{"id":2075,"date":"2017-06-25T17:17:34","date_gmt":"2017-06-25T15:17:34","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=2075"},"modified":"2024-02-12T17:32:25","modified_gmt":"2024-02-12T16:32:25","slug":"schriftglaeubige","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=2075","title":{"rendered":"Zum Ende der Schriftkultur und &#8230;."},"content":{"rendered":"<h4><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #000000;\"><em>Der Text vom 3. Mai 2014<br \/>\n<\/em><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Auf diesen Gedanken<\/span><span style=\"color: #000000;\"> komme ich bei Schriftasketen, ja Schriftmystikern, bei Philosophen in der Nachfolge von Theologie und Metaphysik mit betontem\u00a0Wahrheitsanspruch. Um die muss es wohl gehen, wenn \u2013 etwa bei <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?cat=109\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Vil\u00e9m Flusser<\/a> &#8211; vom Ende des Schriftzeitalters (<\/span><span style=\"color: #000000;\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=3989\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a><\/span><span style=\"color: #000000;\">) die Rede ist.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Es haben ebenso lange Menschen in den Sachen gedacht und in gesellschaftlichem Kontext, selbst der Jesus der Evangelien. F\u00fcr sie gilt der Epochenbruch nicht, dabei haben die die Schrift erfunden!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Weil ich <em>in den Sachen<\/em> und in Kontexten denke und \u00a0mich als lebendiger Mensch an Mitmenschen richte, f\u00fchle ich mich vom angeblichen &#8218;Untergang der Schrift&#8216; (Flusser) nicht wirklich bedroht. Bei Paul Feyerabend habe ich gelernt, dass wer in den Sachen, in der <i>Natur <\/i>forschte, traditionell von Klugschei\u00dfern umgeben war, die ihm Vorschriften aus h\u00f6herer Warte machen wollten, nicht viel anders als einfache Menschen, <\/span><span style=\"color: #000000;\">denen angeblich <i>Gott<\/i> <\/span><span style=\"color: #000000;\">Theologen und abgehobenen Juristen <\/span><span style=\"color: #000000;\">&#8211; bewehrt mit den Zwangsmitteln der Obrigkeit &#8211; <\/span><span style=\"color: #000000;\">zu Vorm\u00fcndern bestellt h\u00e4tte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die Kontrahenten haben die ganze Geschichte der Menschheit \u00fcber miteinander gerungen. Sie trennt ihre Einstellung zum autoritativen Wort, zum Satz, zum Richterspruch, aber auch zum Ritual, generell zum Text, und zur <i>Wahrheit<\/i>, die daran haftet. Wie Vil\u00e9m Flusser irgendwo ironisch bemerkte: <i>Wir sterben<\/i> (als Zivilisation) <em>und leben unbeeindruckt weiter<\/em>. Schreiben nach dem <em>Tod<\/em> von was immer. Na und?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Darin steckt der antiautorit\u00e4re, <i>respektlose<\/i> Geist meiner Jugend, der sich auch mit <i>Den Gro\u00dfen,<\/i> und sei es nur medial, auf gleiche Ebene stellt. Paul Feyerabends Anekdote seiner Begegnung mit Wittgenstein hat mir sehr gefallen (im R\u00f6mischen Interview des WDR, <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=1481\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link)<\/a>. Selbstaufkl\u00e4rung und Aufkl\u00e4rung funktionieren doch nicht anders. <i>Zu F\u00fc\u00dfen<\/i> &#8211; von wem in welcher Disziplin auch immer &#8211; zu <i>sitzen,<\/i> taugt nur zur Ausbildung von Priestern und Archivaren. \u00a0 \u00a0 \u00a0 3.5.14 &amp; 27.10.18<\/span><\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #000000;\">23.5.2010: \u00a0\u00a0 <b>Misstrauen gegen die Schriftkultur<\/b><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Sie war autorit\u00e4r. Sie ist es noch immer, soweit sie Autoren \u2013 Lehrer \u2013 hat. Ihre Fokussierungen sollten auch deine werden. Ihre sprachlichen Unsch\u00e4rfen (schon ein Pleonasmus!) wurden auch deine. Jenseits ihrer <i>subjektiven Brille<\/i> \u2013 so sagt man heute, wenn nicht schon gestern \u2013 gab es keine erreichbare <i>Kontrollgruppe<\/i>, keine <i>Kontrolldaten<\/i> usw. Das war eben wie\u00a0<i>Schule<\/i>.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Ja, ich schreibe, aber am liebsten im Verbund mit Bildern und dem Zeigen von Objekten.\u00a0Ich war immer stolz darauf, dass meine Sch\u00fcler\u00a0 an mir oft vorbei auf Bildschirme sahen,\u00a0mit mir zusammen, und wir \u00fcber ein insofern gemeinsames Drittes sprechen konnten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Nat\u00fcrlich ist es eine l\u00e4cherliche \u00dcbung, \u00fcber eine untergehende Kultur herzuziehen.