{"id":3554,"date":"2015-08-20T20:54:27","date_gmt":"2015-08-20T19:54:27","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=3554"},"modified":"2024-02-12T00:31:58","modified_gmt":"2024-02-11T23:31:58","slug":"fotografie-interpretiert-afrikanische-skulptur","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=3554","title":{"rendered":"Fotografie interpretiert Skulptur (Afrika)"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/closeup.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3561\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/closeup-233x300.jpg\" alt=\"closeup\" width=\"233\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/closeup-233x300.jpg 233w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/closeup.jpg 311w\" sizes=\"auto, (max-width: 233px) 100vw, 233px\" \/><\/a><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u00e4sthetischen Lektionen in diesem Buch werden erg\u00e4nzt durch die Wiederentdeckung des lettischen K\u00fcnstlers <strong>Vladimir Markov <\/strong><strong>(1877-1914)<\/strong> aus der Zeit der Russischen Avantgarde, Vorl\u00e4ufer dieser Fotografie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.zvab.com\/advancedSearch.do?author=Thompson%2C+Jerry+L.+und+Susan+Vogel+%3A\">Thompson, Jerry L. und Susan Vogel : <\/a><\/strong><strong>Close-up. <\/strong>Lessons in the art of seeing African sculpture from an American collection and the Horstmann collection Catalogue by Anne D&#8217;Alleva. New York: Center for African Art, <span style=\"color: #ff0000;\">1990<\/span>. <span style=\"color: #ff0000;\">194 S.<\/span> Mit zahlr. auch farb. Abb. Broschiert. ISBN\u00a0 0945802080 \u00a0 <span style=\"color: #ff0000;\">ROT warnt vor Ungereimtheiten bei den Seitenangaben. Jan.2019<\/span><br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich handelt es sich um einen gro\u00dfformatigen Bildband und um die Pr\u00e4sentation\u00a0 exklusiver Privatsammlungen, aber die Autoren interpretieren ihren Auftrag als Lektion in afrikanischer \u00c4sthetik, die keineswegs nur f\u00fcr Besitzer hochpreisiger Meisterwerke von Nutzen ist.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Das Vorwort formuliert den Ausgangspunkt folgenderma\u00dfen: <em>Like many large projects, this one grew out of a small observation. I noticed that people in our galleries rarely looked at the sculptures on display from more than one angle. They looked at three dimensional objects as if they were looking at paintings, or perhaps reliefs that could be appreciated from a single point. Museums generally assume that the audience knows how to look, and proceed directly to an explanation of the work. It seemed worthwhile to suspend the explanations for the moment, and to take a close look at looking. <\/em><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Der <strong>Bildteil<\/strong> zeigt nicht nur die \u00fcbliche Schauseite, sondern die Kamera geht ganz nah an die Formen heran und vergr\u00f6\u00dfert ihre Entdeckungen an Details, die leicht \u00fcbersehen werden ungeachtet der Ma\u00dfe einer Figur. Die fotografische Vergr\u00f6\u00dferung verschiedener Ansichten fokussiert und sensibilisiert den Blick des Betrachters. Dies Verfahren allein w\u00e4re noch nicht ungew\u00f6hnlich. Auch ich benutze die Fotografie seit langem zur Erkundung, obwohl ich keine klassischen Meisterwerke besitze.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><strong>Jerry Thompson<\/strong> steuert mit <em><strong>Some Thoughts on Looking at African Sculptures<\/strong> <\/em>einen <strong>Essay <\/strong>bei, der auch dem Sammler wertvolle Hinweise und Anregungen gibt. F\u00fcnf davon habe ich f\u00fcr mich zusammengefasst und vorl\u00e4ufig kommentiert.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">1<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Er konzentriert sich auf einen wichtigen Einzelaspekt: <strong><em>Afrikanische Kunst und Bewegung<\/em><\/strong>. Aufforderung: <strong>Nach Bewegung suchen, auf K\u00f6rper und Haltung achten<\/strong>. Dabei keine falschen Erwartungen wecken! Keineswegs alle Figuren beginnen spontan zu tanzen! Und nicht jede Haltung ist Tanz.