{"id":750,"date":"2013-10-25T11:11:57","date_gmt":"2013-10-25T10:11:57","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=750"},"modified":"2020-05-23T14:05:45","modified_gmt":"2020-05-23T12:05:45","slug":"der-sueden-als-vorreiter-der-globalisierung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=750","title":{"rendered":"Theorie aus dem S\u00fcden?  J.&#038;J.Comaroff (Amazon-Rezension)"},"content":{"rendered":"<p>Rezension, seit 25.10.2013 bei <i>Amazon<\/i> unter <i>Produktinformation<\/i> : <i>Kundenrezensionen &#8222;<\/i>Der S\u00fcden als Vorreiter der Globalisierung&#8220;<!--more--><\/p>\n<p>Den inhaltlichen Einw\u00e4nden von <i><span style=\"text-decoration: underline;\">ey peet<\/span><\/i> (1.Rezensent) gegen <span style=\"text-decoration: underline;\">Jean und John L. Comaroff<\/span>\u00a0stimme ich zu. Ihre Berechtigung l\u00e4sst sich bereits an der &#8218;Zusammenfassung&#8216; in der Produktinformation ablesen. Rezensionen mit dem Tenor \u201aWie uns der S\u00fcden kl\u00fcger machen kann\u2019 (wdr5) erscheinen da bemerkenswert wohlwollend. Lag es daran, dass die beiden bereits 1978 nach den USA emigrierten S\u00fcdafrikaner seit kurzem in Harvard lehren? Sie montieren Gelegenheitstexte aus zwanzig Jahren und verklammern sie durch einen theoretischen Wasserkopf von siebzig Seiten, in dem alle sp\u00e4teren Aspekte schon einmal durchgesprochen werden. Nach der Lekt\u00fcre frage ich mich, was mich eigentlich zum Kauf verf\u00fchrt hat: Vielleicht die steile These, das Versprechen des Perspektivwechsels, meine Erwartung, Wissensl\u00fccken zu f\u00fcllen, ein lockerer Gespr\u00e4chsstil und \u00fcber das Buch verteilte, meine Neugier weckende Stellen? Bald wird jedenfalls klar:<\/p>\n<p>Der Anspruch \u201aTheorie aus dem S\u00fcden\u2019 ist Etikettenschwindel. Als Theoretiker treten immer wieder sie selber auf. Ihre verbindenden Konstruktionen sind abenteuerlich. Die wenigen pauschal formulierten Tatsachenbehauptungen sind praktisch kaum \u00fcberpr\u00fcfbar. Daran \u00e4ndern auch ganze 22 Seiten Literaturnachweise nichts. Die Autoren, die seit 1978 in Chicago lehren, wollen an den abgehobenen trendigen Diskursen des Nordens teilhaben und zitieren mit Vorliebe Trendsetter. Wo bleibt da das im Titel lautstark proklamierte Selbstbewusstsein \u201ades S\u00fcdens\u2019?\u00a0 Die zu allem \u00dcberfluss in die Sauce ger\u00fchrten makro\u00f6konomischen, \u00f6kologischen und welthistorischen Exkurse wiederholen bekannte Gemeinpl\u00e4tze, und nicht nur einmal. Dabei l\u00e4sst sich die These bequem im Format eines journalistischen Leitartikels unterbringen und erl\u00e4utern. Sie erregt auch keinen Widerspruch, scheint im Gegenteil die im Zeitungspublikum des Nordens verbreitete Zukunftsangst zu bedienen. Dabei f\u00e4llt ein selbstgef\u00e4lliger Plauderton unangenehm auf. So wie das Etikett \u201aVorreiter\u2019 inhaltlich bestimmt wird, erschiene es den Opfern des Neoliberalismus im S\u00fcden wohl zynisch, aber sie erhalten gewiss keine Kenntnis davon. F\u00fcr die Adressaten im Norden und ihre Repr\u00e4sentanten im S\u00fcden hat man fein verquirlte H\u00e4me. Nur in den Partien, in denen die Autoren sich konkret als Anthropologen ihrem kulturanthropologischen Forschungsgebiet der neunziger Jahre (!) zuwenden \u2013 sowohl geografisch (S\u00fcdafrika, Botswana), als auch was den Fokus angeht (Mentalit\u00e4ten und ihr Wandel, Phantasmagorien und Ideologien) \u2013 wird das Buch informativ und folglich spannend. Es ist nur f\u00fcr eine umgedrehte Nutzung geeignet. Dieses Buch ist die Zeit und seinen f\u00fcr ein schmuckloses Paperback stolzen Preis nicht wert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rezension, seit 25.10.2013 bei Amazon unter Produktinformation : Kundenrezensionen &#8222;Der S\u00fcden als Vorreiter der Globalisierung&#8220;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[224],"tags":[],"class_list":["post-750","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-afrika-medien-kritik"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/750","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=750"}],"version-history":[{"count":8,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/750\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11608,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/750\/revisions\/11608"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=750"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=750"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=750"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}