{"id":7677,"date":"2017-05-22T02:10:08","date_gmt":"2017-05-22T00:10:08","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=7677"},"modified":"2020-05-21T22:42:03","modified_gmt":"2020-05-21T20:42:03","slug":"die-falschen-dinge-aus-afrika","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=7677","title":{"rendered":"Die falschen Dinge aus Afrika"},"content":{"rendered":"<h4 style=\"text-align: justify;\">21.5.2017 <span style=\"color: #808080;\">(redigiert 12.10. 2018) &#8211; Danke f\u00fcr 78 Clicks.<\/span><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Ich will heute meine Sammlung gegen bestimmte Ansichten verteidigen. Mir geht es um Figuren und Masken, die eine Eigenschaft haben, eine Pointe, \u00e4sthetischen Witz haben, der auch einem Fremden noch zug\u00e4nglich ist, wenn er sich nur darauf einl\u00e4sst.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Und das falsche Gerede darf nicht v\u00f6llig die Oberhand gewinnen.<!--more--><\/h4>\n<div id=\"attachment_7678\" style=\"width: 159px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Yaka-Pfahlplastik-IMG_0508-.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7678\" class=\"wp-image-7678\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Yaka-Pfahlplastik-IMG_0508--111x360.jpg\" alt=\"'Yaka' Pfahlplastik 20.5.17\" width=\"149\" height=\"480\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7678\" class=\"wp-caption-text\">&#8218;Yaka&#8216; Pfahlplastik 20.5.17<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><span style=\"color: #787575;\"><strong>Ein alter Maler und Sammler aus Frankfurt will mir doch wirklich meine frischen und ausdrucksstarken <a style=\"color: #787575;\" href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4497\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Volksmasken der Yaka<\/a> madig machen, die er \u00fcbrigens nie aus der N\u00e4he gesehen hat: Sie seien alle zusammen die Pfahlfigur nicht wert, die vor uns auf dem Tisch steht, etwa einen Meter lang, mit etwas Kordelschmuck und einem groben Schurz versehen, und mit einem griesgr\u00e4migen Gesicht \u201anach Art\u2019 der Yaka.<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #787575;\"><strong>Ehrlich: Sie kann \u00fcberall im Kongo hergestellt worden sein. Die selbstverst\u00e4ndlich klobigen F\u00fc\u00dfe sind auch noch auf einem gl\u00e4nzend schwarz gestrichenen Holzsockel montiert. Ich h\u00e4tte lieber die Fu\u00dfsohlen begutachtet.<\/strong><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Sie fragen sich nach der Absicht, die ich mit der Polemik verfolge?<\/h4>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">\u00dcber den Entstehungsort m\u00f6chte ich gar nichts behaupten, auf der Basis nur kurzer Betrachtung und anschlie\u00dfender \u00dcberpr\u00fcfung an Fotos. Mir geht es um einen auf den M\u00e4rkten verbreiteten <strong>Typ von Figuren<\/strong>, der unter verschiedenen Aspekten einfach <strong>Durchschnitt<\/strong> repr\u00e4sentiert.<\/h5>\n<h4><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><strong>Hat der\u00a0 Figurentyp nicht\u00a0 Qualit\u00e4ten?<\/strong><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Der Typ kann durchaus Respekt einfl\u00f6\u00dfen, indem er auf der Symbolebene (1) Versatzst\u00fccke afrikanischer Respektabilit\u00e4t mit (2) ganz wenigen \u201aethnischen\u2019 Schl\u00fcsselsignalen vereint und (3) formal g\u00e4ngige Bauprinzipien repr\u00e4sentiert.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Zu (1)<\/h4>\n<ul>\n<li style=\"text-align: justify;\">\n<h4>die Kopfbedeckung eines <em>chief<\/em> in der f\u00fcr eine ganze Region typischen Auspr\u00e4gung<\/h4>\n<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">\n<h4>Farbtupfen (wei\u00df), buchst\u00e4blich vom Scheitel der Kappe bis zur Sohle \u2013 das \u00fcbliche Zeichen spiritueller Aufladung, ein simpler \u201aKult\u2019beweis. Den verorte ich eher im Waldgebiet s\u00fcdlich des Kongobogens (&#8218;Cuvette&#8216;) und im Ituri-Gebiet .