{"id":6743,"date":"2017-01-15T23:05:57","date_gmt":"2017-01-15T22:05:57","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=6743"},"modified":"2024-02-12T00:12:31","modified_gmt":"2024-02-11T23:12:31","slug":"gegen-unglueck-aus-heiterem-himmel-mbuya-masken-der-pende","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=6743","title":{"rendered":"Bewertungen von Mbuya-Masken (Pende) &#8211; de Sousberghe oder Z.S.Strother"},"content":{"rendered":"<p><em>Den ersten Ansto\u00df f\u00fcr den Beitrag gab im Januar 2017 eine angebliche Mbuya-Tanzmaske , die mich aber bald nicht mehr \u00fcberzeugte. f\u00fcr meine <\/em><em>Recherche befragte ich vor allem zwei B\u00fccher, die im Abstand von f\u00fcnfzig Jahren erschienen sind: <strong>L. de Sousberghe ART PENDE<\/strong> (1958) und <strong>Zo\u00e9 S.Strother PENDE <\/strong>(5 continents, Mailand 2008).\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 7.6.2022<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><strong>Vorbemerkung zu V\u00f6lkern und Stilen <\/strong><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Marc Petit<\/strong> unterscheidet in <strong>\u201e<em>100 Peoples of Zaire and their Sculptures<\/em>\u201c<\/strong> die <span style=\"text-decoration: underline;\">Pende Kasai<\/span> (Osten) von den <span style=\"text-decoration: underline;\">Pende Kwango<\/span> (Rest) und z\u00e4hlt jeweils andere f\u00fcr sie stilistisch relevante Nachbarn auf, f\u00fcr die <span style=\"text-decoration: underline;\">Pende Kwango<\/span> die folgenden: <span style=\"text-decoration: underline;\">Yaka<\/span> und <span style=\"text-decoration: underline;\">Suku<\/span>, <span style=\"text-decoration: underline;\">Mbala<\/span> und <span style=\"text-decoration: underline;\">Kwese<\/span> im Westen, <span style=\"text-decoration: underline;\">Pindi<\/span> und <span style=\"text-decoration: underline;\">Mbuun<\/span> (<span style=\"text-decoration: underline;\">Bunda<\/span>; um die Stadt Idiofa) im Nordwesten, <span style=\"text-decoration: underline;\">Cokwe<\/span> und <span style=\"text-decoration: underline;\">Lunda<\/span> im S\u00fcden und Wongo im Osten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleich mehrere ber\u00fchmte Namen der \u201aStammeskunst\u2019 tauchen in den Aufz\u00e4hlungen auf. Nachahmungen und gegenseitige \u00dcbernahmen sind seit jeher die Regel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn man in Betracht zieht, dass die auf diversen Karten begrenzten \u201aSiedlungsgebiete\u2019 sich in der Realit\u00e4t auch noch \u00fcberlappen und durchmischen, wundert es nicht, dass man die \u201aStammeskunst\u2019 der Kunstb\u00fccher in der Realit\u00e4t nicht vorfindet. Sousberghe stellt zum \u201eStil\u2019 der Pende lakonisch fest, dass der eigentlich nur mit dem Typ der realistischen Gesichtsmasken identifiziert wird. Und damit wird die <span style=\"text-decoration: underline;\"><em>chefferie Katundu<\/em><\/span> als Zentrum der Herstellung realistischer Gesichtsmasken zum Stilzentrum der <span style=\"text-decoration: underline;\">Pende Kwango<\/span>. Es liegt praktischerweise ziemlich in der Mitte ihres Siedlungsgebiets, etwa 80 km \u00f6stlich Kikwit (auf der Karte links oben).<\/p>\n<div id=\"attachment_6747\" style=\"width: 635px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Sousberge-Pende-Karte-oben-rechts..jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6747\" class=\"size-large wp-image-6747\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Sousberge-Pende-Karte-oben-rechts.-900x636.jpg\" alt=\"Sousberge-Pende-Karte - Katundu in der Mitte.\" width=\"625\" height=\"442\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Sousberge-Pende-Karte-oben-rechts.-900x636.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Sousberge-Pende-Karte-oben-rechts.-360x255.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Sousberge-Pende-Karte-oben-rechts.-624x441.