{"id":3577,"date":"2015-11-10T17:00:05","date_gmt":"2015-11-10T16:00:05","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=3577"},"modified":"2024-02-11T23:57:08","modified_gmt":"2024-02-11T22:57:08","slug":"geschichten-ums-sammeln-3-skizzen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=3577","title":{"rendered":"Geschichten ums Sammeln \u2013 7 oder mehr Skizzen"},"content":{"rendered":"<h5 style=\"text-align: center;\">DIE GESCHICHTEN DREHEN SICH UM SAMMLER UND OBJEKTE\u00a0 &#8211; z.B. um die Azande, die Ambete, Chokwe, Kuyu, um die Magar in Nepal, den Heiligen Mao und den Anthropologen James Clifford<strong><em>.<\/em><\/strong><span style=\"color: #000000;\"><br \/>\n<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><!--more--><\/span><\/p>\n<h4><span style=\"color: #ff0000;\">\u00a031.5.16\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <span style=\"text-decoration: underline;\"><span style=\"color: #3366ff;\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4584&amp;preview=true\">Link<\/a><\/span><\/span><span style=\"color: #3366ff;\"><span style=\"color: #000000;\"> \u00a0 \u00a0 <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\">Asyl f\u00fcr ein himmlisches Huhn (Yoruba)<\/span><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>03.5.16\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <span style=\"color: #000000;\"> <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4200\">Link<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Kuyu-Tanzaufs\u00e4tze im <em>Factory Outlet\u00a0 <\/em>1927<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<h4><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>17.3.16 \u00a0<\/strong><\/span>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <span style=\"color: #ff0000;\"><span style=\"color: #3366ff;\"><strong><a style=\"color: #3366ff;\" href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4010\">Link <\/a>:<\/strong><\/span>\u00a0 <\/span>KRITERIEN &#8211; Geschichte um eine Chokwe-Maske<strong><br \/>\n<\/strong><\/h4>\n<h4><span style=\"color: #ff0000;\">09.11.15 \u00a0 \u00a0 <\/span>Boris Karloff aus dem Karnali, Nepal<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ff0000;\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/GoyItzigowitz-Karloff.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3851\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/GoyItzigowitz-Karloff-262x300.jpg\" alt=\"Goy,Itzigowitz-Karloff\" width=\"262\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/GoyItzigowitz-Karloff-262x300.jpg 262w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/GoyItzigowitz-Karloff-624x715.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/GoyItzigowitz-Karloff.jpg 757w\" sizes=\"auto, (max-width: 262px) 100vw, 262px\" \/><\/a><\/span><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Bei z\u00e4hen Recherchen zu den Holzskulpturen aus den Bergen des westlichen Nepal begegnete mir zu Anfang das schmale Buch zweier prominenter Sammler*, das wenige \u201aInformationen\u2019 \u00fcber die abgebildeten Figuren bot und manche im zweiten Teil sogar unter privaten Phantasienamen auftreten lie\u00df: Boris Karloff in meditation, The barrister, The Egyptian, The Batak, The Jesuit. Das war f\u00fcr mich unpassend und am Rande der L\u00e4cherlichkeit, Humor?