{"id":785,"date":"2010-12-28T00:00:26","date_gmt":"2010-12-27T23:00:26","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=785"},"modified":"2017-11-04T23:26:06","modified_gmt":"2017-11-04T22:26:06","slug":"berlin-reloaded-2010","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=785","title":{"rendered":"BERLIN RELOADED 2010"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Berlin in einer gl\u00e4sernen Fruchtbeh\u00e4lter: unten die \u00c4pfel, oben aber die Zitronen oder Limonen. \u00c4sthetisch ist das ja in Ordnung und praktisch habe ich keine Interessen. Aber warum soll das ein Titel f\u00fcr Berlin sein \u2013 f\u00fcr BERLIN RELOADED? Unten die sauren \u00c4pfel und oben die ohnehin sauren Citrusfr\u00fcchte?<\/p>\n<p><!--more-->Berlin ist eine Museumsinsel, die mit ehrw\u00fcrdigeren L\u00f6wen aufwarten kann als die Marke <i>L\u00f6wensenf<\/i>. Die sumerische und die protosowjetische Skulptur (1000 n. Chr) zeigen in der Gegen\u00fcberstellung, dass Kultur und Chronologie nichts miteinander zu tun haben. Die Kids im Schattenriss schauen sich \u00fcbrigens ihre n\u00e4heren Verwandten an. Sie m\u00fcssen einfach etwas Positives darin finden. Dann wieder wie im \u00f6ffentlich-rechtlichen Fernsehen der Starkult und Nofretete und Echnaton. Unauff\u00e4llig mische ich einen nubischen schwarzen Pharao dazwischen. Das Museum hat ihn in den Keller verbannt. Nun ist er vor rassistischer Anp\u00f6belei sicher. Die n\u00e4chsten Seiten sind zu \u00fcberbl\u00e4ttern, da wir den Code nicht kennen. Die abstehenden Ohren des \u00c4gypters erinnern mich an eine alte Ausgabe von \u201eNatur und Wissenschaft\u201c und den wissenschaftlichen Streit um Henne und Ei im Alten Reich. Der assyrischen Sphinx haben Materialisten die Augen gestohlen. Die Killer-Priester der Azteken aus Dahlem grinsen, der unbekannte Herr der Renaissance hat seine Depression seit dem letzten Jahr nicht \u00fcberwunden.<\/p>\n<p>Die akademische Welt drau\u00dfen in Dahlem ist weder klug, reich, noch sch\u00f6n, aber authentisch. Die\u00a0 U-Bahn bleibt die B\u00fchne von Beziehungsgeschichten. Das wei\u00df auf die Scheiben gestanzte Brandenburger Tor hat Wiedererkennungswert. Mit dem Vortrag \u00fcber die vergessene brasilianische Avantgarde (Was ist das eigentlich?) sind wir in der akademischen Welt, die bei aller Freundlichkeit durch \u00fcbergro\u00dfe Abst\u00e4nde zwischen den Kollegen gestraft ist. Oder eine l\u00e4stige Enge, wenn der Nobelpreistr\u00e4ger kommt. Nicht immer wirkt er als Magnet. F\u00fcr Momente zieht sein Powerpoint alle Aufmerksamkeit auf sich, ganz wie in der U-Bahn, wenn man nicht aus und ein wei\u00df.<\/p>\n<p>Was ist eine eigenst\u00e4ndige Fotografie? \u2013 fragt es mich pl\u00f6tzlich aus den Busch. In der Station Yorkstra\u00dfe wie in der Ausstellung dominiert pl\u00f6tzlich der Hintergrund. Ob Gropiusbau oder <i>Luminale <\/i>\u2013 Projektion ist das Thema, in beiden F\u00e4llen von derselben Stelle subventioniert.<\/p>\n<p>Und da sind wir schon voll im sozialen Gratis-Engagement. Dahlemer Ethnologen akquirierten nigerianische Bretterw\u00e4nde, und Neo-Neomarxisten von der Spree schufen eine Ausstellung \u00fcber globale Ausbeutung, der antifaschistische Baskenm\u00fctzen nicht widerstehen konnten. Es soll aber auch unverbesserliche Besucher gegeben haben, die moserten, Kritikaster! Nicht weit davon feiert das Kapital in nachtschwarzen Ma\u00dfanz\u00fcgen unter dem Logo <i>Ascent<\/i> sich selbst. Doch nachts ist ja auch viel Raum f\u00fcr Dunkelm\u00e4nner.<\/p>\n<p>Flucht nach Kreuzberg in die Arme der Feuerwehr, der Sekte und der Moschee. Alles ist gut. Wir geben nicht auf, wir arbeiten weiter.<\/p>\n<p>27.12.2010<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Berlin in einer gl\u00e4sernen Fruchtbeh\u00e4lter: unten die \u00c4pfel, oben aber die Zitronen oder Limonen. \u00c4sthetisch ist das ja in Ordnung und praktisch habe ich keine Interessen. Aber warum soll das ein Titel f\u00fcr Berlin sein \u2013 f\u00fcr BERLIN RELOADED? 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