{"id":4429,"date":"2016-05-08T22:22:33","date_gmt":"2016-05-08T21:22:33","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4429"},"modified":"2020-05-23T14:08:15","modified_gmt":"2020-05-23T12:08:15","slug":"a-conservators-view-of-african-sculpture-und-der-gewoehnliche-sammler","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4429","title":{"rendered":"\u201aA Conservator\u2019s View of African Sculpture\u2019 und der gew\u00f6hnliche Sammler"},"content":{"rendered":"<h4>Zum Beitrag von <strong>Leslie Bone: <em>On and Below the Surface \u2013 A Conservator\u2019s View of African Sculpture<\/em><\/strong> in <strong><em>Masterworks of African Figurative Sculpture, Embodiments (The Richard H. Scheller Collection) , Fine Arts Museum of San Francisco 2015<\/em><\/strong><!--more--><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Eine Kundin hat meiner\u00a0 Restauratorin einen interessanten Artikel mitgebracht. Der demonstriert h\u00f6chstes Anspruchsniveau, qualitativ und finanziell. Mit Blick auf bedeutende Museen oder Sammlungen, deren Marktwert inzwischen in die \u2013zig Millionen geht. Ein wenig Surfen zeigt, dass das genau bei der <em>Richard H. Scheller Collection<\/em> der Fall ist. Ein Interview mit dem <a href=\"http:\/\/www.tribalartmagazine.com\/\">Tribal Art Magazine<\/a> (unter: people_188) war voller spa\u00dfiger Details zu den Sorgen der Reichen.<br \/>\nWas macht die Lekt\u00fcre mit einem bescheidenen Sammler? In einer kleinen Bankenmetropole, dessen Museumsufer neuerdings zwar \u00fcber ein R\u00f6ntgenger\u00e4t verf\u00fcgt, dem aber schon \u00fcber Monate das passende Computerprogramm fehlt? Der zuweilen tr\u00e4umt, er h\u00e4tte private Beziehungen zu einem Krankenhaus (CT\/MRT)?<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Er ist eingesch\u00fcchtert. Dabei betrifft der Artikel seine eigenen Objekte kaum: Gebrauchsgegenst\u00e4nde und soweit es Kultfiguren und Masken sind, solche aus dem zwanzigsten Jahrhundert. &#8218;Wichtige&#8216; St\u00fccke <em>for powerful ritual endeavors <\/em>f\u00fcr ganze <em>communities<\/em> sind nicht darunter. Daf\u00fcr hat er gar nicht das Geld.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Bone\u2019s einsichtsvolle Formulierung <em>the lost pasts of such sculptures<\/em> (283) freut ihn aber, schon weil das f\u00fcr fast alles gilt, was auf dem Markt ist.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Ebenso gefallen ihm die deutlichen Worte \u00fcber hartn\u00e4ckige schlechte Angewohnheiten auf der europ\u00e4ischen und amerikanischen Seite, nicht nur in der Vergangenheit, die von den Galerien in Paris und Br\u00fcssel ihren Anfang nahmen und bis heute den herrschenden Geschmack pr\u00e4gen: <em>Many sculptures including some in this collection, later were transformed by collectors and by subsequent owners.<\/em> (284)<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">For example, in the early twentieth century, French dealers of African art immersed wooden carves in shellac \u2013 a raisin &#8230;. Such post-collection shellac can be detected by shining UV light &#8230; (286)<\/h4>\n<div id=\"attachment_4601\" style=\"width: 370px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Leslie-Bone-Symposium-FAMSF-2011.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4601\" class=\"size-medium wp-image-4601\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Leslie-Bone-Symposium-FAMSF-2011-360x255.jpg\" alt=\"Leslie Bone Symposium FAMSF 2011\" width=\"360\" height=\"255\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Leslie-Bone-Symposium-FAMSF-2011-360x255.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Leslie-Bone-Symposium-FAMSF-2011-624x442.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Leslie-Bone-Symposium-FAMSF-2011.jpg 777w\" sizes=\"auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4601\" class=\"wp-caption-text\">Leslie Bone at Symposium <a href=\"https:\/\/deyoung.famsf.org\/deyoung\/collections\/conservation\/objects-conservation\">FAMSF<\/a> 2011<\/p><\/div>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Leslie Bone ist eine spezialisierte Expertin im Gefolge des Sammlers R.H. Scheller weit au\u00dferhalb unserer Reichweite. Sie arbeitete f\u00fcr einen mit seiner DNA-Firma sehr reich gewordenen Naturwissenschaftler, der wie ein Barockf\u00fcrst nach Belieben \u00fcber die n\u00f6tigen Mittel verf\u00fcgt und ihr den Zugang zu den letzten Errungenschaften der Analysetechnik (etwa DNA-Analyse des Holzes) verschaffen konnte. (287 ff.) Dabei gibt er sich im Interview immer noch als der nette Junge, der mit Gro\u00dfwildjagd\/Safaris in Afrikas begonnen hat und inzwischen seiner Schar von Galeristen den Auftrag gibt, von allen Kulturen des alten Afrika s\u00fcdlich der Sahara das Beste aufzutreiben. Das Beste. Von allen.