{"id":6686,"date":"2017-01-10T21:25:20","date_gmt":"2017-01-10T20:25:20","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=6686"},"modified":"2020-05-22T22:29:51","modified_gmt":"2020-05-22T20:29:51","slug":"boccio-bo-crici-aale-fetish-nkishi-nkisi","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=6686","title":{"rendered":"BOCCIO   CRI-CRI   \u00c0\u00c0L\u00c9   FETISH   NKIS(H)I"},"content":{"rendered":"<h4 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Suzanne Preston Blier und David T. Doris\u00a0 zu einem beziehungsreichen Thema<\/strong><\/span><strong><span style=\"color: #ff0000;\"> &#8211; Kurze Buchvorstellungen &#8211;<\/span> <\/strong><\/h4>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>1<\/strong><\/h3>\n<h3><strong>Suzanne Preston Blier : African Vodun \u2013 Art, Psychology, and Power, Chicago &amp; London 1996<\/strong><\/h3>\n<div id=\"attachment_6696\" style=\"width: 203px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/African-Vodun.Cover-1996.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6696\" class=\"wp-image-6696\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/African-Vodun.Cover-1996-248x360.jpg\" alt=\"african-vodun-cover-1996\" width=\"193\" height=\"280\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/African-Vodun.Cover-1996-248x360.jpg 248w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/African-Vodun.Cover-1996.jpg 364w\" sizes=\"auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6696\" class=\"wp-caption-text\">african-vodun-cover-1996<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Seit \u00fcber zwei Jahren lagern die Notizen &#8211; Beobachtungen und Schlussfolgerungen &#8211; zu einem gewichtigen Buch auf der Festplatte. (Sie behandeln das erste Drittel des Buchtextes). &#8211; Vielleicht gelingt mir wenigstens heute die Ordnung der Kerngedanken! Sie sind mir zu wichtig, um sie in ihrer gelehrten Existenzform weiter schlummern zu lassen, nicht allein wegen einschl\u00e4giger Objekte, sondern vor allem ihrer Vergleichbarkeit mit Schutz- und Schadenszauber in anderen Regionen Schwarzafrikas.<\/em><\/strong><\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Ich habe fr\u00fcher mit \u201e<strong><em>In Search of the Invisible Man<\/em><\/strong>\u201c <strong>von Toby Green (2001) <\/strong> eine anfangs sehr unterhaltsame, wunderbar durchschaubare Feldstudie gelesen (<a href=\"http:\/\/www.telegraph.co.uk\/travel\/artsandculture\/719993\/Theyre-invisible-men-but-hes-no-magician.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">treffende Rezension!<\/a> Oder amazon.de &#8218;<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Meeting-Invisible-Man-Secrets-Africa\/dp\/029764615X\">Blick ins Buch<\/a>&#8218;) und erhalte mit \u201e<a href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=8t3uCXojiDcC&amp;hl=de&amp;source=gbs_book_other_versions\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Vodun<\/a>\u201c dazu den \u00fcberkomplexen Kontext, das Handbuch. Toby\u2019s schlichte Versuchsanordnung f\u00e4llt ins Auge, etwa die Idee, den erhaltenen Talisman (den \u201aBo\u2019, oder \u201aCriCri\u2019 wie er in Guinea hei\u00dft) ohne ernsten Anlass auszuprobieren. Bereits die Bestellung durch einen neugierigen Wei\u00dfen ist zweifelhaft. Als ob Geister sich \u00fcber die l\u00e4sterliche Absicht t\u00e4uschen oder gar kaufen lassen w\u00fcrden wie offensichtlich die Hersteller solcher Fetische. Franz Josef Thiel best\u00e4tigt den Verdacht durch das Zitat eines Yansi-Heilers im Buch &#8222;<em>Jahre im Kongo<\/em>&#8220; (2001, S.188, vor 1971) :&#8220;Du bist ein Wei\u00dfer &#8211; bei dir funktioniert mein Fetisch nicht.