<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Ich war damals Optimist, setzte \u00fcbertriebene Hoffnung in Experten, insbesondere Wissenschaftler. Von ihrem verschiedentlich beklagten methodischen Tunnelblick, den erfahrene Galeristen beklagten, wusste ich noch nichts. Vor allem war mir der tiefe Graben nicht bewusst zwischen generalisierenden Aussagen \u00fcber Objektgruppen und deren Einzelaspekte einerseits und andererseits dem konkreten Individuum, das vor mir steht. Es ist die St\u00e4rke des Sammlers, eine mehr oder weniger intensive Beziehung zu einzelnen Gegenst\u00e4nden aufnehmen zu k\u00f6nnen.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Heute ist die Namensgebung von Bertrand Goy und Max Itzikovitz ein Signal, das sie in die Welt geschickt haben, vielleicht auch ein Appell an die \u00fcbrigen Sammler zu gr\u00f6\u00dferer Offenheit.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Es braucht Mut, \u00f6ffentlich seine pers\u00f6nliche Beziehung zu einem Objekt zu bekennen, schon weil das Image des Sammlers in der verbreiteten Vulg\u00e4rpsychologie mit partieller Unreife oder Spleen verbunden ist. Doch ohne die Offenheit bleibt alles Reden \u00fcber derartige Werke stumpf.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Wir Sammler von \u201aArts Premiers\u2019 (\u201aTribal Art\u2019, Ethnographica) haben einen angesehenen F\u00fcrsprecher in der akademischen Zunft: <span style=\"text-decoration: underline;\">James Clifford<\/span>. In seinem gro\u00dfen und reichen Essay \u201a\u00dcber das Sammeln von Kunst und Kultur\u2019 (1988 deutsch und auf die Teile 1 und 4 gek\u00fcrzt in: \u201eNeger im Louvre \u2013 Texte zu Kunstethnografie und moderner Kunst\u201c, Dresden 2001, S. 280-318) forderte er, <em>Bewegung in die Art und Weise (zu) bringen, wie Ethnologen, K\u00fcnstler und ihr Publikum sich selbst und die Welt sammeln.\u201c (304) \u201eAuf einer etwas pers\u00f6nlicheren Ebene, die Objekte nicht nur als kulturelle Zeichen oder Kunstikonen begreift, k\u00f6nnen wir () zu den Dingen und ihrem verloren gegangenen Fetischcharakter zur\u00fcckkehren. Allerdings nicht in Form eines devianten oder exotischen \u201aFetischismus\u2019, sondern indem die Dinge wieder <span style=\"color: #ff0000;\">zu unseren eigenen Fetischen werden<\/span>. Diese Taktik \u2013 sie ist notwendigerweise pers\u00f6nlicher Art \u2013 w\u00fcrde den gesammelten Objekten die F\u00e4higkeit zusprechen, etwas zum Ausdruck zu bringen, den Betrachter zu fesseln, statt nur zu erbauen und zu informieren. Afrikanische und ozeanische Objekte k\u00f6nnten wieder zu objets sauvages werden; <span style=\"color: #ff0000;\">Quellen der Faszination mit der Kraft zu beunruhigen<\/span>. In Bezug zu ihrer Widerst\u00e4ndigkeit gegen\u00fcber Klassifikationen betrachtet, k\u00f6nnten sie uns an unseren Mangel an Besessenheit und die vielen M\u00fchen erinnern, die wir an den Tag legen, um uns eine Welt durch Sammeln aufzubauen<\/em>. (S.304-305)<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">*<em>Bertrand Goy, Max Itzikovitz: Wood Sculpture in Nepal \u2013 Jokers and Talismans, 5Continents, Milano 2009<\/em><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ff0000;\">18.8.15\u00a0 <\/span><span style=\"color: #000000;\">Undankbarer Besucher<\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Was f\u00fcr ein Privileg, eine fremde Wohnung zu betreten, erst recht die eines Sammlers. Ich bin erschlagen von der schieren Menge. Eine Figur verdeckt die andere, keine Arbeitsfl\u00e4che, keine Pr\u00e4sentationsecke. Ich frage mich spontan: Begriffen oder doch nur ersp\u00fcrt? Darunter un\u00fcbersehbar viele Figuren des gleichen Typs, derselben Ethnie \u2013 wo der Sammler doch jede mit einem verstorbenen Kind zusammen sich vorstellt! Schon, weil sie nur dann &#8218;authentisch&#8216; w\u00e4re.