{"id":7526,"date":"2017-05-04T18:14:59","date_gmt":"2017-05-04T16:14:59","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=7526"},"modified":"2024-02-12T14:25:36","modified_gmt":"2024-02-12T13:25:36","slug":"wiegmanns-universitaeten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=7526","title":{"rendered":"WIEGMANNS UNIVERSIT\u00c4TEN"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Den Titel \u201e<a href=\"http:\/\/www.versalia.de\/Rezension.Gorki_Maxim.118.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Meine Universit\u00e4ten<\/a>\u201c kennt man von Maxim Gorkis autobiografischem Roman. Und \u201eUniversit\u00e4ten\u201c bedeutet hier das Leben oder genauer dessen Stationen jenseits akademischer Ausbildung. Anders als Maxim genoss Fritz Wiegmann als Jugendlicher eine solche Ausbildung, aber was bot sie ihm und in was f\u00fcr einer Zeit?<\/p>\n<p>Die &#8218;Alte Oper Frankfurt&#8216; zitiert in im Programmheft zu &#8222;Fokus 20er Jahre&#8220; (2017) Carl Zuckmayer: <em><strong>Die K\u00fcnste bl\u00fchten wie eine Wiese vorm Schnitt. Daher die tragisch-genialische Anmut, die dieser Epoche eignet.<span style=\"color: #808080;\"><span style=\"color: #e087d3;\"><span style=\"color: #333333;\"> &#8211; <\/span><\/span><\/span><\/strong><\/em><span style=\"color: #808080;\"><span style=\"color: #e087d3;\"><span style=\"color: #333333;\">Von diesem kurzen Gl\u00fcck sind wir als Nachgeborene ausgeschlossen. Tragen wir&#8217;s mit Fassung.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">AUSBILDUNG ZUM ZEICHENLEHRER<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Zeugnis der Staatlichen Kommission zur Pr\u00fcfung der Zeichenlehrer und Zeichenlehrerinnen f\u00fchrt in der getippten <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=5874\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Fassung des Lebenslaufs<\/a> die Unterrichtsf\u00e4cher auf, die er absolviert hat: \u201e<em>Zeichnen nach dem lebenden Modell, Zeichnen nach Naturformen, Zeichnen nach Ger\u00e4ten, Gef\u00e4\u00dfen u.s.w., Malen, Zeichnen an der Schultafel, Linearzeichnen, Methodik und Kunstgeschichte<\/em>.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_6042\" style=\"width: 180px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Kunstklasse-Berlin.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6042\" class=\"size-thumbnail wp-image-6042\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Kunstklasse-Berlin-170x150.jpg\" alt=\"Klassenfoto ohne weitere Beschriftung, 1922 ?\" width=\"170\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6042\" class=\"wp-caption-text\">Klassenfoto undatiert, 1922? rechts hinten: Wiegmann *<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch wenn das eine arg verk\u00fcrzte Darstellung w\u00e4re dessen, was ihm die Kunstschule in den vier Jahren bot, so war das vielleicht doch nicht das, wof\u00fcr er mit sechzehn Jahren die Provinz verlassen hatte, um in Berlin zu studieren. Die Zeichenlehrerschule war wohl sein mit den &#8211; ohnehin erstaunlich liberalen &#8211; Eltern ausgehandelter taktischer Kompromiss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das undatierte (und zuerst wiederentdeckte) <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=5881\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Jugendwerk<\/a> d\u00fcrfen wir hier nicht vergessen! War das nicht das Programm der Revolte auf einem Pappendeckel? Ist das Bild nicht bewusst \u201ah\u00e4sslich\u2019 bis zum Hosenbein des Jungen, ein kleiner Schlag in die Fresse der b\u00fcrgerlichen Kunstspie\u00dfer, ungeeignet f\u00fcr ein Weiterkommen an jeder Kunstschule?<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">BERLINS STRASSEN<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Studienbeginn in Berlin im Oktober 1918! Nicht nur Gorki fand einst seine Universit\u00e4ten auf der Stra\u00dfe! \u201eNovemberrevolution!\u201c \u201eKapp-Putsch!