&#8220; &#8211; Die Logik: Wer dem System der Yansi nicht unterworfen ist, kann davon auch keine Hilfe erwarten. Freilich bieten sich seit l\u00e4ngerem \u00fcberall ortsfremde Zauberer marktschreierisch an. (Vgl. Strother f\u00fcr die Pende; <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=8320\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a>: &#8222;<em>Skeptische Klienten, konkurrierende Wahrsager<\/em>&#8222;)<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0<\/em><strong>Der Fetisch oder Talisman <\/strong><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Ein <strong>Mittel<\/strong> gegen Gefahren, \u00fcber die \u201aGott\u2019 die Individuen bereits vor ihrer Geburt informiert hat, vermittelt \u00fcber Waldgeister. Er ist sehr schwierig herzustellen, <strong>wegen vieler Fehlerquellen<\/strong> nicht eigentlich technischer Natur, sondern auf ritueller und symbolischer Ebene. Diese Ebenen sind f\u00fcr den Klienten nicht einsehbar. Er muss dem Hersteller vertrauen. Er kann sich nur an dessen gutem Ruf orientieren.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">\u201aGeheimnis\u2019 spielt jedenfalls eine Rolle, welche ein wenig der \u201aIdealisierung\u2019 des Therapeuten im Westen entspricht. Ob es dazu passt, dass der Klient bestimmte seltene Zutaten beschaffen muss?<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><strong>Erwartungen an den Talisman<\/strong><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Meist lassen das Gef\u00fchl der Ohnmacht und daraus die entstehende Furcht den Klienten nach diesem \u201aStrohhalm\u2019 greifen. Neben Verzweiflung sind aber auch Gier, Begierde und allgemein das unangenehme Gef\u00fchl, im sozialen Rahmen unter seinen M\u00f6glichkeiten zu leben, ein wichtiges Motiv. Der Klient macht sich Hoffnungen, mit Hilfe des Talisman \u00fcber seine eigenen Kr\u00e4fte und seinen eigenen Wirkungskreis hinaus erfolgreich agieren zu k\u00f6nnen, \u00fcber einen Schleichweg an der sozialen Hierarchie vorbei zu kommen. Das gilt als normal, aber zugleich als \u201eungeh\u00f6rig\u201c (115).<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">\u00a0<strong>Position der Hersteller<\/strong><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Das f\u00fchrt mich zur Frage nach der ambivalenten Position der Hersteller, einer<strong> Elite <u>neben<\/u> der Machtelite.<\/strong> Parallelmacht \u2013 und das f\u00fchrt mich zu \u201achecks and balances\u2019. Was sagt die Studie \u00fcber sie? Die Autorin hat die Hersteller kennengelernt. Sie kennen ihre Kunden, das Umfeld und die Spannungen darin. M\u00fcssen sie nicht auch Sanktionen f\u00fcrchten und die Interventionen von Konkurrenten? Sind sie als Waffenlieferanten, Profiteure und damit Drahtzieher nicht Teil des Problems?<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0Funktionsweise und Wirksamkeit<\/strong><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Talismane sollten wie Ger\u00e4te zuverl\u00e4ssig funktionieren, das tun sie in einem magischen Zwischenreich aber nicht. Immerhin kann man sie bestimmungsgem\u00e4\u00df effektiv oder tumb und wirkungslos einsetzen. Wobei sie nicht einer Sozialmoral gehorchen, sondern strikt dem individuellen Nutzen.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Was entscheidet also \u00fcber ihre Wirksamkeit? Respekt und Gehorsam gegen\u00fcber dem Hersteller <u>und<\/u> den \u201aguten Geistern\u2019, die sich auf die Seite des Nutzers geschlagen haben und bereit sind, einem anderen zu schaden. Entfernt assoziiere ich die olympischen, amoralisch denkenden G\u00f6tter der Ilias, die damit eigene Rechnungen untereinander beglichen.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">\u00a0<strong>Talismane als symbolische und materielle Objekte<\/strong><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Es sind Objekte, die ihre Potenzen nicht (nur) symbolisieren, sondern materiell und roh in und an sich tragen, die sie allen Sinnen \u2013 also \u00e4sthetisch \u2013 anbieten. Die Anh\u00e4ufung bestimmter Materialien sieht nach \u201aMaterialismus\u2019 aus. Dass die <em>Fon<\/em> \u2013 ebenso wie andere Ethnien \u2013 die \u00c4sthetik der Abschreckung statt eine der Verh\u00fcllung oder des unscheinbaren Zeichens (<strong>David T. Doris: <em>Vigilant Things<\/em><\/strong><strong>, Seattle 2011<\/strong>*) gew\u00e4hlt haben, wof\u00fcr sie von <em>Yoruba<\/em> (z.B. in <em>Egungun<\/em>-Masken) geneckt werden, ist wohl eine Folge ihrer die Menschen in ihrem Einflussbereich traumatisierenden Sklavenh\u00e4ndler-Dynastie. Man darf aber bei Schutzamuletten nicht den Adressaten vergessen, dem man die Warnung unter Umst\u00e4nden drastisch vermitteln muss.