{"id":649,"date":"2007-05-18T10:10:12","date_gmt":"2007-05-18T09:10:12","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=649"},"modified":"2013-11-12T16:12:15","modified_gmt":"2013-11-12T15:12:15","slug":"interview-mit-dem-spirit-of-raum-248","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=649","title":{"rendered":"Interview mit dem Spirit of Raum 248 *"},"content":{"rendered":"<p><i>\u00a0<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2007\/05\/IMG_3538.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-760\" alt=\"IMG_3538\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2007\/05\/IMG_3538-300x227.jpg\" width=\"300\" height=\"227\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2007\/05\/IMG_3538-300x227.jpg 300w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2007\/05\/IMG_3538-624x473.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2007\/05\/IMG_3538.jpg 984w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/i><\/p>\n<p><i>M\u00f6eh:<\/i><\/p>\n<p>Sch\u00f6n, da\u00df Sie sich melden; eigentlich h\u00e4tten wir Herrn Graeve erwartet.<\/p>\n<p><i>\u00a0<\/i><i>Spirit <\/i>:<\/p>\n<p>Der Mann interessiert sich einfach nicht mehr f\u00fcr <i>Schule<\/i>. Er hat mich geschickt.\u00a0Mir gibt das Themenheft \u201eUmbruch an der AKS\u201c aber zu denken.<!--more--><i><\/i><\/p>\n<p><i><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2007\/05\/IMG_3536.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-759\" alt=\"IMG_3536\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2007\/05\/IMG_3536-300x223.jpg\" width=\"300\" height=\"223\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2007\/05\/IMG_3536-300x223.jpg 300w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2007\/05\/IMG_3536-624x465.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2007\/05\/IMG_3536.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/i><\/p>\n<p><i>M\u00f6eh:<\/i><\/p>\n<p>F\u00fchlen Sie sich daf\u00fcr kompetent? Und was hat unser\u00a0 erstes <i>Centerfold<\/i>-Bild von Raum 248 damit zu tun?<\/p>\n<p><i>Spirit<\/i>\u00a0 ( zieht dabei ein mitgebrachtes Jugendfoto heraus ):<\/p>\n<p><i><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2007\/05\/IMG_3546-R248.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"IMG_3546-R248\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2007\/05\/IMG_3546-R248-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a><\/i><\/p>\n<p>Momentan bin ich nicht gerade attraktiv. Nein, ich war davon nicht pers\u00f6nlich ber\u00fchrt. Ich sehe mich jetzt als Niemandsland, als eine Art <i>Industriebrache<\/i>, die bisher noch keinen Skandal\u00a0 ausgel\u00f6st hat. Vielleicht jetzt!\u00a0 Immerhin liegt sie mitten im Herzen der Schule.. aber das stimmt ja nicht mehr. Doch auch im <i>Mittelstufenaltbau <\/i>d\u00fcrfte es so einen <i>rechtsfreien<\/i> Raum nicht geben. Eins ist f\u00fcr mich klar: Direktor Bechtold und Hausmeister Geiss h\u00e4tten das Vakuum nicht geduldet. Doch das waren auch keine <i>Reformer<\/i>.<\/p>\n<p><i>M\u00f6eh:<\/i><\/p>\n<p>Dieser Ausdruck scheint uns aber an den Haaren herbeigezogen, oder?<\/p>\n<p><i>\u00a0<\/i><i>Spirit<\/i><\/p>\n<p>Dieser Raum stand immer f\u00fcr ein Abklopfen der g\u00e4ngigen Begriffe. Vor allem\u00a0 <i>New Speak<\/i> (Orwell\u201e1984\u201c) wurde hier immer aufs Korn genommen.<\/p>\n<p>Der Begriff \u201e Reform\u201c hat in den vergangenen Jahren seine Bedeutung total gedreht. Zu meiner Zeit bedeutete \u201eReform\u201c noch \u201eMehr Demokratie wagen\u201c, aber heute: \u201eJede Selbstverwaltung \u00fcberfl\u00fcssig machen\u201c. Die Schulbeh\u00f6rden nahmen sich als <i>Reformen<\/i> den technokratischen Ausbau ihrer Kontrollmacht vor und sie waren auf ganzer Linie erfolgreich. Selbst die blamablen Pisa-Ergebnisse nutzten sie als Wasser auf ihre M\u00fchle, egal wie unb\u00fcrokratisch die Skandinavier ihre Schulerfolge erzielen.