{"id":363,"date":"2023-05-05T11:30:33","date_gmt":"2023-05-05T09:30:33","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=363"},"modified":"2024-02-15T13:43:06","modified_gmt":"2024-02-15T12:43:06","slug":"der-mann-im-mantel-malt-landschaften","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=363","title":{"rendered":"Der Mann im Mantel malt Landschaften. Voreiliger Verriss."},"content":{"rendered":"<h5 style=\"text-align: center;\">ICH RUDERE ZUR\u00dcCK<\/h5>\n<p><span style=\"color: #800000;\">Mein Titel &#8222;Der Mann im Mantel malt Landschaften&#8220; war nicht ganz falsch, und die Ablehnung der Instrumentalisierung von gro\u00dfartiger &#8218;Landschaft&#8216; f\u00fcr pers\u00f6nliche, oft mythologisch verbr\u00e4mte &#8218;Botschaften&#8216; ehrlich, aber ich besch\u00e4ftigte mich damals wenig &#8211; auf touristischen Reisen &#8211; mit Malerei und konnte auch aus der <strong>Rezension Christian Gamperts im dradio<\/strong> <strong>(Siehe unten) <\/strong>f\u00fcr mich nichts gewinnen. Erst jetzt durch mein Projekt &#8220; Fritz Wiegmann &#8211; Verschiedene Perspektiven ausprobieren&#8220; sehe ich auch Max Beckmann neu, stehe nicht mehr hilflos vor seinen bildm\u00e4chtigen Kompositionen.\u00a0\u00a0 <strong>5. Mai 2023<\/strong><\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: center;\">ZWEI\u00a0 ILLUSTRATIONEN<\/h5>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Vorab zwei Abbildungen aus dem Katalog zu Max Beckmann &#8211; Landschaft als Fremde&#8220; Hatje bereits 1998, die das Thema Biografie in der Rezension Gamperts gut veranschaulichen k\u00f6nnen:<\/p>\n<div id=\"attachment_14912\" style=\"width: 370px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Beckmann-CapMartin-1940-S.154.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14912\" class=\"size-medium wp-image-14912\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Beckmann-CapMartin-1940-S.154-360x212.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"212\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Beckmann-CapMartin-1940-S.154-360x212.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Beckmann-CapMartin-1940-S.154-900x530.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Beckmann-CapMartin-1940-S.154-624x368.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Beckmann-CapMartin-1940-S.154.jpg 1100w\" sizes=\"auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-14912\" class=\"wp-caption-text\">Beckmann CapMartin 1940 S.154<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_14911\" style=\"width: 223px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Beckmann-Meer-1943-S.143-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14911\" class=\"size-medium wp-image-14911\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Beckmann-Meer-1943-S.143-1-213x360.jpg\" alt=\"\" width=\"213\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Beckmann-Meer-1943-S.143-1-213x360.jpg 213w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Beckmann-Meer-1943-S.143-1-533x900.jpg 533w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Beckmann-Meer-1943-S.143-1-624x1054.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Beckmann-Meer-1943-S.143-1.jpg 651w\" sizes=\"auto, (max-width: 213px) 100vw, 213px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-14911\" class=\"wp-caption-text\">Beckmann Meer 1943 S.143<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #800000;\"><span style=\"color: #333333;\">ERSTURTEIL<br \/>\n<\/span><\/span><\/h3>\n<p><span style=\"color: #800000;\"><span style=\"color: #333333;\">Ich besuchte die Ausstellung im Kunstmuseum Basel, am \u00a07.