{"id":2191,"date":"2008-05-21T14:14:55","date_gmt":"2008-05-21T13:14:55","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=2191"},"modified":"2014-05-31T19:44:22","modified_gmt":"2014-05-31T18:44:22","slug":"original-und-faelschung-der-vierte-oder-fuenfte-versuch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=2191","title":{"rendered":"Original und F\u00e4lschung, der vierte oder f\u00fcnfte Versuch"},"content":{"rendered":"<p>Die Sache ist im Grunde ganz einfach, wie Wahrheit und L\u00fcge, oder besser: Ehrlichkeit und Betrug. Basta! Doch wenigen Leuten nahezubringen. Warum?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Beate: &#8222;Du bist eben ein richtiger Sammler!\u201c , was immer das hei\u00dft.<\/p>\n<p>Es gibt in der Praxis ein Problem mit der Unterscheidung.\u00a0Und ein Beweisproblem. Das kommt im Leben h\u00e4ufiger vor. Wir d\u00fcrfen blo\u00df nicht von den R\u00e4ndern aus beginnen. Das machen die Advokaten der T\u00e4uschung mit Vorliebe. Wir befinden uns auf dem Gebiet der Juristen. Die haben bekanntlich praktikable &#8211; und f\u00fcr sie profitable &#8211; Schneisen in das Unterholz zwischenmenschlicher Konflikte geschlagen. Sie verdienen am Streit \u00fcber das <i>richtige <\/i>Verst\u00e4ndnis dieser <i>Schneisen<\/i> und am Unterholz zweiter Ordnung, der \u201eKasuistik\u201c.\u00a0Es handelt sich also um eine Frage der menschlichen Beziehungen.<\/p>\n<p>Wir beginnen klugerweise nicht mit dem \u201eOriginal\u201c. In der Un\u00fcbersichtlichkeit unterschiedlich gelagerter F\u00e4lle verheddert man sich leicht und gibt den bereits erw\u00e4hnten <i>Advokaten<\/i> Ansatzpunkte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Die F\u00e4lschung auf der Beziehungsebene. <\/span><\/p>\n<p>Ich sagte zu Beate, ich wolle keine noch so raffinierte Arbeit eines Betr\u00fcgers besitzen. \u201eThe Art of Deception\u201c (Buchtitel) \u201eist manchmal sogar ein Sport\u201c(Beate). Prompt k\u00f6nnte ich mir eine spezielle Sammlung von sp\u00e4t entlarvten F\u00e4lschungen vorstellen samt interessanten Recherchen und Ausstellung.<\/p>\n<p>Also<span style=\"text-decoration: underline;\"> unter falschen Vorzeichen<\/span> besitzen.\u00a0 Das ist f\u00fcr mich nicht vordringlich eine Frage des materiellen Schadens. Zum Beispiel\u00a0 hatte ich die \u201eKota\u201c und die \u201eMahongwe\u201c von Kxxxxxxx sozusagen zum Marktwert erworben. Mit der \u00dcbert\u00f6lpelung des arglosen und hier str\u00e4flich uninformierten K\u00e4ufers waren Kopien in der Hand des H\u00e4ndlers zu \u201eF\u00e4lschungen\u201c geworden.<\/p>\n<p>Was materiell in den \u201eKopien\u201c als M\u00f6glichkeit angelegt war, die F\u00e4lschung, hatten er und ich mit unserem Verhalten verwirklicht.<\/p>\n<p>Darf man so argumentieren? Ich meine ja, denn ein Kultgegenstand &#8211; auch ein vermeintlicher &#8211; ist mehr als eine \u201eres extensa\u201c (Descartes) oder \u201ebewegliche Sache\u201c (Juristen). Nicht umsonst m\u00fcssen legale <i>ehrliche <\/i>Kopien &#8211; etwa von Gem\u00e4lden &#8211; ausdr\u00fccklich als solche gekennzeichnet werden. Und alte Objekte k\u00f6nnen in manchen L\u00e4ndern nicht legal exportiert werden.<\/p>\n<p>Es geht um Betrug, und dar\u00fcber steht im StGB, dass der Tatbestand auch durch bewusste Bef\u00f6rderung von Illusion verwirklicht wird.\u00a0H\u00e4ndler bewegen sich gew\u00f6hnlich in einer Grauzone, es sei denn, andere stehen f\u00fcr eine l\u00fcckenlos dokumentierte Provenienz gerade. Um sie Betr\u00fcger nennen zu d\u00fcrfen, muss ihnen die Tat und die Absicht nachgewiesen worden sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Nicht nur ein Beweisproblem!<\/span><\/p>\n<p>Ein massives Beweisproblem an beiden Enden! Was haben sie \u00fcberhaupt gewusst?\u00a0 Das \u201eProblem mit der Unterscheidung\u201c ist ein Erkenntnisproblem.<\/p>\n<p>Inzwischen stehen daf\u00fcr uns teure <i>objektive natur<\/i>wissenschaftliche Methoden zur Verf\u00fcgung, allerdings von begrenzter Zuverl\u00e4ssigkeit: Meist ist selbst nach einem greifbaren Untersuchungsergebnis Urteilskraft immer noch gefragt. Und das kluge Vertrauen in Autorit\u00e4ten wie eh und je&#8230;.<\/p>\n<p>Wir neigen bei Kunstwerken dazu, zu vergessen, wie viele &#8211; auch potenziell interessante &#8211; Informationen in jedem Augenblick verloren gehen. \u201eWichtige St\u00fccke\u201c (Galerie Simonis) haben dabei den Vorteil, an ihrem Wirkungsort \u00f6ffentliche oder private Aufmerksamkeit, wenn nicht gar Zuwendung, Verehrung zu genie\u00dfen. Davon k\u00f6nnen Informationen zumindest zu den Zwischenh\u00e4ndlern gelangen.<\/p>\n<p>Manchmal helfen auch Zuf\u00e4lle: Feldfotos, Dokumentationen aller Art, besser dokumentierte\u00a0Vergleichsst\u00fccke, die uns die Sache einfacher machen, aber die Gefahr der F\u00e4lschung auf der Beziehungsebene vergr\u00f6\u00dfern, gerade weil die Wachsamkeit nachl\u00e4sst. Zum Beispiel wird in der Regel nur eine Seitenansicht publiziert, die \u00fcbrigen sollte man aber f\u00fcr einen Vergleich auch kennen.<\/p>\n<p>Und wenn <i>Echtheit<\/i> dir wirklich egal ist, weil du ja <i>den Fetisch<\/i> etwa nicht wieder anwenden willst oder ihn sowieso mit heiteren Gem\u00fct bei Gelegenheit wieder dem Auf und Ab des Marktes anvertraust oder weil er dir f\u00fcr eine gewisse Zeit etwas darstellt, etwas <i>hermacht<\/i>?\u00a0 Wenn du ihn als dekorative Spielmarke, Chip, Einsatz\u00a0 in einem Roulette betrachtest, worin ohnehin wenige Z\u00fcge die \u00fcbrigen erfolglosen wettmachen sollen?<\/p>\n<p>Ist der Begriff \u201eOriginal\u201c etwa\u00a0 jedes Mal ein anderer f\u00fcr Spieler, \u00c4stheten und <i>normale Menschen<\/i> einerseits, \u201eechte Sammler\u201c, Reliquiengl\u00e4ubige und Schatzbildner andererseits?\u00a0Das w\u00e4re ein weiterer Essay. \u00a0 21.5.2008 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0<b><br \/>\n<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Sache ist im Grunde ganz einfach, wie Wahrheit und L\u00fcge, oder besser: Ehrlichkeit und Betrug. 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