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Figuren (und Masken) mit kultischem Anspruch. Viel Bekanntes aus den einschl\u00e4gigen Kunstb\u00fcchern darunter. Ich kenne selber den Impuls: \u201adas war die Dogon, die ich immer wollte\u2019. Das ist die Ware, um die sich die Sammler pr\u00fcgeln und welche die respektablen Galerien soweit m\u00f6glich im Sortiment haben. Auf Sockeln. Gepflegt. Mit nebul\u00f6sen Legenden niedriger Qualit\u00e4t und m\u00f6glichst eindrucksvollen Provenienzen, etwa Helena Rubinstein. Warum nicht Jacky Kennedy oder Houphouet Boigny, woher eine eher zweifelhafte Skulptur kommen soll. Ein Vielleicht ein Dutzend St\u00fccke\u00a0 faszinieren mich, ich fasse sie immer wieder an und versetze sie auf die verschiedenen M\u00f6bel, in der Hoffnung, sie vom vorigen Hintergrund zu befreien. Dann bekomme ich Kopfschmerzen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Als ich nach Hause komme, f\u00e4llt mir die entspannte Atmosph\u00e4re in meinem Arbeitszimmer auf. Und ich genie\u00dfe die Balance zwischen fig\u00fcrlichen Objekten und \u201asch\u00f6nen\u2019 Ger\u00e4tschaften. Ger\u00e4te,Leitern und Hocker haben meine Sammlung vor allzu viel unbegriffener Bedeutung und zweifelhafter Identit\u00e4t bewahrt. Mit dem Sammeln ist es wie mit dem Essen: Die Ballaststoffe und das gr\u00fcndliche Kauen sind entscheidend. Dann ist quantitativ Weniger qualitativ Mehr.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">\u201aIst doch gut, dass dir deine Sammlung besser gef\u00e4llt als seine\u2019, kommentiert meine Frau. Unnachahmlich. Und ihrem Argument ist schwer zu widersprechen.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 18. August<\/span><\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"color: #ff0000;\">19.8.15 \u00a0\u00a0 <\/span>Ein strammer Ambete-Krieger wartet auf Liebhaber.<\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Es waren einmal zwei Unkundige, K\u00e4ufer und Verk\u00e4ufer (Glauben wir ihm und vermuten Inzahlungnahme), die wollten nicht verstehen, als ein Passant bemerkte: <em>ber\u00fchmt, sehr selten, Reliquar<\/em>. Der K\u00e4ufer recherchierte die n\u00e4chsten Tage im Netz und in der Bibliothek. Die Recherche f\u00fchrte nicht nur nach Kongo Brazzaville, sondern nach Gabun. Da wurde ihm mulmig, erst recht, als er die <em>Mbete<\/em> als arme Vettern der seit einem Jahrhundert ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten s\u00fcndhaft teuren <em>Kota<\/em> und <em>Fang<\/em> kennenlernte. Nur die ethnographische Erforschung schien einen Bogen um die Leute gemacht zu haben. Ihr Kult mit den Kn\u00f6chlein der Verstorbenen sei lange ausgestorben, behauptete der Platzhirsch unter den Experten, <em>Louis Perrois<\/em>. Woher wusste er das? Es gebe nur eine Handvoll Originale und die habe ein gewisser Kolonialbeamter, <em>Aristide Courtois,<\/em> nach der Jahrhundertwende direkt an ein paar erste Adressen in Paris und New York geliefert. Das las der K\u00e4ufer anl\u00e4sslich der Pr\u00e4sentation von ein paar Exemplaren der Sammlung <em>Barbier-Mueller<\/em> in der hochfeinen Revue <em>Arts et Cultures<\/em> (2004, Sondernummer). Er suchte Trost in der Tatsache, dass sein Exemplar (fast) alle stilistischen und ikonographischen Qualit\u00e4ten aufwies, die &#8218;den Originalen&#8216; beigelegt wurden, was man von dem knallbunten Angebot im Netz nun wirklich nicht behaupten konnte. Blo\u00df das schwere Holz, auf das er stolz