<\/span> N<\/span>ovember 2011. Die Bilder h\u00e4ngen sp\u00e4rlich an den wei\u00dfen W\u00e4nden verteilt \u2013 Max Beckmanns Landschaften sind ein Randthema. Die wei\u00dfen W\u00e4nde vertreten das ganze \u00fcbrige ausgeblendete Werk.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/P1140907Beckmann-Quappi.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-365\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/P1140907Beckmann-Quappi-300x224.jpg\" alt=\"P1140907Beckmann-Quappi\" width=\"300\" height=\"224\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/P1140907Beckmann-Quappi-300x224.jpg 300w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/P1140907Beckmann-Quappi-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/P1140907Beckmann-Quappi-624x468.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/P1140907Beckmann-Quappi.jpg 1100w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><!--more-->Der Mann im Mantel sitzt auf Hotelterrassen oder steht an Aussichtspunkten oder hinter Hotelfenstern und in Badekabinen, wenn Quappi nicht einfach entsprechende Postkarten besorgt hat.\u00a0Es ist, als ob er ab und zu durch die Fenster des gro\u00dfen Innenraums der F\u00e4hre nach Amrum blickte und dann wieder auf die illustrierte Tageszeitung. Er verl\u00e4sst nie seine Themen, er schleppt wie manche Touristen den halben Hausstand (\u201eSeekoffer\u201c) mit, jedenfalls alle Sorgen, Mi\u00dfstimmungen, Laster und Komplexe. Der Gestus der Beil\u00e4ufigkeit.<\/p>\n<p>Eigenartig, dass seine mir eindr\u00fccklichsten Landschaften auf Postkarten vorliegen. Eine Stimmung wie in denen, die in meinem Jugendzimmer entstanden.\u00a0Blinde Scheiben \u2013 die Begriffe des Katalogbuches erweisen sich als Schl\u00fcssel, so auch \u201eProjektion\u201c, \u201eSehnsuchts\u201cbilder, Wunschbilder eines (in Amsterdam) eingesperrten gro\u00dfen Jungen<i>.<\/i><\/p>\n<p>Beckmann malt auch Schaupl\u00e4tze. Er entwickelt dabei Licht-Farb-Konstellationen f\u00fcr andere Gelegenheiten, er probiert sein malerisches Instrumentarium aus, pr\u00fcft Anwendungsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p><i>Deutsche <\/i>Maler schmieren, sp\u00e4testens seit 1900. Diese gewagte These leite ich von Liebermann und Co. ab, woher auch B. sich ableitet. Ein irgendwie innerlicher Impressionismus (Expressionismus ohnehin), der sich sogar seine eigene Laterne anz\u00fcndet, sprich: die eigene Farbpalette \u00fcber die Kraft der Kontur oder des Lichts stellt. Schade, dass zum Farbvergleich gestern kein <i>Tryptichon<\/i> oder <i>Portr\u00e4t <\/i>zur Verf\u00fcgung stand! Lieblos w\u00fcrde ich das Geschmiere nennen, und achtlos.\u00a0Es sind auch keine Skizzen, keine spontan durch Bewegungen der Hand vermittelte Eingebungen. Motive und ihre symbolischen Beziehungen dominieren, nah an Gedanken, an Selbstgespr\u00e4chen.<\/p>\n<p>In den anderen S\u00e4len waren de Chirico, Modigliani, Picasso, ja Hodler so etwas von subtil, ja erotisch!<\/p>\n<p>Die unmittelbare Wirkung auf die eben mal eingenommene Position und Distanz kalkuliert, reicht ihm schon hin. Das Geschmiere ist immer schon und nie <i>fertig<\/i>, es schleppt achtlos jede Nachl\u00e4ssigkeit mit, solange nur der Hauptgedanke, die interessierende Wirkung eines Aspekts oder einer Ecke erkannt und gesch\u00e4tzt wird. Da werden Inhalte notiert, vergegenw\u00e4rtigt, nicht eigentlich Formen, die transportieren sie blo\u00df, machen Inhalte anschaubar ein wenig attraktiv.