<\/h4>\n<h4>\u00a0<strong>Vielleicht gar nicht zum Verstehen gedacht?<\/strong><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Preston Blier kn\u00fcpft ein enges Netz sprachlicher Bez\u00fcge. F\u00fcr Bliers gedeutete Verkn\u00fcpfungen steht immer ein eingeweihter oder wenigstens gelehrter Zeuge ein. Wie repr\u00e4sentativ ist dieser Gew\u00e4hrsmann? Sind solche Bez\u00fcge dem gew\u00f6hnlichen afrikanischen <em>native speaker<\/em> wirklich gegenw\u00e4rtig und nicht blo\u00df im Sprachgewebe eingelagerte Etymologie? Sprechen normale Afrikaner wirklich \u201abewusster\u2019 als wir? Ist diese Perspektive nicht blo\u00df einer Reflexion auf Sprache zug\u00e4nglich? Und die wird durch solche Fragen der Forscherin ja eigens angeregt. Entsteht nicht, indem man sich auf seine Sicht einl\u00e4sst, nicht so etwas wie ein westliches strukturalistisches Konzept? Nach intensiver Bem\u00fchung um ein Verstehen keimt bei Preston Blier der Verdacht: Sind sie vielleicht gar nicht zum \u201aVerstehen\u2019 gedacht, was wir Intellektuellen zun\u00e4chst f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich nehmen? So leicht kann man nicht der Falle entkommen! Die Eignung bestimmter Materialien soll sich eben auf der Ebene der Symbolik und der Beziehungen entscheiden. Wohl doch nicht ganz: Blut und Sekrete sprechen ihre eigene emotionale Sprache.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Der Klient will so wenig Genaueres wissen, wie der hiesige Patient alten Schlags, der vom Arzt ein Medikament verschrieben oder eine Spritze gesetzt bekommt. Der Vergleich stimmt auch auf Seiten des Herstellers oder des Verordnenden, des Heilers. <em>Wusste<\/em> doch auch mein Vater nicht, <em> warum <\/em>seine Verschreibung geholfen hatte \u2013 oder warum nicht. F\u00e4ngt das Quacksalbern nicht bei der falschen Gewissheit an? Und h\u00f6rt die wissenschaftliche Haltung nicht da auf? Auch pharmazeutische Studien ziehen nur fachlogische Schl\u00fcsse aus \u2013 seri\u00f6sen oder unseri\u00f6sen &#8211; statistischen Daten, die dann mit rhetorischer Kunst aufgearbeitet werden. Der Placebowirkung ist das alles nicht abtr\u00e4glich, habe ich von meinem Hausarzt gelernt.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>2<\/strong><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>David T. Doris: <em>Vigilant Things<\/em><\/strong><strong>, Seattle 2011<\/strong><\/h3>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><strong><em><span style=\"color: #000000;\">&#8218;Vigilant Things&#8216; ist ein faszinierendes wie sperriges Buch zu einem verwandten Thema, dessen Botschaften mit Fortschreiten der Darstellung aber &#8211; wie bei Suzanne Preston Blier &#8211; durch die Ausdifferenzierung verblassen. Auch hier liegen meine Notizen noch nutzlos herum. Auf geht\u2019s!\u00a0\u00a0<\/span><\/em><\/strong><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">DINGE, DIE F\u00dcR UNS WACHE HALTEN &#8230;.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">In der digitalisierten Ersten Welt sind sie keine technische Utopie mehr. Was aber tun, wenn in einer anderen Welt, dem Slum, der Favela, der Township, dem Fl\u00fcchtlingslager oder in der vom B\u00fcrgerkrieg verw\u00fcsteten Stadt Diebstahl, Einbruch, Raub und Pl\u00fcnderung der verbliebenen Habseligkeiten Normalit\u00e4t sind?