{"id":4367,"date":"2016-05-24T16:16:45","date_gmt":"2016-05-24T15:16:45","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4367"},"modified":"2021-10-20T00:15:12","modified_gmt":"2021-10-19T22:15:12","slug":"wie-yaka-nach-leopoldville-kamen-1930-59","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4367","title":{"rendered":"Wie die Yaka nach Leopoldville kamen"},"content":{"rendered":"<h6 style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/images.delcampe.com-auction-000-316-098-485_001.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-4468\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/images.delcampe.com-auction-000-316-098-485_001.jpg\" alt=\"Wanderarbeiter in Leopoldville, Yaka?images.delcampe.com-auction-000-316-098-485_001\" width=\"602\" height=\"423\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/images.delcampe.com-auction-000-316-098-485_001.jpg 602w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/images.delcampe.com-auction-000-316-098-485_001-360x253.jpg 360w\" sizes=\"auto, (max-width: 602px) 100vw, 602px\" \/><\/a>Wanderarbeiter in Leopoldville, Yaka? &#8211; images.delcampe.com-auction-000-316-098-485_001<\/h6>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Jacques Denis, <em>Les Yaka du Kwango &#8211; Contribution \u00e0 une \u00e9tude ethno-d\u00e9mographique<\/em><\/strong><em>,\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/em>Tervuren, Annales &#8211; S\u00e9rie in 8 o. &#8211; Sciences humaines &#8211; no.53, 1964,\u00a0 XI + 103 S.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h6 style=\"text-align: center;\"><em><strong>Jacques Denis<\/strong>, damals Professor an der Universit\u00e4t von Bujumbura, Burundi, arbeitete Ende der f\u00fcnfziger Jahre bis zu den Unabh\u00e4ngigkeitswirren an der Monografie \u00fcber die Bayaka, in der erkl\u00e4rten Absicht, die Informationsgrundlagen zu schaffen um ihnen in der Zukunft bessere Perspektiven zu geben. In der Einleitung vermittelt er uns, vor allem auch durch den Beitrag eines seiner Informanten, <strong>Joseph M.<\/strong>, ein lebendiges Portr\u00e4t der Vertreter dieser Gruppe, die es seit den drei\u00dfiger Jahren auch in die Hauptstadt der Kolonie zog. Dieses Portr\u00e4t hat mir bereits vor Monaten auch emotional einen Zugang zu diesen Leuten verschafft, als ich ihre vitalen Tanzmasken noch gar nicht n\u00e4her kannte. Ich bin gespannt, ob ich diese Darstellung anders oder gar mit tieferem Verst\u00e4ndnis lese.<\/em><\/h6>\n<p><em>Denis beginnt mit der buntscheckigen Bev\u00f6lkerung von Leopoldville, worin die Yaka einen eigenartigen Ruf erworben haben (\u00dcbersetzung unter dem Original):<\/em><\/p>\n<p><a class=\"size-medium wp-image-4370 alignnone\" href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Denis-Yaka-p.-1jpg.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-4379 size-large\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Denis-Yaka-p.-1jpg-680x1024.jpg\" alt=\"Denis Yaka p. 1jpg\" width=\"598\" height=\"900\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Denis-Yaka-p.-1jpg-680x1024.jpg 680w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Denis-Yaka-p.-1jpg-199x300.jpg 199w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Denis-Yaka-p.-1jpg-624x940.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Denis-Yaka-p.-1jpg.jpg 733w\" sizes=\"auto, (max-width: 598px) 100vw, 598px\" \/><\/a><\/p>\n<h6 style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Denis-Yaka-pp.2-5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-4370 size-large\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Denis-Yaka-pp.2-5-682x1024.jpg\" alt=\"Denis Yaka pp.2-5\" width=\"599\" height=\"900\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Denis-Yaka-pp.2-5-682x1024.jpg 682w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Denis-Yaka-pp.2-5-200x300.jpg 200w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Denis-Yaka-pp.2-5-624x936.