{"id":3011,"date":"2015-02-24T00:31:53","date_gmt":"2015-02-23T23:31:53","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=3011"},"modified":"2015-04-27T19:59:05","modified_gmt":"2015-04-27T18:59:05","slug":"disproportionierte-dimensionen-hermann-luebbe-1974","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=3011","title":{"rendered":"\u201aDisproportionierte Dimensionen\u2019 &#8211; aktuell"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">schrieb Hermann L\u00fcbbe 1974 zur \u00f6ffentlichen Erregung \u00fcber &#8218;die Rahmenrichtlinien&#8216;!<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neuerdings habe ich noch weniger Lust, unsere Zeit der Wunder \u00fcberhaupt noch zur Kenntnis zu nehmen, geschweige denn, mich zu emp\u00f6ren. In mir verbindet sich gegen Ende meiner <i>best before <\/i>Phase Unreife mit \u00dcberreife, genau so, wie es eine erfolglos Verehrte bereits vor f\u00fcnfzig Jahren diagnostizierte. Das wollte sie nicht hinnehmen, obwohl oder weil sie bereits selber eine Last zu tragen hatte, und das mitten in der sexuellen Revolution. Revolution, das gab es doch wirklich, oder?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gottseidank \u2013 verd\u00e4chtig oft kommt mir dieses Wort \u00fcber die Lippen \u2013 gehe ich noch aus und treffe da auf unverdrossen meinungsfreudige Leute. Der eine oder andere ist mir verd\u00e4chtig: <i>Den kennst du doch aus deiner Jugend<\/i>! Und da er gr\u00f6\u00dfer ist als ich, kann ich hinter ihm in Deckung gehen. Bei der letzten schr\u00e4gen Begegnung stellte sich ein Mann als <i>Hermann L\u00fcbbe<\/i> vor. H\u00e4tte ich den gelesen haben sollen? Und er brabbelte was von dem Streit um \u2013 aufpassen, genau zitieren! &#8211; <i>die<\/i> <i>Hessischen Rahmenrichtlinien f\u00fcr das Schulfach \u201aGesellschaftslehre\u2019<\/i>.\u00a0 Warum habe ich mich darum darum nicht geschert? Ich war doch \u201aidealistischer\u2019 (das sollte man heute hinzuf\u00fcgen) Junglehrer an einer Frankfurter Berufsschule? Aber vielleicht deshalb? War Papier nicht schon damals geduldig und die neuartige Bespitzelung \u201alinks\u2019 engagierter junger Lehrer viel vitaler, attraktiver? Nun, wir waren Staatsbedienstete, und der zu leistende Treueeid war jedenfalls f\u00fcr mich nicht nur wegen des Kirchenaustritts eine ernsthafte Frage, nat\u00fcrlich mit gute Gr\u00fcnden positiv beantwortet. Doch warum w\u00fchle ich jetzt in meiner staubtrockenen Vergangenheit?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der dank Google (heil, heil, heil dir!) unsterbliche L\u00fcbbe schrieb damals, 1974:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Hessische Landesregierung, wie gesagt, betrachtet den Fall als einen Lehrfall praktizierter Demokratie. Daran ist soviel richtig, da\u00df in der Tat nur in\u00a0<\/em><i>einer Demokratie eine solche \u00f6ffentliche Auseinandersetzung, in der auch die Regierung nicht geschont wird, stattfinden kann, und insofern w\u00e4re alles in Ordnung. Da\u00df auch etwas nicht in Ordnung ist, zeigt sich an den disproportionalen Dimensionen des Falles. Was ist denn der Anla\u00df des gro\u00dfdimensionierten Dauerstreits? Es sind Richtlinien f\u00fcr die Ausarbeitung von Unterrichtspl\u00e4nen in einem einzigen unter mehreren Schulf\u00e4chern, und zwar f\u00fcr eine einzige, n\u00e4mlich die mittlere unter drei Schulstufen, die von Kindern besucht wird, die zwischen zehn und f\u00fcnfzehn Jahren alt sind. An ihrem geh\u00f6rigen Ort haben nat\u00fcrlich auch solche Richtlinien ihre Wichtigkeit. Aber