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Sousberge-Pende-Karte-oben-rechts..jpg 1099w\" sizes=\"auto, (max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6747\" class=\"wp-caption-text\">Sousberge-Pende-Karte &#8211; Katundu in der Mitte. Schraffur nach rechts oben: Verbreitungsgebiet der &#8218;Mbuya&#8216;-Masken<\/p><\/div>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><strong>L. de Sousberghe 1958:<br \/>\n<\/strong><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie sich die realistischen Gesichtsmasken &#8222;Mbuya&#8220; im Zentrum Katundu zwischen 1920 und 1960 entwickelt haben .<br \/>\n<\/strong><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Individuell gestaltete realistischer Gesichtsmasken, die<em> Mbuya<\/em>, verdr\u00e4ngten in Katundu in den f\u00fcnfziger Jahren die standardisierten Maskentypen mit langem Bartfortsatz (39, Anmerkung). Die Schnitzer von <em>Katundu<\/em> konzentrierten ihre Kreativit\u00e4t ganz auf die <em>Mbuya<\/em> Typen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Masken wurden immer theatralischer f\u00fcr die \u00f6ffentlichen Auftritte. Sie stellten die verschiedenen Typen in einem Dorf auf die B\u00fchne: den Palmweinzapfer, die Dorfhure (<em>cocotte<\/em>), die alte Schachtel, die keinen Mann findet, den Nichtsnutz, den Kranken, u.s.w.. Manche Maske rief auch geheimnisvolle Menschen in Erinnerung, mit denen der Fremde nichts anfangen konnte. Vor allem bei der Deutung \u00e4lterer Masken &#8211; die sich seit den zwanziger Jahren in den Sammlungen\u00a0 befanden &#8211; war ein unl\u00f6sbares Problem, dass sie zwar soziale Typen oder Untugenden verk\u00f6rperten, aber so individualisiert waren, dass man unbedingt ihre Namen kennen musste. Beim Erwerb hatte jedoch keiner je danach gefragt, mit der Ausnahme von <span style=\"text-decoration: underline;\">Delhaise<\/span>, einem <em>administrateur<\/em> der Kolonialverwaltung. Bereits in seiner Einleitung zeichnete Sousberghe kein schonungsloses Bild von denen, die in der Kolonie die ethnologischen Objekte eingesammelt hatten: desorientierte Reisende und ihre desinteressierten und nachl\u00e4ssigen Helfer.\u00a0 Am Ende der Kolonialzeit war im Kongo auch diese Chance vertan. Bei seinen Recherchen vor Ort bis 1958 machte er die Erfahrung, dass seine Informanten blo\u00df vort\u00e4uschten, etwas zu wissen. So direkt formulierte er das!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sousberghe war w\u00fctend. Doch von einigen Masken aus der<em> s\u00e9rie Delhaise<\/em> war so begeistert, dass er sich vorstellen konnte, dass sie das Werk von Spezialisten nur f\u00fcr diesen Typ waren. (34)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Hersteller kamen in seinem Urteil kaum besser weg:\u00a0 Sie seien nach dem Krieg nicht mehr talentiert oder inspiriert genug gewesen, um individuelle Charakteristika herauszuarbeiten. Manchmal beeindruckte ihn zwar \u201aeine hervorragende plastische Qualit\u00e4t\u2019 (<em>valeur plastique eminent<\/em>). Doch wenn ein Meister seine \u201aForm\u2019 gefunden habe, dann wende er sie\u00a0 auf alle Typen unver\u00e4ndert an, die er herstelle (&#8230; <em>qui poss\u00e8de \u00e0 perfection une formule technique appliqu\u00e9e ne varietur,<\/em>34). Mit welcher Maske man es zu tun habe, erkenne man seither nur noch an Details der Frisur und der Kleidung des T\u00e4nzers, an seinen Requisiten &#8211; bei der Hure sch\u00f6ne Stoffe, Kamm und Spiegel\u2013 an Haltungen und Tanzschritten\u00a0 (32). Ansonsten sei alles identisch, f\u00fcr Frau oder Mann, alt oder jung. F\u00fcr den Beobachter von au\u00dfen lie\u00dfen sich Masken au\u00dferhalb ihres Tanzauftrittes gar nicht identifizieren, und selbst beim Auftritt w\u00fcrden sie oft unter ihren Accessoires verschwinden. (35\/36)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur traditionell klar definierte Typen seien noch klar unterschieden, wie der <em>Tundu,<\/em> der Clown (Laman\u2019s <em>Dictionnaire Kikongo<\/em>: <em>diseur de bonne aventure, vanit\u00e9, frivolit\u00e9, charact\u00e8re trompeur, <\/em>38) oder eben <em>Mbangu<\/em> mit seiner epileptischen Grimasse.