\u201c : <em>Den Kapp-Putsch haben wir nie ernst genommen, der wurde ausgelacht in Berlin, man hat die Putschisten besucht. Die Rechtsradikalen hatten noch lange keinen Kredit. Mit zu wenig milit\u00e4rischer Macht wollten ein paar Offiziere (Gener\u00e4le) befehlen<\/em>. So Wiegmann f\u00fcnfzig Jahre sp\u00e4ter. Das Theaterhafte bereits der \u201aNovemberrevolution\u2019 kann ich mir dank Ben Hecht, eines jungen Kriminalreporters aus dem robusten Chicago auf Dienstreise in Deutschland, lebhaft vorstellen. Mag auch die eine oder andere Episode f\u00fcr die <em>Chicago Daily News <\/em>aufgebauscht oder gar erfunden sein*, die Stimmung in Berlin und im Reich hat Hecht meisterhaft erfasst. Schlie\u00dflich wurde er sp\u00e4ter Hollywoods erfolgreichster Drehbuchautor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ben Hecht: \u201e<strong>Revolution im Wasserglas &#8211; Geschichten aus Deutschland 1919<\/strong>\u201c (1954, dt.2006 bei Berenberg, Berlin). *Rezension dlf <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/ahnungslos-in-berlin.950.de.html?dram:article_id=134648\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_7559\" style=\"width: 180px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Meidner-1919-Matrose_IMG_0377.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7559\" class=\"size-thumbnail wp-image-7559\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Meidner-1919-Matrose_IMG_0377-170x150.jpg\" alt=\"sign. 'Ludwig Meidner 1919', Privatsammlung\" width=\"170\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7559\" class=\"wp-caption-text\">sign. &#8218;Ludwig Meidner 1919&#8216;, Privatsammlung<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schnell gewann er damals den Eindruck, das Ganze sei eine von der Heeresspitze \u201efabrizierte Revolution\u201c \u2013 das l\u00e4sst mich spontan an Rum\u00e4nien 1990 denken. \u201eKirchg\u00e4nger und Gewerkschaftler\u201c (31) der SPD wurden zu \u201ekomischen Marionetten\u201c (32). \u2013 Mein Schulwissen \u00fcber diese Zeit erlaubt mir keine historische Bewertung. Darauf kommt es in diesem Kontext auch gar nicht an. Eher schon auf das Gesicht eines \u201em\u00fctzenbeb\u00e4nderten\u201c (29) Matrosen auf dem Holzschnitt von <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=887\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ludwig Meidner<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wagte das frech daherkommende Buch kaum dem kundigen Klaus T\u00e4ubert zuzumuten. Ich war \u00fcberrascht und erfreut, als ich von ihm folgende Antwort erhielt:<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Klaus-Ta\u0308ubert-im-Mai-2017.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-7599\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Klaus-Ta\u0308ubert-im-Mai-2017-900x635.jpg\" alt=\"Klaus Ta\u0308ubert im Mai 2017\" width=\"580\" height=\"410\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Klaus-Ta\u0308ubert-im-Mai-2017-900x635.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Klaus-Ta\u0308ubert-im-Mai-2017-360x254.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Klaus-Ta\u0308ubert-im-Mai-2017-624x441.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Klaus-Ta\u0308ubert-im-Mai-2017.jpg 1099w\" sizes=\"auto, (max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><\/a><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">DADA<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und \u00fcber die Kunst sind wir bereits Skandal und bei DADA! Wiegmann erz\u00e4hlte mir 1969 vom Theaterst\u00fcck \u201e\u00dcberteufel\u201c (Hermann Essig, 1912, <a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Essig,+Hermann\/Dramen\/%C3%9Cberteufel\/1.+Akt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link zum Text<\/a>), auch von Walther Mehring, der sich <em>Pipidada<\/em> nannte und von \u201e<em>Merz\u201c-Bildern<\/em>, die wie Dada <em>nicht erkl\u00e4rt wurden<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Wikipedia-Beitrag zu \u201eMerz\u201c erz\u00e4hlt: <em>Als Kurt Schwitters nicht zur Ersten Internationalen DADA-Messe in Berlin im Jahre 1920 zugelassen wurde, sann er auf einen \u201eabsolut individuellen Hut, der nur auf einen einzigen Kopf pa\u00dfte,\u201c \u2013 auf seinen eigenen. Der Zufall wollte es, dass er beim Gestalten einer <\/em><em>Collage <\/em><em>die dabei verwendete Anzeige mit dem Wort Kommerz darin so zerschnitt, dass nur die Silbe Merz \u00fcbrig blieb, was Reime wie \u201eScherz\u201c, \u201eNerz\u201c und \u201eHerz\u201c zu assoziieren erlaubte und einen \u00e4hnlich sinnfreien Zug wie Dada besa\u00df. Es wurde Schwitters ureigenstes Synonym f\u00fcr Dada. <\/em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Merz_(Kunstbegriff)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/DADA-Ausstellung-1920-IMG_0389.