{"id":3030,"date":"2015-03-13T17:14:21","date_gmt":"2015-03-13T16:14:21","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=3030"},"modified":"2019-11-12T12:51:44","modified_gmt":"2019-11-12T11:51:44","slug":"mit-der-lega-skulptur-im-niedergang","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=3030","title":{"rendered":"Mit Figuren der Lega im Sinkflug"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Was ist das Geheimnis des Erfolgs derart an\u00e4mischer Kunst? Ist\u00a0<em>Lega <\/em>nur\u00a0eine Legende des Kunstmarktes?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<div id=\"attachment_3088\" style=\"width: 234px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_7125Lega-Brille.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3088\" class=\"size-medium wp-image-3088\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_7125Lega-Brille-224x300.jpg\" alt=\"Maske aus Katalog L'Art des Lega' am Quai Branly 2013-14\" width=\"224\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_7125Lega-Brille-224x300.jpg 224w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_7125Lega-Brille-768x1024.jpg 768w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_7125Lega-Brille-624x832.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_7125Lega-Brille.jpg 825w\" sizes=\"auto, (max-width: 224px) 100vw, 224px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3088\" class=\"wp-caption-text\">Maske aus Katalog L&#8217;Art des Lega&#8216; am Quai Branly 2013-14<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hatte dabei immer einen Generalverdacht im Hinterkopf: die problemlose F\u00e4lschung. Erst sp\u00e4ter \u00fcberwog mein Befremden \u00fcber einen derartigen Stil in Afrika. Wir wissen doch, was der sich schuldig ist: vitale Lebendigkeit, \u00a0<em style=\"font-style: italic;\">Africanness <\/em>(R.F.Thompson)! Die blassen Handschmeichler kann man durchaus mit dem Klischee des bebrillten\u00a0 Klassenprimus belegen! Nun, bei genauerem Hinsehen gibt es ja einiges zu entdecken! \u00a0Es liegt auch an einem selbst!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #0f3647;\">Jetzt erst finde ich auf dem Markt nach Azande, Jonga, Metoko und Mbole starke, ja sogar deftige Lega-Figuren, die Sprichw\u00f6rter und Lebensweisheiten verk\u00f6rpern sollen, etwa den Schlafmatten-Typen, der Tr\u00e4gheit und sexuelle Laxheit vertritt. Wie weit er bereits herunter gekommen ist, sollen die grob gebohrten L\u00f6cher im brettartigen K\u00f6rper zeigen.\u00a0<\/span><span class=\"Apple-style-span\" style=\"color: #0f3647;\">Die Figuren am Marktstand an der Mainbr\u00fccke sind stark und frei.\u00a0<\/span><span class=\"Apple-style-span\" style=\"color: #0f3647;\">W. behauptet, gerade erst den Osten des Kongo, seine weitere Heimat, bereist zu haben. Bei seinem ungewohnt reichen Angebot bodenst\u00e4ndiger guter Skulpturen \u2013 mindestens einem Dutzend \u2013\u00a0glaube ich ihm vielleicht. Ihr Holz ist \u00e4u\u00dferst leicht. Ist das nicht ein Familienausweis? Eine \u201aklassische\u2019 etwas depressiv wirkende Handmaske ist sogar auch dabei. Meine \u201atechnische Pr\u00fcfung\u2019 und Klaus\u2019 \u00e4sthetische Begutachtung (aufgrund von Fotos) hat sie bestanden. \u00a0<\/span><span class=\"Apple-style-span\" style=\"color: #0f3647;\">Ich bin im \u00fcbrigen gespannt auf den Katalog von Elisabeth Cameron bei Branly!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #0f3647;\">So schrieb ich am 1.2.2015. Inzwischen habe ich zwei kleine Figuren erworben und das bisher nicht bereut.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_5807-Lega-7.2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-3039\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_5807-Lega-7.2-1024x768.jpg\" alt=\"IMG_5807 Lega 7.2\" width=\"625\" height=\"468\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_5807-Lega-7.2-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_5807-Lega-7.2-300x225.jpg 300w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_5807-Lega-7.2-624x468.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_5807-Lega-7.2.jpg 1300w\" sizes=\"auto, (max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daniel P.Biebuyck schrieb 1976 einen lebendigen und bei aller K\u00fcrze differenzierten \u00a0Beitrag \u00fcber die Lega im Osten des Kongo und zu den Fragen,\u00a0in dem quadratischen Reader\u00a0<em> Ethnic and Tourist Arts &#8211; Cultural Expressions from the Fourth World\u00a0<\/em>(Nelson H. H. Graburn, editor \/ University of California Press, paperback edition 1969, pp.334-349). Ich drucke unten das letzte Drittel ab und und beginne damit auf S. 345 mitten im Kapitel <em>External Influences.\u00a0<\/em>(Durch Anklicken vergr\u00f6\u00dfern!)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Biebuick-Lega-1976.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-3032\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Biebuick-Lega-1976-150x150.jpg\" alt=\"Biebuick Lega 1976\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>\u00a0\u00a0<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Biebuick-Lega-1976_0001.