{"id":5936,"date":"2017-05-21T19:19:12","date_gmt":"2017-05-21T17:19:12","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=5936"},"modified":"2026-01-17T13:25:20","modified_gmt":"2026-01-17T12:25:20","slug":"wiegmann-schreibuebung-kunstbetrieb","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=5936","title":{"rendered":"Wiegmann abseits des &#8222;Kunstbetriebs&#8220;  &#8211; Gegen &#8222;Ersehnte Freiheit&#8220; (Giersch 2017)"},"content":{"rendered":"<p>Im Nachkriegsdeutschland fasste Wiegmann als K\u00fcnstler nicht Fu\u00df, zumal der Schuldienst eine Menge Kraft kostete. Nach seiner Pensionierung hatte er noch zehn Jahre f\u00fcr eine Malerei\u00a0 unabh\u00e4ngig vom Zeitgeist. Ob er dabei an die entpflichteten Mandarine des kaiserlichen China dachte?<\/p>\n<p>Eins der Themen f\u00fcr seine \u00dcbungen an der Schreibmaschine war &#8222;Kunstbetrieb&#8220;. <!--more-->&#8211; Ich habe den Text auf meiner Kopie gemarkert.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Kunstbetrieb_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-5938\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Kunstbetrieb_2-651x900.jpg\" alt=\"kunstbetrieb_2\" width=\"625\" height=\"864\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Kunstbetrieb_2-651x900.jpg 651w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Kunstbetrieb_2-261x360.jpg 261w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Kunstbetrieb_2-624x862.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Kunstbetrieb_2.jpg 796w\" sizes=\"auto, (max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Kunstbetrieb_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-5937\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Kunstbetrieb_1-636x900.jpg\" alt=\"kunstbetrieb_1\" width=\"625\" height=\"884\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Kunstbetrieb_1-636x900.jpg 636w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Kunstbetrieb_1-254x360.jpg 254w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Kunstbetrieb_1-624x883.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Kunstbetrieb_1.jpg 796w\" sizes=\"auto, (max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><\/p>\n<p>30.10.2016<\/p>\n<h4><\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Bei allem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die &#8222;<em>ersehnte freiheit &#8211; abstraktion in den 1950er Jahren<\/em>&#8220; &#8230;.<\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/ersehnte_freiheit-Flyer_Giersch2017.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-7634\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/ersehnte_freiheit-Flyer_Giersch2017-900x632.jpg\" alt=\"ersehnte_freiheit-Flyer_Giersch2017\" width=\"540\" height=\"379\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/ersehnte_freiheit-Flyer_Giersch2017-900x632.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/ersehnte_freiheit-Flyer_Giersch2017-360x253.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/ersehnte_freiheit-Flyer_Giersch2017-624x438.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/ersehnte_freiheit-Flyer_Giersch2017.jpg 1099w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a><\/h5>\n<h5><\/h5>\n<h5>Das Museum Giersch, Frankfurt\/Main zeigt noch bis 9.7.2017 in einer konzentrierten Schau abstrakte Nachkriegskunst in Westdeutschland der f\u00fcnfziger Jahre. Das Gef\u00fchl gro\u00dfer\u00a0 Befreiung der Beteiligten weht einem entgegen. So kam mir der Aufbruch in <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=7291\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sellos Hamburger Galerie 1945 bis 1951<\/a> spontan wieder in den Sinn.<\/h5>\n<p>Das lange Verbotene mitten unter den &#8218;entnazifizierten&#8216;\u00a0 Reichsdeutschen tun zu k\u00f6nnen, auch wenn man sich in kleinen verschworenen Gruppen in Zimmer-Galerien traf. Damit irgendwie auch politisch \u201aerw\u00fcnscht\u2019 zu wirken, den R\u00fcckenwind der <em>Reeducation<\/em> all dieser tumben Volksgenossen zu sp\u00fcren.\u00a0 Sobald man konnte, reiste man ins Ausland, um Anschluss\u00a0 an die neuesten Trends zu suchen.<\/p>\n<p>Die Chance zum Neuanfang\u00a0 &#8211; mancher hatte ohnehin alles verloren, Atelier und Arbeiten\u00a0 &#8211; aber Avantgarde? Willi Baumeisters oft gezeigtes &#8222;Phantom mit roter Figur&#8220; zum Beispiel wirkt an der Wand spontan wie ein <em>Miro.<\/em> (Flyer Mitte oben)<\/p>\n<p>Dazu kam die ideologische Frontbildung im Klima des Kalten Kriegs! Der Streit um den &#8222;Verlust der Mitte&#8220; (Sedlmayer) wurde\u00a0 emotional und heftig ausgetragen.Die Ausstellung fokussiert sich auf die Alternative &#8222;gegenst\u00e4ndlich&#8220; oder &#8222;abstrakt&#8220;. Eine \u00e4rmliche Alternative: Erstere ist in der Schau blo\u00df durch zwei \u00d6lbilder Carl Hofers in\u00a0 steifer kreidiger Gegenst\u00e4ndlichkeit vertreten.