<\/p>\n<p>Der Staatsapparat hat sich mittlerweise das passende Personal herangezogen; das d\u00fcrfte uns nicht \u00fcberraschen.\u00a0Man verst\u00e4ndigt sich mit Hilfe eines System von Codew\u00f6rtern. Auch Au\u00dfenstehenden wird diese Sprache zugemutet. Das klingt beispielsweise im letzten <i>M\u00f6eh<\/i> auf Seite 34 so (Direktorin) :<\/p>\n<p><i>\u201eDas Schulprogramm wird derzeit in das Leitbild eingearbeitet. Dabei werden alle laufenden Projekte evaluiert. Die an dem Leitbild orientierte und evaluierte Fassung des Schulprogramms wurde allen Schulgruppen mit der M\u00f6glichkeit der Erg\u00e4nzung und\/oder Korrektur vorgestellt. Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Danach wird die dann entstandene Fassung in den Gremien verabschiedet. Daraus ergeben sich die zun\u00e4chst zu setzenden Schwerpunkte der inhaltlichen Arbeit.\u201c\u00a0 <\/i><\/p>\n<p>Ich habe eine derartige Sprache zum ersten Mal im Unterricht \u00fcber die Zentralverwaltungswirtschaft geh\u00f6rt, aber seither hat sie sich fast alle Gebiete erobert&#8230;.<\/p>\n<p><i>M\u00f6eh:<\/i><\/p>\n<p>Das passende Personal&#8230;..<\/p>\n<p><i>\u00a0<\/i><i>Spirit<\/i><\/p>\n<p>Ach ja. Vor allem m\u00fcssen es Frauen sein, damit nebenbei der <i>Plan<\/i> der <i>Gleichstellung<\/i> erf\u00fcllt wird.<\/p>\n<p>Es geht nur um die Gleichheit von Karrierechancen, weil die einklagbar ist und weil es letztlich egal ist, wer die Funktion \u00fcbernimmt. Es mu\u00df nur formal alles in Ordnung sein.<\/p>\n<p>Auch hohe Arbeitsbelastung und Arbeitsteilung scheinen gewollt zu sein, denn sie isolieren die Schulleitung, auch als \u201eManagement\u201c verstanden, von den\u00a0 Verwalteten.\u00a0Vor Jahren hat v. Graeve einmal Horst Math\u00e9 und Amend im Zorn <i>Funktion\u00e4re<\/i> geschimpft. Das war ein grober Fehlgriff. Erst jetzt sind wir bei den Funktion\u00e4ren angekommen, oder moderner formuliert: beim \u201eManagement\u201c.\u00a0Es w\u00e4re ein dummes Mi\u00dfverst\u00e4ndnis, Unstimmigkeiten mit der Schulleitung pers\u00f6nlich zu nehmen. Bei manchen Leuten herrscht wohl ein Mi\u00dfverst\u00e4ndnis \u00fcber deren Aufgaben. Mit Frau Dr. Steudel konnte das Kollegium die ersten Erfahrungen von \u201eUmbruch\u201cmachen, was ja der Titel Ihres Heftes ist.<\/p>\n<p>M.<\/p>\n<p>Was wissen Sie denn davon ?<\/p>\n<p><i>\u00a0<\/i><i>Spirit<\/i><\/p>\n<p>Wenn sie w\u00fc\u00dften, wie oft in diesem Raum der Philosoph Vil\u00e9m Flusser\u00a0 zu vernehmen war, der nicht nur Licht auf die <i>Migranten<\/i> und ihre &#8211; ach so aktuelle &#8211; <i>Integration<\/i> geworfen hat, und nicht nur auf <i>Medien<\/i>, sondern auch auf die die Revolution der <i>Arbeit<\/i>,\u00a0 die erst nach seinem Tod 1992 so richtig einsetzte. Er schrieb an einer Stelle :<\/p>\n<p><i>\u201e<\/i><i>Es sieht so aus, als ob sich die Gesellschaft der Zukunft in zwei Klassen gliedern w\u00fcrde:\u00a0<\/i><i>in die Klasse jener, die Programme herstellen und\u00a0 jener, die sich programmgem\u00e4\u00df verhalten, in die Klasse der Spieler und die der Marionetten.\u00a0<\/i><i>Dies ist zu optimistisch gesehen. Denn auch die Programmierenden entscheiden sich innerhalb eines Programms, das man das \u201eMeta-Programm\u201c nennen k\u00f6nnte, und so fort.\u00a0<\/i><i>Die Gesellschaft der Zukunft wird eine Gesellschaft programmierender Programmierter sein.<\/i><\/p>\n<p><i>Wir sind vielleicht die letzte Generation jener, die einsehen k\u00f6nnen, was sich da vorbereitet. <\/i><i>Vielleicht aber ist unsere Einsicht ein Zeichen daf\u00fcr, da\u00df wir \u201e\u00fcberholt\u201c sind?<\/i><i>Wir stehen dem Arbeiter und B\u00fcrger der Franz\u00f6sischen Revolution n\u00e4her als unseren Kindern.\u201c<\/i><\/p>\n<p><i>\u00a0<\/i><i>( \u201eDinge und Undinge &#8211; ph\u00e4nomenologische Skizzen\u201c, M\u00fcnchen 1993,S.80ff.)<\/i><\/p>\n<p>Wenn Sie mehr lesen wollen, die Schulbibliothek sollte noch ein paar Titel von Flusser beherbergen.<\/p>\n<p><i>M\u00f6eh: \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0<\/i><\/p>\n<p>Und?