{"id":343,"date":"2012-04-01T17:17:54","date_gmt":"2012-04-01T16:17:54","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=343"},"modified":"2020-05-21T11:36:29","modified_gmt":"2020-05-21T09:36:29","slug":"neid-des-mandarin-hoehlengleichnis","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=343","title":{"rendered":"Neid des Mandarin \/ H\u00f6hlengleichnis"},"content":{"rendered":"<p><b>\u00a0\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0<\/b>Der Neid des Mandarin<\/p>\n<p>Der Neid chinesischer Mandarine auf ihre Untergebenen muss ungeheuer gewesen sein. Eine Vermischung hat wohl nie stattgefunden. Anerzogener D\u00fcnkel, Ber\u00fchrungs\u00e4ngste gegen\u00fcber den \u201eErdmenschen\u201c. <!--more-->Man rekrutierte hoffnungsvolle Exemplare im Kindesalter. Erfolgreiche Gesch\u00e4ftsleute versuchte man klein zu halten. Das mag ja aus geschichtsphilosophischer Sicht klug gewesen sein, machte darum aber nicht gl\u00fccklicher. Sexuell aktiver waren die wohl auch, behaupten wenigstens klassische Romane aus dem 17. Jahrhundert.<\/p>\n<p>Dem eigenen Verhalten waren mit der Etikette enge Grenzen gesetzt, auch was das Vergn\u00fcgen anging. Das Volk schrie und lachte, pr\u00fcgelte sich und heulte, das Volk liebte es laut und bunt, der Mandarin malte mit schwarzer Tusche. Sehen wir uns seine Tuschmalereien an. Auch sie waren ein Feld der Nachahmung, der Rituale und Haltungen, das hei\u00dft generell der Selbstbeherrschung.<\/p>\n<p>Wie viele &#8211; dezent &#8211; mehrfarbige Tuschbilder haben sich denn in tausend Jahren erhalten? *<\/p>\n<p>Und die Motive? Weitgehend Musterlandschaften und symbolisch aufgeladene Stilleben. Das konnte doch nicht alles sein, was einem Menschen, der bei Sinnen war, wert schien, aufgezeichnet zu werden.<\/p>\n<p>Nur das Wesen des Gegenstandes durfte gestaltet werden: das Singvogelhafte des Singvogels, die Essenz des Wasserfalls, der stille Heroismus der Bergkiefer&#8230; Notfalls tat es auch das kalligrafierte\u00a0 Schriftzeichen.<\/p>\n<p>Jede Eintragung des stolzen Erwerbers einer Bildrolle war ebenso der Stempel einer \u00e4sthetischen Zensur, der zudem das Dargestellte mehr gegen\u00fcber den Kommentaren ins Hintertreffen geraten lie\u00df. So wurde Tradition kanonisiert und registriert. Wirkt deshalb der Bestand deshalb so harmonisch und zugleich eingeschr\u00e4nkt?<\/p>\n<p>Die Freigeister von Yangzhou (Malerschule), haben sie wirklich mehr erreicht als Reiswein zu saufen und Lieder zu gr\u00f6len?<\/p>\n<p>\u00dcbertreiben wir nicht: Bei seltenen Gelegenheiten begegnen uns in Museen unglaublich intensive Meisterwerke, die uns den Atem nehmen, die Zeit stillstehen lassen. Authentische und nochmals authentische Kunst (B.Wyss), aber so etwas kann sich \u2013 forsch dahingesagt \u2013 in jeder Kultur ereignen.<\/p>\n<p><b>\u00a0\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>\u00a0\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <\/b>H\u00f6hlengleichnis verkehrt<\/p>\n<p>Wer hat denn nun mit Schatten zu tun? Etwa der Bauer, der Handwerker, der Tagel\u00f6hner, die Hausfrau und Mutter, Liebende&#8230;. ? Am ehesten noch schwer Erkrankte, Ge\u00e4ngstigte oder Traumatisierte unter ihnen.<\/p>\n<p>Beat Wyss zitiert in seiner Studie \u201eTrauer der Vollendung \u2013 Zur Geburt der Kulturkritik, K\u00f6ln Dumont 1997\u201c in extenso Platos ber\u00fchmtes H\u00f6hlengleichnis. Dabei\u00a0 f\u00e4llt mir auf, wie ungereimt es ist: von wegen \u201ePuppenspielern\u201c und \u201eMenschen\u201c, die \u201eallerlei Ger\u00e4te vorbei (tragen)\u201c..! (200) Die weit verbreitete Verehrung ist eigentlich erstaunlich! Und als Wyss das Gleichnis kommentiert, wird mir klar, dass das Modell \u201eeiner unterirdischen h\u00f6hlenartigen Wohnst\u00e4tte\u201c nicht nur auf \u201eDurchschnittsmenschen\u201c passt, sondern\u00a0 auch auf Mitglieder sozialer Eliten. Die Art der \u201eFesseln\u201c ist doch unerheblich: \u201eKonventionelles Denken war festgelegt durch eine starre Blickrichtung\u201c und: \u201eSo besch\u00e4ftigt sich der Durchschnittsmensch mit den\u00a0 Kunstst\u00fccken des allt\u00e4glichen Schattentheaters.\u201c (201)<\/p>\n<p>Die Eliten, die bereits seit dem Alten \u00c4gypten oder China mit <i>Schatten<\/i> Umgang hatten samt ihren eingesperrten Frauen und singenden Kastraten, sie haben in den vergangenen Jahrhunderten alles daf\u00fcr getan, damit das Volk, <i>ihr<\/i> Volk auch mit immer mehr Schatten zu tun hat. Vor allem im letzten Jahrhundert haben sie sinnenf\u00e4llige k\u00f6rperliche Arbeit fast ganz vernichtet und k\u00f6rperliches Vergn\u00fcgen reglementiert.<\/p>\n<p>Neidvoll blicken sie auf das wimmelnde bunte V\u00f6lkchen, das sie in Daten, in <i>bits<\/i> <i>and<\/i> <i>bites<\/i> verwandeln m\u00fcssen, dem sie mittels Comoputerprogrammen begegnen, wenn nicht gerade ausnahmsweise in Gestalt des Callgirls im Hotelzimmer, oder sonst wieder blo\u00df als Schatten.<\/p>\n<p>Wenn man die Komposition Platos unbedingt bewahren m\u00f6chte, bleibt immer noch als Denkansto\u00df das Bild eines <i>blinden Sehers<\/i>, von der <i>Sonne <\/i>geblendeten Sehers, der glaubt, etwas zu sagen zu haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>* <span style=\"text-decoration: underline;\">Nachtrag<\/span><\/p>\n<p>Bei Ch&#8217;i Pai Shih bl\u00fchen die Farben auf. \u00a0Er wurde 1863 geboren, war kleiner Leute Kind und musste zun\u00e4chst Zimmermann lernen. Mit der starken volkst\u00fcmlichen Farbigkeit wuchs er selbstverst\u00e4ndlich auf.<\/p>\n<p>Albumblatt, entnommen dem Inselb\u00e4ndchen Nr. 636, Lpz. o.J<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/IMG_3478ChiPoShih.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-658\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/IMG_3478ChiPoShih-300x222.jpg\" alt=\"IMG_3478Ch'iPoShih\" width=\"300\" height=\"222\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/IMG_3478ChiPoShih-300x222.jpg 300w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/IMG_3478ChiPoShih-624x462.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/IMG_3478ChiPoShih.jpg 999w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0Der Neid des Mandarin Der Neid chinesischer Mandarine auf ihre Untergebenen muss ungeheuer gewesen sein. 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