{"id":2320,"date":"2007-12-26T15:15:38","date_gmt":"2007-12-26T14:15:38","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=2320"},"modified":"2014-06-18T15:44:14","modified_gmt":"2014-06-18T14:44:14","slug":"entdeckung-der-abstraktion-ist-sie-hier-zu-entdecken","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=2320","title":{"rendered":"Entdeckung der Abstraktion &#8211; Ist sie hier zu entdecken?"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/IMG_3469Abstraktion.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"IMG_3469Abstraktion\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/IMG_3469Abstraktion-300x244.jpg\" width=\"300\" height=\"244\" \/><\/a>\u00a0\u00a0 Notizen vom\u00a026.12.07<\/p>\n<p>\u201e<em>Dass man um diese \u00a0Zeit schon so weit war<\/em>\u201c &#8211; Wegen dieser zu erwartenden Aussage einer unbedarften Besucherin h\u00e4tte ich die Ausstellung zur \u201eVorgeschichte der Abstrakten Kunst\u201c f\u00fcr das breite Publikum verboten. <!--more-->Es war zu sp\u00fcren, wie da eigene fr\u00fche Kunstversuche und Erinnerungen an die Bastelkurse reaktiviert wurden.\u00a0Dabei war es im Grunde ein seri\u00f6ser spr\u00f6der kunstgeschichtlicher Blick in die Unterw\u00e4sche der modernen Kunst, unter ihre aufgespreizten Reifer\u00f6cke, gut dokumentiert im Katalog.\u00a0Bilanz des Augenscheins:\u00a0Ganz \u00fcberwiegend Kleksereien und nicht mehr. Die \u201eAusstellung\u201c entlie\u00df mich hungrig. Es gab lauter kleine Baustellen und \u00a0keinen gelungenen Bau zu sehen! Der ganze Jammer der \u201eModerne\u201c!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein paar Ergebnisse im Notizbuch:<\/p>\n<p>Das Material stammt aus den Ateliers, aus K\u00fcnstlernachl\u00e4ssen, wurde kleinformatig &#8211; wie es war -zusammengekratzt. Es war aufgehoben worden, aber\u00a0\u2013 z.B. bei Turner \u2013 als Arbeitsskizzen. Es handelte sich um lapidare Entw\u00fcrfe, die das gegenst\u00e4ndliche Ergebnis simulierten, \u201estenografische\u201c Notiz zum Einfangen einer ersten Bildidee, \u00fcbrigens\u00a0typisch westlich als individuell improvisierte Technik, nicht wie in China in einem stenografischen Code! (Malschulen)<\/p>\n<p>Es gab auch das \u201eSpiel mit dem Zufall\u201c zur Anregung der Vorstellungskraft, zur Entwicklung von Bildideen. So hatte schon Alex Cozem (* 1717) \u201eblots\u201c (Flecken) zur freien Landschaftskomposition verwendet. K\u00fcnstler gestalteten seine gedruckten Vorlagen dann unterschiedlich aus. Seit dem 17.Jh. analysierte man schon \u201eSch\u00f6nheit\u201c ; dabei dienten auch solche abstrakten Notizen, wiewohl Hogarth Sch\u00f6nheit in der \u201eabstrakten linearen Form der Gegenst\u00e4nde\u201c fand.<\/p>\n<p>In einem Buch aus dem 19.Jh. wurde z.B. \u201eTurners Prinzip\u201c der \u201eLicht- und Schattenverteilung\u201c und \u201eHelldunkelkomposition\u201c in einem schematischen farbigen Litho (aus Flecken) den \u201eSchemata\u201c anderer K\u00fcnstler gegen\u00fcbergestellt.<\/p>\n<p>Freilich lebt in mancher abstrakten Skizze auch das uralte menschliche Vergn\u00fcgen des Gehirns an Formen und Farben. Sie zeugt dann auch von einem intensiven, auf ein winziges Format konzentrierten Blick. die Ahnung eines ganz au\u00dfergew\u00f6hnlichen Gro\u00dfen, wenn es denn zur Welt k\u00e4me!<\/p>\n<p>Der Poet Hugo kam \u00fcber seine Reiseskizzen zu einem Spiel mit Materialien: Er dr\u00fcckte Spitzen auf Flecken ab. Als ber\u00fchmter Au\u00dfenseiter konnte er seine Spielereien auch irgendwo abdrucken, ansonsten fanden sie sich im Nachlass. Bemerkenswert fand ich nur die Komposition im Format 30&#215;50: \u201eVollmond\u201c \u00fcber einem abstrakten Strand. Hugo hatte eine typische Stimmung von Dor\u00e9 oder Turner \u00a0geschaffen.