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-7600\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/DADA-Ausstellung-1920-IMG_0389-170x150.jpg\" alt=\"DADA-Ausstellung 1920-IMG_0389\" width=\"170\" height=\"150\" \/><\/a>Wiegmann hat die DADA-Messe besucht \u2013 in der <em>Berliner Trib\u00fcne <\/em>(?) &#8211; und er erz\u00e4hlte von der Stehleiter. Wer oben war, konnte den Vorhang vor einem Spiegel beiseite ziehen, auf dem geschrieben stand: \u201e<em>So siehst du aus, Spiesser<\/em>\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von Publikumsbeschimpfungen einer <em>DADA-Gala<\/em> unter der Regie des vierundzwanzigj\u00e4hrigen George Gross berichtet Ben Hecht br\u00fchwarm:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Plakate verk\u00fcndeten die Erste deutsche Nachkriegs-Renaissance der Kunst! Eintritt 20 Goldmark. Festliche Kleidung vorgeschrieben. Ich sa\u00df in meiner Loge und blickte herab auf mein Publikum, bestehend aus Berlins distinguiertesten B\u00fcrgern im feinsten milit\u00e4rischen und zivilen Gefieder. <\/em>(&#8230;.) <em>Der schwarzgesichtige Grosz st\u00fcrzte aus den Kulissen und und br\u00fcllte dem Publikum eine weitere Warnung zu: \u201eNehmt den Fu\u00df aus der Butter, bevor es zu sp\u00e4t ist.\u201c Eine Serie von Auftritten folgte. (&#8230;.) Ich erinnere mich an einige. Da gab es ein Rennen zwischen einem M\u00e4dchen an einer N\u00e4hmaschine und einem M\u00e4dchen an einer Schreibmaschine. Grosz feuerte die Startpistole ab. Die M\u00e4dchen begannen mit H\u00f6chstgeschwindigkeit zu n\u00e4hen und zu tippen. Die N\u00e4hmaschinistin wurde zur Siegerin erkl\u00e4rt. Sie empfing eine Kollektion falscher B\u00e4rte und verlie\u00df die B\u00fchne voller Stolz. Es gab keinen Applaus. <\/em>(&#8230;.) <em>Schlie\u00dflich begann des Publikum mit einer Gegenrevolution. Offiziere zogen ihre Waffen und feuerten auf die B\u00fchne. Polizisten und Soldaten erschienen. Hohe Beamte verlangten die Inhaftierung der Rowdys. Die Berlins Elite an der Nase herumgef\u00fchrt und verspottet hatten. Aber keiner wurde verhaftet. Die Dadaisten hatten sich in die Fr\u00fchlingsnacht aufgel\u00f6st. <\/em>(a.a.O. S.86-88, nach \u201eLetters from Bohemia\u201c, 1964) Mit den zahlreichen billigen Publikationen ging das nicht so einfach. F\u00fcr eine gro\u00dfformatige \u201aehrverletztende\u2019 Karikatur hatte Grosz gerade ein paar Wochen gesessen. <em>Wir sind sozusagen Revolution\u00e4re. Gegen alles, dem mehr Wert gegeben wird als irgendeinem menschlichen Wesen, sind wir gewillt zu k\u00e4mpfen.\u201c <\/em>(a.a.O. 81) So zitiert ihn Ben Hecht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Atelier lichtet Hecht herumstehende Bilder ab, dekoriert damit sp\u00e4ter in Chicago ein sehr langes Schaufenster und provoziert einen gro\u00dfen Publikumsansturm.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">PICASSO UND BRAQUE ALS LEHRER<\/h4>\n<p>Leider habe ich \u00fcber den jungen &#8218;Kunstmaler&#8216; Wiegmann, abgesehen von ein paar kleinen <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=5747\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Abbildungen um 1928<\/a>, keine Informationen. Betrachter sehen gew\u00f6hnlich hinter Wiegmanns fr\u00fchen Stilleben \u00fcberdeutlich Picasso oder Braque oder Juan Gris\u00a0 als\u00a0 Vorbilder. &#8211; Wo und wann bekam Wiegmann in Berlin \u201ePicasso\u201c zu sehen oder \u201eBraque\u201c?\u00a0 Ab wann fuhr er regelm\u00e4\u00dfig nach Paris, etwa zu seinem Freund Wolters? Doch ebenso w\u00fcsste ich gern: Was &#8217;sah&#8216; er in diesen Bildern? Was erhoffte er sich davon? Ganz sicher sah er nicht, was wir heute in retrospektiven Ausstellungen mit Werken der Klassischen Moderne sehen, wenn uns nicht die Kuratoren bereits auf einen anderen Weg geschickt haben!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor einiger Zeit traf ich auf ein quadratisches B\u00e4ndchen der Reihe <em>Die Arche<\/em> \u00fcber <em>Georges Braque <\/em>(Z\u00fcrich 1958) und darin unter dem Titel <em>Mein Weg<\/em> (1954) ein von Dora Vallier aufgezeichnetes Gespr\u00e4ch. Vielleicht gibt das eine Vorstellung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #808080;\"><strong>Georges Braque<\/strong><\/span> kehrt\u00a0 n\u00e4mlich die wiederk\u00e4uende Perspektive der Nachwelt um und nimmt die Leser auf den Weg seiner Entdeckungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e&#8230; <em>Meine k\u00fcnstlerische Ausbildung? Mein einziger Lehrmeister war die Zeitschrift \u201aGil Blas\u2019. Mein Vater (Freizeitmaler) hatte sie abonniert. Ich war ungef\u00e4hr zw\u00f6lf Jahre alt; &#8230;. (11) In der Zeichenstunde tat ich nichts anderes als gegen den Lehrer zu hetzen und Karikaturen zu machen &#8230; ich hatte stets einen Abscheu vor der offiziellen Malerei \u2013 das ist heute noch genauso &#8230; Nach dem Gymnasium, mit achtzehn Jahren trat ich eine Lehre als Dekorationsmaler an &#8230; (12) ich lernte also falschen Marmor und falsche Holzfaserung herzustellen &#8230; Gleichzeitig folgte ich den Abendkursen f\u00fcr Zeichnen im Stadthaus von Batignolles und sp\u00e4ter an der \u201aAcad\u00e9mie Humbert\u2019, eine Akademie wie alle andern, wo der Lehrer nicht z\u00e4hlte, und s\u00e4mtliche Sch\u00fcler Dilettanten waren, wo es aber sehr viel zu lachen gab. Dort traf ich Picabia, den ersten Maler, den ich kannte, und Marie Laurencin &#8230; ich war zwanzig Jahre alt und r\u00fcckte in den Milit\u00e4rdienst ein.\u201c <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dora Vallier fragt<em>, ob nun die eigentliche Geschichte des Malers Georges Braque beginne &#8211; Feld der Kritik; seit vielen Jahren gewertet, klassiert und katalogisiert? <\/em>Mitnichten!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eNie habe ich die Idee gehabt, Maler zu werden &#8230; Ich hatte Freude am Malen und ich arbeitete viel&#8230;.\u201c (13) Und so geht es weiter: \u201eDie fauvistische Malerei hatte mir gro\u00dfen Eindruck gemacht, weil sie neu war, und das gefiel mir &#8230; Es war eine Malerei voller Begeisterung und sie passte zu meinen dreiundzwanzig Jahren &#8230; Da ich die Romantik nicht sch\u00e4tzte, gefiel mir diese k\u00f6rperhafte Malerei &#8230; (14) Ich war von Cezanne beeindruckt, von seinen Bildern, die ich bei Vollard gesehen hatte &#8230; Auch die Negerplastik hat mir einen neuen Horizont er\u00f6ffnet &#8230; Ich hatte selbstverst\u00e4ndlich \u201aam Modell\u2019 gelernt. Ich hatte bis jetzt nach der Natur gemalt, und als ich davon \u00fcberzeugt war, dass man sich vom Modell befreien m\u00fcsse, war es gar nicht so einfach &#8230;<\/em> (15)\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vergleichbare Abenteuer durchlebte auch der ehrgeizigere <span style=\"color: #808080;\"><strong>Pablo Picasso<\/strong><\/span>. Der Aufsatz von William Rubin in \u201ePrimitivismus in der Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts\u201c (MoMa, N.Y. 1984, 248-345) verdeutlicht das heute sehr sch\u00f6n. Zeitgenossen Picassos mussten schon genau hinschauen und durften nicht auf die Auguren vertrauen. Wiegmann hielt sich oft genug i<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=5520\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">n Paris <\/a>auf.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">SCHULPRAXIS UND AUSSTELLUNGSPRAXIS ERFOLGREICH ABGESCHLOSSEN<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Lehrer an einer staatlichen H\u00f6heren Schule hatte Wiegmann\u00a0 offenbar Freir\u00e4ume f\u00fcr reformp\u00e4dagogische Ans\u00e4tze. Und die befreundeten Mediziner Joel und Fr\u00e4nkel\u00a0 vereinten in ihrem Ausstellungsprojekt &#8222;Gesunde Nerven&#8220; im Gesundheitshaus Kreuzberg 1929 eine\u00a0 avancierte medizinische &#8218;Volksaufkl\u00e4rung\u2019 mit dem Mut zum formalen Experiment. Sie gaben Wiegmann eine einzigartige Chance. Kein Wunder, dass Kollege Ausleger ihn damals oft im Unterricht vertreten musste. Die mir zug\u00e4nglichen Presseberichte waren durchweg begeistert. Doch nur <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=5899\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Walter Benjamin hob\u00a0 In seinem Artikel &#8222;Bekr\u00e4nzter Eingang&#8220;<\/a> hervor, dass Wiegmann gezielt die St\u00e4rken von Sch\u00fclerarbeiten genutzt hatte.\u00a0 Benjamin sah in dessen k\u00fcnstlerischen Konzept gleich drei Kr\u00e4fte als Ideengeber am Werk:\u00a0 den \u201eRummelplatz\u201c und eine revolution\u00e4re P\u00e4dagogik\u00a0 auf der einen Seite,\u00a0 das \u00e4sthetische Erbe der verblichenen DADA-Avantgarde auf der anderen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e (&#8230;.) <em>Montage kennt die Budenschau freilich nicht. Hier bricht der Anschauungskanon unserer Tage, der Wille zum Authentischen, ein.<\/em> <em>Montage ist ja kein kunstgewerbliches Stilprinzip. Sie entstand, als es gegen Ende des Krieges der Avantgarde deutlich wurde: Die Wirklichkeit hat nun aufgeh\u00f6rt, sich bew\u00e4ltigen zu lassen. Und bleibt \u2013 um Zeit und einen k\u00fchlen Kopf zu bekommen \u2013 nichts weiter \u00fcbrig, als sie vor allem einmal ungeordnet, selber, anarchistisch, wenn es sein muss, zu Worte kommen zu lassen. Die Avantgarde waren damals die Dadaisten. Sie montierten Stoffreste, Stra\u00dfenbahnbillets, Glasscherben, Kn\u00f6pfe, Streichh\u00f6lzer und sagten damit: Ihr werdet mit der Wirklichkeit nicht mehr fertig. Mit diesem kleinen Kehrricht ebenso wenig wie mit Truppentransporten, Grippe und Reichsbanknoten. <\/em>(&#8230;.. 