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a02<\/strong><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Pr\u00e4zise die K\u00f6rperteile und ihre Haltungen wahrnehmen und beschreiben! <strong>Thompson begreift<\/strong> <em><strong>K\u00f6rperteile als eigenst\u00e4ndige Instrumente rhythmischer Energie<\/strong> <\/em>(Beispiel auf S.<span style=\"color: #ff0000;\">199<\/span>, die T\u00e4nzer der Yoruba),\u00a0<strong> als<\/strong> <strong><em>unabh\u00e4ngig voneinander belebte Bewegungszonen<\/em><\/strong> (ebd.)<strong>!\u00a0<\/strong><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ff0000;\">187ff.<\/span> <strong><em>Tanzkritik in Afrika<\/em><\/strong> Das Kapitel erinnert mich an Filmszenen von in Konkurrenz miteinander tanzenden Kindern, bei den Dogon?)<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a03<\/strong><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00c4sthetische Energie ist auch die Summe <em>kalkulierter Vereinfachung und Isolierung einzelner Teil<\/em><\/strong><em>e <\/em>(Goldwater 1967, 230).<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ff0000;\">S.197:<\/span> <strong><em>Ausgewogene Dynamik in den Proportionen<\/em><\/strong><em> charakterisiert ein erlesenes kraftstrotzendes St\u00fcck &#8230; <strong>die plastische Anordnung<\/strong><\/em><strong><em> der scharf umrissen<\/em><\/strong><em><strong>en Augen passt zur Intensit\u00e4t der Linien<\/strong><\/em><em><strong> der Ohren.<\/strong> Krone und Ohren sind deutlich <strong>aufeinander abgestimmt<\/strong><\/em><em>.\u00a0<\/em><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Seitenblick:<strong><em> Tan<\/em><\/strong><em>z <\/em>begegnete mir auch schon als <strong>Zuschreibung zu westnepalesische<\/strong><strong>n <\/strong><strong>schamanischen <\/strong><strong>F<\/strong><strong>iguren<\/strong>. <strong>Deren Reduktion war noch radikaler<\/strong>, an der Grenze zur Zurichtung geeigneter Fundh\u00f6lzer unter Nutzung der Faserrichtung und des Raumangebots auf dem Astst\u00fcck.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Noch ein Seitenblick: Ein <strong>kleines Wurzelholz von der Gramvousa-Halbinsel auf Kreta<\/strong> weckt spontan die Vorstellung einer Bergziege, wie sie auf einem schmalen Grat steht und wachsam ins Land blickt. Die abgespreizten Vorderbeine laufen auf eine gemeinsame Spitze zu, die Hinterbeine geben Standfestigkeit. Der Hals ist kr\u00e4ftig und dynamisch nach oben gestreckt, das Gesicht klein unter einen breiten Krone, die ein Geh\u00f6rn darstellen kann, der Rumpf ist kurz, der Schwanzstummel aufgerichtet. Das Bildschema in meinem Kopf passt aber auch auf den Gamsbock im altdeutschen Heimatfilm.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a04<\/strong><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><strong>Farbe ist Energie<\/strong>.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Auf S.197f. im Kontext \u201aTextilien\u2019 besprochen. F\u00fcr mich aber die Aufforderung: Die Versuche, Masken im PC oder auf Fotos <em>malend <\/em>virtuell zu rekonstruieren, fortsetzen!<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a05<\/strong><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Die st\u00e4rkere Kraft, die von der Jugend ausgeht<\/em><\/strong> (<span style=\"color: #ff0000;\">192<\/span>). Wer h\u00e4tte das gedacht! Das von Thompson gew\u00e4hlte Beispiel: Der jugendliche Terrakottakopf <em>ohne Spur von Alterung oder Belastung <\/em>l\u00e4sst den Dargestellten <em>sowohl ehrw\u00fcrdig als auch stark erscheinen<\/em>.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Solche \u201aIdealisierung\u2019 hat auch andere Dimensionen. (Erinnerung an Fritz Kramer-Vorlesungen in Frankfurt 2009)<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/h4>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong>Dabei die Gesichter vernachl\u00e4ssigt?