{"id":3866,"date":"2015-12-09T23:06:37","date_gmt":"2015-12-09T22:06:37","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=3866"},"modified":"2025-12-25T18:20:06","modified_gmt":"2025-12-25T17:20:06","slug":"dor-bahadur-bista-und-der-fatalismus-annaeherung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=3866","title":{"rendered":"Dor Bahadur Bista und der Fatalismus. Ann\u00e4herung"},"content":{"rendered":"<h4 style=\"text-align: center;\">12. November 2015\u00a0\u00a0 Thema: Nepal, Perspektiven der Unterentwicklung,<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/h4>\n<h4>Liebe Teilnehmer des Seminars,<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Sie waren vielleicht klug, diesen Arbeitsauftrag liegen zu lassen, ich habe das erst im Laufe der Arbeit bemerkt. Meine Textgrundlage ist der Aufsatz des britischen Anthropologen <a href=\"http:\/\/www.alanmacfarlane.com\/\">Alan Macfarlane<\/a> mit dem Titel <strong><em>Fatalism and Development<\/em><\/strong> in der <em><strong>Cambridge Anthropology no.1 1990, S.13-37<\/strong><\/em>. Er tr\u00e4gt den gleichen Titel wie das wenige Wochen zuvor in Indien erschienene <strong>Buch des prominentesten Anthropologen Nepals <\/strong>Dor Bahadur Bista. In den \u00fcber<em> Amazon<\/em> zug\u00e4nglichen Ausgaben des Buchs steht als Erscheinungsdatum September 1991, und ein l\u00e4ngeres empfehlendes Zitat Macfarlanes steht vorn auf dem Umschlag. Eine konzertierte Aktion? War der Aufsatz ein Rettungsversuch f\u00fcr das in Nepal h\u00f6chst kontroverse Buch \u00fcber die Ursachen der Nicht-Entwicklung Nepals?<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr den Leser besteht das Problem, dass Macfarlane\u00a0 Bahadur Bistas Buch in seine eigene wissenschaftliche Argumentation einbaut und als normale wissenschaftliche Studie behandelt. Dabei war es mehr: ein Essay, eine Streitschrift, ein Testament. Macfarlane widmet dem Buch die ganze zweite H\u00e4lfte seines Textes (14 von 24 S.). Wir lesen aber immer zugleich Macfarlane, wenn wir Bista lesen. Ich pers\u00f6nlich kann das Buch aus dem Aufsatz nicht wirklich rekonstruieren und \u00fcberlege ernsthaft, es mir anzuschaffen. Und Sie haben das Problem, dass Sie die Informationen dar\u00fcber auch noch von mir gefiltert bekommen. Trotz der K\u00fcrze der Zeit versuche ich das ein wenig auszugleichen.<\/h4>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Wer war Dor Bahadur Bista?<\/h3>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">1928 geboren als ein Mitglied der Kathmandu-Elite, in einer m\u00e4chtigen Familie der Chetri-Kaste, hat er eine Biografie voller Erfolge: in den 50er Jahren die praktische Einf\u00fchrung in die Anthropologie an der Hand von Christoph v. F\u00fcrer-Heimendorf, Studium an der London University, das er nicht abschlie\u00dft, unabh\u00e4ngige Feldstudien in ganz Nepal. <a href=\"http:\/\/www.mandalabookpoint.com\/main_details.php?sid=95&amp;cat=\">\u201a<em>People of Nepal<\/em>\u2019<\/a> 1967 wird das Standardwerk, er erh\u00e4lt die erste Professur f\u00fcr Anthropologie in Kathmandu, hat das Vertrauen der K\u00f6nige Mahendra \u2013 dem Modernisierer Nepals (einem erkl\u00e4rten Gegner der Kasten) und Birenda, die ihn beide mit Verantwortung betrauen, u.a. als Generalkonsul in Lhasa ab 1972. Mit 62 Jahren ver\u00f6ffentlicht er das Buch \u201a<em>Fatalism and Development<\/em>\u2019 in der erkl\u00e4rten Absicht (Interview), &#8218;eine