{"id":2169,"date":"2014-05-13T10:08:21","date_gmt":"2014-05-13T09:08:21","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=2169"},"modified":"2015-04-23T10:38:24","modified_gmt":"2015-04-23T09:38:24","slug":"erfindungen-von-freud-zu-flusser","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=2169","title":{"rendered":"Erfindungen &#8211; Von Freud zu Flusser"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dienstag, 13. Mai 2014, auf Kreta<\/p>\n<p>Der Ethnopsychoanalytiker Paul Parin schrieb gegen Ende seines Essays \u201e<i>Kurzer Aufenthalt in Triest oder Koordinaten der Psychoanalyse<\/i>\u201c :<\/p>\n<p><i>Freud hat sich mit der Erfindung des Setting zum Fremden seiner Analysanden gemacht. <!--more-->Er setzte sich hinter die Couch, erwartete Vertrauen und erwies sich als vertrauensw\u00fcrdig&#8230;\u00a0<\/i>&#8211; nat\u00fcrlich eine starke Behauptung, aber nicht anders zu erwarten &#8211;\u00a0<i>&#8230; ohne dass sich daran etwas \u00e4nderte, dass er ein Fremder war und blieb. Die neue Methode, die als Behandlung begann, erwies sich sogleich als Instrument einer radikalen Kulturkritik. Wer ihr folgen wollte, musste imstande sein, die eigenen kulturspezifischen Vorurteile und Illusionen in Frage zu stellen und sich als subversiver Geist gegen die etablierten Werte seiner Kultur zu erheben. Freud meinte, dass seine j\u00fcdische Abkunft ihn f\u00fcr diese Aufgabe bef\u00e4higte&#8230;&#8220;<\/i> (Traute Hensch, Hrsg.: <em>Paul Parin &#8211; Lesereise 1955 \u2013 2005<\/em>, 46 &#8211; urspr\u00fcnglich aus: <em>Subjekt im Widerspruch<\/em>, 1986)<\/p>\n<p>Wenn ich Freud diese Leistung zubilligen muss, so k\u00f6nnte ich fragen: Und Flusser, hat er etwa nichts erfunden? Wenn auch nicht ein naturwissenschaftlich inspiriertes experimentelles Setting? Und sind die Unterschiede zwischen ph\u00e4nomenologischer Introspektion und\u00a0 Selbstverst\u00e4ndigung einerseits und Interpretation und Kommunikation mit einem Klienten andererseits wirklich entscheidend?<\/p>\n<p>Wenn ich mit wissenschaftlicher Praxis vertrauter w\u00e4re, w\u00e4re mir auch gleich eingefallen, dass \u201ableibende\u2019 Beitr\u00e4ge zur Forschung wohl eher in neuen Fragestellungen, Impulsen und methodischen Kniffen bestehen als in \u201aForschungsergebnissen\u2019. Ich selber h\u00e4nge spontan Vorstellungen vom \u201aAutor\u2019 an, gegen die Flusser durchaus mit Berechtigung polemisierte, auch wenn er sie selber durch sein Auftreten f\u00f6rderte, ebenso wie die Mechanismen, die in Gemeinden von F\u00f6rderern und Unterst\u00fctzern\u00a0wirken.<\/p>\n<p>Flusser hat seine Praktiken des philosophischen Essays, seine aus Aufmerksamkeit auf Sprachen erwachsenen suggestiven Etymologien, das irisierende Geflecht von\u00a0 R\u00fcck\u00fcbersetzungen und schlie\u00dflich seine Art von Science-Fiction\u00a0 erfunden, ein Instrumentarium, das spontan im Vergleich mit dem Freuds bunt zusammengew\u00fcrfelt und sch\u00e4big erscheinen mag. Doch ist schlie\u00dflich dessen Gro\u00dfartigkeit im letzten halben Jahrhundert zusammengeschmolzen, obschon er wie Flusser an der Systematisierung gearbeitet hat. Und\u00a0bei unvoreingenommener Betrachtung\u00a0kommen Doktrinen und Dogmen keine h\u00f6heren W\u00fcrden und Weihen zu als biografisch induzierten Fixierungen.<\/p>\n<p>Dann bliebe mir heute nur die Feststellung, dass Flusser f\u00fcr mich seine Wirkung eingeb\u00fc\u00dft hat \u2013 und zwar nicht zum ersten Mal &#8211; dass sich seine anf\u00e4nglich von mir enthusiastisch aufgenommenen Initialz\u00fcndungen abgenutzt haben. Manche meiner Sch\u00fcler konnten seinen verr\u00fcckten Gedankenspr\u00fcngen ja nie etwas abgewinnen. Ich habe ihnen bereits Abbitte geleistet. Doch warum sollte das anderen ebenso gehen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gestern, Notiz:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">H\u00f6r auf keinen Philosophen, der die Natur missachtet ( oder sie als Gr\u00f6\u00dfe vernachl\u00e4ssigt) !<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Dienstag, 13. 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