4.Spalte, R\u00fcckseite)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Konstruktiv funktionieren kann DADA erst dank einer radikalen Schubumkehr um 180 Grad:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Da <\/em>(In der Ausstellung)<em> ist<\/em><em> an allen Ecken und Enden eine \u00dcberlegung, eine grunds\u00e4tzliche Klarheit zu sp\u00fcren, wie nicht Amtsstunden passioniertester T\u00e4tigkeit sie erzeugen. Weder Joel noch einer seiner Mitarbeiter sind in Russland gewesen. Umso interessanter, dass der erste Blick in den R\u00e4umen jedem der sie betritt, eine Vorstellung davon geben kann, wie es im \u201eMoskauer Hause der Bauernschaft\u201c oder im \u201eKlub der roten Soldaten\u201c im Kreml aussieht. N\u00e4mlich heiter, bewegt und freudig und so, als sei gerade heute, am Tag an dem du kommst, hier etwas ganz Besonderes los. Modell, Transparente sind gruppiert, als h\u00e4tten sie auf das Geburtstagskind gewartet, Statistiken schwingen sich wie Guirlanden von Wand zu Wand, an manchen Apparaten sucht man unwillk\u00fcrlich den Schlitz, um sie durch einen Groschen in Bewegung zu setzen, so unfa\u00dflich scheint es, da\u00df hier alles umsonst ist. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Bald kommen wir auch hinter einen Trick: Der k\u00fcnstlerische Leiter dieser Schau, Wi(e)gmann ist Zeichenlehrer. Er hat die Schulkinder f\u00fcr diese Ausstellung gewisse Themen \u201eniedermalen\u201c lassen. So sind aus dem \u201eTag des Abergl\u00e4ubigen\u201c, aus den \u201eErziehungsfehlern unserer Eltern\u201c eigensinnige, grellbunte Bilderfolgen geworden, zu denen nur die Leierkastentexte und das St\u00f6ckchen des Moritatens\u00e4ngers noch fehlen. Ganz davon abgesehen, dass die Aussicht auf solch vern\u00fcnftige Verwendung ihrer Sachen die Lust der Kinder an der Arbeit steigert. Kinder k\u00f6nnen hier darum so gut vermitteln, wie sie ja die eigentlichen Laien sind.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Und Laien sind auch die Besucher dieser Schau und sollen es bleiben<\/em>. (&#8230;.)<em> Nicht gelehrter sollen sie die Ausstellung verlassen, sondern gewitzter. Die Aufgabe der echten, wirksamen Darstellung ist geradezu das Wissen aus den Schranken zu l\u00f6sen und praktisch zu machen<\/em>. (1.\/2.Spalte)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und der Schlusssatz: <em>Langeweile verdummt, Kurzweil kl\u00e4rt auf. Walter Benjamin <\/em>(6. Spalte)<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">&#8218;NEBENFACH&#8216;: SOZIALMEDIZIN<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der Mitarbeit 1929\/30 auf &#8217;sozialhygienischen&#8216; Gebiet gewann Wiegmann intellektuell Anschluss an eine &#8217;substantiellere&#8216; Avantgarde, dort wo Wissenschaft und Medizin sozial wurden. \u00c4rzte und Suchtexperten Ernst Joel (1893-1929) und Fritz Fr\u00e4nkel (1992-1944) versorgten ihn nicht nur mit ihren aktuellen Brosch\u00fcren.<\/p>\n<div id=\"attachment_4801\" style=\"width: 276px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/P1180411-Wiegmann-Dodo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4801\" class=\"wp-image-4801\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/P1180411-Wiegmann-Dodo-360x295.jpg\" alt=\"Vor dem Haus der Benjamins im Grunewald\" width=\"266\" height=\"218\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/P1180411-Wiegmann-Dodo-360x295.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/P1180411-Wiegmann-Dodo-900x737.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/P1180411-Wiegmann-Dodo-624x511.