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-3033\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Biebuick-Lega-1976_0001-150x150.jpg\" alt=\"Biebuick Lega 1976_0001\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>\u00a0\u00a0<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Biebuick-Lega-1976_0002.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-3034\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Biebuick-Lega-1976_0002-150x150.jpg\" alt=\"Biebuick Lega 1976_0002\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>\u00a0\u00a0<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Biebuick-Lega-1976_0003.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-3035\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Biebuick-Lega-1976_0003-150x150.jpg\" alt=\"Biebuick Lega 1976_0003\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p><span class=\"Apple-style-span\" style=\"line-height: 14px;\"><br \/>\n<\/span><span class=\"Apple-style-span\" style=\"line-height: 14px;\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Biebuick-Lega-1976_0004.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-3036\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Biebuick-Lega-1976_0004-150x150.jpg\" alt=\"Biebuick Lega 1976_0004\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/span><\/p>\n<p>12.3.\/22.5.2015 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0<strong>L\u00e4uterung durch Erl\u00e4uterung?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Bild eines zerst\u00f6rerischen Jahrhunderts im Kongo kann ich auch meine Objekte irgendwo verorten.\u00a0Biebuyck zeigt &#8211; als Beispiele des <i>Niedergangs &#8211;<\/i>\u00a0Dinge, die er von respektablen Menschen geschenkt bekommen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir k\u00f6nnen daraus unsere Schl\u00fcsse ziehen. Hier wird nicht eingeordnet. Das Wissen, das wir erhalten, betrifft Umst\u00e4nde, Umgebung und Entstehungsbedingungen von Skulpturen. In der Mitte bleibt ein Raum frei. Feldfotos und ein paar in den f\u00fcnfziger Jahren dokumentierte St\u00fccke m\u00f6blieren ihn karg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Verfasser hat Hunderte St\u00fccke vor Ort und im Magazin gesehen.\u00a0Von seinem Erfahrungsschatz teilt er uns so viel mit, wie in einer halben Stunde, wie auf f\u00fcnfzehn Druckseiten m\u00f6glich ist. Haupts\u00e4chlich allgemeine Einsichten.\u00a0So macht es schon einen Unterschied, ob wir uns einem Demonstrationsobjekt und Statusobjekt innerhalb eines festgelegten Rahmens (Bwami-Gesellschaften) oder einem Kraftobjekt, einem Fetisch gegen\u00fcber sehen, obwohl dazwischen keine klare Grenzziehung m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es macht auch einen Unterschied, zu wissen, dass sich traditionell keiner gro\u00df um die Schnitzer gek\u00fcmmert hat und jenseits von konventionellen Qualit\u00e4tsstufen die \u00c4sthetik f\u00fcr die Besitzer weniger wichtig war als die <i>Provenienz <\/i>fr\u00fcherer Besitzer &#8211; und die durch sie akkumulierte Aura. Materielle Erfordernisse \u2013 etwa die Erreichbarkeit von Elfenbein \u2013 wurden pragmatisch angepasst. Also entspannen und die Erwartungen niedrig h\u00e4ngen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist von \u00e4sthetischen Standards der Lega die Rede \u2013 \u00a0Harmonie und Gl\u00e4tte, aber auch von einer \u00c4sthetik der H\u00e4sslichkeit &#8211; und dann vor allem von einer gro\u00dfen Palette von Aphorismen,\u00a0denen die Figuren urspr\u00fcnglich zugeordnet wurden, sowie unterschiedlichen\u00a0Verwendungen. Das Bestreben der lokalen Vereinigungen, \u00a0kleine Unterschiede zu generieren, tr\u00e4gt zur Un\u00fcbersichtlichkeit des Bedeutungsfeldes bei. Eindimensionale Erkl\u00e4rungen k\u00f6nnen wir vergessen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wo ordnet der Sammler\u00a0nun\u00a0seine eigenen Vorlieben und seine Objekte ein? Nat\u00fcrlich m\u00f6chte er kein deklassiertes St\u00fcck. Dabei entsteht aber sofort die Frage: nach einem aktualisiertem Lega-Ma\u00dfstab oder nach Daniel Biebuyk? Die Wahrnehmung einer spezifischen Aura ist ohnehin eine pers\u00f6nliche Angelegenheit. Als historisch aufgekl\u00e4rter Sammler mache ich das alles nicht einfach an meinen spontanen Vorlieben fest. Wenn Biebuyck daran erinnert, dass auch in der vorkolonialen Zeit \u00e4sthetisch mangelhafte Skulpturen entstanden, ist meine Urteilsf\u00e4higkeit gefragt.\u00a0Da war nicht alles spirituell verfeinert. Ich denke sofort an die langweiligen, wohl auch einfallslosen Masken mit leeren Gesichtern, bei denen mir Authentizit\u00e4t und Alter egal sind. Auf ein paar Feldfotos sind die Gestelle zu sehen, auf denen solch kleine Masken befestigt sind. <em style=\"font-style: italic;\">Display\u00a0 <\/em>steht im Text.\u00a0Initiierte M\u00e4nner stellen sie bei ihren Versammlungen hinter ihrem Sitzplatz auf. Figuren haben sie vor sich auf die Erde gestellt, vielleicht auch nur f\u00fcr das Foto des Ethnographen. Die repr\u00e4sentieren den Status ihres Eigent\u00fcmers. Nicht gerade aufregend!\u00a0Statussymbole hatten noch nie meine Sympathie. Eher harmlos, wenn sie <i>nur <\/i>aus Holz oder edlem Horn sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist das Geheimnis des Erfolgs derart an\u00e4mischer Kunst? 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