{"id":2120,"date":"2014-04-08T22:35:49","date_gmt":"2014-04-08T21:35:49","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=2120"},"modified":"2017-01-07T17:47:27","modified_gmt":"2017-01-07T16:47:27","slug":"gaudis-sagrada-im-film","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=2120","title":{"rendered":"&#8218;Die Sagrada&#8216; (Gaud\u00ed) in Barcelona &#8211; Der Film"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/IMG_7400.Sagrada.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2122\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/IMG_7400.Sagrada-225x300.jpg\" alt=\"IMG_7400.Sagrada\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/IMG_7400.Sagrada-225x300.jpg 225w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/IMG_7400.Sagrada-624x832.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/IMG_7400.Sagrada.jpg 750w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/IMG_7402Sagrada-A.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2123\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/IMG_7402Sagrada-A-225x300.jpg\" alt=\"IMG_7402Sagrada-A\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/IMG_7402Sagrada-A-225x300.jpg 225w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/IMG_7402Sagrada-A-624x832.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/IMG_7402Sagrada-A.jpg 750w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Stefan Haupts Dokumentarfilm \u201e<i>SAGRADA. Antoni Gaud\u00ed \u2013 Das Geheimnis der Sch\u00f6pfung<\/i>\u201c <!--more-->sah ich am 30.1.2013 in einem kleinen Programmkino und schrieb anschlie\u00dfend die folgenden Beobachtungen und Gedanken nieder. Heute nehme ich sie mir wieder vor, im Hinterkopf den Gedanken, die DVD zu kaufen (<span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"http:\/\/www.arsenalfiulm\">www.arsenalfilm<\/a><\/span><span style=\"text-decoration: underline;\">.de\/sagrada)<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der erste Eindruck ist vergleichbar mit Chartres. Kathedralen machen den Eindruck, immer schon da gewesen zu sein, anders <i>die Sagrada<\/i> <i>Familia<\/i> in Barcelona: Sie ist zwar bereits 125 Jahre alt, aber wird mitten in unserer Gegenwart weiter gebaut. Wie jung der Zustand ist, den wir kennen!<\/p>\n<p>Der Einfluss des Klosters Montserrat auf Gaud\u00ec wird angesprochen. Das Bild der den Bau umgebenden Felsw\u00e4nde beeindruckt, ich sehe in den gegliederten steilen, aber gerundeten Bergw\u00e4nden das Urbild von Gaud\u00eds Kathedrale! Geradezu verwegen ist der gebaute Riegel des gewaltigen Klosters, einer Trutzburg des Glaubens! Nicht spirituell wie die Kl\u00f6ster in den Pyreneen! Und bei den noch heute t\u00e4glich auftretenden Chorknaben musste ich wohl woran denken?<\/p>\n<p>Wenn man wei\u00df, dass Spanien auch vor hundert Jahren zutiefst gespalten war (Gerald Brenan), dass Anarchisten gerade auch in Barcelona zuhause waren (Victor Serge: Geburt unserer Macht; George Orwell: Mein Katalonien), dass \u00fcber der Stadt nicht nur die Festung Montjuich thronte &#8211; Im einleitenden Stadtpanorama erscheint sie als erstes! &#8211; stellt sich die Frage nach dem den Orden, der den Kirchenbau in Auftrag gab und nach seinen Absichten. Davon ist nicht die Rede. Auch \u00fcber <i>Montserrat<\/i> wei\u00df ich zu wenig.<\/p>\n<p>Obwohl oder gerade weil bis in die Achtziger eine bauh\u00fcttenartige Treue zu dem 1926 verstorbenen Gaud\u00ec herrschte, wollten viele Intellektuelle und Architekten in den f\u00fcnfziger Jahren den v\u00f6lligen Baustop! <i>Einstellung des Baues oder Architekten-Wettbewerb mit zeitgem\u00e4\u00dfer Aufgabenstellung<\/i>, war ihre Forderung.