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/P1180411-Wiegmann-Dodo.jpg 1279w\" sizes=\"auto, (max-width: 266px) 100vw, 266px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4801\" class=\"wp-caption-text\">Vor dem Haus der Benjamins im Grunewald *<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine dritte Person darf aber nicht vergessen werden, die an der Konzeption der Ausstellung beteiligt war: Dora Benjamin (1901-45, &#8222;Dodo&#8220;), Volkswirtin und Redakteurin in der &#8222;Sozialen Praxis&#8220;, &#8222;dem f\u00fchrenden publizistischen Organ der b\u00fcrgerlichen Sozialreform&#8220; . Sie hatte mit einer empirischen Arbeit \u00fcber Frauenheimarbeit und Kinderarbeit promoviert und arbeitete mit Fritz Fr\u00e4nkel in der Suchtforschung und in Anwendung und Weiterentwicklung des Rohrschachtests. (E.Sch\u00f6ck-Quinteros, siehe unten)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ging buchst\u00e4blich um eine Revolution in der Sozialmedizin Deutschlands. Doch die wurde 1933 gleich wieder diktatorisch unterdr\u00fcckt, um Platz f\u00fcr eine unter Fachleuten seit langem verbreitete sozialdarwinistische und eugenische Orientierung zu machen. &#8211; Das las ich zum ersten Mal 1986 in der am Universit\u00e4tsklinikum HH-Eppendorf enstandenen medizinsoziologischen Studie \u00fcber das angeblich so &#8218;liberale&#8216; Hamburg. (H. Kaupen-Haas: &#8222;<em>Der Griff nach der Bev\u00f6lkerung &#8211; Aktualit\u00e4t und Kontinuit\u00e4t nazistischer Bev\u00f6lkerungspolitik<\/em>&#8222;, Philo bei Greno, N\u00f6rdlingen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der erzwungenen Emigration seiner F\u00f6rderer und Freunde war Wiegmann dieser\u00a0k\u00fcnstlerische Weg in Deutschland verbaut. Mit der Leitung des <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=7174\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hygiene-Museums in Dresden<\/a>, f\u00fcr die Fr\u00e4nkel und er 1930 gearbeitet hatten, hatte er sich nicht verstanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber weitere Kontakte mit den Benjamins und den anderen Emigranten, etwa in Paris, habe ich fast keine Information. Die Lebensperspektiven trennten sich. Dora Benjamins Profil und das Emigrantendasein in Frankreich zeichnet in klaren Strichen Eva Sch\u00f6ck-Quinteros in &#8222;Dora Benjamin (&#8230;.) Stationen einer vertriebenen Wissenschaftlerin (1901-46)&#8220;, bonjour.Geschichte 4 (2014) : <a href=\"http:\/\/bonjour-geschichte.com\/dora-benjamin-denn-ich-hoffe-nach-dem-krieg-in-amerika-arbeiten-zu-konnen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a>. Den weiteren Lebensweg von Fritz Fr\u00e4nkel schildert Klaus T\u00e4ubert in &#8222;Unbekannt verzogen&#8230;&#8220; (trafo Verlag Berlin, 2005) und in &#8222;Eingesammeltes&#8220; Bd.1 (Hagen, 2011. Demnach verbrachte auch Fr\u00e4nkel ein Jahr auf Mallorca, 1935-36, in Wiegmanns Nachbarschaft (ebd. S.154).<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">EIN HAUCH INTERNATIONALER BEW\u00c4HRUNG<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Wiegmann gab es freilich damals weitere Optionen, nun wieder nach traditionell \u00e4sthetischem Verst\u00e4ndnis: die erste ihm erw\u00e4hnenswerte Ausstellungbeteiligung 1931 oder 1932 in einer Kunstgalerie, und gleich bei\u00a0 <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=7251\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">John Becker, New York<\/a>. Anzunehmen ist, dass ein Freund, Edwin Denby (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=7663\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a>), vermittelte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=7251\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ausstellungszettel\u00a0<\/a> nennt &#8218;Weigmann&#8216; einen \u201egl\u00fchenden Bewunderer\u201c (<em>passionate admirer) <\/em>Braques und Picassos. Das entsprang sicher nicht nur dem Marketing-Kalk\u00fcl der Galerie. Doch wie weit die kubistische Denkweise Wiegmanns Begabung entsprach, kann ich nicht einsch\u00e4tzen.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">\u00a0DIE MEISTER ALTEUROPAS<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf die Entwicklung einer eigenen Bildsprache hatte er bisher wohl zu wenig Energie<\/p>\n<div id=\"attachment_7576\" style=\"width: 370px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Veronese-1470-Repro-1934.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7576\" class=\"size-medium wp-image-7576\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Veronese-1470-Repro-1934-360x314.jpg\" alt=\"Veronese 1470 (Museumsfoto 1933-34)\" width=\"360\" height=\"314\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Veronese-1470-Repro-1934-360x314.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Veronese-1470-Repro-1934-900x785.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Veronese-1470-Repro-1934-624x545.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Veronese-1470-Repro-1934.jpg 1099w\" sizes=\"auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7576\" class=\"wp-caption-text\">Veronese 1470 (Museumsfoto 1933-34) *<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">verwendet. Als er am 1.4. 