<\/p>\n<h5><\/h5>\n<h5>Die Lekt\u00fcre des &#8222;<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=7614\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dilettantismus&#8220;-Artikels<\/a> aus Wiegmanns Nachlass war mir noch pr\u00e4sent:<\/h5>\n<p>Carl Linfert\u00a0 diagnostizierte 1931 eine \u201astrukturelle\u2019 Krise der modernen Kunst, wobei sich seit dem fr\u00fchen 19. Jahrhundert verschiedene Krisen abl\u00f6sten. Ich res\u00fcmiere :<\/p>\n<ul>\n<li>\u00a0Sozialer Bedeutungsverlust durch Absonderung im \u201eentr\u00fcckten Kunstbezirk\u201c seit dem 19. Jahrhundert<\/li>\n<li>Imme neue Programme und Parolen<\/li>\n<li>Der verursachte Verlust vieler tradierter Kunstmittel<\/li>\n<li>Eine sich allm\u00e4hlich entleerende abstrakte Kunst<\/li>\n<\/ul>\n<h5>Hatte die Situation sich inzwischen nicht verschlimmert? Bereits Linfert sprach von einem \u201anaiven\u2019 Primitivismus\u2019. Der erhielt mit jeder neuen Generation einen frischen Schub.<\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Was thematisiert davon Wiegmann in seiner &#8218;Schreib\u00fcbung&#8216; ?<\/h4>\n<ul>\n<li>ein des ewigen Wechsels m\u00fcde gewordenes, abgestumpftes Publikum.<\/li>\n<li>den Druck auf die K\u00fcnstler, durch die jeweils <em>aktuellen<\/em> <em>Beurteiler und Kritiker<\/em>\u201a<em>im Gespr\u00e4ch<\/em>\u2019 zu bleiben (<em>Dokumenta<\/em>-Fotos mit lesenden Besuchern!) und denen mit <em>neuen Einf\u00e4llen<\/em> zu gefallen. Wiegmann spricht vom Anpassungsdruck der diversen \u201a<em>Malergruppen<\/em>\u2019 und <em>Galerien<\/em><\/li>\n<li>Er thematisiert die Angst vor <em>Werkspionage<\/em> : <em>Wom\u00f6glich war der Nachahmer der Geschicktere.<\/em><\/li>\n<li>Wiegmanns Beispiele ungl\u00fccklicher Lebensverl\u00e4ufe und Fehlurteile entstammen bewusst s\u00e4mtlich dem 19. Und 20. Jh.! F\u00fcr die Epochen davor schreibt er: <em>Verkannte Genies scheint es doch kaum gegeben zu haben<\/em>. Das zu erwartende Gegenbeispiel <em>Rembrandt <\/em>entkr\u00e4ftet er n\u00fcchtern als Selbstsch\u00e4digung durch unm\u00f6gliches Gesch\u00e4ftsgebaren.<\/li>\n<li>Mit dem Folgenden wird er viel konkreter als Linfert, der nur von \u201aAbsonderung\u2019 sprach. Politische Erfahrungen will Wiegmann nach Diktatur, Krieg und &#8218;Kaltem Krieg&#8216; nicht mehr blo\u00df vornehm andeuten: Bevor man mangelndes <em>Verst\u00e4ndnis der Zeitkunst\u2019 <\/em>beklage, solle man fragen: <em>Wer versteht die Zeit, ehe er die Kunst verstehen will?<\/em> Er fragt weiter : <em>Sind ihre Probleme diejenigen unserer Zeit?<\/em>\u00a0 Als individuelle Trauma-Kunsttherapie\u00a0 oder als Spiel (post-)pubert\u00e4rer Jugendkultur, wie\u00a0 sie mir jetzt im Horizont der Ausstellung \u201aErsehnte Freiheit\u2019 erscheint, will er \u201aKunst\u2019 nicht gleichsetzen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Er wird konkreter und scheint mir damit unver\u00e4ndert aktuell:<\/p>\n<ul>\n<li>&#8211; <em>Ist unsere Zeit nur die Zeit technischer Versuche? Der Experimente<\/em>? &#8211; So wie das Flusser als einziges relevantes Paradigma sehen wollte. Ein Zur\u00fcckschrecken sollte nicht erlaubt sein, wurde verh\u00f6hnt, vielleicht weil das der endg\u00fcltigen \u201aShoa\u2019 der gesamten Menschheit im Weg stand.<\/li>\n<li>&#8211; <em>\u201a&#8230;. der Verbl\u00fcffungen? Der Moden? Der v\u00f6lligen Negierung aller sozialen N\u00f6te und Verwirrungen?<\/em>\u2019 &#8211; \u201aKunst\u2019 als Teil der Luxus(industrie) und Ignoranz, wie sie f\u00fcr mich immer noch g\u00fcltig in Huxleys Roman \u201eBrave New World\u201c (1932) verk\u00f6rpert wird.<\/li>\n<li>&#8211; <em>F\u00fcnf Minuten vor der Atombombe haben wir die Verpflichtung, die Bildformen zu zertr\u00fcmmern? Was kommt danach? &#8230;. Keine Lust etwas zu verhindern?<\/em><\/li>\n<li>Und schlie\u00dflich: <em>Gleichschaltung<\/em>. &#8211; Der nach Hitler und angesichts der Positionierung gegen die Kunst der &#8218;DDR&#8216; h\u00e4rteste Vorwurf! Er meint aber, was er im Gespr\u00e4ch &#8222;Galerieknechte&#8220; nannte. Wir denken heute an Diktate des Kunstmarkts.\u00a0 \u00a0 \u00a0(Mai 2017)<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Nachkriegsdeutschland fasste Wiegmann als K\u00fcnstler nicht Fu\u00df, zumal der Schuldienst eine Menge Kraft kostete. Nach seiner Pensionierung hatte er noch zehn Jahre f\u00fcr eine Malerei\u00a0 unabh\u00e4ngig vom Zeitgeist. Ob er dabei an die entpflichteten Mandarine des kaiserlichen China dachte? Eins der Themen f\u00fcr seine \u00dcbungen an der Schreibmaschine war &#8222;Kunstbetrieb&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[272],"tags":[],"class_list":["post-5936","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kuenstler-in-der-nachkriegszeit"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5936","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5936"}],"version-history":[{"count":18,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5936\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16575,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5936\/revisions\/16575"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5936"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5936"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5936"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}