<\/p>\n<p>Dagegen standen der Geniekult und der Konservativismus der Betreiber. Nur in &#8211; allerdings wichtigen &#8211; Details wie der <i>Passionsfassade<\/i> wurde Neues gewagt, unter gro\u00dfen Protesten gegen das Ergebnis. Ein eingewanderter japanische Bildhauer trat w\u00e4hrend seiner Arbeit an der <i>Geburtsfassade<\/i> in die katholische Kirche ein, er wollte Gaudi <i>ber\u00fchren<\/i> und sozusagen aus ihm heraus den Bau sehen. Ohne Anleitung \u2013 typisch japanisch &#8211; w\u00fcrde er, wie er sagt, <i>ganz ungl\u00fccklich<\/i>. F\u00fcr Leute wie ihn arbeitet eine Abteilung in der Bauh\u00fctte, welche Fragmente der Originalmodelle (bis 1:10) konserviert und bereith\u00e4lt. Daneben arbeiten Computer-Architekten an der Generierung gaud\u00ecesker Formen..<\/p>\n<p>Konflikt: Das Testament Gaudis, wie es von seinen J\u00fcngern verk\u00fcndet wurde, bedeutete einen Weiterbau <i>mit den Mitteln der Zeit<\/i>. Um ihn zu erm\u00f6glichen, hatte er am Ende seines Lebens wenigstens Fassaden und 3D-Gipsmodelle vorbereitet. Zu Beginn des B\u00fcrgerkriegs 1936 zerst\u00f6rten Anarchisten jede erreichbare Dokumentation. Dass es Anarchisten waren \u2013 nicht etwa die stockkatholischen Milit\u00e4rs um Franco &#8211; steht nur im Netz. Hier sind die Filmleute feige gewesen.<\/p>\n<p>Gaud\u00ec konnte sich die heutige Situation nicht vorstellen, weder die Traditions-Verluste und den Glaubensverlust, noch die technischen M\u00f6glichkeiten moderner Rekonstruktion. Vom Nachkriegsdeutschland h\u00e4tte man die Geste \u00fcbernehmen k\u00f6nnen, historische Br\u00fcche als Ruinenaspekt zu behandeln. Die konservative Fraktion versucht die neuen technischen Mittel in Dienst zu nehmen, w\u00e4gt Dissonanzen ab und schaut bewusst nicht so genau hin, etwa bei der Verblendung von Betonkonstruktionen mit Naturstein. Es ist ein naiver, vom Geschmack gesteuerter Historismus am Werk. Auf den K\u00fcnstler und intuitiven <i>copista<\/i> der Natur Gaud\u00ec und seine J\u00fcnger folgt der Einsatz computergesteuerter Kopierprogramme aus dem Flugzeugbau und die Synthetisierung des Bauprogramms, das einst der Architekt und K\u00fcnstler vor Ort weiter entwickelte. Wird das der <i>Nationalstil<\/i> des katalanischen Regionalismus werden, eben der <i>Gaud\u00edismus<\/i>?<\/p>\n<p>Die Gegner des Bauprojekts agieren indirekt, m\u00fcssen es wohl. So haben sie 1976 das Machtvakuum f\u00fcr eine \u00c4nderung des Bebauungsplans genutzt und gerade die Freifl\u00e4che im Handstreich \u00fcberbaut, die der repr\u00e4sentative Platz vor dem Hauptportal werden sollte. Gleichg\u00fcltig gegen\u00fcber den Risiken f\u00fcr den Bau sind die Planer des Hochgeschwindigkeitsbahntunnels. Sind 30m Tiefe genug? Und wenn auch die <i>Pedreira<\/i> einst\u00fcrzen sollte \u00fcber demselben Tunnelbau? Man k\u00f6nnte sie heute leicht rekonstruieren.<\/p>\n<p>Zwar funktioniert die vor 1926 geweihte Krypta schon seit Jahrzehnten als Kirche.\u00a0 Doch mit dem Touristen-Boom kam das Geld. Nun droht ein national-klerikales, auf die Attraktion von Massen zugeschnittenes Projekt. Papst Benedikt beeilte sich schon, den gewaltigen Innenraum zu <i>weihen<\/i>. Darin wird also nichts anderes passieren als das \u00dcbliche. Benedikts Erscheinen im <i>Papamobil<\/i> ist symboltr\u00e4chtig: Wir blicken mit den begeisterten Massen vor allem auf riesige Projektionsw\u00e4nde. Die Massen jubeln bei den entsprechenden Kameraschwenks und Sprechch\u00f6re lassen sich zu Trommelschl\u00e4gen vernehmen: <i>Wir sind die Jugend des Papstes.<\/i> Symboltr\u00e4chtig wie die gewaltigen Ausma\u00dfe des geplanten massiven Zentralturms. Gut, kaum mehr als die der Doppelt\u00fcrme von Chartres. Man denkt dabei heute eher an Bankt\u00fcrme und die nationalen und religi\u00f6sen phalloislamischen Kamine in der Dritten Welt.