{"id":4144,"date":"2016-04-13T19:48:20","date_gmt":"2016-04-13T18:48:20","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4144"},"modified":"2024-02-12T22:19:29","modified_gmt":"2024-02-12T21:19:29","slug":"erweckungsbewegung-1921-und-schwedische-missionare","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4144","title":{"rendered":"Erweckungsbewegung 1921 und schwedische Missionare"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ff0000;\">Da der Beitrag noch immer regelm\u00e4\u00dfig aufgesucht wird, habe ich ihn noch einmal redigiert. 1.Okt. 2017<\/span><\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Versuch, die <em>Kimbangu<\/em><\/strong><strong> Zeugnisse der Missionare des \u201a<strong>Svenska Missionsforbundet, SMF<\/strong>\u2019 zu interpretieren <\/strong><\/span><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Jean-Luc Vellut, ed. : &#8222;Simon Kibangu &#8211; 1921:: de la pr\u00e9dication \u00e0 la d\u00e9portation &#8211; Les Sources&#8220; 2vol. , Fontes Historiae Africanae (ARSOM-KAOW), Bruxelles 2005<br \/>\n<\/strong>&#8211; Seitenagaben aus dem vol.1<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Ich hatte mich gefragt, wieso ausgerechnet schwedische Missionare im Kongo so sehr auf die einheimische Kultur eingingen und die einheimischen Diakone so intensiv einbezogen haben, dass einer von ihnen, Karl Laman, deren traditionelles Wissen auf Kikongo niederschreiben lie\u00df, archivierte und zur Publikation vorbereitete.<!--more--><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Jean-Luc Vellut<\/strong>, Herausgeber von zwei Teilb\u00e4nden Missionstexten \u00fcber den kongolesischen Propheten <strong>Simon Kibangu,<\/strong> gibt zu Beginn einen lesenswerten \u00dcberblick \u00fcber die Protagonisten und ihren geschichtlichen Hintergrund. Es handelt sich um Texte aus protestantischen Archiven, die entsprechenden katholischen Archivbest\u00e4nde blieben \u2013 warum auch immer \u2013 bisher unpubliziert.<\/span><\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Der erste Teilband dokumentiert Berichte aus dem Umkreis des \u201aSvenska Missionsforbundet, SMF<\/strong>\u2019. <\/span><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Auf den Spuren der Livingstone Inland Mission (LIM) machten sich Missionare des SMF ab 1878 auf den Weg einer &#8218;Missionierung ganz Zentralafrikas m\u00f6glichst in einer Generation\u2019.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Der Bund hatte sich gerade erst gegr\u00fcndet \u2013\u00a0 erst 1860 war die\u00a0 Zwangsmitgliedschaft ausnahmslos aller Schweden in der lutherischen Reichskirche gelockert worden, unter der auch Pietisten gelitten hatten. Sie waren <em>Pietisten<\/em> und wie ihre angels\u00e4chsischen Kollegen von hochfliegendem Geist beseelt. Das Kongobecken war seit Livingstone und Stanley das Drehkreuz Afrikas. Und die baldige Wiederkehr Christi lag in der Luft. Es war keine Zeit zu verlieren, die Menschheit sollte endlich zu ihrer Rettung \u201aerwachen\u2019 (I.2, 3-5).<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #000000;\">Wikipedia (anfang April 2016) liefert die folgende kurze Skizze des \u201a<strong>Pietismus<\/strong>\u2019:<\/span><\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><em>Der Pietismus entsprang einem Gef\u00fchl der mangelhaften Fr\u00f6mmigkeit, unzureichender christlicher Lebensf\u00fchrung und dem Drang zur Verifizierbarkeit des pers\u00f6nlichen Glaubens. &#8230;. Der Pietismus versteht sich als eine Bibel-, Laien- und Heiligungsbewegung. Er betonte die subjektive Seite des Glaubens, entwickelte aber auch einen starken missionarischen und sozialen Grundzug. In der pietistischen Praxis haben Konventikel (heute: Hauskreise) mit gemeinsamem Bibelstudium und Gebet oft eine \u00e4hnlich gro\u00dfe oder gr\u00f6\u00dfere Bedeutung als Gottesdienste&#8230;.. Au\u00dferdem betont er das Priestertum aller Gl\u00e4ubigen. Neben Theologen wurden und werden auch Laien ohne akademische Bildung als Prediger gesch\u00e4tzt, als Redner, \u201eredende Br\u00fcder\u201c, in den Hauskreisen.