{"id":2185,"date":"2014-05-21T14:04:29","date_gmt":"2014-05-21T13:04:29","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=2185"},"modified":"2015-04-23T09:57:24","modified_gmt":"2015-04-23T08:57:24","slug":"dinge","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=2185","title":{"rendered":"Dinge"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Untersuchung an einem Gegenstand, der gegenw\u00e4rtig mein Begehren weckt (und doch nicht erworben wird):\u00a0Einer Machete im Halfter von den Naga (Konyak,Indien)<\/p>\n<div><\/div>\n<p>Frage: Was ist an Sammelobjekten Besonderes, dass sie solch eine Attraktivit\u00e4t erlangen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p><!--more--><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/IMG_5650naga-g\u00fcrtel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2186\" alt=\"IMG_5650naga-g\u00fcrtel\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/IMG_5650naga-g\u00fcrtel-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/IMG_5650naga-g\u00fcrtel-300x225.jpg 300w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/IMG_5650naga-g\u00fcrtel-624x468.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/IMG_5650naga-g\u00fcrtel.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\u00a0Foto:DvG<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der rote Staub anstelle des hiesigen blassen Staubs<\/p>\n<p>Der Schwei\u00df des Kannibalen<\/p>\n<p>Die sorgf\u00e4ltige Pflege<\/p>\n<p>Seine freudige Spannung bei der Bestellung, Besonderheiten waren zu besprechen,\u00a0die Kauris zu beschaffen<\/p>\n<p>Die Ziege ist selbst geschlachtet<\/p>\n<p>Das Zeichen des freien Mannes, Zeichen des Status<\/p>\n<p>Die Bewunderung der Kinder f\u00fcr die neue Waffe des Vaters<\/p>\n<p>Die Auftritte, die Kleinkriege, an denen die Waffe teilnahm<\/p>\n<p>Im Ansatz k\u00f6nnen die Gesten des Gebrauchs nachvollzogen, nachgespielt werden. (Es sind auch Spielzeuge) Darum ist Sockelung so dumm, manchmal sogar aufgerichtete Dummheit<\/p>\n<p>Der Platz in der H\u00fctte, wo sie ablegt wurde, mitten in der Privatheit. Der Kult, in dem sie diskret gedient hat<\/p>\n<p>Das Bedauern, als sich Besch\u00e4digungen einstellten, die emotionale Abwendung, bevor es verkauft wurde, vielleicht, weil ein sch\u00f6nerer (oder st\u00e4rkerer) Nachfolger ins Auge gefasst war<\/p>\n<p>Deshalb m\u00f6chte ich einen Gegenstand umso dringender besitzen, je mehr ich den Kontext in mir erwecke. Nicht einmal der Handwerker wusste alles dar\u00fcber.<\/p>\n<p>Auf solchem Hintergrund ist F\u00e4lschung emp\u00f6rend wie jeder Betrug. \u201eDen falschen Anschein erwecken oder erhalten, t\u00e4uschen\u201c hei\u00dft es dazu im Strafrecht. Oft soll auch gew\u00f6hnlicher Dreck aus der H\u00fctte Authentizit\u00e4t demonstrieren. Der erweist sich aber als genau so stumm wie unser Hausstaub, wenn wir nicht \u00fcber naturwissenschaftliche Methoden verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Es gibt aber auch Faktoren der Verarmung, die mich heute ebenso abt\u00f6rnen. Sie sollten die Akzeptanz in der \u201azivilisierten\u2019 Welt erh\u00f6hen, so f\u00fchrten die komplexbeladenen franz\u00f6sischen und belgischen Kolonialisten oder ihre Lieferanten die Verarmung der Objekte in den Kunstbetrieb ein: Reinigen und \u00d6len, den Holz- oder Metallk\u00f6rper aus dem Umkleidung heraussch\u00e4len. Dabei erfahren wir von Kunst-Ethnologen, wie unwesentlich bei Masken und Kultfiguren Gesicht oder Gestalt in vielen F\u00e4llen f\u00fcr ihre Bedeutung und ihre Kraft waren, wieviel Raum f\u00fcr\u00a0 individuelle Gestaltung blieb. Auch in anderen menschlichen Gesellschaften als unserer ist nur das Neue interessant, das aber in Auseinandersetzung mit tradierten \u00e4sthetischen Normen entwickelt werden muss. Es existiert in allen Ethnien neben der funktionalen eine \u00e4sthetische Kritik. Und die ist\u00a0 entgegen einem verbreiteten Vorurteil auch Europ\u00e4ern vermittelbar. (F.Willett, F.Kramer, &#8230;)<\/p>\n<p>Nun haben Sammelst\u00fccke in der Regel keine zum Erstbesitzer, oder auch nur dessen Dorf