<\/p>\n<p>Es stehen sehr fromme und treue Menschen hinter dem Bau. Die fragen nicht nach dem Sinn, brauchen es f\u00fcr ihren Teil auch nicht, als bekennende Katalanen und als bescheidene Katholiken. Emotional wollen sie aber gar nicht eine Fertigstellung, reden sich mit klugen Sentenzen heraus: <i>Gott hat Zeit<\/i> oder <i>Bauen ist wichtiger als fertig stellen<\/i>. Das Kirchenoberhaupt aber will fertig stellen. Und moderne Techniker wollen das auch, sie entsprechen damit dem Zeitgeist, dem halbfertiger Stillstand und Bauruinen peinlich sind. Das\u00a0 Geld\u00a0 und die touristische Rechtfertigung des Gro\u00dfbaus sind auch da. Die drei Faktoren entwickeln eine Schubkraft, welche die skrupelhaften und spirituell gestimmten Gem\u00fcter vor sich her treibt.Wird die sich aufb\u00e4umende <i>Familia Sagrada<\/i> einmal zum Symbol der monarchischen Papstkirche werden?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Ein Wort zur Spiritualit\u00e4t<\/span><\/p>\n<p>Am Neuzugang aus Japan, der sich auch an theologischen Argumenten versucht, wird die Beschr\u00e4nktheit des Blicks deutlich: Er empfiehlt allen Weltreligionen solche Tempel zu bauen, selbst Buddhisten, und das soll dann <i>Frieden bringen<\/i>.<\/p>\n<p>Der nach eigenem Bekenntnis <i>agnostische, von Haus aus abstrakte <\/i>Bildhauer, der <i>die Passionsfassade <\/i>vor zwanzig Jahren als Stilkompromiss mit den Konservativen gestaltete<i>, <\/i>sah sich zu dieser Arbeit noch <i>als Mitglied christlicher Kultur <\/i>bef\u00e4higt. K\u00f6nnte man das ehrlich heute noch erwarten?<\/p>\n<p>Der britische <i>Architekt<\/i> am Computer scheint vor allem von der <i>technischen <\/i>Herausforderung des Auftrags fasziniert, ohne, dass er es sagt.<\/p>\n<p>Ein St\u00e4dteplaner fragt allerdings im Film nach dem Sinn in der heutigen Zeit. Seine eigenen \u00f6kumenischen und laizistischen Gedanken erinnern mich an ein Gro\u00dfprojekt vor \u00fcber einem halben Jahrhundert: den <i>Kulturpalast <\/i>in Warschau, eine Art \u00fcberdimensionierte Volkshochschule.<\/p>\n<p>Am Schluss redet der Theologe Pannikar von Gott als <i>Familie, die wir auch sind. <\/i>Er lacht dabei pl\u00f6tzlich. Ich denke gleich an die Fiktion eines christlichen Monotheismus, er meint aber wohl: <i>alle religi\u00f6sen Menschen<\/i>, vielleicht alle Menschen, auch die, die von dieser anachronistischen <i>Weltkirche<\/i> ausgeschlossen werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Nachwort 8.4.2014<\/span><\/p>\n<p>Ein neuer Papst. Wie wird eine \u201aKirche der Armen\u2019 mit der <i>Sagrada<\/i> umgehen? Und wenn \u201adie Armen\u2019 neue Kathedralen wollen? Wo doch hier bereits eine Bauh\u00fctte existiert? Und nicht zu vergessen: Die alten Kathedralen waren auch zum Geringsten Werke der Fr\u00f6mmigkeit! Der Film wirkt ganz stark in der Erinnerung, \u00fcber seine Bilder und Kamerafahrten, \u00fcber die atemberaubenden Aussichten und vielen unterschiedlichen Ansichten der Beteiligten, die er vermittelt. Ich empfehle ihn nachdr\u00fccklich, gerade, wenn man bereits einmal an den Warteschlangen vorbeigegangen ist oder gar drin war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stefan Haupts Dokumentarfilm \u201eSAGRADA. Antoni Gaud\u00ed \u2013 Das Geheimnis der Sch\u00f6pfung\u201c<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[],"class_list":["post-2120","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kunstkommissar"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2120","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2120"}],"version-history":[{"count":7,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2120\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6651,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2120\/revisions\/6651"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2120"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2120"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2120"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}