<\/p>\n<p>Moreau hat, schon in der D\u00e4mmerung der Moderne, ein regelrechtes Doppelleben gef\u00fchrt: \u201eAbseits der offiziellen Ausstellungen\u201c des erfolgreichen Akademie-Malers, der die mythologischen Themen zum wiederholten Male ausschlachtete, \u201eentkoppelte\u201c er experimentell \u201eLinie und Form\u201c \u00a0und \u201ew\u00e4hlte\u201c so manche Arbeit \u201ef\u00fcr sein posthumes Museum aus\u201c, mit direktem Blick auf die Nachwelt &#8211; <em>Das ham wer gern<\/em>!<\/p>\n<p>Neben dem elit\u00e4ren \u201e\u00e4sthetischen\u201c und kunstgeschichtlichen \u201eDiskurs\u201c im 18. und 19. Jh. werden zwei ganz alte und popul\u00e4re Traditionen dokumentiert: Eigent\u00fcmliche Naturmaterialien wurden in der Geschichte magisch oder auch nur dekorativ gesehen: Die Verehrung z.B. von \u201eBildsteinen\u201c ist uralt. Namentlich hat sie im 16. Jh. Aldovandri (+1605) als \u201eWunder\u201c beschrieben.\u00a0Ich muss auch an die ostasiatische Tradition der \u201eSuiseki\u201c denken, wor\u00fcber ich gerade ein gleichnamiges Buch erworben habe. Und Paesina-Sandstein hat man als \u201eLandschaftsstein\u201c im 17.Jh. zu Bildern verarbeitet. Die Ausstellung zeigt zwei Beispiele.\u00a0Vom Buchschmuck des 18.Jh.zeigt man marmorierte Vorsatzpapiere. \u00a0&#8230; Ein weites Feld!<\/p>\n<p>Und dann kommt die Romantik mit \u201eKlecksographien\u201c. Wie oft hatte man dazu Tintenf\u00e4sser umwerfen m\u00fcssen, und mussten Schreibfedern Bl\u00e4tter verspritzen, bis daraus eine \u201eTechnik\u201c (klecksen und falten) wurde! Solche Flecken auszumalen ist gewiss eine anthroplogische Konstante! Kerner umspielt mit \u201eKlecksographien\u201c scherzhaft 1857 Jakob F\u00fcsslis Nachtmahre. Ein Herr Rohrschach radikalisiert solche 1921 in seiner \u201ePsychodiagnostik\u201c.<\/p>\n<p>\u201eKaffeeklexbilder \u2013 humoristische Handzeichnungen\u201c Lpz.1880 Hrsg.W.v.Kaulbach. \u2013 Der zeigt g\u00f6nnerhaft wilhelminischen Humor, der sich so gut mit Diskriminierung vertr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Balzac und vor allem \u00a0G.Keller waren Entdeckungen in diesem Kontext, ebenso wie die Tatsache, dass sie sich auf Tendenzen der Kunst bezogen, die nur Bildungsmangel nicht vermutete.<\/p>\n<p>Immer tauchen Fragen auf, die nicht rechtzeitig gestellt werden! \u00a0Ist dieses Revolution in den Bildenden K\u00fcnsten im 20.Jh eine eigentlich literarische Revolution gewesen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; \u00a0\u00a0 Notizen vom\u00a026.12.07 \u201eDass man um diese \u00a0Zeit schon so weit war\u201c &#8211; Wegen dieser zu erwartenden Aussage einer unbedarften Besucherin h\u00e4tte ich die Ausstellung zur \u201eVorgeschichte der Abstrakten Kunst\u201c f\u00fcr das breite Publikum verboten.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[],"class_list":["post-2320","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kunstkommissar"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2320","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2320"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2320\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2322,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2320\/revisions\/2322"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2320"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2320"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2320"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}