1933 vom Schuldienst und gleich auch vom Deutschen Reich Urlaub nimmt &#8218;unter Verzicht auf Gehalt&#8216;, nutzt er den Aufenthalt in Frankreich, Italien und Spanien, um sich verst\u00e4rkt in der gro\u00dfen europ\u00e4ischen Tradition neue Lehrer zu suchen. Die Reproduktion rechts hat er vielleicht damals in einem italienischen Kunstmuseum\u00a0 erworben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einem Interview des Peiping Chronicle Anfang 1936 beschrieb er die j\u00fcngste Strecke seines Wegs\u00a0 so:<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">* Peiping Chronicle <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/%3Ca%20href=\">16.2.1936<\/a>\u00a0\u00a0 Ausschnitt<strong><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/The-Peiping-Chronicle-16.2.1936-Ausschnitt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-6043 alignleft\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/The-Peiping-Chronicle-16.2.1936-Ausschnitt-225x360.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/The-Peiping-Chronicle-16.2.1936-Ausschnitt-225x360.jpg 225w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/The-Peiping-Chronicle-16.2.1936-Ausschnitt-562x900.jpg 562w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/The-Peiping-Chronicle-16.2.1936-Ausschnitt.jpg 624w\" alt=\"the-peiping-chronicle-16-2-1936-ausschnitt\" width=\"225\" height=\"360\" \/><\/a><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e<em>Die spanische Schule des Velasquez, die franz\u00f6sischen Schule Cezannes und die italienische da Vincis waren f\u00fcr ihn Offenbarungen. Deren Studium brachte ihn dazu, sich ihrer F\u00fchrung und Inspiration zu \u00fcberlassen und der Schule der Moderne, die er kannte, den R\u00fccken zu kehren. Auf seinen Reisen durch diese L\u00e4nder nahm er die moderne Entwicklung von diesen alten Meistern aus in den Blick, und er entwickelte das gr\u00f6\u00dfte Interesse an ihrer Wirkung auf die Kunst der Gegenwart. Als Resultat machte er eine Synthese alles dessen und entwickelte seinen pers\u00f6nlichen Stil.<\/em>\u201c<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">CHINESISCHE KUNST<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">1936 hat er in China sich als Lehrmeister eine fremde \u00e4sthetische Tradition\u00a0 gesucht. Die war vielleicht zu gro\u00df f\u00fcr den kurzen Aufenthalt\u00a0 und mit Sicherheit lie\u00df sich deren Lehre \u201azuhause\u2019 schlecht vermitteln. Der Sprung blieb praktisch bei ein paar Motiven stecken und <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=5861\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ansonsten Programm<\/a> \u2013 was\u00a0 in einem ungew\u00f6hnlich kritisch formulierten G\u00e4stebucheintrag in der Pekinger Ausstellung anklingt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e<em>Nur die Stoffwahl ist leider auf das Stilleben vor dem Fenster und auf die kleineren Landpartien beschr\u00e4nkt. Hoffentlich macht der K\u00fcnstler weitere Fortschritte, damit er mit einer au\u00dferge-w\u00f6hnlichen k\u00fcnstlerischen Anschauung die Eigent\u00fcmlichkeit Chinas kennen k\u00f6nnte.<\/em>\u201c (unbekannter \u00dcbersetzer; das ganze Zitat und weitere: <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=7707\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a>)<\/p>\n<div id=\"attachment_7561\" style=\"width: 635px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Wgm.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7561\" class=\"size-large wp-image-7561\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Wgm-900x443.jpg\" alt=\"1936 (Originalrepro.)\" width=\"625\" height=\"308\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Wgm-900x443.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Wgm-360x177.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Wgm-624x307.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Wgm.jpg 1100w\" sizes=\"auto, (max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7561\" class=\"wp-caption-text\">1936 (Originalreproduktion in Peking von einem der ganz wenigen Landschaftsbilder)<\/p><\/div>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">ZUR\u00dcCK AUF ANFANG<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der R\u00fcckkehr ins Reich\u00a0 und w\u00e4hrend des Krieges r\u00fcckte die p\u00e4dagogische Arbeit mit Sch\u00fclern wieder ins Zentrum. 1941 bis 1943 betreute er im Rahmen der &#8222;Kinderlandverschickung&#8220; (K.L.V.)