auto, (max-width: 263px) 100vw, 263px\" \/><\/a>Um eine gro\u00dfe <em>Kraftfigur<\/em> der Yombe (<em>Mangaaka<\/em>, Kongo-Brazzaville) macht man gro\u00dfes Aufhebens. Sie wird einer <em>Maria mit dem Schutzmantel <\/em>(Michel Erhard, Ulm um 1480) beigeordnet. Irgendwo lese ich, dass die christlichen und afrikanisch magischen sch\u00fctzenden Strategien kontrastieren. Das kann man wohl sagen! (<span style=\"text-decoration: underline;\">ein<\/span> Link reicht nicht als Kommentar)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wichtiger ist hier aber etwas anderes: Die Madonna ist in sehr gutem Zustand. Die <em>Kraftfigur <\/em>ist eine Ruine. Wie Alisa Lagamma (<strong><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=5605\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a><\/strong>) und Wyatt MacGaffey (<strong><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4445\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a><\/strong>) gezeigt haben, macht zum einen die Ausstrahlung eines solchen Fetisch einen betr\u00e4chtliche Teil der Wirkung aus, zum andern hat man die Figuren bei der Abgabe an die Fremden nach M\u00f6glichkeit entladen, manchmal auch wieder aufgeh\u00fcbscht, etwa mit einer Extraportion alter N\u00e4gel und Eisen. Diese Figur besa\u00df sichtlich fr\u00fcher Backenbart und Schurz, nun stecken N\u00e4gel an der Stelle des Bartes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die vielen <em>Kraftfiguren<\/em> \u2013 auch kleine sch\u00f6ne darunter \u2013 sind alle zwischen 1890 und 1900 von einem Plantagenmanager, Robert Visser, und \u00e4hnlichen Leuten an der Kongo-K\u00fcste zur Ausstattung der neuen Museen im Deutschen Reich besorgt worden. (Lit.: Grassi-Museum Leipzig, &#8222;Minkisi&#8220; 2012) \u00a0\u00a0 Deren afrikanische Handelspartner waren nicht dumm. Sie belieferten gern den Geschmack der Wei\u00dfen an grusligen Fetischen und finsteren Reliquarfiguren, zum Beispiel auch die glotzende schwarze <em>Reliquarfigur <\/em>der Fang in Gabun. Sie wird hier \u00fcbrigens mit einer toskanischen <em>thronenden Muttergottes<\/em> von 1199 gepaart.<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>&#8211; Wow! Aber d\u00fcrfen wir uns heute noch Phantasien erlauben?<\/li>\n<li>&#8211; Der <strong><em>direkte Dialog <\/em><\/strong>muss seine Grenzen kennen. Zum Beispiel die des guten Geschmacks.<\/li>\n<\/ul>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Aber &#8230;.<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Marias-Sippe.IMG_4682K.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-8278\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Marias-Sippe.IMG_4682K-360x232.jpg\" alt=\"Marias Sippe.IMG_4682K\" width=\"360\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Marias-Sippe.IMG_4682K-360x232.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Marias-Sippe.IMG_4682K-900x581.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Marias-Sippe.IMG_4682K-624x403.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Marias-Sippe.IMG_4682K.jpg 999w\" sizes=\"auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/a>Aber die afrikanische Verherrlichung der Mutterschaft! Die Bedeutung der Familie \u2013 hier in einem Fall mit einer Darstellung der gesamten dynastischen Sippe der Gottesmutter Maria konfrontiert! Ein witziges &#8218;allzumenschliches&#8216; Bild! Die Macht der Ahnen, das Leiden der Menschen, Schmerzensm\u00e4nner und der Gekreuzigte&#8230;. Das alles verdient n\u00e4here Betrachtung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcbrigens: Die Zusammenstellung ganzer Gruppen im <em>Sonderausstellungsraum<\/em> im Keller f\u00fcr <em>thematische Vertiefungen <\/em>ist die bew\u00e4hrte Alternative. Etwas sch\u00e4big, aber da geht etwas.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Methodische Oberfl\u00e4chlichkeit produziert dagegen schiefe Vergleiche und falsche Vorstellungen am laufenden Band. Der Nagel im Fleisch Christi und der Nagel im Holz des waffenstarrenden Fetisch haben auf der Bedeutungsebene nichts miteinander zu tun, selbst wenn die formale Idee oder sogar die Eisenn\u00e4gel aus Europa importiert sein sollten.