{"id":5307,"date":"2016-08-23T22:00:20","date_gmt":"2016-08-23T21:00:20","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=5307"},"modified":"2021-10-20T17:30:45","modified_gmt":"2021-10-20T15:30:45","slug":"weiterleben-am-kongo-moderne-klan-gesellschaft-k-e-f","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=5307","title":{"rendered":"Weiterleben am Kongo : Eine &#8218;moderne Klan-Gesellschaft&#8216;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Noch einmal Kejsa E. Friedman ( Kap. II 1.2.3) : Hoffnungsschimmer nach der Katastrophe<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der von\u00a0 <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=5059\">Friedman im Kapitel II 1.2.2<\/a> eindr\u00fccklich geschilderten Katastrophe f\u00fcr die V\u00f6lker des Kongo stehen im letzten Drittel \u2013 \u201a<em>A Modern Clan Society\u2018<\/em> \u2013 S\u00e4tze, die auch mit der Floskel\u00a0 \u201aEin Gutes hatte \u2026\u2018 h\u00e4tten eingeleitet werden k\u00f6nnen:<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eMit dem Verschwinden der Gro\u00dfen Chiefs verschwanden auch die kulturellen Ausdrucksformen der traditionellen Macht: Menschenopfer, T\u00f6tung von Sklaven beim Abschluss von Vertr\u00e4gen und viele der grausamen Bestrafungen. Das letzte Menschenopfer unter den Yombe in Verbindung mit einem Begr\u00e4bnis\u00a0 wurde 1887 vollzogen, als neun Frauen zusammen mit ihrem toten Ehegatten (lebendig, Gv) begraben wurden. Diese Praxis verschwand teils durch Intervention der Kolonialmacht, dem unbestrittenen Machtzentrum, teils durch den Niedergang der traditionellen Machtstruktur. Kriege und Kopfjagden h\u00f6rten auf und der Kongo wurde merklich friedvoller und unaggressiver, mindestens was ihr sichtbares Verhalten anging. Der friedfertige Charakter der Bakongo wurde f\u00fcr Beobachter wieder sichtbar. Die Yombe h\u00f6rten auf, ihre D\u00f6rfer einzuz\u00e4unen. Die Belgier wollten darin einen Schritt in die Zivilisation sehen. (\u2026)\u00a0 In der neuen Kultur wurden Gleichheit und Solidarit\u00e4t betont.\u201c<\/strong> (Friedman 82)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die einschmeichelnden Worte \u00fcberdecken nicht v\u00f6llig die eben beendete Darstellung der Katastrophe der kongolesischen V\u00f6lker. Und dar\u00fcber kann man nicht zur Tageordnung \u00fcbergehen! Bevor uns tiefe Verwirrung \u00fcberkommt, f\u00e4hrt die Verfasserin selber fort:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><strong>\u201eDer Gebrauch von Fetischen und Beschuldigungen der Hexerei waren zwei Ph\u00e4nomene, in die am meisten Energie investiert wurde. Und der \u201awitch-doctor\u2018, \u201aNganga\u2018 stieg\u00a0 mit dem wei\u00dfen Missionar zusammen zu den einflussreichsten Figuren in der sozialen Arena auf.\u201c <\/strong>(ebd.)<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_5237\" style=\"width: 274px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/IMG_2294-Nganga-1912J.HammarAPp.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5237\" class=\"wp-image-5237\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/IMG_2294-Nganga-1912J.HammarAPp-261x360.jpg\" alt=\"Nganga 1912,J.Hammar,A&amp;P\" width=\"264\" height=\"364\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/IMG_2294-Nganga-1912J.HammarAPp-261x360.jpg 261w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/IMG_2294-Nganga-1912J.HammarAPp-652x900.jpg 652w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/IMG_2294-Nganga-1912J.HammarAPp-624x862.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/IMG_2294-Nganga-1912J.HammarAPp.jpg 796w\" sizes=\"auto, (max-width: 264px) 100vw, 264px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5237\" class=\"wp-caption-text\">Nganga 1912,J.Hammar,A&amp;P<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_4991\" style=\"width: 265px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Bittremieux-1926.