im Vergleich mit den zentralen Aufgaben, die Regierungen und Parlamente in unseren Bundesl\u00e4ndern von der Gebietsverwaltungsreform bis zur Verbesserung der Nahverkehrsinfrastruktur zu l\u00f6sen haben, handelt es sich bei solchen\u00a0<\/i><i>Richtlinien doch um einen Gegenstand von durchaus untergeordneter politischer Gr\u00f6\u00dfenordnung. Die Heftigkeit der politischen Auseinandersetzung, die sie ausgel\u00f6st haben, steht dazu in einem verbl\u00fcffenden Mi\u00dfverh\u00e4ltnis. Das ist nicht normal, und das ist auch nicht gut. Denn die Aufmerksamkeit und das Engagement der B\u00fcrger sind knappe politische G\u00fcter, und es ist mi\u00dflich, wenn sie \u00fcber Monate hin f\u00fcr ein Problem, das der Sache nach normalerweise als ein Randproblem gelten mu\u00df, politisch in Anspruch genommen und verbraucht werden. Normalerweise w\u00fcrde ein solcher Vorgang doch ganz anders verlaufen\u00a0<\/i>s<em>ein. Der Kultusminister h\u00e4tte Fachleute beauftragt, Lehrplanentw\u00fcrfe auszuarbeiten. Das Resultat ihrer Arbeit h\u00e4tte er dann den Betroffenen, den Lehrern, den Eltern, den Sch\u00fclern, den einschl\u00e4gigen Verb\u00e4nden, zur Stellungnahme vorgelegt. Einige Konferenzen, Klausurtagungen h\u00e4tten stattgefunden. Unter Ber\u00fccksichtigung der eingegangenen Stellungnahmen w\u00e4re ein revidierter Entwurf abgefa\u00dft worden. Der kulturpolitische Ausschu\u00df des Landtags h\u00e4tte noch Gelegenheit gehabt, Kenntnis zu nehmen, und alsdann w\u00e4re der Erla\u00df des Ministers in Kraft getreten &#8211; Stoff f\u00fcr einen Bericht auf hinteren Seiten der Landespresse und f\u00fcr ein Dreiminuteninterview mit dem Minister in der Landesrundschau.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">GU_7_1974_2_S46_55 hei\u00dft meine pdf-Quelle: <b>Hermann L\u00fcbbe. Hessische Gesellschaftslehre oder Die Grenzen des p\u00e4dagogisch Erlaubten<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201aDisproportionierte Dimensionen\u2019 \u2013 ist das heute nicht der Pferdefu\u00df (diabolisch verstanden) unserer Informiertheit? Priorit\u00e4ten und deren Hierarchie haben in der \u00d6ffentlichkeit wohl nichts mehr zu suchen. Das soll das individuelle Gewissen mit sich selbst ausmachen, oder was an dessen Stelle getreten ist. Es gibt so viele Gesichtspunkte \u2013 und f\u00fcr jeden einen Lehrstuhl &#8211;\u00a0 da m\u00f6chte sich doch niemand die Finger verbrennen. Ich auch nicht. Manchmal denke ich: Wichtige Informationen werden nur deshalb zur\u00fcckgehalten, damit sie im geeigneten Moment\u00a0 detonieren k\u00f6nnen. Der spontane Blogger ist der letzte Arsch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>\u00a0<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>schrieb Hermann L\u00fcbbe 1974 zur \u00f6ffentlichen Erregung \u00fcber &#8218;die Rahmenrichtlinien&#8216;!<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-3011","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lehrer_altkoenig"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3011","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3011"}],"version-history":[{"count":8,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3011\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3285,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3011\/revisions\/3285"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3011"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3011"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3011"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}