(34)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Ensemble \u00fcberlebten alte Charaktere unter untypischen Masken, wiederum mit Ausnahme <em>Tundu<\/em> und <em>Mbangu<\/em>. Ein Ensemble umfasse drei bis f\u00fcnf Masken, man kleide sich drau\u00dfen im Busch ein und trete mit Orchester auf. Auf Veranlassung der Territorialbeh\u00f6rde (<em>autorit\u00e9s territoriales<\/em>) und gegen Aufwandsentsch\u00e4digung trete man auch im Dutzend auf, besonders h\u00e4ufig in Katundu. (37)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Handelsangestellter im Kongo habe zwar ihm gegen\u00fcber 1951 behauptet, zweiundvierzig verschiedene <em>mbuya<\/em> Maskentypen zu kennen, aber er habe seine Liste nicht \u00fcbermittelt, und einunddieselbe Maske trage ja durchaus verschiedene Namen. Sogar europ\u00e4ische w\u00fcrden ihnen gegeben. So hei\u00dfe die Kokotte <em>kabuku<\/em> bei den jungen Leuten nur noch <em>Maria<\/em> (33).<\/p>\n<p>&#8222;Afrika &#8211; die Kunst eines Kontinents&#8220; (Tom Phillips*, Berlin 1996, no. 4.34, p. 264, Slg. Felix) zeigt die &#8218;formenrhythmische&#8216;\u00a0 Maske einer Prostituierten (ngobo), die T.P. aber einer anderen rituellen Gelegenheit zuordnet:\u00a0 &#8222;Die Maske (&#8230;)\u00a0 fand bei rituellen T\u00e4nzen im Anschluss an die Initiation von Knaben Verwendung. Sie\u00a0 war verbunden mit einer zweiten Initiation, die traditionsgem\u00e4\u00df mit einer &#8218;Frau der Nacht&#8216; stattfand. Wahrscheinlich muss man sich vorstellen, ein den ganzen K\u00f6rper bedeckendes Kost\u00fcm mit gro\u00dfen fasergef\u00fcllten Br\u00fcsten trug.&#8220;\u00a0 &#8211;\u00a0 Nach Sousberghes Informationen w\u00fcrde dieselbe Maske und ihr T\u00e4nzer zu beiden Gelegenheiten aufgetreten sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr heutige private Sammler sind die Mitteilungen Sousberghes eigentlich eine gute Nachricht. Der Sammler kann sich an den plastischen Nuancen und an den Emotionen erfreuen, die sich f\u00fcr ihn auf dem Gesicht zeigen, kann Traurigkeit, Beschr\u00e4nktheit oder alles M\u00f6gliche darauf projizieren.<\/p>\n<p>Nun steht dieser entspannten Betrachtungsweise der vermeintlich \u201aklar definierte\u2019 Typ <em>Mbangu<\/em> entgegen. Doch ist im entsprechenden Unterkapitel der Studie alles wieder offen. Erstens wird der Maske eine breite Palette von Bedeutungen beigelegt. Zweitens &#8222;ist die\u00a0 Machart der <em>Mbangu <\/em>ziemlich frei und abwechslungsreich, und ihre Grimasse wird auf recht unterschiedliche Weise gestaltet.\u201c (<em>Mbangu est d\u2019une facture assez libre et vari\u00e9e et sa grimace trait\u00e9e de bien des facons diff\u00e9rentes,<\/em> 43)<\/p>\n<p>Man darf nicht vergessen, dass nach einer ersten Zeit der Unterdr\u00fcckung des Vereins- und Maskenwesens die &#8218;Folklore&#8216; schon unter der Kolonialherrschaft und erst recht danach in den Vordergrund r\u00fcckte, und damit s\u00e4kulare Volksfeste, Wettbewerbe und\u00a0 \u00fcberregionale Festivals. Da konnte man leicht sagen: erlaubt ist, was gef\u00e4llt.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Zo\u00e9 S. Strother<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Man kann die Stilentwicklung auch positiv sehen:<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Strother bewertet hingegen Entwicklung, Modernisierung positiv. In ihr schmales Buch f\u00fcr &#8218;5 CONTINENTS, Milan 2008, hat sie sogar Masken aufgenommen, die man getrost als exzentrisch oder manieristisch ansehen kann. Sie schreibt von einem gefeierten Schnitzer und von einem Run von den 50er Jahren an auf solche Meister. Europ\u00e4er kauften ganz frische Masken. Darauf bezieht sich wohl de Souberghe, er hat solche Objekte nicht in seine Galerie aufgenommen, auch nicht die ber\u00fchmte, die wohl schon im Tervuren Museum war (&#8222;<span style=\"text-decoration: underline;\">Masterpieces from Central Africa<\/span>&#8222;,1996, no. 46, p.159: &#8222;Registered in 1959&#8220;).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Strother&#8217;s<\/span> gro\u00dfe Studie &#8222;<span style=\"text-decoration: underline;\">Inventing Masks<\/span>&#8222;, 1998 nach drei Jahren Feldstudien ver\u00f6ffentlicht, hat die Kapitel: <em>Birth of an Atelier, Birth of a Style<\/em>.\u00a0 Ich bin darauf gespannt. Doch so\u00a0 ein \u201aRun\u2019 muss zu denken geben. Der machte zweifellos die begehrtesten Objekte zu Airport Art. Ihre Hersteller wurden f\u00fcr ihre soziale Umgebung unbezahlbar.