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Dies pr\u00e4gte ihre Mission, aber auch ihre Wahrnehmung der religi\u00f6s-politischen Erweckungs- und Erneuerungsbewegungen in den Kolonien der Franzosen und Belgier am Kongo. Da kamen sie mit ihrem Ansatz zwischen den St\u00fchlen zu sitzen, ebenso als Ausl\u00e4nder wie als pietistische Freikirche auf der\u00a0 Basis einer <em>Vers\u00f6hnung des Menschen mit Gott in einer pers\u00f6nlichen \u201ainneren Bekehrung\u2019 oder Wiederbekehrung zu Gott, die st\u00e4rker durch den Umgang mit der Heiligen Schrift vermittelt sein sollte als die Dogmen einer institutionalisierten Kirche<\/em>. (Vellut: I (I) 3)<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Die kongolesische Seite<\/strong>:<\/span><\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Jean-Luc Vellut schreibt in seiner Einleitung zum zweiten Teilband (II) 1): <em>Entgegen den Klischees der fr\u00fchen Kolonialgeschichtsschreibung schlief Zentralafrika keineswegs nach dem Zerfall der alten Reiche, eingeschlossen in \u201atraditions\u2019 et \u201acoutumes\u2019, sondern blieb immer ein wenig mit den gro\u00dfen Str\u00f6men der globalen \u00d6konomie verbunden. <\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><em>S<\/em>ogar mehr als\u00a0<em> &#8218;ein wenig&#8216;, <\/em>wie Wyatt McGaffey in mehreren Studien gezeigt hat. (ein Link) Auch Jantzen betont f\u00fcr die K\u00fcstenregionen die Verankerung der Religiosit\u00e4t in der politischen Kultur und ihre st\u00e4ndige \u201aNeuerfindung\u2019. Als Gegenspieler traten Familie, die bereits \u00fcber anerkannte Fetische verf\u00fcgten und Priester (N<em>ganga<\/em>) auf. Doch selbst von denen kamen durch pers\u00f6nliche Berufung\u00a0 immer neue ins Spiel. Seit dem 19.Jh. wandten sich christlich inspirierte Bilderst\u00fcrmer gegen die etablierten Machtb\u00fcndnisse.\u00a0 Und da rituelle Objekte als blo\u00dfe <em>Gef\u00e4\u00dfe<\/em> <em>eingefangener <\/em>Geister galten, hat man bei den Bekehrungen und bei Attacken auf den <em>Nganga<\/em> \u201aviel Porzellan zerschlagen\u2019! \u201aFetische\u2019 zu verbrennen war die kleine M\u00fcnze der Revolte. Wir machen uns von der traditionellen Mobilit\u00e4t\u00a0 wie von der Ausbreitung von Massenbewegungen der Afrikaner keine zureichende Vorstellung.<\/span><\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Versuch, die relative N\u00e4he von Missionaren und Missionierten zu beschreiben:<\/strong><\/span><\/h4>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Bei der Lekt\u00fcre der Missionsberichte bekam ich manchmal den Eindruck gleicher Wellenl\u00e4nge zwischen den <em>Bakongo<\/em> und ihren pietistischen \u201aHirten\u2019, doch eingebettet in gegenseitige Missverst\u00e4ndnisse.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">F\u00fcr beide war die pers\u00f6nliche Berufung durch Zeichen zu nennen, die einen jederzeit treffen konnte.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Der spirituelle Aspekt der \u201aReinheit\u2019 verdient n\u00e4here Beachtung! Nicht auf leicht erlernbare dogmatische Rechtgl\u00e4ubigkeit, sondern auf authentische Glaubens\u00fcberzeugung sollte es ankommen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Wenn man sich von Geistern umgeben wei\u00df, liegt nicht nur die Bereitschaft nah, auf Geister zu h\u00f6ren, auch Besessenheit (durch gute und b\u00f6se Geister) und Exorzismus. Auch in der Welt Kimbangus fand die <em>Pr\u00fcfung<\/em> der Geister als Konfrontation der Geister statt. \u00a0Das christliche Konzept von Satan und des R\u00fcckfalls in die\u00a0 \u201aS\u00fcnde\u2019 bot sich als Anschluss an. Es ging darum, sich dem \u201aguten\u2019 Geist zu \u00f6ffnen und mit seiner Unterst\u00fctzung die \u201aschlechten\u2019 loszuwerden. Sowenig man die Geister, die man rief, oder die einen vielmehr riefen und okkupierten, betr\u00fcgen konnte, so wenig war \u201aGott\u2019 zu betr\u00fcgen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">In all den geschilderten Szenen der Begeisterung und Besessenheit des Jahres 1921 interessierten sich die Missionare auff\u00e4llig stark f\u00fcr die Gr\u00fcnde des Zitterns, H\u00fcpfens und Rufens. Sie versuchten spontan Einsch\u00e4tzungen, aber waren auch genervt. Sie versp\u00fcrten Angst, wenn sie ihre Sch\u00fctzlinge ganze N\u00e4chte lang in der Kirche allein toben lie\u00dfen und wussten, dass sie davon ausgeschlossen waren. Dabei stand f\u00fcr die Mission immer die innere Tatseite, \u201adas Gewissen\u2019, im Mittelpunkt. Man konnte bei \u201aR\u00fcckfall in die S\u00fcnde\u2019 auch wieder ausgeschlossen werden, aber auch sp\u00e4ter erneut aufgenommen werden.