{"id":448,"date":"2012-11-30T20:20:35","date_gmt":"2012-11-30T19:20:35","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=448"},"modified":"2015-04-23T21:26:01","modified_gmt":"2015-04-23T20:26:01","slug":"mich-wohnlich-einrichten-in-vilem-flussers-ruinen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=448","title":{"rendered":"Sich wohnlich einrichten in Ruinen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><span class=\"Apple-style-span\" style=\"font-size: 14px; font-weight: normal; line-height: 23px;\"><strong>Mich wohnlich einrichten in Vil\u00e9m Flussers &#8222;Ruinen&#8220;<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"Apple-style-span\" style=\"font-size: 14px; font-weight: normal; line-height: 23px;\">So wie er Ruinen in \u201eH\u00e4user bauen\u201c beschreibt, sind sie tauglich f\u00fcr ein Leben in Provisorien und im Takt von Updates! Und wohnen kann man auch in ihnen, immer noch besser als\u00a0 auf Koffern in Hotelzimmern. Zudem haben Menschen immer wieder in Ruinen gewohnt. Was sind denn Ruinen abseits des Klischees?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more-->Sobald ich meinen Wirkungskreis verlasse, wird der zur Ruine! Flusser beschreibt die Ruine eines fest gef\u00fcgten patriarchalischen Hauses voller Misstrauen gegen\u00fcber den Nachbarn, gegen die Herrschaft und die Untergebenen, die man ebenso als H\u00e4ftlinge im Blick behielt. Die Ruinen Roms sind nicht zu beweinen, so wenig wie unsere es einmal sein werden. \u201eBrot und Spiele\u201c lohnen doch keine einzige Tr\u00e4ne.\u00a0 Was wurde aus Burgen und Zwingmauern anderes als Stoff f\u00fcr neue H\u00e4user? Also, es lebe die Ruine! Wenn sie nicht auf dem neuesten Stand ist, umso besser.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sollten wir wirklich, wie Flusser vorschl\u00e4gt, den revolution\u00e4ren Architekten trauen? Mit Niemeyers Brasilia war er nicht zufrieden, der \u00fcbrigens nachher selber nicht! Ebenso ging es der Frankfurter St\u00e4dtebau-Legende Ernst May. Dessen Problem hat sich \u00fcbrigens wie von selbst erledigt. Die Leute h\u00e4ngten Gardinen auf, verstellten die Durchreiche. Inzwischen\u00a0 gehen sie zu <i>Bauhaus<\/i> und <i>Praktiker<\/i>. Die legend\u00e4ren Architekten im Reich der Bolschewisten wollten den Leuten die K\u00fcchen wegnehmen zugunsten einer Kantine. Also kochte man im Schlafzimmer. Wei\u00df der Himmel, was die deutschen Urbanisten heute in China anrichten. Ein Zeichenbrett garantiert noch nicht die Erleuchtung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">St\u00e4ndig erfahren wir von Katastrophen, die H\u00e4user demolieren. Da sie nicht wirklich durch neue, geschweige denn bessere ersetzt werden, werden Ruinen zur Normalit\u00e4t. Wenn wir dann im Auto herumirren, ist es die Schuld des schon wieder unaktuellen Navigationsprogramms, aber ist das wichtig? Die Welt ist voller Landschaften, die wir nur entdecken, wenn wir aus der Spur geraten. Und \u00fcberdies ist sogar zeitweise Entschleunigung im Trend. Und wer wei\u00df schon, ob wir uns nicht bewusst chaotisch geben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun werden \u2013 wie er an anderer Stelle schrieb &#8211; gebaute Dinge den Menschen im Zeitalter der \u201etechnischen Bilder\u201c und der \u201eUndinge\u201c ohnehin immer unwichtiger, ihre Materialien immer billiger. Sie\u00a0 kreisen in einem grenzenlosen \u201eRecycling\u201c. Seine Warnung war also wohl ein rhetorischer Kniff, uns aufzuschrecken und mit den Mitteln der guten alten Utopie zu locken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum sollte man ihr nachlaufen? Die Eliten sind keineswegs blind. Sie wissen das Bew\u00e4hrte zu sch\u00e4tzen, so wie in manchen Schwarzenegger- und Stallone-Filmen die Protagonisten eigentlich ausgemusterte Modelle sind, die man reaktiviert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mich wohnlich einrichten in Vil\u00e9m Flussers &#8222;Ruinen&#8220; So wie er Ruinen in \u201eH\u00e4user bauen\u201c beschreibt, sind sie tauglich f\u00fcr ein Leben in Provisorien und im Takt von Updates! Und wohnen kann man auch in ihnen, immer noch besser als\u00a0 auf Koffern in Hotelzimmern. Zudem haben Menschen immer wieder in Ruinen gewohnt. 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