war &#8211; er selber h\u00e4tte es f\u00fcr die Kn\u00f6chlein seiner Ahnen\u00a0 verwendet \u2013 widersprach dem f\u00fcr die &#8218;Originale&#8216; angegebenen Leichtholz. Ihm kam schon der Verdacht auf, der bereits in Rubins &#8218;Primitivismus&#8216; (1985) erw\u00e4hnte gesch\u00e4ftst\u00fcchtige Kolonialbeamte habe die Schnitzer zur Eile angetrieben oder die Frachtkosten senken wollen, da fiel er aus allen Wolken. Eine weitere Hochglanzpublikation, Katalog einer Ausstellung der <em>Portheim-Stiftun<\/em>g in Heidelberg, wurde auf einschl\u00e4gigen Webseiten von Experten in der Luft zerrissen. Kenner hatten bereits &#8211; unerh\u00f6rt &#8211; 2005 auf der Vernissage protestiert. Der Eklat ging damals durch die Presse. Zwei Drittel der Exponate sollten F\u00e4lschungen sein, wohl gewiss die notorischen <em>Kota<\/em> und <em>Fang<\/em>, aber niemand ging in die Details. Von den <em>Ambete<\/em> oder <em>Mbede <\/em>sprach wieder keiner, dabei sahen die auf schwarzem Grund genauso gut aus wie die in Genf. Der K\u00e4ufer scheiterte also tragisch an den Klippen Gabuns,\u00a0 die er \u00fcber zwanzig Jahrelang\u00a0 ganz weit umschifft hatte. Jetzt reichte es ihm: Sein vermeintlicher Hinterw\u00e4ldler auf Hochglanzparkett, das Reliquar als umstrittene Reliquie und auch noch verd\u00e4chtige Experten! Er hatte zwar nun eine\u00a0 ausf\u00fchrliche Dokumentation zusammen, aber die war nutzlos. Da auch die bisher \u00fcbersehenen kleinen Schw\u00e4chen wie fehlende Z\u00e4hne und Gebrauchsspuren ihm immer unertr\u00e4glicher wurden, wollte er bereits das St\u00fcck in den Main schmei\u00dfen \u2013 bei K\u00e4ufen in der N\u00e4he des Main geht das immer \u2013 doch er durfte es zur\u00fcckgeben. Er kl\u00e4rte den Verk\u00e4ufer ein wenig auf, aber der will ja auch leben. Selbst f\u00fcr eine gute Kopie des klassischen Typs ist der Reliquarw\u00e4chter wirklich nicht teuer.\u00a0 Es gibt selbstverst\u00e4ndlich auch andere, vertrauensw\u00fcrdige &#8218;Ambetes&#8216; in der Welt, vielleicht j\u00fcnger, die er inzwischen gesehen hat, aber er will mit der ganzen Familie nichts mehr zu schaffen haben.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">\u00a0<span style=\"color: #ff0000;\">22.8.15 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0<\/span><span style=\"color: #000000;\">Mao oxydiert<\/span><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die gegossene Metall-Plakette aus der Kulturrevolution hat die Form eines F\u00e4chers. Vorne steht &#8222;H\u00f6re auf die Worte des Vorsitzenden Mao&#8220; und &#8222;Loyalit\u00e4t&#8220;, auf der R\u00fcckseite ist sie mit der Aufschrift &#8222;hergestellt im Juli 1969, hochachtungsvoll, Shentai-Fabrik&#8220; versehen.* Sie wurde mit kleinem Maoportr\u00e4t in der Mitte gestaltet, am R\u00fccken wurden zwei \u00d6sen angegossen. Der Email\u00fcberzug ist v\u00f6llig verblichen, seitdem der sch\u00fctzende Lack verschwand. Die Plakette hat wohl einmal einen Hauseingang geschm\u00fcckt.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">F\u00fcr mich hat sich die Geschichte selber in diese gegossene Metallscheibe eingegraben: Die Revolution ist oxydiert, der Gro\u00dfe Steuermann patiniert, verblasst. Er harmoniert vier Jahrzehnte sp\u00e4ter mit jeder Umgebung, mit frommer Volkskunst und Klassischer Moderne. Der Verk\u00e4ufer sagt: <em>Heute kauft das in China keiner mehr. So etwas wird auch auf Hainan nicht mehr angeboten. Das ist wohl unerw\u00fcnscht. Man will &#8211; und soll? &#8211; nicht mehr dar\u00fcber reden.