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Denis-Yaka-pp.2-5.jpg 733w\" sizes=\"auto, (max-width: 599px) 100vw, 599px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Denis-Yaka-pp.2-5_0001.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-4369 size-large\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Denis-Yaka-pp.2-5_0001-682x1024.jpg\" alt=\"Denis Yaka pp.2-5_0001\" width=\"599\" height=\"900\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Denis-Yaka-pp.2-5_0001-682x1024.jpg 682w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Denis-Yaka-pp.2-5_0001-200x300.jpg 200w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Denis-Yaka-pp.2-5_0001-624x936.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Denis-Yaka-pp.2-5_0001.jpg 733w\" sizes=\"auto, (max-width: 599px) 100vw, 599px\" \/><\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 pp. 1 &#8211; 3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vergr\u00f6\u00dferung anklicken<\/h6>\n<h5 style=\"text-align: center;\"><em>\u00dcbersetzung S.1-2 (leicht gek\u00fcrzt)<\/em><\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von unscheinbarer Statur, h\u00e4ufig mager, fast immer arm und in abenteuerlich zusammen gew\u00fcrfelter Kleidung, sieht man sie bereits vor Sonnenaufgang zu irgendeiner Baustelle trotten, wo sie eine Hilfsarbeit erwartet, hart und schlecht bezahlt. Abends kehren sie direkt in ihre H\u00fctten oder Kammer aus gestampftem Lehm zur\u00fcck, die sie zu viert oder f\u00fcnft bewohnen und wo sie die einzige richtige Mahlzeit des Tages einnehmen. Dann sitzen sie um die sp\u00e4rliche Kohlenglut, halten einen Schwatz unter M\u00e4nnern und ziehen bed\u00e4chtig und genie\u00dferisch an ihrer kurzen Tabakpfeife. Weder Frauen, noch Kinder. Die verheirateten M\u00e4nner haben ihre Familie im Dorf zur\u00fcckgelassen. F\u00fcr die Mehrheit unter ihnen ist die Stadt ein notwendiges Exil, nicht ein Ort der freien Wahl.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben einige Freunde unter ihnen gewonnen und haben sie so besser kennengelernt. Denn ihr Leben als flei\u00dfige Ameisen, zuweilen ihre grimmige Haltung, ihre beschr\u00e4nkten Au\u00dfenkontakte, eine vage Furcht oder Weigerung, zur G\u00e4nze st\u00e4dtische Gewohnheiten anzunehmen, das alles l\u00e4sst bei ihren Mitb\u00fcrgern Fehlurteile entstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben Mitglieder anderer Ethnien gefragt, welches Bild sie von den ber\u00fchmten Yaka h\u00e4tten. Bei manchen musste man nur das Worte \u201aba-Yaka\u2019 aussprechen, um auf ihren Lippen ein herablassendes, wenn nicht ver\u00e4chtliches L\u00e4cheln zu bemerken. Besonders ihre Nachbarn <em>Kongo<\/em> verbargen schlecht \/ p.2 \/ eine gewisse \u00dcberheblichkeit. Doch sobald ein paar Yaka auf der Bildfl\u00e4che erschienen, verschwand sie sehr schnell und machte einem diffusen etwas \u00e4ngstlichen Misstrauen Platz. Die Beziehungen zwischen den beiden St\u00e4mmen waren nicht immer friedlich, und die Reputation der Yaka als Krieger muss nicht erst etablierte werden, obschon die Legende von der Geschichte nicht ganz best\u00e4tigt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einer unserer besten Informanten, JOSEPH M., ein Mann vom Oberlauf des Kongo, <em>Ngombe<\/em> aus Lisala, der seit langem in Leopoldville lebt, hat uns bei verschiedenen Gelegenheiten gute Beobachtungen an den Yaka geliefert hat, schrieb seine Erinnerungen an die Zeit, als die ersten Yaka in die Stadt kamen, auf:<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">\u201e Die ersten Bayaka sind in Leopoldville gegen 1930 in kleinen Gruppen eingesickert aus Richtung des Lemba Plateau, das man (allgemein) f\u00fcr ihre Heimat hielt, andere kamen \u00fcber viele Etappen auf der Stra\u00dfe direkt aus Kwango.