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong>Typisch taz ?<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p class=\"intro \" style=\"text-align: justify;\">Da passt es ja, dass ich die Ausstellung gerade google. Unter der \u00dcberschrift &#8222;<em>Debatte ums Humboldtforum &#8211; Wer ist wir? Die neue Ausstellung \u201eUnvergleichlich: Kunst aus Afrika im Bode-Museum\u201c zeigt, wie Museen selbstkritisch mit ihren Sammlungen umgehen k\u00f6nnen \u2013 wenn sie wollen&#8220;\u00a0<\/em> schreibt die <strong>taz<\/strong> im bekannten Jammerton \u00fcber was wohl<em>:<\/em> &#8222;<em>Die Benin-Kunst &#8211; Ein Paradebeispiel f\u00fcr Raubkunst&#8220;. (<\/em><strong><a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!5455513\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a><\/strong>) Daf\u00fcr muss man \u00fcberhaupt keine Ahnung von der Sache haben, nur dem Kurator lauschen und die &#8218;Nummer auf dem R\u00fccken&#8216; and\u00e4chtig begucken. Nat\u00fcrlich wird die bislang ausstehende <em>R\u00fcckforderung aus Nigeria <\/em>erfragt. Was w\u00fcrde die erst f\u00fcr eine tolle Reportage abgeben!\u00a0 <em>Nigeria <\/em>klingt einfach gut. Dazu muss man weder etwas von der famosen Korruption im Land wissen, noch \u00fcber die innenpolitische Rolle derartiger Benin-Plastiken im Land nachlesen &#8211; etwa bei <strong>Sylvester Okwonudu Ogbechie<\/strong>: \u201aMaking History&#8216;, 2011<strong> (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=3319\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a>)<\/strong> . Ein praktischer Vorschlag vorab: die &#8218;Originale&#8216; vorsorglich gegen von der Zunft ab 1898 nachproduzierte St\u00fccke austauschen. Merkt doch keiner. Benin-Prinz Ogbechie k\u00f6nnte gewiss vermitteln. (<em>&#8222;Taz.zahl ich&#8220; <\/em>&#8211; Nee!)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 8.11.17<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u00a0Falsche H\u00f6flichkeit<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass Afrikaner ebenso leiden k\u00f6nnen wie wir, dass sie \u00c4ngste haben, Schutz suchen, Familie haben, repr\u00e4sentieren wollen, ehrgeizig, eifers\u00fcchtig, neidisch sind und anderen schaden wollen, sollten wir ohnehin annehmen, auch ohne <em><strong>gro\u00dfe Themen<\/strong><\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier zeigt sich auf dumme Art eine gewisse H\u00f6flichkeit der Ausstellungsmacher gegen\u00fcber den <strong>G\u00e4sten. <\/strong>Man will sie ja nicht blo\u00dfstellen und blendet die &#8218;dunklen&#8216; Bereiche afrikanischer Traditionen nach M\u00f6glichkeit aus. Man idealisiert zum Beispiel auf altfeministische Art\u00a0 die Bedeutung der Erbfolge der m\u00fctterlichen Linie. Die soziale Macht lag und liegt bei den M\u00e4nnern und generell bei den Alten. Der Geist der legend\u00e4ren Klan-Mutter stand und steht nicht auf der Seite der jungen M\u00e4nner und noch viel weniger der jungen Frauen. Alle wissen das, nur wir sollen kein Aufhebens davon machen. Auch der Schadenszauber ist mehr denn je ein soziale Seuche in ganz Afrika. &#8218;Kraftfiguren&#8216; aus ambivalentem (&#8218;dual &#8211; use&#8216;)\u00a0 Kontext sind in der Ausstellung, vor allem im Keller, zahlreich vertreten. ( Dazu: S. Preston Blier &#8222;African Vodun&#8220;, 1995 : <strong><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=6686\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a><\/strong>)<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Frischer Blick auf eine Madonnenfigur<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die neue Inszenierung im Bode-Museum bietet nat\u00fcrlich die Chance zu positiven Erfahrungen. Ich schaue heute auch alteurop\u00e4ische Figuren anders an, genauer, so zum Beispiel die &#8218;L\u00f6wen-Madonna&#8216; aus Salzburg um 1350. Ich w\u00fcsste auch passende afrikanische Partner(innen), leider hat sie keine bekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Maria-Lo\u0308we-IMG_4466.