zur\u00fcckf\u00fchrbare l\u00fcckenlose Genealogie. Manche Feldforscher oder ethnografische Buchhalter, die Typologien entwerfen wollen, kaprizieren sich aber darauf. Darauf m\u00f6chte ich zweierlei antworten:<\/p>\n<p>Zum einen gibt es eine materielle Kontinuit\u00e4t, wenn die auch durch Betrug zu einer Fiktion wird, aber deshalb vielleicht nicht weniger interessant ist (Vgl. &#8222;The Art of Deception&#8220;)<\/p>\n<p>Zum anderen l\u00e4sst sich dieses Defizit kompensieren, soweit es den eigenen Kopf betrifft. Etwa in der Literatur erworbenes Kontextwissen l\u00e4sst sich bei geeigneter Stimmung ebenso dramatisieren wie die angeblich authentische Erinnerung. Erinnerungen verblassen, ver\u00e4ndern sich und wandern in die Sph\u00e4re der Fiktion ein. Wir alle besitzen Mitbringel oder Geschenke, deren Hintergrund verblasst und uns gleichg\u00fcltig geworden ist, die ihre urspr\u00fcngliche Aura verloren haben wie zu oft wiederholte Erz\u00e4hlungen. Sie stehen beziehungslos herum und werden l\u00e4stig. Bereits die n\u00e4chste Generation oder der n\u00e4chste Besitzer muss sich die Bedeutung erz\u00e4hlen lassen. Und wird ihn ein Allerweltsgeschehen wie ein \u201aGeschenk\u2019 interessieren? Namen sind Schall und Rauch. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter ist jedes Ding allein in der Welt. Die Bedeutung, Zeugnis von etwas zu geben, hat sich aufgel\u00f6st. Sie kann aber dank der materiellen Kontinuit\u00e4t,\u00a0 dank verborgener innerer Werte, manchmal wiederbelebt werden.<\/p>\n<p>Sammelobjekte aus fremden Kontexten versprechen dem Sammler, immer wieder zur eigenen Umgebung Abstand zu gewinnen Wer Fernbeziehungen den Vorzug gibt, wer lieber einen Funken Leben in der Ferne sp\u00fcrt als den vitalen Mahlstrom in der N\u00e4he, fl\u00fcchtet sich in diese Welt. Eine Parallele zu hochangesehenen Besch\u00e4ftigungen wie Philosophie, \u201aphilosophierenden\u2019 &#8211; nicht blo\u00df professionell betriebenen &#8211; Wissenschaften, aber auch G\u00e4rten und Zierfischen, Bastelei und Spiel tut sich auf. Ein Hauch von Buddhismus weht durch die Sammelei, eben wenn &#8230;&#8230; !!\u00a0\u00a0 10.3.2014<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es gibt keine \u201aSammlung Mustermann\u2019 in einem h\u00f6heren, mehr als \u00e4u\u00dferlichen Sinn. Sie entstehen zuf\u00e4llig, nostalgisch, \u00e4sthetisch, spontan oder pragmatisch, methodisch, manche vor allem aus Eitelkeit (Schatzbildung). Das alles sieht man ihnen fast sofort an. Meine Sammlung muss nicht als solche bewahrt werden, wohl aber die St\u00fccke, die bei mir eine Aura gebildet haben, und die ist in einer Gruppe vielleicht wirkungsvoll zu sch\u00fctzen. Dinge mit Aura zu verkaufen oder zu stiften, scheint mir eine vern\u00fcnftige Marktnische. In diesem Geiste \u2013 vom Erwerb \u00fcber die Beschreibung, Vergleichsst\u00fccke und sozialer Kontext im weitesten Sinn \u2013 muss ich meinen Katalog gestalten. Der schlie\u00dft dann auch manches aus, mit dem ich experimentieren kann.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 16.5.2014<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Untersuchung an einem Gegenstand, der gegenw\u00e4rtig mein Begehren weckt (und doch nicht erworben wird):\u00a0Einer Machete im Halfter von den Naga (Konyak,Indien) Frage: Was ist an Sammelobjekten Besonderes, dass sie solch eine Attraktivit\u00e4t erlangen k\u00f6nnen?<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24],"tags":[],"class_list":["post-2185","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-sammeln"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2185","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2185"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2185\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2189,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2185\/revisions\/2189"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2185"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2185"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2185"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}