<\/h5>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Auf einem \u00fcber die Schulter getragenen d\u00fcnnen Stock trugen sie Matope (Wildfr\u00fcchte von Lemba), die sie im Eingeborenenviertel verkauften, um dann stehenden Fu\u00dfes nach Lemba umzukehren, ihrem Ort der Eingew\u00f6hnung und Zuflucht. Mit einem Schurz geg\u00fcrtet, Pfeife rauchend und im G\u00e4nsemarsch \u2013 nicht anders kannte man sie.<\/h5>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Die Geschickteren oder wer Gl\u00fcck hatte, ergatterte sehr schnell eine Anstellung: als K\u00fcchenjungen, Hausboys oder Helfer, der unsere Mutter auf die Felder begleitete. Die Rekrutierung geschah und geschieht noch auf dem \u00f6ffentlichen Markt, wo die Yaka sich auf gut Gl\u00fcck von Leuten anstellen lassen, ohne sich \u00fcber die materielle Situation des \u201apatron\u2019 Klarheit zu verschaffen. Dabei streben sie doch einen gut bezahlten Job an.<\/h5>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Andere beharren darauf, \u201aauf eigene Rechnung\u2019 zu arbeiten, indem sie Feuerholz verkaufen, das sie im Wald von Ngunda-Lokombe (heute verschwunden) abgeschlagen haben; sie machen daraus B\u00fcndel, die sie durch die Stra\u00dfen schleifen, und werden sie rasch wieder los zu eins, zwei oder drei Francs. Die Verkehrssprache ist f\u00fcr lange Zeit noch das \u201aStaats-Kikongo\u2019, das den Bakongo<em> patrons <\/em>leicht f\u00e4llt, w\u00e4hrend\u00a0 f\u00fcr die Bangala die Verst\u00e4ndigung mit ihren Bediensteten vor allem anfangs m\u00fchsam ist, da die Yaka eher Kikongo als dem Lingala verstehen.<\/h5>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Stets vom Wohlstand tr\u00e4umend, suchen nicht wenige Arbeit bei den portugiesischen Gesch\u00e4ftsleuten. Da diese mit Kikongo gut zurechtkommen, ist die Verst\u00e4ndigung kein Problem. So haben allm\u00e4hlich die Bayaka verschiedene Aufgaben \u00fcbernommen. Bei den Wei\u00dfen: den Hof kehren und das Gestr\u00fcpp zur\u00fcckschneiden, als ambulante Verk\u00e4ufer aus K\u00f6rben voller kleiner Flaschen Benzin verkaufen oder Reis in S\u00e4cken, beim Aufteilen, Wiegen oder \u00d6ffnen der Verpackungen helfen. Kurz, es waren einfache Arbeiten, die gar keine geistige Anstrengung verlangten. Bei den Schwarzen gingen sie zusammen mit den Frauen zum Hacken aufs Feld, in der K\u00fcche wuschen sie Geschirr. Sie spalteten Holz und machten f\u00fcr ihre Chefinnen kleine Besorgungen au\u00dfer Haus, alles, was im Haushalt so anf\u00e4llt.<\/h5>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Sehr rasch hat die Arbeit ihre Lage verbessert, zum Beispiel die Kleidung. Der Schurz bleibt zwar, mit einer dicken Schicht Palm\u00f6l eingerieben, ihr \u201aheiliges\u2019 Kleidungsst\u00fcck. Sie bedecken den Oberk\u00f6rper nun aber gern mit einem <em>boubou<\/em>, einem \u00e4rmellosen Leibchen, oder einer l\u00e4nger geschnittenen Weste. Das <em>Gilet<\/em> setzt sich durch und wird bis \u00fcber die vierziger Jahre hinaus ihre typische Tracht, macht sie aber auch zum Gesp\u00f6tt der Leute von Kinshasa. Es reichte aus, gegen\u00fcber einem Tr\u00e4ger dieser Weste das Wort \u201a<em>kwele<\/em>\u2019 auszusprechen, damit er sich furchtbar aufregte. Es war eine Beleidigung, damit wollte man ihn l\u00e4cherlich zu machen.