{"id":518,"date":"2012-10-26T11:11:45","date_gmt":"2012-10-26T10:11:45","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=518"},"modified":"2014-02-20T11:44:57","modified_gmt":"2014-02-20T10:44:57","slug":"flusser-transhumanist","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=518","title":{"rendered":"Flusser Transhumanist ?"},"content":{"rendered":"<p>Flusser <span style=\"text-decoration: underline;\">musste<\/span> je l\u00e4nger desto mehr <i>Kunst<\/i>, sofern sie nicht den Umbau des Menschen betreibt, f\u00fcr l\u00e4cherliche <i>Gadgets<\/i> halten. Marcel Marburger verwischt in seiner Dissertation den Punkt des No-Return, indem er sich als Interpret geschmeidig \u00fcber der Demarkationslinie hin- und herbewegt.<\/p>\n<p>Flusser spielte <i>Transhumanismus<\/i>. Der ist keine blo\u00df dekorative Erweiterung seiner Metaphorik. Er formulierte ja immer hintergr\u00fcndig. \u00a0<!--more--><\/p>\n<p>Wenn er in \u201e<i>H\u00e4user bauen<\/i>\u201c (1989, Basler Zeitung) dem Leser mit dem Ausdruck des Bedauerns einredete, er m\u00fcsse aus den durchl\u00f6cherten Ruinen ausziehen, um Knoten im digitalen Netzwerk zu werden, sprach er ihm anderswo als Individuum bereits den Kern ab \u2013 so im Interview auf <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=mRjiODdrJIM\">http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=mRjiODdrJIM<\/a> &#8211; Dort destruiert er <i>das<\/i> <i>Individuum<\/i>, denkt er es \u2013 entsprechend den Fortschritten der Physik, Psychologie, und Informatik &#8211; bereits als Produzenten von <i>Dezidemen<\/i>\u00a0 und <i>Aktomen <\/i>und <i>Empf\u00e4nger punktueller Reize<\/i>, betrachtet es als einen <i>Sand<\/i>, von dem <i>man gar nicht<\/i> <i>mehr sagen<\/i> k\u00f6nne, <i>ob er subjektiv oder objektiv <\/i>sei, einen <i>Sand<\/i>, den aber <i>der Mensch<\/i> (??) \u2013 <i>darin<\/i> bestehe <i>seine W\u00fcrde<\/i> \u2013 <i>absichtlich und kreativ<\/i> <i>zu alternativen Objekten oder Subjekten computieren<\/i> k\u00f6nne. Verr\u00e4t er damit theoretisch das freie Individuum?\u00a0 Etwa zeitgem\u00e4\u00df nur zur H\u00e4lfte? Nach seiner <i>Dialektik<\/i> soll die <i>Subjektivit\u00e4t<\/i> in diesen operativen Untereinheiten blo\u00df grunds\u00e4tzlich <i>nicht eindeutig nachweisbar <\/i>sein.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu \u201eH\u00e4user bauen\u201c: Die Opfer der strategisch betriebenen <i>Verw\u00fcstung<\/i> des Globus \u2013 und zwar ihre eher komfortabel situierten Opfer &#8211; sollen sich im Medium \u201eBasler Zeitung\u201c \u2013 Feuilleton &#8211;<\/p>\n<p>&#8211; als <i>neue Nomaden<\/i> verstehen. Ob Flusser gewusst hat, dass <i>Nomaden <\/i>im deutschsprachigen Kulturraum eine fast kindliche Sympathie genie\u00dfen? Wir lesen heute immer wieder von einer gigantischen Zahl von Fl\u00fcchtlingen, ob in die <i>Megacities <\/i>oder ins System der von den NGOs verwalteten Fl\u00fcchtlingslager. &#8211; Darunter sind gen\u00fcgend vertriebene Nomaden. Flusser richtet zur Unzeit seine Aufmerksamkeit von ihnen weg auf diverse Avantgarden im Reich der Neuen Technologien, denen er eine neue <i>seltene Form von Nomadismus <\/i>bescheinigt (in youtube).<\/p>\n<p>Hat ihn sein Freund Bollmann in dem herzigen Sammelb\u00e4ndchen \u201eVon der Freiheit des Migranten\u201c (1993) humanistisch geschminkt oder war Flusser ein Verkleidungsk\u00fcnstler? Drei der vier einschl\u00e4gigen Artikel sind immerhin Ende der achtziger Jahre publiziert worden, in Publikumszeitschriften.<\/p>\n<p>Die f\u00fcr mich plausibelste Sicht: Flusser war zu diesem Zeitpunkt innerlich zerrissen, wie sich auch im Interview mit Tschudin 1991 zeigt. Diese \u00e4u\u00dferste Spannung zeigte sich ja ebenso in den \u00f6ffentlichen Auftritten, selbst in seinen pseudowissenschaftlichen Videoauftritten. Da bot er seine Lehre so verk\u00fcrzt an, dass er auf mich wie ein Televerk\u00e4ufer von Baus\u00e4tzen wirkt. Im gestellten You-Tube-<i>Interview<\/i> wies er wenigstens an einer Stelle auf die Notwendigkeit hin, etwas <i>mit seinen Studenten eingehender<\/i> zu analysieren.<\/p>\n<p>Vielleicht sind die letzten zehn Lebensjahre trotz des Archivs in Berlin der unbekannte Abschnitt seines Lebens, wenn es \u00fcberhaupt darauf ankommt.<\/p>\n<p>Es sieht f\u00fcr mich so aus, als w\u00fcrde sein Werk letztlich die Beute der <i>Transhumanisten<\/i>, die ja in der heutigen intellektuellen Welt immerhin noch auf Traditionsbildung angewiesen sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Flusser musste je l\u00e4nger desto mehr Kunst, sofern sie nicht den Umbau des Menschen betreibt, f\u00fcr l\u00e4cherliche Gadgets halten. Marcel Marburger verwischt in seiner Dissertation den Punkt des No-Return, indem er sich als Interpret geschmeidig \u00fcber der Demarkationslinie hin- und herbewegt. Flusser spielte Transhumanismus. Der ist keine blo\u00df dekorative Erweiterung seiner Metaphorik. 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