Debatte zu provozieren&#8216; und die Verh\u00e4ltnisse zum Tanzen zu bringen (<em>to shake-up<\/em>). Es bedeutet einen tiefen Einschnitt, bringt ihn in direkte Konfrontation mit Mitgliedern seiner Familie und dem K\u00f6nigshof. Er zieht sich nach<em> Jumla<\/em> im Nordwesten, in einen r\u00fcckst\u00e4ndigen und kulturell \u00e4u\u00dferst konservativen Bezirk zur\u00fcck, gr\u00fcndet dort sein &#8218;Karnali Institut&#8216; und im Dorf <em>Chaudabisa<\/em> eine kastenfreie Modellkommune. Er macht sich die lokalen Eliten zum Feind, u.a. als er die Sitte der Strafzahlung<em> jari<\/em> bei b\u00f6swilligem Verlassen durch die Ehefrau abschaffen will, er wird Ziel von Hetzkampagnen und schlie\u00dflich wegen unmoralischer Beziehung mit einer jungen Frau verleumdet. Wenige Wochen danach flieht er mit unbekanntem Ziel, und taucht nie wieder auf. Am Ende sitzt er zwischen allen St\u00fchlen. Als ein Jahr sp\u00e4ter Maoisten nach <em>Jumla<\/em> kommen, verw\u00fcsten sie seine winzige Wohnung und verbrennen alle seine B\u00fccher. (Nepali Times) Seither kursierten Ger\u00fcchte \u00fcber seine Ermordung! 1998 will ihn ein Pilger als Sadhu in Indien getroffen und gesprochen haben. Erst nachher habe er ihn auf alten Illustriertenfotos wieder erkannt. Der Artikel <a href=\"http:\/\/nepalitimes.com\/news.php?id=11101#.VkXL8ns_eMK\">\u201a<em>Dor Bahadur Alive\u2019<\/em><\/a> erscheint in der <em>Nepali Times<\/em> im Juli 2000. <em>Dor Bahadur alive<\/em> &#8211; Warum nicht? Man kann es so sehen: Er hat sich 1991 und 1995 mit Paukenschlag von seiner patriotischen Pflicht verabschiedet Der Redakteur der <em>Nepali Times<\/em> spricht auch davon, dass er herumzuziehen liebte &#8211; ich denke an die unabh\u00e4ngigen Feldforschungen \u00fcberall in Nepal. Er war ein Pionier, kein Akademiker. Seine Karriere gr\u00fcndet auf breitesten deskriptiven Studien. Heute ist er als Vater der nepalesischen Anthropologie anerkannt, aber seine Verurteilung des Hinduismus l\u00f6st immer noch Emp\u00f6rung aus. Im April 2015 kam ein Dokumentarfilm &#8218;<em>Looking for Dor Bahadur Bista<\/em>&#8218;\u00a0 heraus, der in der <em>Nepali Times<\/em> ausf\u00fchrlich besprochen wurde. *Der Filmrezension folgten ein Dutzend Blogbeitr\u00e4ge*. Interessant sind vier substantielle Beitr\u00e4ge aus hinduistisch religi\u00f6ser Position. Sie urteilten sehr differenziert, einer warf ihm gleichwohl vor, sich als entwurzelter ein\u00e4ugiger &#8218;Brauner Sahib&#8216; zu verhalten. Der andere fragt: <em>too much of Snellgrove or Haimendorf?<\/em> \u2013 Bistas intellektuelle Biografie finde ich \u00e4u\u00dferst interessant. Wer schreibt sie? Gibt es sie schon?\u00a0 (<span style=\"color: #ff0000;\">*Die Links sind 2025 tot, aber youtube z.B. bietet un\u00fcbersichtlich einiges an Material.<\/span>)<\/h4>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Nun zur Argumentation Bistas , gefiltert von Macfarlane.