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_5036\" style=\"width: 567px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a style=\"color: #000000;\" href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Vellut-FHA-2005-S.Kimbangu-1_0001.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5036\" class=\"size-large wp-image-5036\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Vellut-FHA-2005-S.Kimbangu-1_0001-557x900.jpg\" alt=\"Vellut FHA 2005 Simon Kimbangu vol.1\" width=\"557\" height=\"900\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Vellut-FHA-2005-S.Kimbangu-1_0001-557x900.jpg 557w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Vellut-FHA-2005-S.Kimbangu-1_0001-223x360.jpg 223w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Vellut-FHA-2005-S.Kimbangu-1_0001-624x1008.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Vellut-FHA-2005-S.Kimbangu-1_0001.jpg 727w\" sizes=\"auto, (max-width: 557px) 100vw, 557px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5036\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #000000;\">Vellut FHA 2005 Simon Kimbangu vol.1<\/span><\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Wer von den Dorfbewohnern vielleicht \u201aChrist\u2019 geworden war in der Hoffnung, Schutz zu finden, vor der Kolonialmacht, vor Zwangsarbeit und Kopfsteuer, war rasch entt\u00e4uscht. In solch aufgeregten Zeiten schienen die Menschen immer auf dem Sprung zu sein, von einem Erleuchteten oder Messias Erl\u00f6sung von den \u00dcbeln des Lebens zu erbitten. Sie sammelten\u00a0<\/span> <span style=\"color: #000000;\">Informationen und Ger\u00fcchte auf dem Weg zum Markt auf, wo man seine Palmn\u00fcsse anbot\u00a0 (a.a.O. 59). Vielleicht verrieten sie sogar ihre sozialen Pflichten und folgten ihm.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Sprache und Situationen der Evangelien und Psalmen sind in den Schilderungen dieser Dokumentation immer wieder ganz nah! Im Bas-Congo von 1921 h\u00e4tte ein Pasolini seinen Film \u201aDas 1. Evangelium nach Matth\u00e4us\u2019 (1966) drehen k\u00f6nnen!<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">\u201a<em>Der Umgang mit der Heiligen Schrift&#8216; <\/em>erlaubte eine neue \u201achristliche\u2019 Sicht auf das Leben in Unfreiheit und Not. Und die Bedr\u00fcckung durch die fremde Obrigkeit und ihre Schergen tritt an vielen Stellen in den Missionarschroniken <\/span><span style=\"color: #000000;\">zutage <\/span><span style=\"color: #000000;\">&#8211; wenn auch disket angedeutet.\u00a0 Bibel und evangelische Kirchenlieder des 17. Jahrhunderts boten den Menschen eine bildkr\u00e4ftige Sprache f\u00fcr die Deutung ihrer Lage. Daran konnten sich auch die S\u00e4nger der Bewegung der Propheten inspirieren. Ein Lied wird im Band dokumentiert.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Der Grat zwischen \u201aechten\u2019 und \u201afalschen Propheten\u2019 war schmal, zwischen den vom <em>Heiligen Geist<\/em> Ergriffenen und den\u00a0 &#8218;Hasspredigern&#8216;, ja <em>r\u00e9volutionnnaires<\/em> (45). Die Katecheten suchten unter dem Dach der Mission zweifellos die eigene <\/span><span style=\"color: #000000;\">Befreiung, <\/span><span style=\"color: #000000;\">spirituell oder auch politisch. Einzelne standen 1921 antikolonialen \u201aPropheten\u2019 wie Kimbangu zur Seite, wie Bahelele N. Jacques hervorhebt. (59ff.) Gemeinsam im Team mit den \u201aS\u00e4ngern\u2019 versetzten sie die \u201aPropheten\u2019 erst in die Lage, aufzutreten. Und in der Bev\u00f6lkerung\u00a0 sorgten sie f\u00fcr deren guten Ruf. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">F\u00fcr die Seite der Kolonialherrschaft waren die Unterschiede zwischen \u201aechten\u2019 und \u201afalschen Propheten\u2019 ohnehin egal:\u00a0 Wurden Kathecheten doch ebenfalls geschlagen und in Ketten gelegt und vielleicht exiliert. Die Mission konnte wenig f\u00fcr sie tun, sie stand als Brutst\u00e4tte selber in Verdacht. Zwar zeigte das Dazwischentreten oder die Vermittlung der Wei\u00dfen manchmal Wirkung. Dazu geh\u00f6rte <\/span><span style=\"color: #000000;\">auf Seiten der Missionare<\/span><span style=\"color: #000000;\">\u00a0 Mut\u00a0 und sie mussten ihren Sch\u00fclern und Schutzbefohlenen vertrauen und sich mit ihnen solidarisch f\u00fchlen. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die neuen einheimischen Religionslehrer (Katecheten) standen ja mit beiden Seiten in enger Verbindung. Das war ein Problem f\u00fcr die schwedischen Missionare ohne den R\u00fcckhalt des belgischen Staates. An den Schriften unterschiedlicher SMF-Missionaren kann man deren innerer Widerstreit ablesen.<\/span><\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #000000;\">Modernisierung der Kolonisierten ohne Emanzipation<\/span><\/h4>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Mission bot\u00a0 engagierten jungen Leuten <\/span><span style=\"color: #000000;\">au\u00dferhalb des Einflusses der &#8218;traditionellen&#8216; Eliten eine <\/span><span style=\"color: #000000;\">Ausbildung, aber auch Diskussionen, Denkraum und Probeb\u00fchne\u00a0 im Schutz neuer Autorit\u00e4ten, sie bot erweiterten Horizont durch das Reisen zwischen den Stationen, einen alternativen Weg zu praktischer gesellschaftlicher Verantwortung (au\u00dferhalb des Klans). Auf der anderen Seite lie\u00dfen Missionare-Ethnologen wie Karl Laman und andere ihre afrikanischen Assistenten in Texte in <em>Kikongo<\/em> Zeugnis von ihrer &#8218;traditionellen&#8216; Kultur ablegen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die Staatsmacht hatte Angst vor Seelenf\u00fchrern, wie vor jeder Elite, die sie nicht total kontrolliert oder total indoktriniert hatte. Und sie war sich nie sicher. Sie kannte ja nicht den geistigen Hintergrund ihrer schwarzen Diener, und im Kongo nicht einmal ihre Sprache, erst recht nicht, was wirklich in deren K\u00f6pfen vorging. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die staatsloyale katholische Mission wollte sich auf erwachsene Konvertiten gar nicht erst einlassen, sondern kleine Kinder unter ihre Kontrolle bringen. Die Rollenverteilung mit der patriarchalisch auftretender Kolonialverwaltung entsprach der f\u00fcr das alte Europa typischen Linie, einer Verbindung harter Repression und mittelalterlicher \u00c4ngstigung der Seelen. Beide hatten Angst vor jedem \u201aFieber\u2019, vor allem was das Ma\u00df der \u201a<em>Vernunft<\/em>\u2019 \u00fcberschritt und die tr\u00fcgerische \u201a<em>Ruhe<\/em>\u2019 bedrohte.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Wenn die Theorie stimmt, dass Desillusionierung \u00fcber erwartete Aufstiegschancen Menschen politisch radikalisiert (FAZ \u00fcber den Terroristen Atta und Co.), so hatten die einheimischen Lehrer und Prediger im Kongo jeden Grund dazu. Denn sobald sie schlie\u00dflich durch den &#8218;Lieferanteneingang&#8216; \u2013 als <em>\u00e9volu\u00e9s<\/em> &#8211; in die exklusive Welt des Wei\u00dfen gelangten, blieb der europ\u00e4ische Kolonisator Rassist und trieb dem\u00fctigende Apartheid. (<a style=\"color: #000000;\" href=\"http:\/\/www.scilogs.de\/die-sankore-schriften\/der-lebensstil-instrument-belgisch-kongo\/ )\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a>)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da der Beitrag noch immer regelm\u00e4\u00dfig aufgesucht wird, habe ich ihn noch einmal redigiert. 1.Okt. 2017 Versuch, die Kimbangu Zeugnisse der Missionare des \u201aSvenska Missionsforbundet, SMF\u2019 zu interpretieren Jean-Luc Vellut, ed. : &#8222;Simon Kibangu &#8211; 1921:: de la pr\u00e9dication \u00e0 la d\u00e9portation &#8211; Les Sources&#8220; 2vol. , Fontes Historiae Africanae (ARSOM-KAOW), Bruxelles 2005 &#8211; Seitenagaben [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[251,256],"tags":[],"class_list":["post-4144","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kongo-ins-herz-der-finsternis","category-minkisi-projekt-loango-mayombe"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4144","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4144"}],"version-history":[{"count":13,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4144\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14503,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4144\/revisions\/14503"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4144"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4144"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4144"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}