<\/p>\n<p><span class=\"Apple-style-span\" style=\"line-height: 14px;\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/P1140915Kat.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-364\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/P1140915Kat-300x224.jpg\" alt=\"P1140915Kat\" width=\"300\" height=\"224\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/P1140915Kat-300x224.jpg 300w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/P1140915Kat-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/P1140915Kat-624x468.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/P1140915Kat.jpg 1100w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/span><\/p>\n<p>Wolken am Meer, das sind die ber\u00fchmten gespensterhaften Gebirge, die sich auft\u00fcrmen und bei jedem Menschen andere Assoziationen ausl\u00f6sen, \u00e4hnlich einem Rohrschachtest. Wir haben sie alle erlebt, in der Natur zuerst &#8211; oder auf Bildern. Wir sehen sie durch die Bilder anderer (dann sammle ich sie) oder in der <i>Natur<\/i>. Wenn wir sie umformen, tut das ihrer Wirkung keinen Abbruch. Beckmann <i>versch\u00f6nert<\/i>, intensiviert den westfriesischen Meeresblick z.B., er setzt einen st\u00e4rkeren aus der Erinnerung darauf. Er spielt mit ihnen.<\/p>\n<p>Er nimmt Postkarten und andere Vorlagen (etwa: Rousseau), er staucht und streckt sie, er f\u00e4rbt sie stark ein oder um, er entleert sie teilweise und f\u00fcllt sie mit neuen Bildelementen. Und er pr\u00fcft ihre Wirkung. Alles was man heute auch am PC machen kann oder fr\u00fcher mit Schere und Pinsel. Ein Patchwork, eine Collage von Bildelementen, ja Recycling.<\/p>\n<p>Was? So etwas soll der alte Grandseigneur getan haben?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">*<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">7.11.2011 nach 23.oo\u00a0 <span style=\"color: #ff0000;\">Markierungen von mir.<\/span><\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Christian Gampert dradio am 2.9.2011 \u00fcber &#8222;Max Beckmann als Landschaftsmaler&#8220; &#8211; Ausstellung im Kunstmuseum Basel vom 4. 9.2011 bis 22.1. 2012<\/h3>\n<p>Max Beckmann sei der wichtigste Landschaftsmaler des 2O. Jahrhunderts, sagt der Kurator der aktuellen Beckmann-Ausstellung im Baseler Kunstmuseum. Das Gesamtwerk des K\u00fcnstlers l\u00e4sst sich tats\u00e4chlich von der Natur, dem Park, der Stadt, dem Strand, dem Meer aus erz\u00e4hlen: S\u00e4mtliche Br\u00fcche und Weiterentwicklungen sind auch hier pr\u00e4sent.<\/p>\n<p>Kurator Bernhard Mendes B\u00fcrgi:<\/p>\n<p>&#8222;<em>Wenn wir bei den<span style=\"color: #ff0000;\"> Landschaften<\/span> bleiben, kann man sagen: Das ist eigentlich ein <span style=\"color: #ff0000;\">aussterbendes Genre im 20. Jahrhundert. Kandinsky, Mondrian, Malewitsch kommen von der Landschaft her und sto\u00dfen sie alle zugunsten der Gegenstandslosigkeit ab. Die Kubisten interessieren sich nicht mehr gro\u00df f\u00fcr die Landschaft<\/span>. Und <span style=\"color: #ff0000;\">er gewinnt diesem traditionsm\u00e4chtigen Genre nochmals alles ab.<\/span> Und in diesem Sinne w\u00fcrde ich behaupten: Er ist der wichtigste Landschaftsmaler des 20.Jahrhunderts.