<\/p>\n<div id=\"attachment_6755\" style=\"width: 278px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Strother-Visions-Pende-18.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6755\" class=\"size-medium wp-image-6755\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Strother-Visions-Pende-18-268x360.jpg\" alt=\"Strother 'Pende' (2008) Abb.18\" width=\"268\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Strother-Visions-Pende-18-268x360.jpg 268w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Strother-Visions-Pende-18-671x900.jpg 671w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Strother-Visions-Pende-18-624x837.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Strother-Visions-Pende-18.jpg 809w\" sizes=\"auto, (max-width: 268px) 100vw, 268px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6755\" class=\"wp-caption-text\">Strother &#8218;Pende&#8216; (2008) Abb.18<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich empfinde die Maske \u00e4sthetisch als ambivalent, sp\u00fcre, wie eine\u00a0<em>formule technique<\/em> sie<em>\u00a0<\/em> zu einem reproduzierbaren Muster, zu einem Prototyp, zum\u00a0 Markenzeichen <span style=\"text-decoration: underline;\">der<\/span> modernen Pende-Maske macht, modernistisch durchkonstruiert und auf zahlkr\u00e4ftige Kundschaft gerichtet, kommerziell, gezielt \u201astilbildend\u2019, freilich auch experimentell in einer pluralistischen Kunstlandschaft. <span style=\"text-decoration: underline;\">William Rubin<\/span>, in dessen \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Primitivismus und die Kunst des zwanzigsten Jahrhundert<\/span>\u201c (1985) sie bereits als Gaststar auftrat (Abb. 340, S.273), gab daf\u00fcr eine plausible Erkl\u00e4rung: die scheinbare N\u00e4he zu Gesichtern in Picassos Gem\u00e4lde &#8222;<em>Les Demoiselles d&#8217;Avignon<\/em>&#8220; von 1907. Der konnte damals die Maske nicht kennen, aber gilt das auch f\u00fcr den Pende-Meister und die Kunstikonen des europ\u00e4ischen Kubismus?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die mir bekannten drei Abbildungen der Maske (1985, 1996, 2008) zeigen sie stets in derselben Ansicht und Beleuchtung.\u00a0 Ich sehe sie bereits neben den Warhols und der PopArt Platz nehmen. Vielleicht hat den K\u00fcnstler aber auch blo\u00df der traditionelle Stil der \u00f6stlichen <span style=\"text-decoration: underline;\">Pende-Kasai<\/span> inspiriert, der traditionell zur geometrischer Klarheit tendiert.<\/p>\n<div id=\"attachment_6766\" style=\"width: 270px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ost-Pende-IMG_8038.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6766\" class=\"wp-image-6766\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ost-Pende-IMG_8038-360x287.jpg\" alt=\"'Afrikanskt' Malm\u00f6 1986, no. 163 H: 27cm\" width=\"260\" height=\"208\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ost-Pende-IMG_8038-360x287.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ost-Pende-IMG_8038-900x718.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ost-Pende-IMG_8038-624x498.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ost-Pende-IMG_8038.jpg 1100w\" sizes=\"auto, (max-width: 260px) 100vw, 260px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6766\" class=\"wp-caption-text\">&#8218;Afrikanskt&#8216; Malm\u00f6 1986, no. 163 H: 27cm<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_6767\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ost-Pende_25_sculptures-Ottawa_1978.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6767\" class=\"size-medium wp-image-6767\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ost-Pende_25_sculptures-Ottawa_1978-250x360.jpg\" alt=\"'25 Sculptures africaines' Ottawa 1978, no.7, p.79 rot-wei\u00df H: 34,3 cm\" width=\"250\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ost-Pende_25_sculptures-Ottawa_1978-250x360.jpg 250w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ost-Pende_25_sculptures-Ottawa_1978-626x900.jpg 626w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ost-Pende_25_sculptures-Ottawa_1978-624x897.