<\/h3>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">\u00a0Fatalismus und Kaste<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Im Kern eines \u201aKomplexes von Faktoren\u2019 (24), die Nepals Entwicklung behindern, sieht Bista zwei inter-agierende Prinzipien: Fatalismus als Haltung, und die Kaste. (25)<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Fatalismus ist die Wurzel des Problems (<em>the root cause of the problem<\/em>, 24). Bista lokalisiert ihn in der <em>Bahun (Brahmin) \u2013 Chhetri<\/em>-Minorit\u00e4t, die Kathmandu und andere St\u00e4dte beherrscht. (24f.) Macfarlane ist nicht ganz wohl bei der Identifizierung im Bahunismus beziehungsweise Braminismus: <em>Bista is not talking about the majority of Brahmins, hard-working farmers, (&#8230;) who work alongside with other ethnic groups in apparent harmony. It is a small stratum, which also includes higher-class Chetris and some Shreshta Newars and Thakuris, of whom he is writing<\/em>. (29)<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Fatalismus versteht Bista als Komplex von Einstellungen: <em>Fatalism as belief partly arises from the hindu notion of Karma. ( 25 ) It is not intrinsic to Nepal &#8211; Native Hinduism has not included fatalism<\/em>. Er sei mit der Rana-Dynastie 1854 gekommen und durchziehe nun alle Teile der Elite mit den <em>anti-practical non-work .. ideals of the Brahmin priests &#8230; In Brahmin belief, the material world is \u201amaja\u2019, an illusion, hence \u201cthere is no dignity in labour.<\/em>\u201c Durch das Bildungswesen werde diese Einstellung <em>secularized and re-directed<\/em>, sodass als Karriereziel im modernen Nepal jedermann versuche, einen <em>Jagir<\/em> zu ergattern, einen Posten im \u00f6ffentlichen Dienst, der m\u00f6glichst wenig Arbeit macht und m\u00f6glichst viel einbringt. (25)<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Damit sind wir bei der \u201aHierarchie oder \u201aKaste\u2019 (25), die mit dem Fatalismus inter-agiert. Ein System institutionalisierter Kriecherei (<em>sycophancy<\/em>) sei ebenso von der <em>Rana<\/em>-Dynasie eingef\u00fchrt worden. (26) Bista nennt die damit verbundene Haltung <em>Chakari<\/em> und erkl\u00e4rt sie religi\u00f6s: <em>originally \u201ato wait upon, to serve, or to seek favour from a god\u2019<\/em>. Er benutzt dann diese Metapher s\u00e4kularisiert f\u00fcr ein weit verbreitetes Ph\u00e4nomen: Die hierarchische Mentalit\u00e4t. Sie produziert Kriecherei (26), wobei man die in der Hierarchie unter einem Stehenden missachtet, verachtet. Chakari sei ein \u201a<em>built-in guarantor of incompetence, inefficiency and misplaced effort<\/em>\u2019. (26) Er f\u00fcgt hinzu: <em>as in all despotisms &#8230; whether in Rome or Versailles<\/em>. Macfarlane spricht von Patron-Klient-Beziehungen, die weltweit dokumentiert sind. Bista vergisst aber nicht eine lokale religi\u00f6se Erkl\u00e4rung des Fatalismus: alles geschieht wie es soll. (26)<\/h4>\n<h4>Hinter der Fassade moderner B\u00fcrokratie im Nepal versteckt, verhindere das <em>Chakari<\/em> ihre Weiterentwicklung zu einer Max Weberschen \u201arationalen\u2019 B\u00fcrokratie.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Definition f\u00fcr die \u201arationale B\u00fcrokratie\u2019 aus dem Netz (Uni Wien): \u201eLosgel\u00f6st von der Person vollzieht sie sachlich und transparent gesatzte Regeln und ist dadurch f\u00fcr alle vorhersehbar. Sie ist \u00fcberpr\u00fcfbar und beschr\u00e4nkt sich auf die Exekution von Regeln und Sachgesetzen. (&#8230;) Empfindungen wie Liebe, Hass, Mitgef\u00fchl etc. werden ausgeschaltet.