{"id":2162,"date":"2014-05-08T21:13:22","date_gmt":"2014-05-08T20:13:22","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=2162"},"modified":"2021-01-05T00:01:07","modified_gmt":"2021-01-04T23:01:07","slug":"tagungsbericht-medien-und-spiel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=2162","title":{"rendered":"Tagungsbericht &#8218;Medien und Spiel&#8216;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b><span class=\"Apple-style-span\" style=\"font-weight: normal;\">Nach drei Wochen fand ich es an der Zeit, einen ersten \u00dcberblick zu versuchen.\u00a0 Die Ver\u00f6ffentlichung stellte ich aber zur\u00fcck. Inzwischen (Mai <\/span><\/b><span class=\"Apple-style-span\" style=\"font-weight: normal;\">2014)<\/span><b><span class=\"Apple-style-span\" style=\"font-weight: normal;\"> habe ich <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?cat=25\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">zwei \u201aMomentaufnahmen\u2019<\/a> ins Netz gestellt.<\/span><\/b><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Titel war \u201eMedien und Spiel \u2013 Medienkultur nach Vilem Flusser\u201c. Wo wurde das Thema explizit behandelt? Was erfuhr man Neues dar\u00fcber?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neues gewiss, aber zum Thema kaum. Der in der Ank\u00fcndigung versprochene \u201eweite Theoriekontext\u201c war vor allem der Kontext der \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen von Plato bis Hannah Arendt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Die Themenstichworte der Ank\u00fcndigung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e1. mathematische Spieltheorie\u201c &#8211; Fehlanzeige, nicht nur bei Flusser, auch im Vortrag (Guldin).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e2. die sprachpragmatische, an Wittgenstein orientierte Sprachspieltheorie \u201c \u2013 Es wurde zwar erhellt, woran sich Flusser orientieren <span style=\"text-decoration: underline;\">konnte<\/span>. Der Festvortrag (Gebauer) unternahm es, das Konzept der Sprachspiele in Wittgensteins Philosophischen Untersuchungen \u00a726\u00a0 mit Flusser zu verkn\u00fcpfen, aber die k\u00f6rperliche Existenz als Knotenpunkt sollte nicht nur hier, sondern auch bei Flusser angelegt sein. Leider war f\u00fcr eine Diskussion keine Zeit mehr. Dabei hatte der Referent die Zuh\u00f6rer mit einem lesbaren Handout ausgestattet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e3. die <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=1475\">von Huizinga inspirierte<\/a> kulturtheoretische homo-ludens-Theorie\u201c \u2013 Sie kam\u00a0allein als \u201eKulturtechnik des Zeitalters der technischen Bilder\u201c ins Spiel, aber ganz in Flussers Dunstkreis (Alpsancar und Winkler). Zur Untersuchung des Anschlusses an die historische Spielforschung war niemand angetreten. War bereits vorher klar, was w\u00e4hrend einer Diskussion in den Raum gerufen wurde: \u201aWahrscheinlich hat er Huizinga gar nicht gelesen!\u2019<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e4. Das Konzept der antiken schole=Mu\u00dfe\u201c\u00a0 &#8211; Es wurde im Plato-Vortrag eingebracht (Hanke).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Vorank\u00fcndigung mit ihrer unverbindlichen Reihung von vier Spielbegriffen h\u00e4tte warnen k\u00f6nnen, dass der Diskurs an der Vieldeutigkeit des Spielbegriffs leiden w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0<strong>\u201aZug\u00e4nge zu Flusser\u2019 <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Drei unterschiedliche\u201aZug\u00e4nge zu Flusser\u2019 erw\u00e4hnte Hanke gelegentlich in einer Diskussion. Mit welchen Ergebnissen l\u00e4sst sich die Tagung danach strukturieren?