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-8297 alignleft\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Maria-Lo\u0308we-IMG_4466-232x360.jpg\" alt=\"Maria Lo\u0308we-IMG_4466\" width=\"232\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Maria-Lo\u0308we-IMG_4466-232x360.jpg 232w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Maria-Lo\u0308we-IMG_4466-580x900.jpg 580w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Maria-Lo\u0308we-IMG_4466-624x969.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Maria-Lo\u0308we-IMG_4466.jpg 644w\" sizes=\"auto, (max-width: 232px) 100vw, 232px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleich f\u00e4llt mir die viel zu gro\u00dfe Hand auf und der sichere Halt, den die dem Kind bietet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich nehme die Bemalung der Figur wahr und ihre Dynamik, die auch mit dem Grenzen setzenden Holzdurchmesser zu tun hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daher und entsprechend seiner Bedeutung ist der L\u00f6we verkleinert . Es k\u00f6nnte auch ein Fels sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marias H\u00fcfte ist nach der Seite verschoben, dass das Baby darauf sitzen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch mehr Entdeckungen vermittelt die ausf\u00fchrliche Schrifttafel:<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Madonna-Tafel-IMG_4475.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8298\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Madonna-Tafel-IMG_4475-254x360.jpg\" alt=\"Madonna Tafel-IMG_4475\" width=\"187\" height=\"265\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Madonna-Tafel-IMG_4475-254x360.jpg 254w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Madonna-Tafel-IMG_4475-636x900.jpg 636w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Madonna-Tafel-IMG_4475-624x883.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Madonna-Tafel-IMG_4475.jpg 643w\" sizes=\"auto, (max-width: 187px) 100vw, 187px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Danach ist der L\u00f6we wohl als Herrschaftssymbol zu interpretieren &#8211; keine Frage: &#8218;afrikanisch&#8216;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die kleine L\u00f6wenmadonna diente wohl der privaten Andacht einer hochrangigen Pers\u00f6nlichkeit. Im gesch\u00fctzten Bereich frei aufgestellt war sie f\u00fcr eine Nahansicht konzipiert. &#8211; Das k\u00f6nnte auch von einer Mutter-Kind-Dastellung der Yombe am Kongo gesagt werden. &#8218;Andacht&#8216; ist ein weites Feld.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann ist von Umarbeitung &#8211; &#8222;um die Figur leichter bekleiden zu k\u00f6nnen&#8220; &#8211; im Barock f\u00fcr eine Umwidmung zu einem repr\u00e4sentativen Gnadenbild die Rede. Und dann folgt der Schlu\u00dfsatz, der f\u00fcr afrikanische Figuren h\u00e4ufig zutrifft: &#8222;Die Grenzen dieses bestimmten Bildtyps scheinen flexibel gewesen zu sein.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Erhaltungszustand und Patina<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn eine Figur in Afrika Aufmerksamkeit schon bei der Bestellung genossen hat und\u00a0 Zuwendung und Pflege \u00fcber angemessene Zeit hinweg bekam, wird sie m\u00fchelos einen Vergleich bestehen mit den zahlreichen alten europ\u00e4ischen Figuren aus Wohnr\u00e4umen, Kapellen, Kirchen und Pal\u00e4sten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oder war sie Wind und Wetter ausgesetzt, etwa an den verschiedensten Orten als W\u00e4chter? Oder wurde sie irgendwann als \u00fcberfl\u00fcssig oder gar st\u00f6rend in einem &#8218;Heiligen&#8216; Hain sich selbst \u00fcberlassen? Oder versah sie nur kurze Zeit ihren Dienst oder wurde sogar direkt f\u00fcr den Export hergestellt? Auch ein ganzes Jahrhundert im Museumsdepot kann ihre &#8218;M\u00e4ngel&#8216; nicht ausgleichen. Restauratoren d\u00fcrfen heute ja auch nur den erreichten Zustand konservieren, keinen blo\u00df erw\u00fcnschten herstellen. Die Figur ist \u00e4lter geworden, weit \u00fcber ihren urspr\u00fcnglich veranschlagten Zeithorizont hinaus, ohne\u00a0 &#8218;Aura&#8216; zu gewinnen.