<\/em>&#8220;<\/p>\n<p>Darauf muss man erst mal kommen: Beckmann als Landschaftsmaler. Man l\u00e4sst einfach alles weg, was diesen K\u00fcnstler ber\u00fchmt gemacht hat, die gotisch wegfliehenden Schreckensbilder nach dem ersten Weltkrieg, die gnadenlosen, scharfkantigen, schwarz gerandeten Figurenstudien, die Mythologisierungen des Fremdseins und des Exils &#8211; und macht einen Nebenaspekt zum Hauptereignis. Und siehe: Man kann das Gesamtwerk auch von der Natur, dem Park, der Stadt, dem Strand, dem Meer aus erz\u00e4hlen; s\u00e4mtliche Br\u00fcche und Weiterentwicklungen sind auch hier pr\u00e4sent.<\/p>\n<p>Eigentlich m\u00fcsste die Ausstellung hei\u00dfen: <span style=\"color: #ff0000;\">Beckmann als Landschafts-Arrangeur<\/span>. <span style=\"color: #ff0000;\">Denn im Grunde behandelt Beckmann die bei ihm oft chaotisch get\u00fcrmte Weite nicht anders als seine anderen Motive: Aus<\/span> einem Eindruck, <span style=\"color: #ff0000;\">einem Natureindruck wird retrospektiv das Bild entwickelt, wie aus einem Modellbaukasten wird Landschaft aus Einzelteilen zusammengesetzt und zu einer meist bedrohlichen Kulisse aufgebaut.<\/span>Das f\u00e4ngt ganz zart an: Noch auf der Weimarer Kunstschule malt Beckmann 1902 kleine, graue Strand-Impressionen mit breitem Strich, Priele, Watt, Schneeb\u00e4nke, Wanderd\u00fcnen, hochformatige dunkle W\u00e4lder, sp\u00e4ter dann, in Berlin, den Bahnhof Gesundbrunnen im Gegenlicht mit gro\u00dfst\u00e4dtischem Gleisfeld und Passanten als blickleitender Staffage.<\/p>\n<p>Dann aber,<span style=\"color: #ff0000;\"> nach seinem Nervenzusammenbruch im Ersten Weltkrieg, wirken Beckmanns Landschaften wie leer gefegt, neusachlich verknappt<\/span>. In den Frankfurter Stadt-Studien werden <span style=\"color: #ff0000;\">erstmals markante Einzelelemente schief montiert<\/span>, vor kahlen Alleen schweben Fesselballons, <span style=\"color: #ff0000;\">B\u00e4ume stehen wie gro\u00dfe Einsame<\/span>, und bei den Reisen begegnet uns ein <span style=\"color: #ff0000;\">stahlblaues, abweisendes Meer vor schwerem Himmel,<\/span> nur das M\u00e9diterran\u00e9e hat ein warmes Blau.<\/p>\n<p>Ein grandioses, wegweisendes, ungeheuer lakonisches Bild ist der gro\u00dfformatige &#8222;Hafen von Genua&#8220; von 1927 mit seinen Hell-Dunkel-Sch\u00fcben, wei\u00dfe H\u00e4user vor schwarzen Industrieanlagen, mehrere Perspektiven werden im Bild verzahnt; auf anderen Arbeiten stehen vereinzelte Strandk\u00f6rbe wie Stellvertreter im Sand, Morgenstimmungen in Holland, abendliche Blicke von der Hotel-Terrasse.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Beckmanns Seest\u00fccke sind immer Seelenlandschaften<\/span>, und sie sind <span style=\"color: #ff0000;\">arrangiert wie Stillleben: Ein Buch, ein Brot, ein Fisch liegen auf einer Fensterbank, die den Rahmen bildet f\u00fcr eine zu bew\u00e4ltigende Au\u00dfenwelt, und die wird mit gro\u00dfer Distanz betrachtet<\/span>. Wuchtig schl\u00e4gt das Meer an den Strand oder liegt, im S\u00fcden, als plane blaue Fl\u00e4che, auf der Dreiecke als Boote tanzen &#8211; aber <span style=\"color: #ff0000;\">es ist Regisseur Beckmann, der hier seine eigene Befindlichkeit als Panorama organisiert<\/span>, oft in \u00fcberraschend leuchtenden Farben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese Phase Ende der 20er-, Anfang der 30er-Jahre ist ein H\u00f6hepunkt der Ausstellung. Denn <span style=\"color: #ff0000;\">obwohl Beckmann in Briefen vom feuchten Fr\u00fchlingsgr\u00fcn schw\u00e4rmt, also eher in Stimmungen denkt, sieht man in seinen Bildern untergr\u00fcndig auch die Kunstbewegungen der klassischen Moderne, die er ablehnt. Aber zumindest den Zusammenbruch des Raums hat der an den alten Meistern geschulte Beckmann den Kubisten abgeschaut, und mit den Expressionisten teilt er die Sucht nach Sinnlichkeit.