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4991\" class=\"wp-image-4991\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Bittremieux-1926-250x360.jpg\" alt=\"Missionar Bittremieux aus: Vandeveyer, WT Nr.2,2009\" width=\"255\" height=\"367\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Bittremieux-1926-250x360.jpg 250w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Bittremieux-1926.jpg 460w\" sizes=\"auto, (max-width: 255px) 100vw, 255px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4991\" class=\"wp-caption-text\">Missionar Bittremieux aus: Vandeveyer, WT Nr.2,2009<\/p><\/div>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Was gegen das Vergessen tun? &#8211; Wozu? Es gibt doch die Sichtweise der \u00dcberlebenden.<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was kann der Leser daf\u00fcr tun, dass er die Lektion der Finsternis nicht gleich wieder vergisst \u00fcber Details von Verwandtschaftssystemen und \u00fcber dem akademischem Streit unter Anthropologen? Wenn wir Leser die erz\u00e4hlte Geschichte am Ende nicht \u00fcberblicken, war die ganze M\u00fche umsonst.\u00a0 Zum besseren \u00dcberblick finden sich an vielen Stellen \u2013 nach dem Vorbild von \u201awikipedia\u2018 \u2013 <em>Links<\/em> zum raschen Wechsel der Perspektive.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Grunde \u00fcbernimmt Kejsa Friedman die Sichtweise der \u00dcberlebenden, etwa der M\u00fctter in den Ruinen: die Scherben zusammenkehren und ihre Verwendbarkeit\u00a0 pr\u00fcfen. So betrachtet sie die \u2019neue Gesellschaft\u2018, die sich unter dem Gesetz der Eroberer ausbildete. Tr\u00e4ume durfte man ja noch haben, und die Volksgruppen um die Kongom\u00fcndung tr\u00e4umten heftig. Wer sich allerdings unter \u201aNeusch\u00f6pfung\u2018\u00a0 \u2013 \u201aCreation\u2018 im Titel\u00a0 der Studie \u2013 so etwas wie \u201aErl\u00f6sung\u2018 vorstellte, wurde entt\u00e4uscht wie\u00a0 <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4922\">Simon Kibangu<\/a> und die anderen <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4608\">\u201aPropheten\u2018<\/a> und wird bis heute endlos vertr\u00f6stet. Denn nach dem sogenannten \u201aKongostaat\u2018 begann ein langwieriger und m\u00fchseliger \u201aWiederaufbau\u2018 mit Profiteuren und Verlierern, mit endlosen harten Verteilungsk\u00e4mpfen. Der Mensch kann damit leben. Davon handelt das Kapitel: <em>Die neue Klanordnung. <\/em><\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Unter einer zur Vernunft gekommenen Kolonialverwaltung war es f\u00fcr eine gewisse Zeit sogar ein Vorteil, dass nach dem gro\u00dfen Aderlass Knappheit an Arbeitskr\u00e4ften herrschte. Schon im mittelalterlichen Europa ging es dem Volk nach der Gro\u00dfen Pest am besten.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><em><span style=\"color: #ff0000;\">Soweit der Beitrag bis zum 13.7.16 \u2013 Am 23.8. endlich Fortsetzung und Schluss!<\/span><\/em><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kajsa Ekholm Friedman fragt auf S. 82 von &#8218;<em>Catastrophy and Creation &#8211; The transformation of an African culture<\/em>&#8218; 1991:<\/strong><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00dcberlebten die matrilinearen Klans als traditionelle Inseln?<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vielleicht, weil die Kolonialmacht kein dringendes Bed\u00fcrfnis hatte, sie zu zerschlagen? F\u00f6rderte sie sie gar, wie MacGaffey 1983 schrieb, um die z\u00e4hen Streitigkeiten \u00fcber Landfragen, Siedlung, Heiraten usw. ihrer Rechtssprechung \u00fcberlassen zu k\u00f6nnen? (82)<\/strong><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Doch f\u00fcr die Verfasserin handelt es sich nicht mehr um das gleiche Klansystem.