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ost-Pende_25_sculptures-Ottawa_1978.jpg 765w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6767\" class=\"wp-caption-text\">&#8217;25 Sculptures africaines&#8216; Ottawa 1978, no.7, p.79 rot-wei\u00df H: 34,3 cm<\/p><\/div>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u00a0Neue stilistische Alternativen<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Freiheit und Konkurrenz der Werkst\u00e4tten erlaubte es, sich in der \u201apsychologisierenden\u2019 Richtung fortzuentwickeln, was Strother ebenso dokumentiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Strother-Visions-Pende-23.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-6756 size-medium\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Strother-Visions-Pende-23-292x360.jpg\" alt=\"Strother Visions Pende 23\" width=\"292\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Strother-Visions-Pende-23-292x360.jpg 292w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Strother-Visions-Pende-23-729x900.jpg 729w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Strother-Visions-Pende-23-624x771.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Strother-Visions-Pende-23.jpg 809w\" sizes=\"auto, (max-width: 292px) 100vw, 292px\" \/><\/a>An Beispielen Strothers kann man sich in etwa vorstellen, wie die weiteren Masken eines entsprechenden Ensembles ausgesehen haben. Wichtig ist ihr zudem die Entdeckung der &#8222;<em>Pende Theories of Physiognomy and Gender&#8220; <\/em>(1998, ch.6). Eine weibliche Maske (2008, no.23) kommentiert sie u.a. folgenderma\u00dfen: &#8222;Diese Skulptur verbindet Pende-Sch\u00f6nheitsnormen f\u00fcr ein weibliches Gesicht (wenig ge\u00f6ffnete Augen, gesenkter Blick; runde Wangen; gerader Mund) mit einem au\u00dfergew\u00f6hnlichen fr\u00fchen Naturalismus&#8220; (<em>This sculpture joins Pende norms on feminine physiognomy (small, downturned eyes; plumped cheeks; straight mouth) with an uncanny early naturalism&#8220; <\/em>ebd. p.106).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei bleibt f\u00fcr mich die Wendung &#8222;fr\u00fcher Naturalismus&#8220; noch r\u00e4tselhaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #000000;\">Einen Schritt weiter gekommen ! <\/span><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zo\u00e9 S. Strother <\/strong>publizierte in<strong> <em><strong>A<\/strong>frican Arts<\/em><\/strong> (spring <strong>1995<\/strong>, pp. 24 &#8211; 33, 9o) eine Fallstudie zu &#8218;Erfindung&#8216;\u00a0 und Erfolg neuer\u00a0 Masken:<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Fall ereignete sich <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/African-Arts-28-199526-Maske-Pende.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/African-Arts-28-199526-Maske-Pende-261x360.jpg\" alt=\"African Arts 28- 1995,26 Z.S.Strother\" width=\"261\" height=\"360\" \/><\/a> in einem Dorf des zentralen Pende-Gebiets. Ein junger Mann und begabter T\u00e4nzer, Gambetshi Kivule &#8211;\u00a0 war eines Tages wieder einmal hoch in einen Mangobaum gestiegen, um sich die leckersten Fr\u00fcchte zu beschaffen, wurde fortw\u00e4hrend\u00a0 von \u00e4lteren Passantinnen aufgefordert, ihnen die gerade erhaschte Frucht\u00a0 hinunterzuwefen, was er auch tat. Irgendwann rief er \u00e4rgerlich hinunter, ob die Frau denn ein\u00a0 Date mit ihm h\u00e4tte, weil er Mangos f\u00fcr sie sammeln solle. Der \u00c4rger \u00fcber die Herrschaft der Alten (Gerontokratie) sa\u00df tief, und\u00a0 allm\u00e4hlich entwickelte er daraus ein Lied und probierte daf\u00fcr nachts Tanzschritte und pr\u00fcftesie an der Kritik seiner Freunde.\u00a0 Er fand bei Gelegenheit einen Trommler und improvisierte bei seinem ersten, \u00fcbrigens erfolgreichen Auftritt die &#8218;Maske&#8216; mit K\u00fcrbis und Sack, wie das Kinder tun. Als er endlich einen Schnitzer aus einem Nachbardorf engagieren konnte, hatte er bereits eine genaue Vorstellung von seiner Maske:\u00a0 bewegungsfreundliche Alltagskleidung in auff\u00e4lligem Stoff als Kost\u00fcm und als Gesicht eine Maske, &#8222;die so weit wie m\u00f6glich wie ein &#8218;moderner&#8216; junger Mann aussah. Das hie\u00df f\u00fcr ihn Naturalismus und leidenschaftliche Absage an die visuellen Codes der zentralen Pende wie niedergeschlagene Augen und durchgehende Augenbrauen.