\u00a0 Kinder aus seinem Wilmersdorfer Gymnasium im Sudetenland.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann folgten Schicksalsschl\u00e4ge kurz aufeinander: die Zerst\u00f6rung der Atelierwohnung 1943 durch Bomben, 1945 der Verlust aller in einem Berliner Banktresor verwahrten Arbeiten, schlie\u00dflich die schwere Operation im oberfr\u00e4nkischen Hof\/Saale, wo er anschlie\u00dfend sechs Jahre festsa\u00df (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=8511\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a>). Eine Anstellung fand er erst 1948 an der &#8218;Bildhauerfachschule&#8216; im vierzig Kilometer entfernten Wunsiedel\/Fichtelgebirge. Bewerbungen nach Hamburg, Berlin und Frankfurt waren erfolglos.<\/p>\n<div id=\"attachment_7710\" style=\"width: 180px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Goethe-Gymn.-1956-Wgm.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7710\" class=\"size-thumbnail wp-image-7710\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Goethe-Gymn.-1956-Wgm-170x150.jpg\" alt=\"Bei den Proben um 1960 Foto: DvG\" width=\"170\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7710\" class=\"wp-caption-text\">Bei den Proben um 1960 Foto: DvG<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erst ab 1951 konnte er in Frankfurt Gymnasien unterrichten, von 1952 an hatte er am Goethe-Gymnasium noch zehn Arbeitsjahre. Schultheaterinszenierungen und eine \u00e4u\u00dferst anspruchsvolle Studienfahrt sind belegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcberraschung: Der Entwurf f\u00fcr das T\u00fcrrelief an der Liebfrauenkirche stammt von ihm. Ausf\u00fchrung A. Welcker.<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Liebfrauenkirche-Tu\u0308r-IMG_0150.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7709 alignright\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Liebfrauenkirche-Tu\u0308r-IMG_0150-279x360.jpg\" alt=\"Liebfrauenkirche-Tu\u0308r-IMG_0150\" width=\"236\" height=\"304\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Liebfrauenkirche-Tu\u0308r-IMG_0150-279x360.jpg 279w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Liebfrauenkirche-Tu\u0308r-IMG_0150-698x900.jpg 698w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Liebfrauenkirche-Tu\u0308r-IMG_0150-624x805.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Liebfrauenkirche-Tu\u0308r-IMG_0150.jpg 852w\" sizes=\"auto, (max-width: 236px) 100vw, 236px\" \/><\/a><\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">NATURSTUDIUM<\/h4>\n<div id=\"attachment_7584\" style=\"width: 153px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Wgm-Wald.farbig-30x11-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7584\" class=\"size-medium wp-image-7584\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Wgm-Wald.farbig-30x11-1-143x360.jpg\" alt=\"Tuschzeichnung um 1970 - 30x11 \" width=\"143\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Wgm-Wald.farbig-30x11-1-143x360.jpg 143w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Wgm-Wald.farbig-30x11-1-357x900.jpg 357w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Wgm-Wald.farbig-30x11-1.jpg 476w\" sizes=\"auto, (max-width: 143px) 100vw, 143px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7584\" class=\"wp-caption-text\">Tuschzeichnung um 1970 &#8211; 30&#215;11 cm (Privatsammlung)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach seiner krankheitsbedingten Pensionierung 1962 hat er sich auf seine Kunsterfahrungen in Peking besonnen, mit \u00fcberraschenden Ergebnissen. Ausgerechnet in der Umgebung eines Hessischen Ferienhotels in Beatenberg, Kanton Bern, entdeckte er seine Chance, die Wucht der schroffen klassischen chinesischen Bilderbergwelt in zeitgen\u00f6ssische \u00d6lgem\u00e4lde zu verwandeln.\u00a0<em>\u201eDas haben nach Segantini und Corinth nur noch Heimatmaler gemalt.\u201c <\/em>(Willi Schmidt, gespr\u00e4chsweise)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich jedoch die \u00e4sthetischen L\u00f6sungen chinesischer K\u00fcnstler f\u00fcr die Landschaftsmalerei im 20. Jahrhundert betrachte, war Wiegmann gar nicht abseitig. Die Spur der Kunst hat er nicht verloren, nur den Weg zum Kunstmarkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">* Original im Stadtarchiv Frankfurt\/Main (Nachlass S 1- 513)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Titel \u201eMeine Universit\u00e4ten\u201c kennt man von Maxim Gorkis autobiografischem Roman. 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