<\/p>\n<p><i>\u00a0<\/i><i>Spirit<\/i> :<\/p>\n<p>Jetzt wo die Gro\u00dfen Seelen die Schulleitung verlassen haben \u2013 ich brauche keine Namen zu nennen -, wird die K\u00e4lte und Erb\u00e4rmlichkeit der Verwaltungsordnung nackt sichtbar. In Hessen werden Schulleiter als Filialleiter von \u201eAu\u00dfenstellen des Schulamts\u201c behandelt.\u00a0Auch der Landrat hat den Schulen die versprochene Selbstverantwortung nie zugestanden, die sie p\u00e4dagogisch brauchen. Eine Schule ist wie ein Schiff auf hoher See. Die Ordnung und die Sauberkeit einer Schule geh\u00f6ren auch dazu wie das Deckschrubben und Lackieren auf einem Schiff. Wieso ist der Schulleiter nicht auch Chef des Hausmeisters und des Schultechnikers (und der Sekret\u00e4rinnen)? Wieso kann er bei der Wahl der\u00a0 Putzfirmen nicht mitreden? Warum hat er keinen Bauetat\u00a0 &#8211; zum Beispiel f\u00fcr die Klos, die mindestens seit zwanzig Jahren ein Skandal sind? Selbst \u00fcber die Lehrerklos schimpfte mein Bewohner hier.<\/p>\n<p><i>M\u00f6eh:<\/i><\/p>\n<p>Und was hat das mit\u00a0 Ihnen, Raum 248, und ihrem traurigen Schicksal zu tun?<\/p>\n<p><i>\u00a0<\/i><i>Spirit <\/i>:<\/p>\n<p>Die Jahre der unvereinbaren Widerspr\u00fcche und der <i>Nischen<\/i> sind vorbei. An Raum 248 l\u00e4\u00dft sich das sichtbar nachvollziehen. Erst fand er keine Nachahmer, dann keinen Nachfolger. Und jetzt macht man einfach einen Bogen darum. Sogar der Computer steht noch\u00a0 herum.<\/p>\n<p>Wie ich geh\u00f6rt habe, geht es den <i>Kunst<\/i>r\u00e4umen noch schlechter, ausrechnet sie werden als erste ins Provisorium gezwungen. Sicher hat kein Mensch bei der Bauplanung an die Bed\u00fcrfnisse des Kunstunterrichts gedacht. Wozu auch? Die AKS wird \u00fcberleben, wie ich lese, und zwar dank der Neubauten. Das sind \u00f6konomische Tatsachen, an denen niemand vorbeikommt. Die bieten Fotomotive und werden vom <i>Leitbild <\/i>\u00a0parf\u00fcmiert.<\/p>\n<p>Ich aber freue mich pers\u00f6nlich auf meinen Abriss. In der Zwischenzeit\u00a0 w\u00fcnsche ich mir nur, da\u00df man mich abschlie\u00dft und in Ruhe an <i>meine besseren Zeiten<\/i> denken l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p><i>M\u00f6eh:<\/i><\/p>\n<p>Wir danken Ihnen f\u00fcr das Gespr\u00e4ch. ( Geht hinaus, ohne abzuschlie\u00dfen.)<\/p>\n<p>* Der Interviewer ist<i> M\u00f6eh <\/i>pers\u00f6nlich bekannt.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p>Date: Fri, 18 May 2007 23:36:24 +0200 \u00a0To: aks-zeitung@web.de<\/p>\n<p>From: &#8222;D.v.Graeve\/K.Meier&#8220; &lt;meier@graeve.org&gt; \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a018.5.07<\/p>\n<p>Danke, Jo(h?)nny,\u00a0f\u00fcr die Schule arbeiten, da kann ich gar nicht dagegen sein.\u00a0Ich m\u00f6chte es aber doch beim &#8222;Spirit&#8220; belassen; es soll nicht &#8222;todernst&#8220; oder gar &#8222;bitter&#8220; erscheinen,\u00a0ich mache auch meinen ( schlechten) Scherz mit der Situation, schlie\u00dflich lebe ich weit weg vom Schu\u00df\u00a0(wie man so sagt) in Frankfurt. Das hei\u00dft aber auch: f\u00fcr ein &#8222;pers\u00f6nliches Interview&#8220; bin ich nicht mehr\u00a0kompetent genug, da m\u00fc\u00dfte ich mitten drin stehen. Dann aber w\u00fcrde ich nicht eine so deutliche Sprache sprechen &#8211; so wie die aktiven Kollegen\u00a0 eine Menge\u00a0 herunterschlucken. Ich schicke meinen ehemaligen Raum als &#8222;Hofnarren&#8220;, als &#8222;Pr\u00fcgelknaben&#8220; vor, ein durchsichtiges Verfahren, ich finde das am\u00fcsant. Freunde finden die Form auch okay.<\/p>\n<p>Nachwort: &#8222;Spirit&#8220; war eine Anpassung an die grassierenden Anglizismen. Ich war bereits ein Jahr au\u00dfer Dienst. \u00a0 \u00a0dvg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 M\u00f6eh: Sch\u00f6n, da\u00df Sie sich melden; eigentlich h\u00e4tten wir Herrn Graeve erwartet. \u00a0Spirit : Der Mann interessiert sich einfach nicht mehr f\u00fcr Schule. 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