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">An ausgew\u00e4hlten Beispielen der Sammlung illustriert Bone konservatorische Einsichten, klar gegliedert nach beiden Phasen im Leben gesammelter afrikanischer Objekte:<\/h4>\n<h4>Oberfl\u00e4chen (<em>surfaces<\/em>):<\/h4>\n<h4>Aspekte der Farbe:<em> Color Pigmente und Dyes, Lacke, <\/em><\/h4>\n<h4>Gebrauchsspuren <em> traces left by Rituals <\/em>(Doch nicht allein!)<\/h4>\n<h4>Schichten <em>Layers, Post-Collection Addition and Subtraction of Layers, <\/em><\/h4>\n<h4>Abnutzung und <em>Restoration Techniques, Wear, Native Repairs, Dating, <\/em>und schlie\u00dflich das weite Feld des Innenlebens <em>(interiors) <\/em>von der Bestimmung des Holzes zu Hohlr\u00e4umen und eingesetzten oder eingearbeiteten Materialien.<\/h4>\n<h4>F\u00e4lschungen und Verf\u00e4lschungen des wertvollen Objekts \u2013 oszillierend zwischen Weltkulturerbe und Verm\u00f6gensanlage \u2013 k\u00f6nnen ausgeschlossen werden? Kriminologisch ist jedenfalls mehr nicht zu machen.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Lesley Bone r\u00e4umt auch der <em>Visual Examination of Surfaces<\/em> durch<em> individuals who have observed many objects of a similar type and form <\/em>(284) eine Rolle ein. Die Begr\u00fcndung in technologischem Newspeak empfinde ich als gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig: &#8230;<em>as the database they have stored away in their brains can immediately tell them if what they see strays from the norm of an object type, or if a certain material is inconsistent with those they have usually seen &#8230;..<\/em><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Wenn nur die Realit\u00e4t menschlicher Kreativit\u00e4t wenigstens in fr\u00fcheren Zeiten den Forschern den Gefallen getan h\u00e4tte, sich strikt an Normen zu halten! So viel n\u00fctzlicher als die Witterung trainierter Hunde ist die Intuition der Experten auch nicht. Beide liefern die besten Ergebnisse bei einfachen F\u00e4llen wie: &#8230; <em>or looks too new or if its colour seems unusual.<\/em> (284) Indizien bleiben Indizien angesichts einer \u201averlorenen Vergangenheit solcher Skulpturen\u2019 und der zugeh\u00f6rigen Menschen.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Gehen uns derartige Kataloge etwas an? Bringen sie Sammler weiter? Dr\u00e4ngen sie uns nicht immer tiefer in die Arme von Experten und Autorit\u00e4ten, die wir \u00fcberhaupt nicht kontrollieren k\u00f6nnen? Der Sammler Scheller gibt sich im Interview als verw\u00f6hntes Kind, das sich unter der Rubrik <em>people<\/em> oder als Stifter bewundern l\u00e4sst. Und dahinter steht \u2013 auch das in der Tradition des Barock &#8211; ein boomender Gesch\u00e4ftszweig.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Was wir dann immer noch nicht wissen, und das ist eine Menge, muss mit traditionellen Untersuchungsans\u00e4tzen ann\u00e4herungsweise angegangen werden. Doch hier sollte ich den Blick umkehren: Die naturwissenschaftlich ermittelten Indizien, von denen Leslie Bone spricht, erlauben es schlie\u00dflich Kunst- und Kulturwissenschaftlern, neue Fragen oder pr\u00e4zisiere Fragen\u00a0 an die alten Objekte\u00a0 stellen.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Immer wieder spukt in meinem Kopf der Beute-Gedanke: Walter Benjamin meinte solche Kulturg\u00fcter, als er in den Geschichtsphilosophischen Thesen klagte,\u00a0 &#8218;Kulturg\u00fcter&#8216; w\u00fcrden die &#8218;Beute&#8216; der jeweils Herrschenden.\u00a0 Doch sind diese Leute nicht vielleicht die legitimen Erben? Womit wurde denn &#8218;h\u00f6fische Kunst&#8216; vormoderner Despotien finanziert?<\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Beitrag von Leslie Bone: On and Below the Surface \u2013 A Conservator\u2019s View of African Sculpture in Masterworks of African Figurative Sculpture, Embodiments (The Richard H. 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