{"id":2465,"date":"2014-07-29T22:47:02","date_gmt":"2014-07-29T21:47:02","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=2465"},"modified":"2016-02-13T15:32:13","modified_gmt":"2016-02-13T14:32:13","slug":"paul-parin-neulektuere-der-pychoanalyse-mit-wem-sonst","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=2465","title":{"rendered":"Paul Parin \u2013 Psychoanalyse? Mit wem sonst?"},"content":{"rendered":"<p><b><\/b><b>Paul Parin \u2013 Lesereise 1955 bis 2005, gefunden und herausgegeben von Traute Hensch <\/b>Edition Freitag, 2006, broschiert 186 S., ISBN-10: 3936252092\u00a0\u00a0 ISBN-13: 978-3936252095<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Mit wem sonst?<\/strong><\/p>\n<p>Wo beginnen? &#8211;\u00a0Am Ende, mit der Frage \u201e<strong>Gibt es ein Leben hinter der Couch?\u201c,<\/strong> die Paul Parin mit 82 Jahren der Neuen Z\u00fcrcher Zeitung beantwortet hat.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er verstand sich als Therapeut, der sein Urteilsverm\u00f6gen an dem Instrumentarium seiner Vorg\u00e4nger und an seiner Lebenserfahrung, auch in seiner Lehranalyse, schulte und reifen lie\u00df. Sein Leben vor der Psychoanalyse, in extremer Zeit bot gute Voraussetzungen\u00a0daf\u00fcr, aber ebenso ungew\u00f6hnliche Engagements (Partisanen, Ethnopsychoanalyse), die schon fr\u00fch erarbeiteten praktischen F\u00e4higkeiten (Chirurgie z.B.), sein zupackendes Wesen, ein starker Idealismus und die Kraft der k\u00fchlen distanzierten Reflexion. &#8211; An seiner Freiheit im Engagement h\u00e4tte Vil\u00e9m Flusser seine Freude gehabt. Auch Parins \u201aHeimat\u2019 ging unter, auch er lebte \u201abodenlos\u2019, der geborene Au\u00dfenseiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Parin nahm sich das Recht, \u201eFreund zu sein und Fremder zu bleiben\u201c, immer auf der Hut vor den Versuchungen der therapeutischen Macht und der emotionalen Verstrickung. Er nahm sich an Theorien, was ihm n\u00fctzlich erschien. Er konnte sagen, dass er \u201ein der Regel der Freudschen Analyse treu geblieben\u201c sei &#8211; er hatte keineswegs im Sinn, \u201epragmatisch\u201c eine selektive Methode zu entwickeln (176) &#8211; aber in Kenntnis ihrer Grenzen. Seinen Weg in die Psychoanalyse zeichnete er im sch\u00f6nen und spannenden Text <strong>\u201cKurzer Aufenthalt in Triest oder Koordinaten der Psychoanalyse\u201c<\/strong> nach. Parin verfolgte darin das Ineinander von intellektueller Biografie und Gesamtbewegung. Dass er Psychoanalyse als \u201ewissenschaftliche Methode\u201c praktizierte, hie\u00df also: in klarer Wahrnehmung ihrer Wirkungsfaktoren und\u00a0 Existenzbedingungen. Er traute sich zu, die Koordinaten seiner Wissenschaft selber zu bestimmen, und das\u00a0 sollte als Bestreben doch f\u00fcr jeden Analytiker gelten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist deshalb nicht \u00fcberraschend,\u00a0 dass er dem Trend zu einer Verschulung der Ausbildung &#8211; er formulierte im Text zur\u00fcckhaltender (178): \u201eob Psychoanalyse in einer schulischen Institution gelehrt werden\u201c solle \u2013 drei Jahre lang Widerstand leistete, bis er 1976 mit seinem Psychoanalytischen Seminar Z\u00fcrich (PSZ) die Anerkennung der Schweizer Gesellschaft f\u00fcr Psychoanalyse und damit leider auch den Kontakt mit vertrauten Kollegen verlor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seiner Sicht musste er \u00fcber den Horizont der Psychoanalyse hinausstreben, auch ins politische Engagement, mangels besserer Alternativen, wie es scheint. Das ist gerade heute ein interessantes Thema: linkes Engagement, aber in Sisyphus-Manier!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er tat es, wie er sagt, um der Psychoanalyse selbst willen, denn \u00fcber ihre begrenzten Erfolgschancen, die er auch beklagte, hatte ihn seine Partisanenzeit aufgekl\u00e4rt: <i>Partisanen sind M\u00e4nner der D\u00e4mmerung<\/i>. Freud sah er in diesem Licht. In seinem Fremdsein, in seiner Lebendigkeit, die mit\u201asozialem Tod\u2019 zu bezahlen war, sah er sich mit ihm verbunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>P.S.\u00a0 Die Unzul\u00e4nglichkeiten meines Textes sollen mich nicht davon abhalten, auf diesen ungemein klugen und facettenreichen Reader hinzuweisen, auch wenn gerade nur amazon ein einziges Exemplar f\u00fcr knapp 20 Euro vermittelt, ZVAB \u00fcberhaupt nicht.\u00a0 29.7.14<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Der Verlag \u00fcber den Autor<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Paul Parin, geb. 1916, ist Neurologe, Psychoanalytiker, Ethno-Analytiker und Schriftsteller. 1944\/45 geht er als Arzt mit seiner Frau, der Psychoanalytikerin Goldy Parin-Matth\u00e9y, zur jugoslawischen Partisanenarmee. Er praktiziert bis 1990 in Z\u00fcrich. Zusammen mit Fritz Morgenthaler unternehmen die Parins mehrere Forschungsreisen nach Westafrika. Zu den Auszeichnungen, die Paul Parin erh\u00e4lt, geh\u00f6ren der Preis der Internationalen Erich-Fried-Gesellschaft, der Sigmund-Freud-Preis der Deutschen Akademie f\u00fcr Sprache und Dichtung und der Sigmund-Freud-Preis der Stadt Wien. Ehrendoktor der Universit\u00e4t Klagenfurt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Paul Parin \u2013 Lesereise 1955 bis 2005, gefunden und herausgegeben von Traute Hensch Edition Freitag, 2006, broschiert 186 S., ISBN-10: 3936252092\u00a0\u00a0 ISBN-13: 978-3936252095 Mit wem sonst? 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