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>A\u00a0\u00a0 Werkinterpretation<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass der Aspekt der Werkinterpretation nichts Neues zutage brachte, darf eigentlich nicht verwundern: Kurbacher (Bodenlosigkeit, freie Kombinatorik in der Beziehung auf andere) und Baitello (Umwelten als Szenarien der Menschwerdung, einschlie\u00dflich der Milieus des M\u00fcll, des Selbstmords und der Extremophile) riefen den biographischen, den existentiellen Grund dieses Denkers in Erinnerung. Alpsancar vollzog noch einmal den modellhaften Wandel vom homo faber zum homo ludens. Winkler (apparatives Spielen) und Br\u00f6ckling (Kompetenz) wandten sich direkt Aspekten des flusserschen Spielkonzepts zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>B\u00a0 Vergleich mit anderen Denkern<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Perspektive dominierte. Beispiele: Gebauer (Wittgenstein), Hanke (Plato, Arendt in der Diskussion), Kro\u00df (Wittgenstein, Hegel, Heidegger, Nietzsche, G\u00fcnderode) u.a.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Vergleiche mit anderen Denkern m\u00fcssen aber nach zwei Seiten differenziert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1. Vil\u00e9m Flusser weiter nach der Seite der Philosophen\u00a0\u00a0 zu vernetzen, fiel nat\u00fcrlich nicht schwer und wurde auch verschiedentlich unternommen: Gebauer, Hanke, Kurbacher, Kro\u00df und sogar <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=2048\">Zielinski<\/a>. Da wurden Abgleichungen mit anderen profilierten Pers\u00f6nlichkeiten vorgenommen \u2013 als Solit\u00e4re eigentlich Inbegriff der von Flusser aus der \u201aNachgeschichte\u2019 verabschiedeten \u201aAutoren\u2019. Sie spiegeln einander und wer w\u00fcrde sagen, der eine oder der andere h\u00e4tte gewonnen oder verloren? Der Kontakt mit Plato wurde nur aufgrund &#8217;starker&#8216; Indizien hergestellt und in der Diskussion \u00e4u\u00dferst zwiesp\u00e4ltig bewertet. Bei dem ganzen Feuerwerk an Belesenheit, das rhetorisch verschossen wurde, kam nichts heraus, das man nicht auch anders bewerten kann. Egal, wie viele Vortr\u00e4ge sie geh\u00f6rt hatte, die <i>Neut\u00f6nerin<\/i> (siehe Beitrag \u201e<i>Geiles Mashup oder <\/i>&#8230;\u201c) war mit Recht erstaunt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2. Die einzige Untersuchung des Anschlusses Flussers an die empirische Spielforschung kam zu einem entt\u00e4uschenden Ergebnis (Guldin). Das Erkenntnispotential der mathematischen Entscheidungstheorien jenseits ihrer pragmatischen Zielsetzungen hat die Tagung \u2013 wie schon Flusser &#8211; liegen gelassen. Dabei hatte in der Ank\u00fcndigung \u201edie mathematische Spieltheorie\u201c am Anfang gestanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>C. \u00a0Kontextualisierung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kontextualisierung im allgemeineren Sinne f\u00fchrte meist zu deutlicher Kritik an Flusser. Sie wurde in den Diskussionen betrieben, etwa:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind <span style=\"text-decoration: underline;\">Ge<\/span>spielte! Ob in platonischer Mu\u00dfe, in der Beliebigkeit des \u201eWohnwagentiers\u201c (bei Kurbacher) oder als Extremophile (Baitello). Das Denken hat <span style=\"text-decoration: underline;\">nicht<\/span> mit Flusser begonnen. Kommunikation verbindet Getrenntes! R\u00f6tzer selbst: eigentliches Leben ist kein Spiel&#8230;..<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; und Fragen: Kann man den Vormarsch der Algorithmen bremsen oder nicht (Alpsancar)? Soll man heute noch \u201aprogrammieren lernen&#8216;? Die Zeit des Commodore (PC) ist doch lange vorbei, dessen Schlichtheit Flussers Optimismus n\u00e4hren konnte! (Vielleicht ein bisher\u00a0 zu wenig ber\u00fccksichtigter Umstand!)\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 (28.2.)<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>\u00a0Bilanz<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist schwer f\u00fcr mich, Ergebnisse \u00a0aus dieser Tagung zu formulieren. Man hatte die vorgesehene Redezeit explizit begrenzt und machte sich Hoffnung auf Dialog in den erwarteten Zwischenr\u00e4umen. Das funktionierte unbefriedigend und in zwei F\u00e4llen gar nicht. Und diese kurzen Diskussionen wurden \u00fcberhaupt nur spontan aufgezeichnet. Irgendwann \u201azeitnah\u2019 wird ein neutraler<i> <\/i>Tagungsband erscheinen, den die Autoren in ihre Publikationsliste aufnehmen k\u00f6nnen, diplomatisch anmoderiert wie der erste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch machen es nicht alle so? Waren die zweieinhalb Tage nicht vor allem eine Art internationales Familientreffen? Auch f\u00fcr mich? Der \u00fcberschaubare Teilnehmerkreis war angenehm. Welche sachlichen Vorstellungen stehen hinter meiner Entt\u00e4uschung? Sind es leere Tr\u00e4ume?