<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Nigeria ist in den Jahrzehnten nach der Unabh\u00e4ngkeit in einen solchen Zustand abgeglitten. Die Korruption zerfra\u00df das Land und verrohte den Alltag. Korruption wurde zur nationalen Institution (10), zersetzte die Ma\u00dfst\u00e4be, \u00e4nderte die Chemie der sozialen Beziehungen. Ein Trend zur Fortifikation verschandelte Grundst\u00fccke und St\u00e4dte (11). Einfache B\u00fcrger besannen sich mangels anderer Ressourcen zu ihrem Schutz auf traditionelle Hausmittel: Fetische. Dem amerikanischen Kunsthistoriker und Ethnologen David T. Doris sind\u00a0 vor zwanzig Jahren einige davon in der Kleinstadt Modak\u00e9k\u00e9 bei Oshogbo im Yorubaland aufgefallen. Er hat seitdem Formen, Logik und Herstellung solcher Fetische untersucht.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Da er die empfindlichen Ohren seiner amerikanischen FachkollegInnen kennt, versichert er gleich zu Beginn, den Ausdruck<strong><em> fetish<\/em><\/strong> im Buch nur zu verwenden, wenn bereits seine nigerianischen Interviewpartner ihn benutzt haben, und dann in Anf\u00fchrungszeichen, alles wegen des <em>stain of perversity and otherness<\/em> (15\/16) dieses Ausdrucks. Ich schlie\u00dfe mich dem nicht an, auch wenn Doris einen exotischen, aber bis heute bei uns ungebr\u00e4uchlichen Ausdruck, <span style=\"color: #ff0000;\"><em>\u00c0\u00e0l\u00e9<\/em><\/span>, zur Verf\u00fcgung stellt.<em><br \/>\n<\/em><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ff0000;\"><em>\u00c0\u00e0l\u00e9<\/em><\/span> sind <em>used up emphemeral things<\/em>, aus<em> trash <\/em>hergestellt und werden deshalb vom Fremden leicht \u00fcbersehen. Ihnen mangelt es sogar an grotesken oder gar absto\u00dfenden Z\u00fcgen, wie sie etwa die <em>Boccio <\/em>der benachbarten Fon und Ewe zur Schau tragen. (17) Materiell wertlos, sind sie scheinbar willk\u00fcrlich zusammengesetzt, zum Beispiel aus einem zerfledderten Besen, einem abgetragenen Schuh, einem Fetzen Stoff, einem alten Kamm &#8211; das alles mit einem Faden zusammengebunden und gut sichtbar \u00fcber einem B\u00fcndel Brennholz, vor einem Garten oder vor einer H\u00fctte aufgeh\u00e4ngt (55, 1.9) oder noch einfacher: ein H\u00e4ufchen Erde auf einem Holzsto\u00df (1.12), ein grotesk verrenkter Palmwedel (1.13) oder ein der K\u00f6rner beraubter Maiskolben. Die M\u00f6glichkeiten zur Kombination scheinen unbegrenzt, und folgen doch einer inneren Logik.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Doris-Vigilant-thingsTitel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-6689\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Doris-Vigilant-thingsTitel-252x360.jpg\" alt=\"doris-vigilant-thingstitel\" width=\"252\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Doris-Vigilant-thingsTitel-252x360.jpg 252w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Doris-Vigilant-thingsTitel-631x900.jpg 631w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Doris-Vigilant-thingsTitel-624x890.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Doris-Vigilant-thingsTitel.jpg 690w\" sizes=\"auto, (max-width: 252px) 100vw, 252px\" \/><\/a><\/h4>\n<div id=\"attachment_6688\" style=\"width: 315px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Doris-Vigilant-thingsp.4-Abb.0.1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6688\" class=\"wp-image-6688\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Doris-Vigilant-thingsp.4-Abb.0.1-248x360.jpg\" alt=\"Abb. 0.1 auf S. 4\" width=\"305\" height=\"443\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Doris-Vigilant-thingsp.4-Abb.0.1-248x360.jpg 248w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Doris-Vigilant-thingsp.4-Abb.0.1-620x900.jpg 620w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Doris-Vigilant-thingsp.4-Abb.0.1-624x906.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Doris-Vigilant-thingsp.4-Abb.0.1.jpg 689w\" sizes=\"auto, (max-width: 305px) 100vw, 305px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6688\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 0.1 auf S. 4 im besprochenen Buch<\/p><\/div>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Als seine Aufmerksamkeit einmal geweckt war, begann David T. Doris solche Fetische systematisch zu suchen und die Hersteller anzusprechen, schlie\u00dflich auch Experten f\u00fcr die Herstellung zu befragen. Als vorbildlicher Akademiker entschuldigt sich Doris daf\u00fcr, im Buch mit Anekdoten und Interviews zu arbeiten. Er hat aber Dank daf\u00fcr verdient.