{"id":3716,"date":"2015-11-01T11:04:19","date_gmt":"2015-11-01T10:04:19","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=3716"},"modified":"2015-11-04T00:29:11","modified_gmt":"2015-11-03T23:29:11","slug":"mamiwata","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=3716","title":{"rendered":"MAMIWATA&#8230;.. und Fragen des Stils"},"content":{"rendered":"<h6 style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/FaroMamiwata_IMG_3237.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-3742\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/FaroMamiwata_IMG_3237-1024x767.jpg\" alt=\"Faro:Mamiwata_IMG_3237\" width=\"625\" height=\"468\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/FaroMamiwata_IMG_3237-1024x767.jpg 1024w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/FaroMamiwata_IMG_3237-300x225.jpg 300w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/FaroMamiwata_IMG_3237-624x468.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/FaroMamiwata_IMG_3237.jpg 1300w\" sizes=\"auto, (max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><span style=\"color: #ff0000;\">2x anklicken!<\/span><\/h6>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong>VON DER GEMEINSCHAFTSORIENTIERUNG ZUM INDIVIDUELLEN GL\u00dcCK<\/strong><\/h3>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">In den ausufernden St\u00e4dten am Atlantik, wo M\u00e4nner wie Frauen st\u00e4ndig um \u00dcberleben und Gl\u00fcck k\u00e4mpfen m\u00fcssen, entwickelten sich auf den Ruinen traditioneller Religiosit\u00e4t neue Kulte \u2013 <em>Voodoo<\/em> &#8211; die das individuelle, ja egoistische Gl\u00fcck zu bef\u00f6rdern versprechen. Ihre Priester und Priesterinnen rekrutieren sich aus Individuen, deren Berufung an Krankheiten und Visionen erkannt wird. Sie treten in die Gemeinschaft eines Tempels ein.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Man kann auch blo\u00df Anh\u00e4nger eines Gottes werden und seinen Dienern nach Kr\u00e4ften Spenden geben.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Von Sierra Leone im Westen bis zum Kongo im S\u00fcden wird MAMI WATA seit dem zwanzigsten Jahrhundert als eine Art panafrikanische Meeresg\u00f6ttin verehrt. Ihre Begr\u00fcnder haben lokale Kulte um Nixen und Sirenen einbezogen, was dem Mami-Wata-Pantheon so viele g\u00f6ttliche Inkarnationen beschert wie es uns aus dem G\u00f6tterhimmel der Hindu bekannt ist. Der Kult entwickelt sich dynamisch weiter und w\u00e4chst auch unter Afrikanern in der Diaspora &#8211; Brasilien, Haiti, Europa. Dank Internet neuerdings dar\u00fcber hinaus.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Frauen bilden den Kern des Milieus um Mami Wata. St\u00e4dterinnen in prek\u00e4ren Verh\u00e4ltnissen f\u00fchlen sich verst\u00e4rkt angezogen. Bruce Sonde, eine durch Visionen berufene Autodidaktin, die in Cotonou (Benin) Tempelw\u00e4nde ausmalt, beschreibt ein solches Bild und dabei ihre Tr\u00e4ume.<em><br \/>\n<\/em><\/h4>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><em>Densu, ein m\u00e4nnlicher papi wata, ist so reich , dass er Schuhe aus purem Gold tr\u00e4gt. Die Sirene Mami Apouke ist eine Prostituierte. Sie h\u00e4ngt in Bars und Nachtclubs herum, raucht, trinkt, nimmt einen Mann nach dem anderen. Sie liebt Tanz und Musik, inspiriert Musiker. Sie ist sehr reich, besitzt Alles, wie Autos und mehrst\u00f6ckige H\u00e4user. \u00dcbrigens, wer von diesem Geist besessen ist, wird nie geb\u00e4ren oder Kinder haben. Zu seiner Linken ist Ajapa, der Krokodilsgeist in weiblicher und m\u00e4nnlicher Gestalt. Jede hat eine erm\u00e4chtigende Kalebasse, eine Papageienfeder auf dem Kopf und ein Ei im Maul. \u00dcber ihnen schwebt ein indischer Guru, der Mami Apukes muslimischen Ehemann darstellen soll. <\/em>(Bruce Sonde 2004, bei H. J.Drewal, Mamiwata, p.97)<\/h6>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Die f\u00fcr uns \u00fcberraschende <strong>Rolle von Muslimen<\/strong> im Voodoo-Kult erkl\u00e4rt B. <em>Jewsiewicki<\/em> mit Blick auf den Nordosten des Kongo: Man f\u00fchre den kommerziellen Erfolg muslimischer Kaufleute, oft <strong><em>Suahili <\/em><\/strong>von der afrikanischen Sansibark\u00fcste, auf fremde okkulte M\u00e4chte zur\u00fcck, die sie besser f\u00fcr die Meisterung der modernen Welt pr\u00e4parierten. (ebd. 132).<\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Ob Togo oder Kongo, \u00fcberall bestimmen \u00e4hnliche W\u00fcnsche die Mamiwata-Darstellungen. Das POSTER zeigt eine Humoreske des kongolesischen Malers <em>Cheri Samba (<\/em>Sprechblase):<\/h4>\n<h5 style=\"text-align: center;\"><em>Oh! Oh Sim! Oh Sim!<\/em><\/h5>\n<h5 style=\"text-align: center;\"><em>Im Namen von Sim Simaro<\/em><\/h5>\n<h5 style=\"text-align: center;\"><em>dass dieses sch\u00f6ne M\u00e4dchen<\/em><\/h5>\n<h5 style=\"text-align: center;\"><em>Mamiwata No. 2 mir begegnet Oh Sim!