<\/h5>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Bei ihrem Aufenthalt in Kinshasa dachten die Yaka an die Sicherheit, den Schutz ihrer Person, so schwach der auch w\u00e4re. So lebte man immer in derselben Gruppe von Angestellten &#8211; ein famili\u00e4res Zusammenr\u00fccken mit verschiedenen Altersstufen. Die Hausboys, die wie die Gehilfen in der Landwirtschaft normalerweise isoliert arbeiten, treffen sich am Abend und dr\u00e4ngen sich zu viert oder sechst in eine K\u00fcchenh\u00fctte. Es sind Br\u00fcder oder Cousins oder Schwiegereltern. Sie besuchen einander h\u00e4ufig, und wenn es darum geht, jemanden f\u00fcr einen Job zu empfehlen, versuchen sie immer einen Bruder, einen Cousin, ob \u00e4lter oder j\u00fcnger, zu pr\u00e4sentieren, um \u00fcber ihr gegenseitiges Verhalten zu wachen, aber auch um einander bei einem Ungl\u00fccksfall so gut wie m\u00f6glich zu helfen, z.B. bei Beschwerden im Bauch die passenden Heilpflanzen zu suchen, f\u00fcr die Behandlung mit Einschnitt und Absaugen von Blut mit Hilfe eines Antilopenhorns zu sorgen u.s.w.. Diejenigen, deren Konstitution den H\u00e4rten des Klimas nicht standhielt, es waren \u00fcbrigens wenige, wurden auf dem R\u00fcckweg ins Dorf von einem Familienmitglied begleitet.<\/h5>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Die Bayaka, die ihre Heimat verlie\u00dfen, hatten nur ein Ziel: ein Verm\u00f6gen anzuh\u00e4ufen und eines Tages voll bepackt nach Hause zur\u00fcckzukehren. So registrierte man an ihnen eine Sparsamkeit, die direkt in Geiz \u00fcberging. Die K\u00fcchenboys beispielsweise erwarteten alles von ihren Chefinnen und \u00f6ffneten nur unter gro\u00dfen Schmerzen ihre kleine Geldtasche, um ihr einen meya (0,50 fr) oder <em>sengi<\/em> (0,05 fr) f\u00fcr die Beschaffung von Lebensmitteln zu entnehmen. Sie lebten fast ausschlie\u00dflich von Resten bei Tische und vom Bodensatz in den Kocht\u00f6pfen. Sie taten alles, um die Wertsch\u00e4tzung ihrer <em>maitres<\/em> zu vermehren. So erhielten sie Schurze, kurz\u00e4rmelige Hemden und kurze Hosen, \/ S.4 \/ die sie in der Erwartung horteten, sie in den Heimaturlaub mitnehmen zu k\u00f6nnen. Das ist die ber\u00fchmte modische Yaka-Tracht.<\/h5>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Bis 1940 waren sie ganz integriert und ihre Zahl stark angewachsen. Was die ersten Emigranten an Fr\u00fcchten ihrer Arbeit freudig in die D\u00f6rfer brachten, sorgte f\u00fcr Aufregung, Leidenschaft und Auswanderungsfieber bei den Mitb\u00fcrgern, die sich ihrerseits in ganzen Karawanen auf den Weg machten. Lemba war nur noch eine einfache Zwischenstation, nicht mehr der Ort f\u00fcr die erste Akklimatisierung. Sie fielen nun direkt in das Weichbild der Stadt ein. Kinder (Acht- bis Zehnj\u00e4hrige) waren mit in der Karawane. Man sah sogar einige kleine Haushalte ohne Kinder.<\/h5>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Um 1950 werden ihre T\u00e4tigkeiten immer anspruchsvoller: Man sieht sie auf den Baustellen den Betonmischer bedienen, die Schubkarre schieben, man trifft sie als K\u00f6che in b\u00fcrgerlichen H\u00e4usern, sieht sie kleine <em>boutiques indig\u00e8nes<\/em> betreiben und kleine Bars usw. Das <em>Lingala<\/em> sprechen sie nun ebenso h\u00e4ufig wie das \u201aStaats-<em>Kikongo<\/em>\u2019, denn f\u00fcr die Bayaka ist es eine Ehre, <em>Lingala<\/em> zu sprechen, \u00fcbrigens heute in Kinshasa die am h\u00e4ufigsten gesprochene Sprache. Ihr Lebensstandard verbessert sich. Die Bayaka sind nicht mehr entsetzliche Geizh\u00e4lse, sondern versuchen, sich an das moderne Leben (<em>la vie courante<\/em>) anzupassen, indem sie sich mit ihren Ersparnissen etwas kaufen: Kleider, Fahrr\u00e4der, Plattenspieler, Stoffe f\u00fcr die Frauen und andere n\u00fctzliche Dinge f\u00fcr den Heimaturlaub.