{"id":2445,"date":"2014-07-26T21:07:56","date_gmt":"2014-07-26T20:07:56","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=2445"},"modified":"2017-01-07T14:35:03","modified_gmt":"2017-01-07T13:35:03","slug":"arts-home-is-my-kassel-zum-film-ueber-die-documenta-2012","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=2445","title":{"rendered":"&#8218;ART&#8217;s Home Is My Kassel&#8216; (&#8218;Documenta&#8216;)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/IMG_1996.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2448 aligncenter\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/IMG_1996-300x191.jpg\" alt=\"IMG_1996\" width=\"300\" height=\"191\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/IMG_1996-300x191.jpg 300w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/IMG_1996-1024x653.jpg 1024w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/IMG_1996-624x398.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/IMG_1996.jpg 1099w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kinosaal an einem Sommertag, also doppelt isoliert. Ein Dutzend Menschen, allein oder verabredet. Gespr\u00e4che vor dem Vorhang .<i>..und dann hat meine Mutter &#8230;<\/i> oder <i>Ich hoffe, ich kriege mein altes Windows zur\u00fcck&#8230; eine Systemlandschaft, seit der Fusion v\u00f6llig zusammengestoppelt<\/i> &#8230; Dann die Trailer mit den \u00fcblichen grell inszenierten Lebensgeschichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wof\u00fcr ich hier bin? \u201eThe Home of Art is my Kassel\u201c \u2013 die 13. Dokumenta 2012 im Schnelldurchgang, letzte Vorf\u00fchrung. Ich will den Ort sehen, wohin meine Freunde vor zwei Jahre pilgerten. Anderthalb Stunden halte ich sie sicher aus. Den gequ\u00e4lt witzigen Titel des Films verstehe ich erst einmal gar nicht. Sechsunddrei\u00dfig \u201aWerke\u2019 bzw. \u201aInstallallationen\u2019 werde ich gezeigt bekommen. Das bekomme ich im Abspann schriftlich.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schnell kommt die ganze Kunstproblematik ins Bild und zur Sprache, obwohl die Dokumentation ganz auf die Rhetorik des dicken Kataloges verzichtet, in denen Besucher immer wieder Rat suchen. Welchen sie jeweils bekommen, erfahren wir nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Film beginnt mit dem Aufbau die Monate vorher. Erdh\u00fcgel werden zusammengschoben und bepflanzt, provisorische Bauten werden errichtet und mit Einbauten versehen. Der K\u00fcnstler nimmt wie ein Bauherr ab und darf ein paar Dinge bestimmen. Landschaftsg\u00e4rtner mit Caterpillar, Schreiner und Elektroinstallateure\u00a0 beherrschen die Szene. Vom R\u00fcckbau ist auch schon die Rede und: Alles das hat einen hintergr\u00fcndigen Sinn. Es stimmt gar nicht, was der epd-Kritiker (epd Film,7.2014) moniert: Der Film biete z<em>u wenig f\u00fcr eine Auseinandersetzung mit der Documenta<\/em>. Die muss man auch gar nicht suchen, sie stellt sich spontan ein.\u00a0Unbelastete gutwillige Besucher sprechen Beobachtungen aus, die man sonst aus \u201aKindermund\u2019erwarten w\u00fcrde, etwa: Vorher Schrott und nachher auch wieder Schrott, das sei doch sehr eigenartig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich nutze Vilem Flusser als Diagnostiker, er prognostizierte: Das Material werde immer billiger, die digitale Programmierung immer wichtiger. Ein dunkel gebeizter Einbauschrank wird vom K\u00fcnstler ausdr\u00fccklich wegen seiner hochwertigen Verarbeitung ger\u00fchmt \u2013 er soll aber auch eine Bibliothek simulieren f\u00fcr &#8218;<em>Xylothek&#8216;, <\/em>eine <em>Installation<\/em>. Anderen Schreinerarbeiten geht es nicht so gut, die Anmutung von Baumarkt ist immer pr\u00e4sent. Das Kletterger\u00fcst aus sieben unterschiedlichen Typen amerikanischer Galgen hat eine politische Spannung, aber \u00e4sthetisch ist es mit seinen typisch deutschen Sicherungsgel\u00e4ndern tot. Bei einer multimedialen Installation (L\u00e4rm und sich \u00fcberlagernde bewegte Bilder) f\u00e4llt mir ein, dass der umbaute Raum nichts anderes als ein beliebiges Zirkuszelt darstellt, mit dem Geschehen durch nichts verbunden, durch jeden anderen Bau \u00e4hnlicher Art ersetzbar. Nicht viel anders steht es um die dort projizierten Handzeichnungen (!), die man kaum wahrnimmt, was aber nicht schade ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Flusser hoffte bekanntlich auf die mit digitalen Programmen freigesetzte Kreativit\u00e4t k\u00fcnftiger Menschen. Doch l\u00f6sen die Beispiele von der Documenta