\u201c<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Das <em>Chakari<\/em> wird auf der horizontalen Achse erg\u00e4nzt durch <em>afne mancche<\/em>, die scharfe Unterscheidung zwischen &#8218;ihnen&#8216; und &#8218;uns&#8216;. Wir, das ist ein Kreis von Leuten, auf den man sich verlassen kann, organisiert in <em>Rotary Clubs, Leo Clubs, Lions Clubs<\/em>. Nur mit ihrer Hilfe lassen sich eigene Interessen ohne Reibungsverluste verfolgen. Den &#8218;anderen&#8216; gegen\u00fcber hat man keine Verpflichtungen, keine Verantwortung. Sie sollte man t\u00e4uschen (<em>deceive<\/em>), sie t\u00e4uschen einen doch auch. (27)<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Bista stellte in seinem Buch die Wirkung dieser Kombination von Fatalismus, Hierarchie, H\u00f6flingsmoral und der Unterscheidung \u201avon uns und ihnen\u2019 dar in den Bereichen Erziehung, Politik und Regierungsapparat, sowie in der Auslandshilfe. \u00dcberall kannte er sich blendend aus. Er hatte dabei die Erfahrung gemacht, <em>that an attempt to bypass it or eliminate it is treated as an act of social d\u00e9viance<\/em>, so etwas wie asoziale Verirrung (27) .<\/h4>\n<h3>Unt\u00e4tigkeit<\/h3>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Wichtigste Wirkung: Die Unt\u00e4tigkeit der B\u00fcrokratie\u201a verschleiert durch eine ritualisierte Verwendung von Meetings, Konferenzen und Seminaren\u2019. Bista stellt eine Regel auf \u2013 Je h\u00f6her die Position, desto weniger entscheidet man. Zitat: <em>As the level of responsibiliy increases within the administration, the fewer the decisions actually made. Making decisions can be a risky business &#8230; In a fatalistic society people are not thrown out for not making decicions but for making bad decisions&#8230; People do not really expect things to happen &#8230;. But doing something means taking responsibility for it<\/em>. (27unten) Eine Methode der Vermeidung ist, die Entscheidung in der Hierarchie von Ebene zu Ebene nach oben weiterzureichen, und vielleicht dann wieder nach unten. (28)<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Ist das speziell nepalesisch? Nein. Emp\u00f6rend? Ja. Die Konsequenzen kann man sich fast denken, etwa:<\/h4>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>\n<h4>Wer im Ausland alternative Systeme gesehen hat, wird nach der R\u00fcckkehr bald resignieren und in der Regel zum Zyniker. (28)<\/h4>\n<\/li>\n<li>\n<h4>In der Entwicklungshilfe wird nur der ausl\u00e4ndische Partner aktiv \u2013 wie ein &#8218;\u00dcbervater, so Bista.<\/h4>\n<\/li>\n<li>\n<h4>Weil der nepalesische Mitarbeiter von Kathmandu aus operiert und sich dorthin orientiert, interessiert er sich nicht f\u00fcr das Wohlergehen von D\u00f6rflern an abgelegenen Orten. Sie werden zu keinem Zeitpunkt einbezogen. (28) Der Verwaltungsapparat verschlingt ohnehin den Gro\u00dfteil der eingesetzten Mittel. (28)<\/h4>\n<\/li>\n<li>\n<h4>Um die Vorgaben der F\u00fcnfjahresplan-Kommission k\u00fcmmert sich kaum einer (28), denn am Ende mischen auch noch die <em>local patronage networks<\/em> mit. u.s.w., u.s.w.<\/h4>\n<\/li>\n<\/ol>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Bista f\u00fchrt das verantwortungslose Verhalten der Elite individualpsychologisch auf einen laxen Erziehungsstil und die Unterdr\u00fcckung der Frauen in diesen Kreisen zur\u00fcck. (29) Macfarlane gibt zu bedenken: Ein laxer Erziehungsstil sei unter vielen Ethnien in Nepal \u00fcblich. Bista behauptet, <em>Brahmin<\/em>-Muster h\u00e4tten 150 Jahre die Ethiken und die Haltungen der Mehrheit ,unter sich begraben\u2019 (<em>submerge<\/em>), diese st\u00fcnden aber \u201aden protestantischen Werten harter Arbeit, Ehrlichkeit, Gleichheit und verinnerlichtem Gewissen (<em>internalised conscience<\/em>) viel n\u00e4her\u2019. Er beschreibt die Fr\u00fcchte einer Gewissensbildung so: <em>to teach people to accept responsability for their failures or to accept defeat with dignity and grace<\/em> (Anstand, 25).