<\/h5>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Eins bleibt gewiss: <em>Muyaka<\/em> ist Nostalgie. Vielleicht ist es eine verbindliche Abmachung mit ihren Ahnen oder einfach dazu da, die Moral ihrer Ehefrauen zu unterst\u00fctzen. Es sind aber nicht alle verheiratet. Ich habe mich hier und da umgeh\u00f6rt, und aller Wahrscheinlichkeit nach sind die ausgewanderten Bayaka gehalten, zu festen Daten nach Hause zur\u00fcckzukehren bei Strafe eines b\u00f6sen Geschicks oder der Verfluchung durch ihre Familienoberh\u00e4upter.<\/h5>\n<h6>Das ist mein kurz hingeworfenes Portr\u00e4t einer sehr r\u00fcckst\u00e4ndigen Bev\u00f6lkerungsgruppe, die sich aber sehr rasch weiterentwickelt hat (Man beachte den <a href=\"http:\/\/www.scilogs.de\/die-sankore-schriften\/der-lebensstil-instrument-belgisch-kongo\/\">Ausdruck <em>\u00e9volu\u00e9<\/em><\/a> ! Gv) unter dem gl\u00fccklichen Einfluss einer Stadt wie Kinshasa-Leopoldville, die mit einer Zivilisation in gro\u00dfen Schritten privilegiert ist.\u201c<\/h6>\n<p><em>Jacques Denis vermerkt: <\/em><strong>Verfasst 1959<\/strong><em>. Im Folgenden erg\u00e4nzt er den Bericht seines Informanten ab, wobei Wiederholungen unvermeidlich sind.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><strong>p. 4 &#8211; 5<\/strong><em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Denis-Yaka-pp.2-5_0002.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-4371 size-large\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Denis-Yaka-pp.2-5_0002-679x1024.jpg\" alt=\" Jq.Denis, Les Yaka du Kwango, Tervuren 1964\" width=\"597\" height=\"900\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Denis-Yaka-pp.2-5_0002-679x1024.jpg 679w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Denis-Yaka-pp.2-5_0002-199x300.jpg 199w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Denis-Yaka-pp.2-5_0002-624x941.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Denis-Yaka-pp.2-5_0002.jpg 730w\" sizes=\"auto, (max-width: 597px) 100vw, 597px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Denis-Yaka-pp.2-5_0003.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-4368 size-large\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Denis-Yaka-pp.2-5_0003-682x1024.jpg\" alt=\"Denis Yaka pp.2-5_0003\" width=\"599\" height=\"900\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Denis-Yaka-pp.2-5_0003-682x1024.jpg 682w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Denis-Yaka-pp.2-5_0003-200x300.jpg 200w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Denis-Yaka-pp.2-5_0003-624x936.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Denis-Yaka-pp.2-5_0003.jpg 733w\" sizes=\"auto, (max-width: 599px) 100vw, 599px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em> Das Wichtigste im Auszug:<\/em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0 \/p. 4\/<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie Kundschafter haben sie zun\u00e4chst das Terrain sondiert. Zun\u00e4chst haben sie in kleinen Weilern auf der Ebene von Lemba Zuflucht gesucht und von Zeit zu Zeit schnellen Schritts kurze Ausf\u00e4lle in die Stadt gemacht. Man dachte bereits, sie k\u00e4men aus Lemba. Dann gr\u00fcndeten sie kleine Kolonien am Rand von Kinshasa wie Kintambo und Ndolo. Eher widerstrebend wurden sie in das st\u00e4dtische Netz einbezogen, aber blieben lieber zusammen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\/p.5\/<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch 1965 war ein bestimmtes Viertel nur als &#8218;<em>wenze na Bayaka&#8216;<\/em> bekannt.1959 bis 1961 haben\u00a0 sich Yaka sogar in einer Girlande kleiner D\u00f6rfer vor der Metropole neu