\u00a0Wozu also? Ich tr\u00e4ume \u2013 wie letztlich auch Vil\u00e9m Flusser \u2013 von einer Vers\u00f6hnung der beiden Kulturen. Die Schriftkultur muss dabei <i>herunter von ihrem hohen Ross&#8230;\u00a0<\/i>(\u201eWas ist das,\u00a0Herr Lehrer?\u201c \u201eChe cosa significa \u201eRoss\u201c?) &#8211; und die Bildkultur muss die T\u00fcr ihres\u00a0modernen Panzers \u00f6ffnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Meine Vorw\u00fcrfe sind aber noch nicht zu Ende: <em>Das geschriebene Wort<\/em> hat uns Jahrhunderte lang gr\u00fcndlich belogen. Kann eigentlich Schlimmeres kommen? &#8211; Es kann. (\u201cYes, We Can\u201c) Auf <i>falsches<\/i> Bewusstsein k\u00f6nnte Bewusstlosigkeit folgen. <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=1746\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">(Link<\/a>)<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #000000;\">25. Juni 2017\u00a0\u00a0\u00a0 Ist das Alles ?<\/span><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Sich auf &#8218;die Schriftkultur&#8216; zu fokussieren, mag f\u00fcr nette Essays und akademische Gesellenst\u00fccke ausreichen, aber schon hier wird &#8218;die Lesekultur&#8216; vergessen, und Blicke nach rechts und links<\/span><span style=\"color: #000000;\">: Hier geht &#8218;die Bildkultur&#8216; an Erstickung unter. Und was alles noch? Etwa &#8218;die der Umgangsformen&#8216;, soweit sie nicht zur Programmierung von Robotern taugen?<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Ich will mich hier auf &#8218;Bild&#8216; und &#8218;Ding&#8216; beschr\u00e4nken, damit Leser nicht gleich achselzuckend weiterzappen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>&#8218;Bilder&#8216;<\/strong> lehrte Vil\u00e9m Flusser &#8211; und diskutieren David Hockney und Marin Gayford unterhaltsam in &#8222;Die Welt der Bilder&#8220; (2016, <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=8780\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a>) &#8211; folgen einer hochdifferenzierten, aber erlernbaren Grammatik. Sonst ist n\u00e4mlich Schluss mit der individuellen Freiheit und dem, was daraus folgt, der M\u00f6glichkeit, Widerstand zu leisten. Scrollende Fingerspitzen sind eindeutig nicht das erfolgversprechende Instrument.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Wenn auch <strong>Dinge <\/strong>ihren Eigenwert verlieren &#8211; jenseits von Auktionen, Moden oder Sentimentalit\u00e4ten, jenseits irgendwelcher Reservate wie Instrumentenbau, &#8218;bildender Kunst&#8216; oder Museumsgut &#8211; ist ein Leben im Dreck buchst\u00e4blich vorprogrammiert.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Wenn das Vers\u00e4umnis des Beherrschens einer Schrift <\/span><span style=\"color: #000000;\">mit einer ganzen Reihe weiterer kultureller Verluste einhergeht <\/span><span style=\"color: #000000;\">&#8211; aktiv und passiv, und wer verf\u00fcgte denn anders \u00fcber einen nennenswerten &#8218;Wortschatz&#8216; ? &#8211; dann habe ich Angst um die Menschen, die jetzt noch in die Welt gesetzt und durch &#8218;Bildungssysteme&#8216; geschleust werden, viele ja nicht mal erfolgreich. Wer kann noch lesen,\u00a0 ich meine: komplexer als &#8218;funktionelle Analphabeten&#8216; oder vom Smartphone gejagte und gestresste &#8218;Fachidioten&#8216; (Bitte nicht schimpfen! Nur ein neutraler Begriff; Flusser w\u00fcrde seine Etymologie bem\u00fchen, &#8222;idiotes&#8220; (gr.) und &#8222;Fach&#8220; wie Schreibtischfach)<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Das menschliche Leiden w\u00e4re heute bereits unermesslich, wenn es nicht &#8218;Opium&#8216; g\u00e4be. &#8211; <\/span><span style=\"color: #000000;\">Ach Marx! Das &#8218;Opium&#8216; sollte &#8218;Religion&#8216; sein?\u00a0 Er hatte noch eine erfahrungsges\u00e4ttigte traditionelle Kirche vor Augen, der Gl\u00fcckliche!<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Text vom 3. Mai 2014 Auf diesen Gedanken komme ich bei Schriftasketen, ja Schriftmystikern, bei Philosophen in der Nachfolge von Theologie und Metaphysik mit betontem\u00a0Wahrheitsanspruch. Um die muss es wohl gehen, wenn \u2013 etwa bei Vil\u00e9m Flusser &#8211; vom Ende des Schriftzeitalters (Link) die Rede ist. 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