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein solcher \u201aTraum\u2019 \u2013 referiert von der Soziologin Heidrun Kaupen (Hamburg-Eppendorf) \u2013 verfolgt mich seit Jahren. Freilich handelt es sich um die interdisziplin\u00e4re Tagung von \u201aharten\u2019 (v.Foerster)\u00a0medizinischen Wissenschaften. Mehr dar\u00fcber demn\u00e4chst! \u00a0 \u00a0(10.5.14)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>NACHTR\u00c4GE<\/strong><\/p>\n<p><strong> Im April 2015k\u00fcndigt das Flusser Archiv, Berlin UdKt das Erscheinen des Tagungsbandes im Tectum-Verlag an<\/strong> (39,95\u20ac) <strong>Und danach stellt academia.edu dessen Einleitung als pdf ins Netz: <em>(16) (PDF) Hermann Haarmann \/ Michael Hanke \/ Steffi Winkler (Ed.) (2015), Play it again, Vile\u0301m! Medien und Spiel im Anschlu\u00df an Vile\u0301m Flusser, Vol. 6. kommunikation &amp; kultur. Scientific series ed. by Hermann Haarmann and Falko Schmieder, Marburg (Tec.e\u00a0 &#8211;\u00a0 <\/em>M\u00f6glicherweise funktioniert der Link nur f\u00fcr Mitglieder schon der kostenlosen Stufe von academia.edu. Ich bekomme jedenfalls das auf die Festplatte geladene pdf nicht in meine Links.\u00a0 <\/strong><strong>Ob Ihnen mit dem Tagungsband viel entgeht, kann ich nicht sagen. Jedenfalls hatten die Vortragenden ein ganzes Jahr Zeit, die eigenen Werkspuren zu gl\u00e4tten. Die zu kurzen Diskussionen blieben ohnehin au\u00dfen vor. Da m\u00fcssen Sie schon mit meinem Blog vorlieb nehmen.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 4.1.2021<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<div id=\"collapse-neuigkeiten-news\" data-url=\"channel_loop.php?slug=neuigkeiten-news\">\n<ul>\n<li>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div><a href=\"http:\/\/s522574288.online.de\/#lightbox-326479\" data-toggle=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/d2w9rnfcy7mm78.cloudfront.net\/326479\/thumb_7c07874d62216707d2422015aeb12260.png\" alt=\"\" \/><\/a><\/div>\n<div id=\"lightbox-326479\" tabindex=\"-1\">\n<div><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/d2w9rnfcy7mm78.cloudfront.net\/326479\/display_7c07874d62216707d2422015aeb12260.png\" alt=\"\" \/><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/li>\n<li>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<h4>OUT NOW: Play it again, Vil\u00e9m! Medien und Spiel im Anschlu\u00df an Vil\u00e9m Flusser<\/h4>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/li>\n<li>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Soeben erschienen als Buch und E-Book: Play it again, Vil\u00e9m! Medien und Spiel im Anschlu\u00df an Vil\u00e9m Flusser (Hrsg. Hermann Haarmann, Michael Hanke, Steffi Winkler) mit bestem Dank an die Autoren Suzana Alpsancar, Guido Br\u00f6ckling, Rodrigo Duarte, Gunter Gebauer, Rainer Guldin, Michael Hanke, Matthias Kro\u00df, Frauke A. Kurbacher, Florian R\u00f6tzer, Steffi Winkler und Siegfried Zielinski und besonderem Dank an Miguel Gustavo Flusser und das Vil\u00e9m Flusser Archiv f\u00fcr den bislang unver\u00f6ffentlichten Flusser-Text &#8222;Private und \u00f6ffentliche R\u00e4ume&#8220; (1979).<\/td>\n<td>Just released as book and e-book: Play it again, Vil\u00e9m! Medien und Spiel im Anschlu\u00df an Vil\u00e9m Flusser (Ed. Hermann Haarmann, Michael Hanke, Steffi Winkler) with many thanks to the authors Suzana Alpsancar, Guido Br\u00f6ckling, Rodrigo Duarte, Gunter Gebauer, Rainer Guldin, Michael Hanke, Matthias Kro\u00df, Frauke A. Kurbacher, Florian R\u00f6tzer, Steffi Winkler and Siegfried Zielinski and special thanks to Miguel Gustavo Flusser and the Vil\u00e9m Flusser Archive for the to date unpublished Flusser text &#8222;Private und \u00f6ffentliche R\u00e4ume&#8220; (1979).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach drei Wochen fand ich es an der Zeit, einen ersten \u00dcberblick zu versuchen.\u00a0 Die Ver\u00f6ffentlichung stellte ich aber zur\u00fcck. 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