{"id":4342,"date":"2016-05-23T16:13:31","date_gmt":"2016-05-23T15:13:31","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4342"},"modified":"2021-10-22T00:28:03","modified_gmt":"2021-10-21T22:28:03","slug":"goldene-zeiten-1955-unterwegs-mit-dem-jungen-administrator-von-lufuna","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4342","title":{"rendered":"Goldene Zeiten \u2013 1955 unterwegs mit dem jungen Administrator von Lufuna"},"content":{"rendered":"<p><strong>Erz\u00e4hlung seiner Frau Genevieve : AU TERRITOIRE DE POPOKABAKA &#8211; KWANGO &#8211; http:\/\/www.congo1960.be\/WS2009GenevieveRyckmans-Nr127.html<\/strong><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201e La Brousse <\/em>&#8211; Nach einigen Wochen der Vorbereitung in verschiedenen Sektoren des <em>Territoire <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/G.Ryckmans-Kwango-Tipoy.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-4360\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/G.Ryckmans-Kwango-Tipoy-192x300.jpg\" alt=\"G.Ryckmans Kwango Tipoy\" width=\"192\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/G.Ryckmans-Kwango-Tipoy-192x300.jpg 192w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/G.Ryckmans-Kwango-Tipoy-624x977.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/G.Ryckmans-Kwango-Tipoy.jpg 638w\" sizes=\"auto, (max-width: 192px) 100vw, 192px\" \/><\/a>Popokabaka <\/em>wurde mein Mann Andr\u00e9 als Administrator f\u00fcr den <em>Secteur Lufuna<\/em> benannt, f\u00fcr ein ganz verlassenen Sektor, der sich in Nords\u00fcdrichtung entlang dem Kwango erstreckte, eine gro\u00dfartige Landschaft ausgedehnter Savannen und Galeriew\u00e4ldern mit sch\u00f6nen D\u00f6rfern mit strohgedeckten Holzh\u00e4usern, sauber und gut organisiert, und einer klingenden Sprache (<em>parler chantant<\/em>), dem <em>Kiyaka<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von Anfang an nehme ich Francois mit in den Busch, sp\u00e4ter auch Marie und schlie\u00dflich Emmanuel und H\u00e9l\u00e8ne. In den Lastwagen des Territoriums packen wir die gro\u00dfen Koffer (Feldbetten, K\u00fcche, Archivkoffer, Badekoffer, W\u00e4sche, Kinderzimmer &#8230;) f\u00fcr etwa 25 Tage im Monat. F\u00fcr R\u00fcckkehr oder Ortswechsel m\u00fcssen wir auf ein Fahrzeug warten. Aber wir reisen auch mit der S\u00e4nfte, dem <em>tipoy<\/em>. Sp\u00e4ter kaufen wir uns einen VW-Bus, den ersten in der Gegend, mit dem wir uns leichter bewegen k\u00f6nnen. Im Busch hatten wir keinen K\u00fchlschrank, aber in der Station einen benzinbetriebenen. Dort hielten wir uns aber nur etwa 5 Tage im Monat auf. Wir hatten eine Ordonnanz, einen Koch und einen \u2019<em>lavander<\/em>\u2019, den Hausboy zur Verf\u00fcgung. Die waren aber auch n\u00f6tig. Ich k\u00fcmmerte mich um die Kinder, die Kleidung, die allgemeinen Organisation, was nicht immer einfach war, die von den Umst\u00e4nden abh\u00e4ngige Versorgung und half Andr\u00e9 in der Buchf\u00fchrung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Andr\u00e9s Aufgabe war es, den<em> Secteur<\/em> zu kontrollieren, die \u00dcberwachung der Felder und der Hygiene (im Dorf), den Einzug der Gewehrsteuer, was sehr gut funktionierte, denn sie war mit dem Berechtigungbon auf Schie\u00dfpulver (ein Segen f\u00fcr die J\u00e4ger) verbunden. Andr\u00e9 lernte die Sprache der Signaltrommeln, Lieder der Yaka und R\u00e4tsel, publiziert in der Zeitschrift \u201aZaire\u2019 in Louvain, und begann, Sprichw\u00f6rter zu sammeln, die viel sp\u00e4ter 1996 bei Harmattan ver\u00f6ffentlicht wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine Sorge galt frischen Nahrungsmitteln, Fisch, Champignons, H\u00fchnchen, Lamm, manchmal Wild, <em>saka saka<\/em> (Maniok-Bl\u00e4tter) und einigen seltenen Wildgem\u00fcsen. Ich f\u00fchrte Karotten und Rauchfleisch mit, Milchpulver und einige Gem\u00fcsekonserven. Petroleumlampen gaben uns Licht. An Fr\u00fcchten und Gem\u00fcse war generell kein Mangel. Eines Tags trocknete der heftige Wind in der gl\u00fchenden Savanne ausgelegte Bananen in einem Tag, und ich tat sie in eine Keksdose: eine S\u00fc\u00dfigkeit. Zur Kost geh\u00f6rten auch Eier, gelegentlich sogar Raupen und Palmmaden, ein wenig Wild und Fisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war ein unstetes Leben. Als wir einmal mehr oder weniger unvorhergesehen in einem Dorf ankamen, begannen alle M\u00e4nner, f\u00fcr uns eine H\u00fctte (<em>gite<\/em>) zu bauen, was sie bereits l\u00e4ngst h\u00e4tten tun sollen. In dieser Nacht schliefen wir in einem Haus, das gut nach Raffia, Rattan und den im Dach verbauten Kr\u00e4utern roch.