<\/span><\/p>\n<p>Mit Beginn der Naziherrschaft wird alles dunkler, grober, klobiger, und die Fluchtbewegungen nehmen zu. Eindrucksvoll, wie stark sich Beckmann an Berliner Motiven wie dem Tiergarten abarbeitet: ein schwarzes Gitterwerk aus Baumst\u00fcmpfen vor rotem Himmel, ein gr\u00fcnes Labyrinth, eine Eisw\u00fcste &#8211; je nach Jahreszeit. Die Baden-Baden-Bilder versammeln Dekadenz-Elemente unterm Mond, und selbst im immer als freundlich wahrgenommenen S\u00fcden ragen nun gro\u00dffingrige B\u00e4ume und Agaven drohend ins Bild.<\/p>\n<p>Nicht reisen zu k\u00f6nnen, muss <span style=\"color: #ff0000;\">im Amsterdamer Exil <span style=\"color: #333333;\">das Schlimmste gewesen sein. <span style=\"color: #ff0000;\">Beckmann, der nie vor der Natur malte, imaginiert nun s\u00fcdfran<\/span><\/span>z\u00f6sische Landschaften, die fast nur aus Fels bestehen, er inszeniert gro\u00dfe Gewitterwolken \u00fcber dem Meer<\/span>, l\u00e4sst holl\u00e4ndische Polder endlos zum Horizont ziehen &#8211; die Phase wird ausf\u00fchrlich gezeigt.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Amerika ist dann nur ein Epilog:<\/span> Als er 1947 endlich dort ankommt, malt er, sehnsuchtvoll und aus der Erinnerung, die weit ausschwingende &#8222;Promenade des Anglais&#8220; in Nizza, neben dem Genua-Hafen das zweite Jahrhundertbild der Ausstellung.<\/p>\n<p>Kurz vor seinem Tod malt Beckmann, symbolschwanger wie so oft, leere Schwimmbecken vor Bl\u00fctenstauden oder einen abgestorbenen Baum im &#8222;West Park&#8220;, w\u00e4hrend im Gras sich die Jugend sonnt. So ist er 1950 am Central Park gestorben &#8211; ein gro\u00dfer Reisender, ein gro\u00dfer Einzelg\u00e4nger.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>@ 2011 Deutschlandradio\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <span style=\"color: #ff0000;\"><span style=\"color: #333333;\">pdf:\u00a0\u00a0 <\/span><\/span><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/Beckmann-als-Landschaftsmaler.pdf\">Beckmann als Landschaftsmaler<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ICH RUDERE ZUR\u00dcCK Mein Titel &#8222;Der Mann im Mantel malt Landschaften&#8220; war nicht ganz falsch, und die Ablehnung der Instrumentalisierung von gro\u00dfartiger &#8218;Landschaft&#8216; f\u00fcr pers\u00f6nliche, oft mythologisch verbr\u00e4mte &#8218;Botschaften&#8216; ehrlich, aber ich besch\u00e4ftigte mich damals wenig &#8211; auf touristischen Reisen &#8211; mit Malerei und konnte auch aus der Rezension Christian Gamperts im dradio (Siehe unten) [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[],"class_list":["post-363","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kunstkommissar"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/363","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=363"}],"version-history":[{"count":12,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/363\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15475,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/363\/revisions\/15475"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=363"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=363"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=363"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}