\u00a0 Einem\u00a0 leblosen Veteranen ziehe ich als Sammler auch viel j\u00fcngere pers\u00f6nliche &#8218;Andachts&#8217;figuren oder Erbst\u00fccke &#8211; das k\u00f6nnen auch Masken sein &#8211; vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn so ein abgewitterter Veteran in klassische Kunstmuseen gebracht wird, scheitert er. Der Louvre in Paris hat auf langes Dr\u00e4ngen des Sammlers und Experten Jacques Kerchache vor Jahren afrikanische und ozeanische Kunst aufgenommen, in einem eigenen gro\u00dfen und hellen Saal ganz am Ende des Schlosses. Als ich mich endlich durchgefragt hatte, war ich sehr entt\u00e4uscht von der schwachen Wirkung der &#8218;Objekte&#8216;. Ich schrieb dar\u00fcber einen Beitrag: &#8222;Afrika in Paris : Louvre und Quai Branly&#8220; (<strong><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=159\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a>). <\/strong>Die ziemlich zeitgleiche Entscheidung, am Quai Branly ein eigenes modernes Haus f\u00fcr die Stammeskunst der Welt zu bauen, war die bessere Entscheidung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht sollte f\u00fcr eine Fortsetzung, f\u00fcr die neue hybride Weltkunst in den bekannten Recycling-Materialien der tropischen Weltmetropolen ein weiteres sch\u00f6nes Haus errichtet werden. Sie findet bisher nur in kleinen Sonderausstellungen\u00a0 den Weg zu uns. Lasst die Heuchelei in repr\u00e4sentativer Umgebung, lasst das Sch\u00f6nreden angeblicher <strong>Hauptwerke<\/strong> von irgendwoher!<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Verlangst du etwa Schonr\u00e4ume?<\/h3>\n<p>Was machst du da? Du pl\u00e4dierst doch nicht f\u00fcr Schonr\u00e4ume, &#8218;Biotope&#8216; innerhalb einer entfesselten Globalisierung ?? \u00a0<span style=\"text-decoration: underline;\"> Alle\u00a0 <\/span>&#8218;Kulturg\u00fcter kommen jetzt in genau dieselbe Sph\u00e4re, in der sich die \u00fcbrigen Konsumg\u00fcter bereits befinden, und \u00fcbrigens nicht nur sie, sondern auch ihre Produzenten. Dank Solarstrom schauen tibetische Nomaden, die letzten, chinesische Unterhaltungsshows per Satellit (Genevieve Brault: &#8222;Tibet- Meines Vaters Land&#8220; ARTE, 25.9.2017).<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Verrat!<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die professionellen Bewahrer und F\u00fcrsprecher traditioneller Kulturen verraten ihre M\u00fcndel, putzen sie zu &#8218;Schaust\u00fccken&#8216; auf.\u00a0 Jedes muss gegen jedes andere antreten. Presseschlagzeilen lassen das erahnen: &#8222;<em>Schutz-Krieger aus Afrika trifft Maria aus Berlin&#8220; <\/em>(BZ-Berlin) oder &#8222;<em>Die Madonna und der Nagelmann<\/em>&#8220; (Tagesspiegel). In diesem Prozess werden sie zurechtgeschliffen, umformatiert, damit sie sich immer neu vernetzen lassen. Was an mythologischen\u00a0 Resten an ihnen haftet, l\u00e4sst sich portionsweise aktivieren. Was muss das Volk \u00fcber Nagelfetische wissen? Heute bietet der Museumsdirektor Julien Chapuis, fachlich nicht ganz zust\u00e4ndig, folgende spritzige Story: &#8220; Wenn ein Vertrag oder \u00e4hnliches geschlossen wurde, trieb man einen Nagel ins Holz. Wurde die Vereinbarung gebrochen, zog man ihn hinaus. auf dass der Mangaaka sich r\u00e4che.&#8220; (O-Ton BZ). Klingt plausibel, aber in anderen F\u00e4llen de-aktivierte man den Fetisch auf diese Weise. Eigentlich egal. Morgen h\u00f6ren wir eine neue Erkl\u00e4rung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zitat aus dem Flyer (Signalfarbe original): Achtzig Hauptwerke afrikanischer Skulptur aus dem verblichenen Ethnologischen Museum sind zu Gast im Bode-Museum. Kunst aus West- und Zentralafrika trifft auf Meisterwerke aus Italien und Mitteleuropa. Im direkten Dialog geht es um die gro\u00dfen Themen der Menschheit: Macht und Tod, Sch\u00f6nheit und Identit\u00e4t, Gerechtigkeit und Erinnerung. 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