(*) Francois war der Schwarm der Frauen des Dorfes. Sie hatten noch nie ein wei\u00dfes Kind gesehen, und seine blonden Haare brachten ihm den Beinamen \u201a<em>mwana mpusu<\/em>\u2019 ein, \u201afrisches Raffia\u2019 .<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Land ist gro\u00dfartig, der Busch, die Galeriew\u00e4lder, die Blumen der Regenzeit, die Wolkenbr\u00fcche und die Buschfeuer&#8230;. Wir mussten viele Reisen im <em>tipoy<\/em> machen, um abgelegene D\u00f6rfer zu erreichen. Uns folgte eine Tr\u00e4gerkarawane mit Koffern und anderen Gep\u00e4ckst\u00fccken. Wir durchquerten unseren <em>Secteur<\/em> von Dorf zu Dorf und machten Bekanntschaft mit den Leuten. Als sich Marie \u2013 das zweite Kind \u2013 ank\u00fcndigt, brauten die Bewohner von <em>Tsakala Ngoa<\/em> bereits <em>poa poa<\/em> (Bier ?) in der Mission von Ngoa. Sie wurde im Oktober 1955 in der kleinen Missionsklinik geboren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das erste Foto (nicht gezeigt) ist im (westlich angrenzenden) Sektor<em> Lubishi <\/em> aufgenommen, wohin wir 1956 versetzt worden sind. Sp\u00e4ter zogen wir nach <em>Kingoma<\/em> (im Mayumbe) um \u2013 das war die erste von einer Serie von 7 weiteren Versetzungen. Dieser Posten liegt an der Hauptstra\u00dfe und wir sind allein dort. Ein einziges Haus, eine H\u00fctte, die zu \u00fcberwachende Stra\u00dfe und in ein paar Kilometern eine Mission. Trinkwasser gab es etwas entfernt und tiefer gelegen. Ein Wassertr\u00e4ger machte den Weg. F\u00fcr W\u00e4sche und Haushalt f\u00fcllte ich mit Hilfe der Adjutanten einen zweihundert Liter fassenden Tank aus einem schmutzigen T\u00fcmpel (<em>marigot<\/em>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dfer der gew\u00f6hnlichen Verwaltungst\u00e4tigkeit ( Zivilstand, Kontrolle der Felder, M\u00e4rkte und D\u00f6rfer) etc. mussten wir die \u00dcberlandstra\u00dfe \u00fcberwachen, um die Spediteure daran zu hindern, Arbeiter ohne Erlaubnis und unter unm\u00f6glichen Bedingungen zu transportieren, unter der Plane des Lastwagens zusammengepfercht. Au\u00dferdem mussten wir unseren Stra\u00dfenabschnitt unterhalten, die Streckenarbeiter bezahlen und \u00fcberwachen. Sie pflanzten Ananas, um die B\u00f6schungen zu stabilisieren. Den ganzen Profit davon hatten sie &#8230; und die Reisenden. Wir reisten auch in die D\u00f6rfer dieser Zone, oft im <em>tipoy<\/em> in den Galeriew\u00e4ldern und in den H\u00fcgeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eines Tages, als alle Fl\u00e4schchen zerbrochen waren, lief ein Bote am Abend in die Mission von <em>Kimvula<\/em> und kam am n\u00e4chsten Tag mit den Fl\u00e4schchen zur\u00fcck. Eine schnell zur\u00fcck gelegte Strecke, die ber\u00fchmt wurde. Belohnt und begl\u00fcckw\u00fcnscht, war der Bote gl\u00fccklich. Wer hat gesagt, die Schwarzen w\u00e4ren faul? Dabei waren sie auch noch so aufmerksam: Andr\u00e9 h\u00f6rte eines Tages die Tr\u00e4ger der <em>tipoy<\/em> unterwegs singen: \u201aAuf Madame acht geben, sie tr\u00e4gt ein kleines Kind im Bauch\u2019. Es war Emmanuel, der sich bereits ank\u00fcndigte.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_4340\" style=\"width: 303px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/RyckmansTrommelVW-Bus-0001tk.