<\/em> Seine Mitteilung rundet das Bild der Gro\u00dfen Harmonie ab. \u00a0\u00a0 22. August\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 *\u00dcbersetzung M-L B-L<br \/>\n<\/span><\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"color: #ff0000;\">25.8.15\u00a0<\/span>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Tabakm\u00f6rser, philosophisch<br \/>\n<\/span><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Ein schmuckloser Tabakm\u00f6rser aus einem Dorf an der Stra\u00dfe von Kinshasa durch die Provinz Bandundu steht nun bei mir, solide, Gebrauchs- und Pflegepatina, sogar mit passendem St\u00f6\u00dfel. Der Verk\u00e4ufer erz\u00e4hlt eine sch\u00f6ne Geschichte: Wenn die Dorf\u00e4ltesten sich versammeln, beginnt man mit einer Runde Schnupftabak. Er wird herumgereicht und jeder bedient sich. Er niest unweigerlich. Sein Kopf ist frei. Alle schlechten Gedanken sind wie weggeblasen. Nun kann man miteinander beraten.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Lassen wir die Legende und\u00a0 wenden uns der neuen Verwendung des M\u00f6rsers zu. Er steht in einer hohen eckigen Glasvase. Quer zu ihm liegt eine kongolesische Tabakpfeife. Das ist nicht ganz stimmig, aber nicht ohne Bezug. Ich hebe ihn von Zeit zu Zeit heraus, sp\u00fcre sein Gewicht und spiele mit dem passenden Stock und virtuellem Tabak die Geste des Gastgebers nach.\u00a0 Ich vergegenw\u00e4rtige mir die geschilderte Situation. Kindisch? Nicht mehr, als wenn ich mich auf den Blindenstock st\u00fctze oder auf den Knotenstock des \u00e4thiopischen Heilkundigen oder den mit einer Figur geschm\u00fcckten Stock eines afrikanischen Notablen. &#8211; Ich erz\u00e4hle das, weil mir aufgefallen ist, wie stark ein au\u00dfer Dienst gestelltes Ger\u00e4t uns mit fremden Menschen verbinden kann. Der Bezug ist viel unmittelbarer ist als der zu einem Bildwerk. Auch dessen K\u00f6rperlichkeit sp\u00fcren wir, aber wir drehen und wenden es vor allem, um es zu betrachten. Das ist einer Kamerafahrt vergleichbar. Unser Zugang bleibt so theoretisch wie der Blick auf eine mit Figuren und Ger\u00e4ten best\u00fcckte Fensterbank.\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0 25. August<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">So einfach liegen die Dinge nicht! Der Blick folgt dem der W\u00e4chterfigur. Sie bewahrt ihre Einzigartigkeit, ihre Fremdheit. Man setzt die Maske vor dem Spiegel auf, wird h\u00e4sslich oder &#8211; seltener &#8211; sch\u00f6ner.\u00a0\u00a0 15. September<\/span><\/p>\n<h4><\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #ff0000;\">25.8.15 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0<\/span> <\/strong><span style=\"color: #000000;\"><strong>Ein Blick auf meine Fensterbank<\/strong><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Ich habe ein paar mit der Zeit von T.L. erworbene kongolesische Objekte auf der Fensterbank gruppiert: Vier unterschiedlich gro\u00dfe Holzfiguren von lakonischem Charakter, eine primitive Harfe und ein griffiger undekorierter Schnupftabakst\u00f6\u00dfel. Sie harmonieren miteinander, obwohl sie zweitausend Kilometer verstreut gefertigt wurden. Ihre Entstehungszeit liegt n\u00e4her beisammen: vierzig, f\u00fcnfzig bis siebzig Jahre. Die Figuren sind <\/span><span style=\"color: #000000;\">bestimmten Ethnien <\/span><span style=\"color: #000000;\">mit hoher Wahrscheinlichkeit\u00a0 zuzuordnen, von Yaka im Westen zu den Azande im Nordosten, aber ist das entscheidend? Sie sind alle im Alltag gebraucht worden. Die Gebrauchst\u00fcchtigkeit sieht man ihnen an. Man kann sie auch in die Hand nehmen, sie sind robust genug. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Harfe erkannte ich seinerzeit auf einem kleinen Filmausschnitt eines namhaften Musikethnologen wieder (youtube). Darauf sang um 1951 ein (fast!) nackter Barde der Azande und kratzte dazu T\u00f6ne auf den f\u00fcnf Saiten genau dieses Typs von Harfe. In einer vergilbten Brosch\u00fcre zur Morphologie afrikanischer Musikinstrumente wurde daf\u00fcr eine <\/span><span style=\"color: #000000;\">andere, <\/span><span style=\"color: #000000;\">benachbarte \u201aEthnie\u2019 angegeben. Mich wundert das nicht. Denn \u201aAzande-Harfen&#8216; haben in allen Ausstellungen und Bildb\u00e4nden die typische schnittige Form unter Verwendung von Schlangenhaut, nat\u00fcrlich datieren sie <span style=\"text-decoration: underline;\">vor<\/span> 1900. Was bedeutet das schon? Ihr Besitz wird ein Privileg von Honoratioren gewesen sein und ihr Besitz wird bei uns ein Privileg reicher Sammler. Wie schrieb Walter Benjamin so richtig in seiner geschichtsphilosophischen These Neun? &#8218;Kultur&#8216; ist die Beute der Sieger. Und was passiert damit? Protegiert und klimatisiert wartet &#8218;die Kultur&#8216; auf den n\u00e4chsten Sieger der Geschichte. Bertolt Brecht grinst blo\u00df.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Galerieware und noch mehr die \u201aMeisterwerke\u2019 von Auktionen haben etwas mit dem Angebot auf den Speisekarten unserer Restaurants gemeinsam: F\u00fcr sie herrscht ewiger Feiertag, es gibt nur Sonntagsessen. Das sagt noch nichts \u00fcber die Qualit\u00e4t. \u201aProfito\u2019 nennt sich sinnigerweise ein Lieferant, dessen Lkw\u2019s h\u00e4ufig bei bei meinem Stammlokal im Frankfurter Nordend aufkreuzen. Unsere Vorfahren in den gesegneten Fluren der gem\u00e4\u00dfigten Zonen a\u00dfen weder \u201avegan\u2019, noch exotische Spinnen oder jeden Tag ein \u201aMail\u00e4nder\u2019- oder \u201aZigeunerschnitzel\u2019. Garten, Markt und Schlachter \u2013 das ergab die \u201agesunde\u2019 Mischung. Die Objekte auf der Fensterbank haben\u2019s auch mit dieser Mischung. Sie richten die Phantasiet\u00e4tigkeit auf die Menschen.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong><span style=\"color: #ff0000;\">14.9.15<\/span>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ein Besuch in einer anderen Privatwohnung!<\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">N. will tats\u00e4chlich einen dekorativ v\u00f6llig \u00fcberladenen Repr\u00e4sentationsstock, nat\u00fcrlich total schwarz, einem klaren, wenn auch &#8211; f\u00fcr mich etwas unspezifischen &#8211; Exemplar weiter im Osten Zentralafrikas vorziehen. Ich kann mir den kleinkarierten H\u00e4uptling lebhaft vorstellen, der die abgebildeten Symbole dem Handwerker buchst\u00e4blich nachz\u00e4hlte. Wir zwei Gegengutachter \u00fcberzeugen den Freund. Der K\u00fcnstler, der mir hierin beipflichtete, findet aber wieder ein Exemplar der ber\u00fcchtigten Baga-Schultermaske so attraktiv, dass er sie unkritisch verehrt. Er beruhigt sich mit dem Gedanken: Es sind viele entstanden. Die Frage ist: wann? Das Exemplar ist sicher<\/span> <span style=\"color: #000000;\">falsch, wahrscheinlich auch das bei von Miller, das f\u00fcr ihn damals vierzigtausend DM kosten sollte. <\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Ich sehe so viel h\u00fcbsche schwarze Patina hier, denke dabei dankbar an die st\u00e4ndig wiederholte Formel bei &#8230;.: ohne Gebrauchsspuren. <\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Doch mit dem Gebrauch sind wir wieder bei Tabakspfeifen: Was ist das schon, wenn eine Respektsperson mit ihrer Repr\u00e4sentationspfeife auftrumpft? Das ist doch nicht der Gebrauch, der mich interessiert! Um es einmal so auszudr\u00fccken: Was ist daran spirituell? Was haben wir daran nicht zum \u00dcberfluss? Eitelkeit gibt es genug.