schon einmal etwas von dem Anspruch ein? Gro\u00dfe K\u00fcnstler habe ich darin nicht entdeckt, eher junge Talente mit einer einzigen Idee, etwa der, in einer Waldlandschaft einen Kreis aus Lautsprechern in verschiedener H\u00f6he zu installieren, in seiner Mitte einige B\u00e4ume f\u00e4llen zu lassen, deren St\u00fcmpfe als Sitzgelegenheiten funktionieren k\u00f6nnen, und das eintretende Publikum mit Ger\u00e4usch zu beschallen, das irgendwo zwischen Stra\u00dfenl\u00e4rm, Kino und Katastrophe angesiedelt ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie auch? Beliebigkeit steht als Drohung \u00fcber allen, die sich der scheinbar unbegrenzten M\u00f6glichkeiten bedienen. \u201eEs ist alles so bunt hier\u201c im Westen, Nina Hagen war bereits vor drei\u00dfig Jahren \u00fcberw\u00e4ltigt. Der Mann hier ist ein Allrounder, jedenfalls kein strenger Musiker. Was geschieht aber, wenn komponierte Musik auf Streichinstrumenten in ein ausgew\u00e4hltes Environment implantiert wird? Auf einem Bahnsteig, von dem Transporte nach Auschwitz abgingen, erinnert eine akustische Installation musikalisch an einen Komponisten der Stadt, der nicht \u00fcberlebt hat. Ich gebe zu, dass mich die Grenz\u00fcberschreitung von Kunst zur Erinnerungskultur ber\u00fchrt hat,\u00a0aus dieser Idee kann etwas N\u00fctzliches werden, doch als Documenta-Beitrag? <i>Eine Million Menschen werden mich sehen<\/i>, sagt einer der K\u00fcnstler. <i>It\u2019s a flea-market<\/i>, kommentierte irgendwann ein ungebetener Performance-K\u00fcnstler mit <i>Blauhelm<\/i>, der mi mich immer wieder vor dem Abgleiten in die Langeweile gerettet hat. Ihm verdanke ich eine weitere Einsicht, auf die ich alleine nicht gekommen w\u00e4re, etwa so: Der Notstand (emergency) \u00fcberholt die zeitgen\u00f6ssische Kunst, kommt ihr zuvor. <i>Contemporate Art is always too late<\/i>. Daher habe er den Blauhelm auf, er sei hier am falschen Ort und zu sp\u00e4t.\u2019<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/IMG_2006.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/IMG_2006-300x183.jpg\" alt=\"IMG_2006\" width=\"300\" height=\"183\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aufwendige Inszenierungen mit einem solchen Handicap muss man sich leisten k\u00f6nnen. Die Vermarktung l\u00e4uft auf Hochtouren. Hier wird etwas im Interesse des Kunst-Business im k\u00fcnstlichen Koma gehalten. Wenn der staatstragende Gauck zur Er\u00f6ffnung auftritt, ist das auch nur einer der vielen Krankenbesuche.<\/p>\n<p><i>Die wahre Kunst<\/i> \u2013 meinte der unverbesserliche Flusser \u2013 zeigt sich im Reich von Wissenschaft und Technik. Am Ende der Dokumentation sp\u00fcre ich das ein wenig, wenn die genialen Akkuschrauber wieder in Aktion treten, wenn erprobte Verfahrensabl\u00e4ufe den R\u00fcckbau optimieren, wenn die hochkomplexe Alltagswelt gegen\u00fcber der Seifenblase \u201aDocumenta\u2019 wieder in ihr Recht tritt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcbrigens: Blockupy war auch da, aber die bauten ihre Zelte fr\u00fcher ab. Ihnen d\u00e4mmerte, dass der gro\u00dfspurig proklamierte <em>staatsfreie Raum<\/em> vor dem Schloss nicht einmal symbolisch Relevanz beanspruchen konnte .<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">24.7.2014 \u00fcber die Mittagszeit auf einem Gartenstuhl in der\u00a0<em>Bergstation,\u00a0<\/em>Huthpark Frankfurt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/IMG_2009.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2453 aligncenter\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/IMG_2009-225x300.jpg\" alt=\"IMG_2009\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/IMG_2009-225x300.jpg 225w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/IMG_2009-768x1024.jpg 768w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/IMG_2009-624x832.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/IMG_2009.jpg 1050w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a>epd-Rezension mit Filmdaten im Schaukasten. Zweimal anklicken !<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kinosaal an einem Sommertag, also doppelt isoliert. Ein Dutzend Menschen, allein oder verabredet. Gespr\u00e4che vor dem Vorhang &#8230;und dann hat meine Mutter &#8230; oder Ich hoffe, ich kriege mein altes Windows zur\u00fcck&#8230; eine Systemlandschaft, seit der Fusion v\u00f6llig zusammengestoppelt &#8230; Dann die Trailer mit den \u00fcblichen grell inszenierten Lebensgeschichten. 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