gruppiert. In\u00a0 unruhigen Jahrenh\u00e4lt man lieber Abstand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend die Geldwirtschaft in die entlegensten Winkel des Landes vordrang, blieben die M\u00f6glichkeiten, auf dem Land Geld zu verdienen minimal. Da im unterentwickelten Kwango die Menschen nichts anderes als ihre Arbeitskraft hatten, machten sie sich auf den Weg ins Exil, nach Leopoldville und die Arbeitsgelegenheiten entlang der Eisenbahn nach Matadi und bis ins ferne <span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?cat=194\">Mayumbe<\/a>. (Denn <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4137\">dort gr\u00fcndete man Plantagen<\/a>.<\/span> Gv)\u00a0 Nach 1945 verst\u00e4rkte sich die Wanderung noch. Auf einem als &#8218;Bayaka-Pfad&#8216; bekannten Weg abseits der Stra\u00dfen kann man Gruppen von zehn bis zwanzig M\u00e4nnern ziehen sehen, singend und erz\u00e4hlend, um M\u00fcdigkeit und Hunger zu vergessen. Sie legen so f\u00fcnfhundert, sechshundert oder mehr Kilometer zur\u00fcck. Wenn sie das Angebot eines <em>recruteur <\/em>annehmen, fahren sie auf einem Lkw. Und wenn sie am Ende ihres Aufenthalts Gl\u00fcck haben, finden sie f\u00fcr sich und kostbares Gep\u00e4ck wieder einen oder mehrere Transportgelegenheiten. Man beobachtet also ein st\u00e4ndiges Hin- und Her.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Freilich wird es f\u00fcr den Wanderarbeiter immer schwieriger, sich auf Neue in das d\u00f6rfliche Milieu einzuf\u00fcgen, je l\u00e4nger die Abwesenheit gedauert hat. Man hat das gesehen, als der Staat die nun arbeitslosen M\u00e4nner in ihre Heimat verfrachteten. Die Lkws waren kaum wieder abgefahren, da machten sie sich bereits wieder auf den Weg nach Leopoldville. Ich habe einige getroffen, die zwischen Januar 1959 und Juni 1960 mit milit\u00e4rischem Zwang repatriiert worden sind.<\/p>\n<p><em>Auf den n\u00e4chsten Seiten diskutiert Jacques Denis zwei kontr\u00e4re Positionen zur &#8218;relativen \u00dcberbev\u00f6lkerung&#8216; im d\u00fcnn besiedelten Land der Yaka, das eigentlich nur &#8218;unterentwickelt&#8216; sei wie andere Landstriche. F\u00fcr vern\u00fcnftiges Handeln brauche man aber erst einmal solide Informationen. Bei deren Sammlung wird er von den Ereignissen um die &#8218;Unabh\u00e4ngigkeit&#8216; des Kongo unterbrochen. 1965 entschlie\u00dft er sich, wenigstens das gesammelte Material zu ver\u00f6ffentlichen. <\/em>(S.6 &#8211; 8)\u00a0 <em>Davon m\u00f6chte ich bei Gelegenheit weiteres \u00fcber den Blog verbreiten.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wanderarbeiter in Leopoldville, Yaka? &#8211; images.delcampe.com-auction-000-316-098-485_001 &nbsp; Jacques Denis, Les Yaka du Kwango &#8211; Contribution \u00e0 une \u00e9tude ethno-d\u00e9mographique,\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Tervuren, Annales &#8211; S\u00e9rie in 8 o. &#8211; Sciences humaines &#8211; no.53, 1964,\u00a0 XI + 103 S.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[244,227],"tags":[],"class_list":["post-4367","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-20-jh-der-yaka","category-kinshasa"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4367","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4367"}],"version-history":[{"count":36,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4367\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5400,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4367\/revisions\/5400"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4367"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4367"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4367"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}