\u00a0 <strong><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_2664-pipe_Bakongo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3861 alignleft\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_2664-pipe_Bakongo-300x126.jpg\" alt=\"IMG_2664 pipe_Bakongo\" width=\"300\" height=\"126\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_2664-pipe_Bakongo-300x126.jpg 300w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_2664-pipe_Bakongo-1024x430.jpg 1024w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_2664-pipe_Bakongo-624x262.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_2664-pipe_Bakongo.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Ich erwerbe eine Tabakpfeife zu Basispreis mit einer h\u00e4sslichen Macke: Reparaturbedarf, wegen des Kontrastes der urspr\u00fcnglich schwarz patinierten H\u00fclle und dem verwendeten hellen Holz. Der l\u00e4sst sich nie aufholen, nur verdecken, so wie auch urspr\u00fcnglich vorgesehen. Ich registriere Griffpatina, Metallrost und Alu-Pfeifenr\u00f6hre &#8211; diese urspr\u00fcnglich geschw\u00e4rzt und jetzt abgebl\u00e4ttert. Sie bildet mit den Holzanteilen eine attraktive bogenf\u00f6rmige R\u00f6hre.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Darauf sitzt ein kleiner Fries von Musikern auf einem kugelf\u00f6rmigen Aufsatz &#8211; so k\u00f6nnen einem authentische fig\u00fcrliche Darstellungen auch heute noch begegnen. Es ist nicht Luba oder Chokwe. Wegen der Friese auf den St\u00fchlen komme ich auf die Idee. Mein Gesp\u00fcr und die Abbildung bei Phillips (\u201eAfrika\u201c) S. 242 und mein Christopherus aus Messing sprechen f\u00fcr einen Yomb\u00e9.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Einsicht: Nur der gr\u00f6\u00dfte Umweg oder im Gl\u00fccksfall der direkte Zugriff (Alexander der Gro\u00dfe in Gordio, <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=697\">Fritz Wiegmann<\/a> und jeder sensible K\u00fcnstler) f\u00fchren den Sammler zum Ziel. Was ist das Ziel? Gebrauch und Bedeutung nicht blo\u00df als konventionell ermittelte Attribute, sozusagen als modische Qualifikationen, sondern als gelebte Wahrheiten zu erfahren. Und nur die sind immer wieder sprudelnde Kraftquellen.<br \/>\n<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DIE GESCHICHTEN DREHEN SICH UM SAMMLER UND OBJEKTE\u00a0 &#8211; z.B. um die Azande, die Ambete, Chokwe, Kuyu, um die Magar in Nepal, den Heiligen Mao und den Anthropologen James Clifford.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[267],"tags":[],"class_list":["post-3577","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-experten"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3577","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3577"}],"version-history":[{"count":62,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3577\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4598,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3577\/revisions\/4598"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3577"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3577"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3577"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}