<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Macfarlane wirft ihm vor, nicht-Brahmin-Gruppen zu idealisieren und erkl\u00e4rt das aus zwei Motiven Bistas: Erstens benutze er sie als Stock, um die <em>Bahuns<\/em> zu schlagen. Zweitens sehe er in diesen ethnischen Gruppen eine Alternative zu der gegenw\u00e4rtigen verheerenden Tendenz.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Das kritisiert Macfarlane als \u201a<em>over-simple<\/em>\u2019, dazu seien die \u00dcbel viel zu weit verbreitet. Er macht in diesem Zusammenhang auf ein von Bista diagnostiziertes \u00dcbel aufmerksam, eine &#8217;neue Ich-Bezogenheit unter dem Druck westlicher Lebens- und Konsummodelle&#8216; (31\/32). Macfarlanes wichtigster Einwand passt dazu: Jeder, der sich mit anderen sich entwickelnden Gesellschaften, ob in Asien, Afrika oder Lateinamerika besch\u00e4ftige, begegne sehr vielen identischen Z\u00fcgen, erst Recht im Blick auf Indien. Zitat: <em>Much of the educational,, political and bureaucratic system of Nepal is modelled on India<\/em>. (35) Schlie\u00dflich kritisiert er Bistas Erwartung eines bevorstehenden Kollaps des Landes. In \u00e4hnlichen L\u00e4ndern, behauptet Macfarlane summarisch, seien nach dem Zweiten Weltkrieg doch auch \u201aWunder\u2019 geschehen. Er nennt Japan, Singapur Hongkong, Taiwan, Thailand \u2013 warum also nicht in Nepal? Bewusstseinswandel? Rahmenbedingen in einer schnell sich wandelnden Welt? Verschiebung der Machtverh\u00e4ltnisse? Er verweist auf das (damals!) aktuelle pl\u00f6tzliche Ableben des Kommunismus. (35)<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">\u00a0Macfarlane bilanziert den wissenschaftlichen Ertrag dieses Buchs: <em>It will be tempting to dismiss Bistas work<\/em><span style=\"text-decoration: underline;\">.<\/span> (35) Und nimmt das Wort gleich zur\u00fcck. Nein, Bistas Gedanken, seine Sorge um Nepal, sein Zorn \u00fcber unn\u00f6tiges Leid und die verd\u00fcsterte Zukunft sollten geh\u00f6rt werden so wie der Zorn anderer Individuen, die Nepal lieben! Er schlie\u00dft mit dem Bekenntnis: <em>Nepal\u2019s fate is all our fate<\/em>. (36)<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Spontan macht mir der Aufsatz Macfarlanes den Eindruck, er sei nicht 1990, sondern aus heutiger Sicht geschrieben! Vier Jahre sp\u00e4ter begann bereits der B\u00fcrgerkrieg in Nepal, der in eine politische Revolution m\u00fcndete! Und warum sollte das Land nicht heute eine gr\u00f6\u00dfere\u00a0 Chance haben, warum die Ressourcen des Landes immer weiter verschwendet werden?\u00a0 Ich denke auch an die Diaspora und Remigranten.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Mit einer Frage an die Gegenwart m\u00f6chte ich schlie\u00dfen: In 3sat gab es am 6. November eine Sondersendung von Makro \u201aNepal, ein halbes Jahr nach dem Beben\u2019, in der selbstverst\u00e4ndlich kritisiert wurde, dass die Maidashi wochenlang die Grenz\u00fcberg\u00e4nge blockierten und dass von der Regierung \u201a4,1 Mrd. $ an UN-Hilfsgeldern nicht abgerufen wurden\u2019. Frage: Vielleicht ist es wirklich wichtiger, die politische Verfassung neu zu justieren als wieder Milliarden \u201aAufbauhilfe\u2019 in den Sand zu setzen. Und: Droht sich das Zeitfenster f\u00fcr die Maideshi f\u00fcr ihre Forderung einer eigenen Provinz nicht zu schlie\u00dfen? Wann werden die Provinzgrenzen wieder reformiert werden? Wei\u00df jemand, welche wichtigen Gr\u00fcnde denn f\u00fcr ihre Verteilung auf gleich drei Verwaltungsbezirke sprechen? (Der Dozent: Gefahr der Sezession bei eigener Provinz!)