<\/h4>\n<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">\n<h4>Die Ausstattung: Armschmuck (Kordel) und Schurz (grober Lappen, l\u00f6chrig) \u2013 beides wohl nachtr\u00e4glich zugef\u00fcgt, billig, aber besser als nichts.<\/h4>\n<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">\n<h4 style=\"text-align: left;\">Ein gew\u00f6lbter Bauch als unverzichtbares Zeichen von Geb\u00e4rmacht: eine W\u00f6lbung mit waagrechter Kante, hier eher schwach ohne den Bruchnabel als m\u00e4chtige K\u00f6rpermitte .<\/h4>\n<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">\n<h4>Gebeugte Knie und klobige F\u00fc\u00dfe f\u00fcr Energie und festen Stand sind ein &#8218;Muss&#8216; f\u00fcr eine solche Fgur.<\/h4>\n<\/li>\n<\/ul>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Zu (2)<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Hurra! Der \u201atypische\u2019 Yaka-Kopf mit der hochgebogenen Nase der s\u00fcdlichen Yaka! Doch konnte der Schnitzer nicht deren Ausdrucksm\u00f6glichkeiten nutzen, denn der Durchmesser des Baumstamms war zu gering. So hat der Kopf eine angedr\u00fcckte Nase. Warum aber so \u201azugeschwollene\u2019 Bohnenaugen und einen unordentlich gezahnten Mund? Da schauen meine zwei schlichten authentischen Pf\u00e4hle und Medizinfiguren der Yaka aber anders in die Welt!<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Zu (3)<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Die Proportionen sind tendenziell naturalistisch, die Beine recht lang. Eine afrikanische Figur wirkt dadurch aber niemals st\u00e4rker. Klobige F\u00fc\u00dfe sind Normalit\u00e4t.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Einen identischen Schulter- und Armbereich samt den kleinen \u201abetenden\u2019 H\u00e4nden kenne ich aus dem Luba-Einflussgebiet. Link \u201e<u><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=7222\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kusu<\/a><\/u>\u201c. Das macht mich stutzig.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Eine Qualit\u00e4t fehlt der Figur ohnehin, die in Afrika noch heute so selbstverst\u00e4ndlich ist, dass man dar\u00fcber gar nicht reden muss. Nur im Europa der Ruinenromantik f\u00e4llt das nicht auf:\u00a0 Sie ist unfrisch, sozusagen impotent &#8211; und das auch auf der \u00e4sthetischen Ebene. Sie m\u00fcsste schon von bedeutendem Nimbus-Kapital der Ahnen zehren. Und selbst f\u00fcr die gilt: Ihre anf\u00e4nglich gef\u00fcrchtete Macht verblasst mit der Zeit zur frommen Legende.<\/h4>\n<h4><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Mein Vorschlag an geneigte Leser<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Wenn Ihre Afrika-Sammlung blo\u00df aus einer Figur bestehen soll \u2013 vielleicht im Eingangsbereich &#8211; warum nicht diese Figur aufstellen? Der Schurz l\u00e4sst sich ersetzen. Und Sie tun ein gutes Werk. Auch f\u00fcr die kongolesische traditionelle Kunst. Schlie\u00dflich dauert deren Elend bereits \u00fcber ein Jahrhundert an, und es gibt kein Hilfswerk daf\u00fcr.<\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>21.5.2017 (redigiert 12.10. 2018) &#8211; Danke f\u00fcr 78 Clicks. Ich will heute meine Sammlung gegen bestimmte Ansichten verteidigen. Mir geht es um Figuren und Masken, die eine Eigenschaft haben, eine Pointe, \u00e4sthetischen Witz haben, der auch einem Fremden noch zug\u00e4nglich ist, wenn er sich nur darauf einl\u00e4sst. 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