\u00a0\u00a0 &#8211;\u00a0\u00a0 Kritikpunkt von Z. S. Strother<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">In dem Sammelband <strong>\u201aMatvejs, Markov and \u201aPrimitivism\u2019<\/strong>, Ashgate Verlag, 2014, geht Z. S. Strother in einer Anmerkung (S.125, Anm.17) explizit auf Thompsons und Vogels Buch ein: <em>In <span style=\"color: #ff0000;\">1999<\/span> Susan Vogel commissioned Thompson to photograph sculptures \u2019close up\u2019 for an exhibition on the \u2019Art of Seeing African Sculpture\u2019 at The Center for African Art, New York. The cartalogue illustrated 42 sumptuous <strong>close-ups<\/strong><\/em><em> (or 24 percent of the total number of images reproduced in the volume),<strong> the greatest number since Markov<\/strong><\/em><em>. Visually, Thompson emphasized how \u2019unbalanced, asymmetrical masses cooperate to create a whole that is dynamic rather than static\u2019 (p.15). It is intriguing that, <strong>despite the similarity of his interpretation<\/strong><\/em><em>, Thompson avoided faces and focused on medium close-ups of torso and back.<\/em><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><\/h4>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong>Wiederentdeckt ! Der Vater dieser Art dokumentarischer Fotografie <\/strong><\/h3>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Der lettische K\u00fcnstler Voldem\u00e4rs Matvejs oder &#8211; mit Autorennamen &#8211; <strong>Vladimir Markov <\/strong><strong>(1877-1914)<\/strong> war ein Vordenker der Russischen Avantgarde und benutzte fotografische Aufnahmen. Eine Handvoll sind in der Publikation reproduziert. Da der Verlag dankenswerterweise die Lekt\u00fcre des sehr lesenswerten <strong>Einleitungskapitels<\/strong> am Bildschirm erlaubt &#8211; <a href=\"http:\/\/www.ashgate.com\/isbn\/9781472439741\">www.ashgate.com\/isbn\/9781472439741<\/a> &#8211; kann ich ein paar S\u00e4tze zur fotografischen Technik von Markov zitieren (Introduction p.15) :<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><em>As Strother outlines in Chapter 4, <strong>Markov believed that each successful work of art was individualized through open-ended play, thereby requiring that each work should be photographed differently in order to capture its unique qualities.<\/strong> The style he developed for these ends depended on <strong>the use of multiple views as well as close-ups<\/strong>, which only became routine in the cinema in the mid-1910s and were embraced by the European avant-garde in the 1920s-1930s for their power to heighten reality and to make strange the everyday (Ades and Baker 2009). <\/em><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><em><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/P1400991Titel-u\u0308.Vl_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3555\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/P1400991Titel-u\u0308.Vl_-198x300.jpg\" alt=\"P1400991Titel u\u0308.Vl\" width=\"198\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/P1400991Titel-u\u0308.Vl_-198x300.jpg 198w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/P1400991Titel-u\u0308.Vl_.jpg 461w\" sizes=\"auto, (max-width: 198px) 100vw, 198px\" \/><\/a>Markov, in 1913 , was already making close-ups of the faces of sculptures, which play off a reciprocal tension of the familiar and the strange. ( &lt; Frontispiece) ( &#8230;. ) In this series (North Asian sculptures) he often photographs the sculptures as if they were people, in bust portraits, which attain a new intimacy and delicacy. ( &#8230;.<br \/>\n<\/em><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">\u00a0Diese Fragen verdienen eigene Betrachtungen.\u00a0 23. August\u00a0 (erster Entwurf 17.Juli 2015)<\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Die \u00e4sthetischen Lektionen in diesem Buch werden erg\u00e4nzt durch die Wiederentdeckung des lettischen K\u00fcnstlers Vladimir Markov (1877-1914) aus der Zeit der Russischen Avantgarde, Vorl\u00e4ufer dieser Fotografie. Thompson, Jerry L. und Susan Vogel : Close-up. Lessons in the art of seeing African sculpture from an American collection and the Horstmann collection Catalogue by Anne D&#8217;Alleva. 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