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4340\" class=\"size-medium wp-image-4340\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/RyckmansTrommelVW-Bus-0001tk-293x300.jpg\" alt=\"Andr\u00e9 Ryckmans mit Buschtrommel vor VW-Bus (Buchtitelfoto)\" width=\"293\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/RyckmansTrommelVW-Bus-0001tk-293x300.jpg 293w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/RyckmansTrommelVW-Bus-0001tk-768x787.jpg 768w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/RyckmansTrommelVW-Bus-0001tk-1000x1024.jpg 1000w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/RyckmansTrommelVW-Bus-0001tk-624x639.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/RyckmansTrommelVW-Bus-0001tk.jpg 1143w\" sizes=\"auto, (max-width: 293px) 100vw, 293px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4340\" class=\"wp-caption-text\">Andr\u00e9 Ryckmans mit Buschtrommel vor VW-Bus (Buchtitelfoto)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Erster Kommentar<\/strong><br \/>\n\u201aGoldene Zeiten\u2019 meine ich nicht wirklich ironisch. Bessere Zeiten haben die Yaka vorher und nachher in hundertf\u00fcnfzig Jahren nicht erlebt. Ich wei\u00df mich darin von Wikipedia (-eng) f\u00fcr den ganzen Belgischen Kongo f\u00fcr\u2019s erste best\u00e4tigt, f\u00fcr die Jahrzehnte danach ohnehin. Wirtschaftliche Interessen und der Wille zu einer positiven Entwicklung der ganzen Kolonie und ihrer Bewohner kamen wohl in den f\u00fcnfziger Jahren vor\u00fcbergehend in ein Gleichgewicht.<br \/>\nAndr\u00e9 Ryckmans war, soweit ich bisher wei\u00df, kein gew\u00f6hnlicher belgischer Kolonialbeamter, als Sohn eines Generalgouverneurs, im Kongo geboren, f\u00fcr die Menschen im Kongo sehr engagiert und auch ethnologisch interessiert, innerhalb der Kolonialverwaltung ein Kritiker, der gleich zu Anfang der Wirren des \u00dcbergangs 1960 mit 31 Jahren umgekommen ist. Seine Witwe hat 1995 ein Buch mit Dokumenten und Briefen herausgegeben, das als e-Book erh\u00e4ltlich, aber mir nicht erreichbar ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Link (doc-File): \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Un-territorial-du-Congo-belge-de-Andre\u0301-Ryckmans.doc\">Un territorial du Congo belge de Andre\u0301 Ryckmans<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die von mir \u00fcbersetzten Erinnerungen Genevieves enthalten zun\u00e4chst leicht \u00fcbersehene Zeichen, welche die Idylle etwas abschw\u00e4chen. Von der Kontrolle der D\u00f6rfer und \u00dcberwachung der Felder ist die Rede. Das hatte mit dem erzwungenen Anbau bestimmter Feldfr\u00fcchte zu tun. Doch klingt das Nahrungsangebot in den D\u00f6rfern gut, geradezu verlockend. Wikipedia erw\u00e4hnt auch die Sanktionierung bei ausbleibender Lieferung als Pflicht der Kontrolleure. Der Export von Arbeitskr\u00e4ften in die Plantagen war sicher auch im Distrikt Popokabaka und seinem Sektor Lufuna Thema &#8211; auch wenn der Text \u00fcber Kingoma am anderen Ufer des Kongo berichtet &#8211; Sie lagen schlie\u00dflich nicht weit von den Zentren.<br \/>\nDoch ist im Text bei allem spontanen Paternalismus so etwas wie Respekt und F\u00fcrsorge sp\u00fcrbar. So etwas erleben die Bewohner seit Generationen nicht mehr seitens der Obrigkeiten, h\u00f6chstens bei Ordensleuten und NGOs.<\/p>\n<p>*Der inzwischen strohgelbe\u00a0 Behang meiner Yaka-Masken l\u00e4sst den s\u00fc\u00dfen Geruch von frischem Heu noch ahnen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erz\u00e4hlung seiner Frau Genevieve : AU TERRITOIRE DE POPOKABAKA &#8211; KWANGO &#8211; http:\/\/www.congo1960.be\/WS2009GenevieveRyckmans-Nr127.html<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[244],"tags":[],"class_list":["post-4342","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-20-jh-der-yaka"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4342","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4342"}],"version-history":[{"count":7,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4342\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4361,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4342\/revisions\/4361"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4342"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4342"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4342"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}