<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">\u00a015.12.2015<br \/>\nIch habe mir &#8218;<em>People of Nepal<\/em>&#8218; ausgeliehen (sehr lesbares Englisch) und &#8218;<em>Fatalism and Development<\/em>&#8218; im Netz bestellt. Gut drei Wochen brauchte die Lieferung aus Amerika (Deal-DE). Das Buch entsch\u00e4digt f\u00fcr das Warten.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">&#8218;<em>Brown Sahib<\/em>&#8218;?<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Die \u00dcberraschung beginnt bereits mit den Danksagungen. Die <em>Toyota-<\/em>Stiftung und die <em>Ford-<\/em>Stiftung gew\u00e4hrten dem Autor finanzielle Unterst\u00fctzung. <em>Ford<\/em> bezahlte einen halbj\u00e4hrigen Aufenthalt an der <em>University of California, Berkeley<\/em>. F\u00fcr die Fertigstellung des Manuskripts war er f\u00fcr ein Vierteljahr Gast an der <em>Cambridge University<\/em>. Hier unterst\u00fctzte ihn bereits <em>Alan Macfarlane<\/em>, dann noch einmal in Nepal bei der Schlussredaktion &#8211; Eine nicht unproblematische Umgebung, wenn man bedenkt, wie brisant das Thema in Nepal war! Gewiss w\u00e4ren die Dokumente um die F\u00f6rderungen, die Korrespondenzen, Antr\u00e4ge und Begr\u00fcndungen interessant! Wenigstens eines wird nach der Lekt\u00fcre des Buches und der erneuten Lekt\u00fcre seiner &#8218;Rezension&#8216;\u00a0 vielleicht klarer: die Doppelrolle Macfarlanes vor und nach der Publikation.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Bereits als Buchobjekt ist das Kalkutta gedruckte schmale Buch etwas Besonderes. Sein \u00e4u\u00dferst stabiler Einband schlie\u00dft 187 gro\u00df bedruckte Seiten auf ganz d\u00fcnnem Papier ein. Es ist erst recht etwas Besonderes, wenn man wei\u00df, dass man das \u00f6ffentliche Testament dieses engagierten Mannes in H\u00e4nden h\u00e4lt und den Preis kennt, den er bezahlt hat.<\/h4>\n<p>P.S.<\/p>\n<p>Das Schlimme ist, dass\u00a0 von gelegentlichem Katastrophendonner unterbrochen, es immer irgendwie weiter geht und begleitet wird vom Singsang der Politiker und Propagandisten und nat\u00fcrlich der ausl\u00e4ndischen Helferorganisationen. Wer sind da die Quacksalber? Am wenigsten die Dorfschamanen!\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 13.2.16<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Nachtrag : Kontext des Referats<\/strong><\/p>\n<p>Das Ethnologie-Seminar an der Goethe-Universit\u00e4t besuchte ich, um das V\u00f6lkermosaik &#8222;Nepal&#8220; besser zu durchschauen. Ich wurde entt\u00e4uscht, denn Zeitmangel und der Erwerb pr\u00fcfungsgerechter Punkte entsprechend des halben Dutzends angebotener Studieng\u00e4nge dominierten. Im zweiw\u00f6chigen Abstand wurden freitags am Nachmittag\u00a0 die Veranstaltungen vierst\u00fcndig durchgezogen. Und der Privatdozent beaufsichtigte blo\u00df die Kurzreferate der Studenten. &#8211; Das Referat durfte ich nur zehn Minuten lang vortragen, aber immerhin vollst\u00e4ndig an die Anwesenden austeilen.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>12. 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