{"id":2299,"date":"2010-07-01T21:00:51","date_gmt":"2010-07-01T20:00:51","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=2299"},"modified":"2014-06-17T23:15:49","modified_gmt":"2014-06-17T22:15:49","slug":"renate-ahnert-ich-darf-gehen-ihr-duerft-bleiben-1-7-2010","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=2299","title":{"rendered":"Renate Ahnert. Ich darf gehen, Ihr d\u00fcrft bleiben. 1.7.2010"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1280101-Renate.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"P1280101 Renate\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1280101-Renate-300x231.jpg\" width=\"300\" height=\"231\" \/><\/a>\u00a0\u00a0\u00a0<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1280094-Publikum_Renate.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2300\" alt=\"P1280094-Publikum_Renate\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1280094-Publikum_Renate-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1280094-Publikum_Renate-300x225.jpg 300w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1280094-Publikum_Renate-624x468.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1280094-Publikum_Renate.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\u00a0\u00a0\u00a0<!--more--><\/p>\n<p>Warum stehe ich hier und werde einige Worte sagen?<\/p>\n<p>Der Grund ist doch allen bekannt, ich werde meine Zeit als Lehrerin beenden und da ist es guter Brauch und Sitte, adieu zu sagen. Vor meinen Sch\u00fclern habe ich mich schon verabschiedet, ich habe das Gl\u00fcck gehabt, im letzten Schuljahr Kurse unterrichten zu d\u00fcrfen, die mir das Abschiednehmen schwer gemacht haben.<\/p>\n<p>Jetzt also m\u00fcsst Ihr mir zuh\u00f6ren. Auch Ihr macht mir das Abschiednehmen nicht leicht. Aber:<\/p>\n<p>Es ist f\u00fcr mich ein guter Zeitpunkt, jetzt zu gehen: ich finde es\u00a0 rund und bin in Frieden mit mir und hoffentlich auch mit den Kolleginnen und Kollegen, zu denen f\u00fcr mich selbstverst\u00e4ndlich auch die Schulleitung geh\u00f6rt<\/p>\n<p>Ich habe mal den Begriff: \u201eKollege\u201c gegoogelt und bin da auf Folgendes gesto\u00dfen, aus dem Synonymische Handw\u00f6rterbuch der deutschen Sprache, 1910, 13. Auflage von Johann August Eberhard.<\/p>\n<p>Er schreibt:\u00a0 \u00a0Daher entwickelte sich in Lehrerkreisen der Begriff der <i>Kollegialit\u00e4t<\/i>, d. h. der hilfbereiten, unterst\u00fctzenden, allen Hochmut und Neid ausschlie\u00dfenden Liebe und gegenseitigen Wertsch\u00e4tzung der Amtsgenossen untereinander, der noch heute als eine besonders wertvolle ethische Eigenschaft unter der Lehrerschaft hochgehalten wird (wie der der <i>Kameradschaft<\/i> beim Milit\u00e4r).<\/p>\n<p>Also, warum ist es trotz aller Kollegialit\u00e4t jetzt der richtige Zeitpunkt?<\/p>\n<p>Ich habe meine Zeit als Lehrerin Revue passieren lassen, ein Problem vielleicht des \u00c4lterwerdens: \u201eDie Zeit ist wie im Fluge vergangen\u201c. Aber auch ein Indiz daf\u00fcr, dass ich mich wohl gef\u00fchlt habe und sicher auch, dass ich mich nicht gelangweilt habe.<\/p>\n<p>Ich habe meine Referendarszeit in Berlin fast zeitgleich mit der Umsetzung der gymnasialen Oberstufe begonnen. Es wurde damals Sch\u00fclern und Lehrern im guten Sinne einiges zugemutet, aber ich habe in den Lehrerzimmern so etwas wie \u201e kraftvolle Aufbruchsstimmung\u201c erlebt, so nach dem Motto: Jetzt packen wirs. (Die Bedenkentr\u00e4ger, die es sicher auch gab, hatte ich etwas ausgeblendet). Ich denke, dieses Vertrauen in die Richtigkeit der schulischen Arbeit hat auch ein St\u00fcck weit meine Arbeit mit Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern, mit den Kollegen gepr\u00e4gt. Ich beendige meine Lehrerzeit mit dem schleichenden Ende dessen, was man damals unter \u201eReform\u201c verstand, es hat blo\u00df noch Niemand gemerkt oder es wird nicht zur Kenntnis genommen. (Ein winziges Beispiel: Die Pr\u00e4sentationspr\u00fcfung, die ja eigentlich die Eigenst\u00e4ndigkeit des Sch\u00fclers f\u00f6rdern sollte, ist nicht nur formularm\u00e4\u00dfig in ein solch enges Konzept gepresst, dass sie diesem Anspruch kaum gerecht werden kann)<\/p>\n<p>Deswegen ist es gut, dass ich gehe, denn mir ist der Zusammenhang von Bildungsstandards, Vergleichstests und Kompetenzorientierung einerseits, der damit verbundenen Vorstellung von Bildung und Allgemeinbildung \u00a0nicht ganz geheuer. Das sollen jetzt mal die Jungen umsetzen, hoffentlich mit der gleichen \u00dcberzeugung, wie ich oder wir sie damals hatten.<\/p>\n<p>Ich bin in den letzten Wochen sehr oft nach Pl\u00e4nen f\u00fcr die \u201eZeit danach\u201c gefragt worden. Das hat mich manchmal etwas unwirsch gemacht, da ich sehr vielerlei im Kopf hatte und diese Unsicherheit mich etwas ungl\u00fccklich gemacht hat. Einerseits m\u00f6chte ich nun etwas entschleunigen und ungeplant \u201ein den Tag hinein leben\u201c mit B\u00fcchern, Musik und dem G\u00e4rtchen, das ist etwas kontr\u00e4r zu anderen Pl\u00e4nen, die Aktivit\u00e4t und etwas Konzentration verlangen: Gut vorbreitete Reisen in andere L\u00e4nder, zu Fl\u00fcssen, Meeren \u00a0h\u00fcgeligen Landschaften und \u00a0in kulturelle R\u00e4ume, mich zieht es auch wieder etwas zur\u00fcck in die Gefilde der Wissenschaft. Ich bin selbst gespannt, was mit mir passieren wird.<\/p>\n<p>Ich habe Vielen zu danken, die mich in meiner Arbeit unterst\u00fctzt haben, mir Mut gemacht haben und mich als Kollegin behandelt haben. Ich danke auch in diesem Zusammenhang besonders dem Sekretariat und speziell Frau Marek, die trotz des stresses immer Zeit hatte und mich oft hilfsbereit unterst\u00fctzt hatte.<\/p>\n<p>Ich danke auch unseren facility managern, die meinen technischen Unverstand und meine partielle Beratungsresistenz geduldig ertragen haben.<\/p>\n<p>Auf Wiedersehn, ich darf gehen, Ihr d\u00fcrft bleiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16,5],"tags":[],"class_list":["post-2299","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gaeste","category-lehrer_altkoenig"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2299","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2299"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2299\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2304,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2299\/revisions\/2304"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2299"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2299"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2299"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}