<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Klan wandelte sich von einer dynamischen politischen Grundeinheit mit wechselnden Allianzen, Teilnehmern und mit flie\u00dfenden Grenzen tendenziell zu einem Netzwerk von Familienbeziehungen innerhalb den festgelegten Grenzen eines \u201aStammes\u2019, das auch bei Auswanderung in die Stadt funktionierte. Die Heiraten standen unter der strengen Kontrolle der \u00c4ltesten. M\u00e4dchen wurden bereits als Kinder versprochen oder verheiratet, oft an \u00e4ltere M\u00e4nner, wenn das der Festigung eines B\u00fcndnisses diente. Widerspenstige T\u00f6chter fl\u00fcchteten h\u00e4ufig zu verst\u00e4ndnisvollen Missionaren, doch die Familie hatte starkes Drohpotential, konnte beispielsweise vom <em>Nganga<\/em> ihre Fertilit\u00e4t \u201averschlie\u00dfen\u2019 lassen. (84)<\/strong><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Die moderne Klangesellschaft ist beides: tendenziell egalit\u00e4r und totalit\u00e4r.<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sie verlangt die Unterwerfung des Individuums, aber das gilt in der ersten H\u00e4lfte des zwanzigsten Jahrhundert mehr oder weniger f\u00fcr alle Mitglieder, \u201ahoch\u2019 und \u201aniedrig\u2019, M\u00e4nner wie Frauen. Wer Privilegien genie\u00dft, bricht oft unter der Last seiner Verantwortlichkeiten zusammen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Seit der \u00dcberlebenskrise in den 1980ern sind die Menschen noch st\u00e4rker auf das Netzwerk ihrer Abstammungsgruppe angewiesen. Sie haben kaum eine Chance, sich davon zu emanzipieren (85), obwohl die Forderungen der Verwandtschaftsgruppe in klarem Widerspruch zu dem Wunsch stehen, in die eigene Kernfamilie zu investieren.<\/strong><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">INDIVIDUALISIERUNG<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Dabei erwarteten Laman und Van Wing noch zu Beginn des Kolonialismus noch eine Individualisierung, die der europ\u00e4ischen Entwicklung vergleichbar w\u00e4re. Wurden doch die Individuen wurden aus ihren Verwandtschaftsgruppen herausgerissen und auf sich gestellt gezwungen, \u201aein pers\u00f6nliches Leben\u2019 zu f\u00fchren. Sie arbeiteten f\u00fcr die Wei\u00dfen an entfernten Orten, nicht ohne Aufstiegschancen, verf\u00fcgten \u00fcber eigenes Geld, \u00fcber das sie selbst die Kontrolle behalten wollten. (94) Selbst wenn sie aufs Dorf zur\u00fcckkehrten, wollten sie sich oft nicht wieder in die traditionelle Machtstruktur f\u00fcgen. Doch der Zerfallsprozess der Klan-Gesellschaft wurde von einer Gegenbewegung gebremst, durch die H\u00e4ufung von Anklagen und Exekutionen wegen Hexerei, die sich haupts\u00e4chlich gegen solche energiegeladenen und unternehmerischen \u201aIndividualisten\u2019 richteten. Und das gilt, stellt die Autorin ausdr\u00fccklich fest, bis heute (95)und auch in den st\u00e4dtischen Ballungsgebiete (84).<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Einsch\u00e4tzung wird von jeder Menge aktueller Informationen aus den (84) Bas-Congo, aus Kwango oder Kinshasa best\u00e4tigt, selbst die Probleme meiner kongolesischen H\u00e4ndler am Mainufer passen dazu.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">WIE FUNKTIONIERT DER KLAN ALS NETZWERK ?<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die moderne Klangesellschaft versteht man am besten aus der Perspektive des Individuums.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Autorin stellt das diesbez\u00fcgliche Modell in der Vergangenheitsform dar, weil sie sich auf die Schilderungen der Informanten anfangs des zwanzigsten Jahrhundert st\u00fctzt, die sp\u00e4ter von Laman und anderen publiziert wurden.