<\/em><\/h5>\n<h5 style=\"text-align: center;\"><em>Oh Zaire-Strom Oh <\/em><\/h5>\n<h5 style=\"text-align: center;\"><em>Kapanga No. 60 Ecke Avenue Bokasa<\/em><\/h5>\n<h5 style=\"text-align: center;\"><em>Oh Sim Simaro! Amen Amen Amen<\/em><\/h5>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<h4>Der Ethnologe <em>B. Jewsiewicki <\/em>(ebd. 129) erkl\u00e4rt den Erfolg der Wasserkulte so:<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0An der Kongom\u00fcndung griffen Wassergeister lange schon in Heilungsprozesse ein. In der modernen Stadt betrachtet man auch Geldmangel, gesch\u00e4ftliche Misserfolge und Arbeitslosigkeit als Krankheiten, gegen welche die Sirene eine moderne Heilkraft in Stellung bringen kann. <\/em><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><em>Doch wie Eva ist sie von einer Schlange begleitet und wird am Ende einen Mann zu Fall bringen. Wie eine Femme fatale isoliert die Sirene ihren Partner von der Welt seiner Frau und Kinder. Im Tausch gegen Reicht\u00fcmer wird er ihr das Leben enger Verwandter anbieten oder auf weitere Kinder verzichten. Eifers\u00fcchtig und besitzergreifend, duldet sie keinen Versto\u00df gegen die auferlegten Bedingungen. Verf\u00fchrt von dem Glanz moderner Macht, wird der Mann ruiniert durch Vergn\u00fcgen und Konsum. Der fr\u00fchere <span style=\"text-decoration: underline;\">Pr\u00e4sident Mobutu<\/span> genoss die Protektion der m\u00e4chtigsten Sirene. Seine schrankenlose Macht, der Tod vieler seiner Freunde, seine Flucht aus dem Kongo und sein einsamer Tod in Marokko passt zu diesem Narrativ. <\/em><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Den Unterschied zu traditionellen, auf die Dorfgemeinschaft bezogenen Kulten kann man an der Legende um die Wasserg\u00f6ttin <strong>JINE FARO<\/strong> aus dem n\u00f6rdlichen Binnendelta des Nigerflusses ablesen.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<p><strong>VOM WASSERGEIST ZUM STAR<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Das Bild der MAMI WATA ist von importierten Mustern inspiriert, nach der um 1880 in Hamburg gedruckten Lithographie eines \u201aindischen Schlangenb\u00e4ndigers\u2019 (VITRINE) und unter dem Einfluss von popul\u00e4ren religi\u00f6sen Drucken aus aller Welt. Mami Wata wurde und wird mit allem, was auf dem st\u00e4dtischen Markt an Konsumg\u00fctern erreichbar, auch Cognac und Parfum, verw\u00f6hnt. Die Hilfe in allen Lebenslagen hat eben ihren Preis.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Traditionelle Darstellungen von <strong>Wassergeistern<\/strong> (VITRINE), deren Verehrung noch vereinzelt mit am Strand aufgestellten Tongef\u00e4\u00dfen praktiziert wird, wurden durch weibliche Sch\u00f6nheiten eines internationalen Typs ersetzt.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<p><strong>WAS HEISST &#8218;AFRIKANISCHER REALISMUS&#8216; ? <\/strong><\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Ein gem\u00e4\u00dfigt naturalistischer Stil ist schon lange an der Atlantikk\u00fcste heimisch. Die Keramiken der Nok vor zweitausend Jahren, die Benin-Bronzen von F\u00fcrsten und ger\u00fcsteten Kriegern, die Holzfiguren von der Kongo-M\u00fcndung waren so wenig \u201arealistische\u2019 Portr\u00e4ts oder \u201anaturalistische\u2019 Abbildungen wie die digital retuschierten Ikonen der globalen Konsumgesellschaft. Sie idealisierten das Bild der Ahnen und der Auftraggeber oder karikierten unerw\u00fcnschtes Verhalten. Den Portr\u00e4tierten allzu lebensecht darzustellen, war riskant \u2013 ein wenig kennen wir das ja auch noch.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Dabei zeigt sich eine gro\u00dfe Bandbreite: Die attraktive, ja \u201as\u00fc\u00dfe\u2019 <strong>Aufsatzmaske<\/strong> des trickreichen Gottes ESCHU k\u00f6nnte auf demselben feierlichen Umzug aufgetreten sein wie die wei\u00df gepuderte <strong>Karikatur eines EUROP\u00c4ERs<\/strong> auf der Gegenseite des Raums. Er tr\u00e4gt Stammesnarben, ist also voll in den Kult integriert. Beide traten bei Festaufz\u00fcgen urbane Yoruba in Nigeria auf.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Europa\u0308er_IMG_3235.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3808 aligncenter\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Europa\u0308er_IMG_3235-223x300.jpg\" alt=\"Europa\u0308er_IMG_3235\" width=\"223\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Europa\u0308er_IMG_3235-223x300.jpg 223w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Europa\u0308er_IMG_3235.jpg 595w\" sizes=\"auto, (max-width: 223px) 100vw, 223px\" \/><\/a><\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2x anklicken!<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[184],"tags":[],"class_list":["post-3716","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-afrika-kunstraum44-november-2015"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3716","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3716"}],"version-history":[{"count":9,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3716\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3816,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3716\/revisions\/3816"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3716"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3716"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3716"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}