&#8220; (27) Es hie\u00df auch Verzicht auf Schmucknarben und auf Verwendung von Rotholz und Kaolin im Makeup. Der Schnitzer h\u00e4tte f\u00fcr diese Rolle den herk\u00f6mmlichen Typ &#8218;Matala&#8216; vorgezogen, mit gro\u00dfen<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/African-Arts-28-199527-trad.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-6793\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/African-Arts-28-199527-trad-170x150.jpg\" alt=\"African Arts 28- 1995,27-trad\" width=\"170\" height=\"150\" \/><\/a> Augen und keck vorstehender Nase, scharf geschnittenen Z\u00fcgen und Schmucknarben. Nach langer Weigerung\u00a0 aber f\u00fcgte er sich dem Willen seines Kunden. Das Ergebnis war ein &#8222;im Maskenwesen der Pende einzigartiges Werk, durch seine weiche Modellierung, naturalistische Proportionen, fleischigen Mund und mehr gemalte als geschnitzte Augen&#8220; (ebd.). Als Frisur w\u00e4hlte der T\u00e4nzer einen modischen Retro-Look.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/African-Arts-28-199529-Auftritt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-6794 alignright\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/African-Arts-28-199529-Auftritt-297x360.jpg\" alt=\"African Arts 28- 1995,29 ZS Strother, Juni 1989\" width=\"297\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/African-Arts-28-199529-Auftritt-297x360.jpg 297w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/African-Arts-28-199529-Auftritt-624x758.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/African-Arts-28-199529-Auftritt.jpg 659w\" sizes=\"auto, (max-width: 297px) 100vw, 297px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der &#8211; \u00fcbrigens &#8218;begnadete&#8216; &#8211; T\u00e4nzer und die von ihm erfundene &#8218;Maske&#8216;\u00a0 wurden sehr erfolgreich, sein Lied und seine Choreographie oft kopiert und in den kommenden Jahren so oder so abgewandelt. &#8222;<strong><em>Doch keiner seiner Bewunderer machte sich die M\u00fche, das Kopfst\u00fcck zu kopieren.<\/em><\/strong>&#8220; (28<em>)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>African Arts 28- 1995,29 ZS Strother, Juni 1989, \u00fcber zwanzig Jahre sp\u00e4ter<\/em>\u00a0 &gt;<\/p>\n<h5 style=\"text-align: center;\"><\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was lernen wir daraus? Erstens, dass eine Betrachtung nach\u00a0&#8218;Stilen&#8216; und &#8218;Werkst\u00e4tten&#8216; ziemlich &#8218;abgehoben&#8216; ist , wenn nicht weltfremd. Strother zitiert dazu einen Fachkollegen mit der Frage: &#8222;Was ist wichtiger zu wissen, die Regeln oder die Art, wie die Leute sie leben?&#8220;\u00a0 (26; Patrick McNaughton 1993). Und sie bedauert mit Simon Ottenberg, dass in Kunststudien die gelebte Realit\u00e4t von &#8222;Konflikt, Wettbewerb, Chaos und Desorganisation&#8220; fehle.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den ersten Ansto\u00df f\u00fcr den Beitrag gab im Januar 2017 eine angebliche Mbuya-Tanzmaske , die mich aber bald nicht mehr \u00fcberzeugte. f\u00fcr meine Recherche befragte ich vor allem zwei B\u00fccher, die im Abstand von f\u00fcnfzig Jahren erschienen sind: L. de Sousberghe ART PENDE (1958) und Zo\u00e9 S.Strother PENDE (5 continents, Mailand 2008).\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 7.6.2022<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[201,268,195],"tags":[],"class_list":["post-6743","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ex-sammlung","category-zoe-s-strother","category-kwango-kasai"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6743","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6743"}],"version-history":[{"count":45,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6743\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13923,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6743\/revisions\/13923"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6743"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6743"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6743"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}