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">David T. Doris versteht sich als Kunsthistoriker. Deshalb bezieht er sich immer wieder auf den <em>established art historical approach<\/em>, reflektiert ihn immer wieder und weist ihn in die Schranken: <em>Art history tends to glamourize<\/em> (18). Die begriffliche Zweiteilung von <em>art <\/em>und <em>artefact<\/em> wird durch (informelle) <span style=\"color: #ff0000;\"><em>\u00c0\u00e0l\u00e9<\/em><\/span> durchl\u00e4ssig. Bereits in der intimen Verbindung mit <em>visual delectation<\/em> (19), \u00e4sthetischem Genuss, verwandele sich <span style=\"color: #ff0000;\"><em>\u00c0\u00e0l\u00e9<\/em><\/span>, der Fetisch, zum Ph\u00e4nomen der westlichen Konsumsph\u00e4re. Auch ich kann mich dem \u00e4sthetischen Vergn\u00fcgen, von dem Doris spricht, gar nicht entziehen.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Das Buch auf dem Tisch tr\u00e4gt eine Menge dazu bei. Vielleicht habe ich es \u00fcberhaupt nur deshalb gekauft. Die Farbfotos von Doris und der rote Leineneinband (<em>Design<\/em>: Thomas Eykemans; <em>bound in China<\/em>) haben mich verf\u00fchrt. Zu meiner Beruhigung hebt Doris auch sofort den Bezug des <span style=\"color: #ff0000;\"><em>\u00c0\u00e0l\u00e9<\/em><\/span> zur bekanntlich \u00e4sthetisierenden repr\u00e4sentativen Yoruba-Kultur hervor! <span style=\"color: #ff0000;\"><em>\u00c0\u00e0l\u00e9<\/em><\/span> verk\u00f6rperten und kommunizierten<em> cherished cultural values in expressive, extraordinary form. <\/em>Vielleicht deutet das aber auch auf eine Schw\u00e4che des magischen Hausmittels hin: Fetische brauchen zur Wirksamkeit die Basis einer Kommunikation. Die <span style=\"color: #ff0000;\"><em>\u00c0\u00e0l\u00e9 <\/em><\/span>spielen z.B. auf Sprichw\u00f6rter und Redewendungen an und verlangen ein Mindestma\u00df an &#8218;metaphorischer Kompetenz&#8216;: Ein abgenagter oder gestrippter Maiskolben soll die Strafe symbolisieren, zur ewigen Schande nackt ausgezogen und \u00f6ffentlich als Verbrecher k\u00f6rperlich gez\u00fcchtigt zu werden (Vgl. 288 f). Der Adressat &#8211; etwa ein R\u00e4uber im Haus, auf dem Feld oder im Garten des <span style=\"color: #ff0000;\"><em>\u00c0\u00e0l\u00e9<\/em><\/span>-Verwenders \u2013 muss f\u00e4hig und bereit sein, die Warnung auf sich selber anzuwenden. Je l\u00e4nger im Land der Prozess der sozialen und kulturellen Verw\u00fcstung andauert, desto weniger potentielle T\u00e4ter sind dazu in der Lage und bereit. Ohnehin k\u00f6nnen <span style=\"color: #ff0000;\"><em>\u00c0<\/em>\u00e0l\u00e9 <span style=\"color: #333333;\">gerade das Gemeineigentum und die \u00f6ffentlichen Kassen\u00a0 am wenigsten sch\u00fctzen vor denen, die dreist danach greifen. F\u00fcr eine so gewaltige Beute ist er nicht gemacht.<\/span><em><br \/>\n<\/em><\/span><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">In den vierzehn Jahren vom Beginn seiner Studien bis zum Erscheinen des Buches hat sich David T. Doris wahrscheinlich in denselben kultivierten Kreisen der nigerianischen Gesellschaft bewegt, die das Konzept des <em>\u00c0\u00e0l\u00e9<\/em> weiter hochhalten, aber sicher bin ich dessen nicht, solange ich das Buch nicht zu Ende gelesen habe. (Es besteht die Chance, da es so attraktiv ist.)<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Der hintere Klappentext h\u00e4lt schon einen Trost f\u00fcr den kultivierten europ\u00e4ischen Leser bereit:\u00a0 <em>David T. Doris argues that <\/em><span style=\"color: #ff0000;\"><em>\u00e0\u00e0l\u00e9 <\/em><\/span><em>are keys to understanding how images functon in Yoruba social and cultural life.<\/em><\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Suzanne Preston Blier und David T. 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