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Verpflichtungen einer Frau <\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sie war ihrem Onkel m\u00fctterlicherseits zeitlebens verpflichtet oder ihrem \u00e4ltesten Bruder, wenn der Familienoberhaupt geworden ist. Sie musste ihn ab und zu besuchen, ihm Essen bereiten, auf seinen Feldern arbeiten, wenn er das forderte, ihm auch Geschenke machen. Entsprechendes galt f\u00fcr die anderen Mitglieder ihrer Verwandtschaft auf der m\u00fctterlichen Seite. F\u00fcr ihren Klan sollte sie neue Mitglieder geb\u00e4ren, f\u00fcr ihren Onkel Neffen und Nichten. Laman beschreibt das liebevolle Verh\u00e4ltnis zwischen Bruder und Schwester. Er w\u00fcrde alles f\u00fcr sie tun, sie mehr lieben als seine Frau, denn diese geh\u00f6rte ja zu einem anderen Klan. Schwangerschaft alle zwei oder drei Jahren wurde als ideal angesehen, und ihre T\u00f6chter hatte sie zu guten Frauen zu erziehen (<em>female education<\/em>) (97).<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Bei Krankheit hatte sie ihrer Mutter beizustehen, ihrer Schwester auch bei der Geburt. Sie steuerte den gr\u00f6\u00dferen Anteil zu ihrer Nahrung bei. In der Regel ging sie morgens aufs Feld, kehrte erst nachmittags ins Dorf zur\u00fcck, bereitete in einem langwierigen Verfahren Maniok vor und \u00fcbernahm alle \u00fcbrigen Arbeiten im Haus. In ihren heranwachsenden T\u00f6chtern hatte sie etwas Unterst\u00fctzung.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ihrem Ehemann gegen\u00fcber hatte sie eine gute Ehefrau zu sein, die ihm das Gef\u00fchl gab, Herr im Hause zu sein. Sie hatte sexuelle Pflichten, gab ihm zu essen und sorgte f\u00fcr ihn. Sie hatte ein Recht auf eigenen Besitz, musste aber ihrem Ehemann einen Teil ihrer Ernte abgeben. Sie hatte auch Verpflichtungen gegen\u00fcber seinem Klan. Ihr Vater hatte gleichfalls Anspruch auf Respekt und einen Teil der Fr\u00fcchte ihrer Arbeit. Versuchte sie dem zu entgehen, durfte er sie mit einer Verfluchung bestrafen, die ihr Ungl\u00fcck brachte. Sie hatte auch gegen seine m\u00fctterlichen Verwandtschaftslinie die \u00fcblichen Pflichten (98).<\/strong><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Die Verpflichtungen eines Mannes<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gegen\u00fcber seiner m\u00fctterlichen Linie waren sie vergleichbar mit denen einer Frau.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Onkel und Vater waren seine Vorm\u00fcnder in allen Fragen der Beziehungen zu anderen Gruppen, Heirat, Scheidung, Schulden usw. (98) F\u00fcr die m\u00e4nnliche Jugend verblasste die dominierende traditionelle Position des Mutterbruders nach der Unabh\u00e4ngigkeit zugunsten der des Vaters. Obwohl die Mehrheit in die st\u00e4dtischen Ballungszentren abwanderte, verst\u00e4rkte sich die Abh\u00e4ngigkeit vom Vater. (96)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Mann trug auch die finanzielle Verantwortung f\u00fcr seine Schwestern und deren Kinder, musste etwa die Behandlung beim Nganga \u201aund\/oder\u2019 im Hospital bezahlen, ebenso Medikamente, manchmal auch deren Schulmaterial. Oft besuchen Neffen und Nichten ihn in der Ferien, um etwas \u00fcber ihre eigene m\u00fctterliche Abstammungslinie zu erfahren.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Bei Heirat hatte er der Frau ein eigenes Haus zu bauen, mehreren Frauen also mehrere H\u00e4user. Er musste ihr bei der Brandrodung helfen, Bananen, Palm\u00f6l, Palmwein, Fleisch, \u201atsafu\u2019 (Nahrungsmittel) liefern, ihr und den Kindern Kleider kaufen, sie beschenken und sie generell bei den Verpflichtungen gegen\u00fcber ihrer eigenen Familie unterst\u00fctzen. (98)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr einen ersten Eindruck sollten diese Informationen ausreichen. Zum Schluss meines Referats noch ein einziges Detail<strong>: Seine leiblichen Kinder geh\u00f6rten zum Klan ihrer Mutter, nicht zu seinem. (98)<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch einmal Kejsa E. Friedman ( Kap. 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