{"id":2048,"date":"2014-03-25T21:31:31","date_gmt":"2014-03-25T20:31:31","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=2048"},"modified":"2015-04-23T09:55:27","modified_gmt":"2015-04-23T08:55:27","slug":"siegfried-zielinski-redet-klartext-aber","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=2048","title":{"rendered":"Siegfried Zielinski redet Klartext,aber&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><b><span class=\"Apple-style-span\" style=\"font-weight: normal;\">Zweiter und letzter Bericht von der Tagung in Berlin<!--more--><\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Bei meiner Vorbereitung auf die Themen der Konferenz hatte ich mich auch in die einschl\u00e4gigen Texte von Flusser wieder eingelesen und hoffte auf Debatten und Kl\u00e4rungen. Insofern begegnete ich den Tagungsbeitr\u00e4gen nicht unvoreingenommen, was man meinen Wortbeitr\u00e4gen gewiss anh\u00f6rte. Die Ank\u00fcndigung in sichtlich \u201averspieltem\u2019 Ton hatte mich vorgewarnt, dass mancher Beitrag mit Flussers Impulsen \u201aspielen\u2019 wollte. Andere zogen ideengeschichtliche Linien, wieder andere behandelten das Thema mit existentiellem Ernst. Wie stand es aber um das Verh\u00e4ltnis Flussers zur historischen und mathematisch-wissenschaftlichen und Erforschung des <i>homo ludens<\/i> und seiner Spiele? Rainer Guldin behandelte Flussers Rapoport-Rezeption (vgl. 1. Bericht). Ansonsten wurden solche Fragen erst nach den Referaten von verschiedenen Seiten in die eng terminierten Diskussionsrunden eingebracht. Gerade auch <strong>Siegfried Zielinski<\/strong> trug dazu bei. So schleuderte er einmal dramatisch aus der letzten Reihe die Feststellung in die Runde: <i>Das Denken in Netzen hat nicht mit Flusser begonnen!<\/i> Es waren Gedanken wie die folgenden, welche er am Samstag (8.2.) nach Guido Br\u00f6cklings Vortrag extemporierte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(die improvisierte Tonaufnahme setzt etwa in der Mitte seiner Rede ein:)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Dass Kommunikation und Distanz zwei Begriffe sind, die komplement\u00e4r sind, das hei\u00dft &#8211; etwas holzhammerartig formuliert: Kommunikation &#8211; denken Sie an Guy Debord und seinen ber\u00fchmten Diskurs \u00fcber \u201adie Gesellschaft des Spektakels\u2019 \u2013 Kommunikation verbindet, aber es verbindet nur etwas, das bereits getrennt ist, und nat\u00fcrlich trennt Kommunikation auch, st\u00e4ndig , diese Trennungsarbeit der Kommunikation, die gigantisch geworden ist, die bis dahin geht, und da w\u00fcrde auch meine Kritik an den einfachen Wortspielen von Flusser ansetzen, dass diese Dialogik der Arbitrarit\u00e4t, des Beliebigen, f\u00fcr mich die viel gr\u00f6\u00dfere Chance f\u00fcr einen neuen Faschismus ist als aufgekl\u00e4rte Machtstrukturen. Das ist ein gro\u00dfes Problem, zum Beispiel auch in der philosophischen Diskussion bei Herrn Roetzer (?), werden Sie sich erinnern, Dietmar Kamper und M(&#8230;..) zu Anfang der achtziger Jahre schon einmal eine wichtige Rolle gespielt hat, und dann wieder vergessen worden ist. Ich erinnere mich aber noch gut an die S\u00e4tze in Reaktion auf Deleuze, auf Foucault und so weiter: Macht ist <span style=\"text-decoration: underline;\">nicht per se<\/span> b\u00f6se. Es kommt darauf an, wie man sie benutzt. Und nun sind wir sozusagen in dieser beliebigen Arbitrarit\u00e4t angekommen, und andererseits bestaunen wir, dass es Hierarchien gibt in dieser Welt, die auch wirklich sehr wenig mit den Kommunikationsstrukturen zu tun haben, mit den Kommunikationsmitteln, die aktuell benutzt werden, die dem diametral entgegenzustehen scheinen. Da muss man, denke ich, noch enorm viel leisten, aber der Kernpunkt: &#8230; diese Idee, diese alte aufkl\u00e4rerische Idee, dass ein Mehr an Kommunikation, ein Zuwachs an Kommunikation \u2013 das geht bei <span style=\"text-decoration: underline;\">jedem<\/span> Satz bei ihm fast durch \u2013 auch wirklich sozusagen nicht nur das Versprechen einer besseren Kommunikation in sich birgt, sondern auch die Einl\u00f6sung dieses Versprechens. Und immer dann, wenn er gezwungen wird, viel \u00fcber die Einl\u00f6sung zu sprechen, b\u00fcchst er aus und dann is\u2019 er ganz woanders.<\/i> (Verhaltenes Lachen bei Zuh\u00f6rern) <i>Und das gibt er aber auch zu, das wei\u00df er. Das wei\u00df er. Sorry, ich war zu lang, ein bisschen, es ist halt wichtig, dass wir unseren Horizont auch erweitern. <\/i>(h\u00f6rbare Zustimmung)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich z\u00e4hle noch einmal zusammen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>1. Kommunikation verbindet, aber es verbindet nur etwas, das bereits getrennt ist, und nat\u00fcrlich trennt Kommunikation auch. <\/i>Der Hinweis auf den marxistischen Gesellschaftskritiker Debord bleibt zu unbestimmt: Schr\u00e4nkt er die Aussage auf diese\u00a0 Gesellschaft ein? Doch da f\u00e4llt auch das Wort von <i>den einfachen Wortspielen von Flusser.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Z. \u00fcbt Kritik 2.<\/i> an <i>dieser Dialogik \u2013 <\/i>seiner?! &#8211; <i>der Arbitrarit\u00e4t, des Beliebigen<\/i>. Er sieht sie als<i> viel gr\u00f6\u00dfere Chance f\u00fcr einen neuen Faschismus ist als aufgekl\u00e4rte Machtstrukturen. (&#8230;) Macht ist <span style=\"text-decoration: underline;\">nicht per se<\/span> b\u00f6se. <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>3. an der <\/i>\u00dcberbewertung der \u201aMedienrevolution<i>\u2019<\/i>: &#8230;<i> andererseits bestaunen wir, dass es Hierarchien gibt in dieser Welt, die auch wirklich sehr wenig mit den Kommunikationsstrukturen zu tun haben, mit den Kommunikationsmitteln, die aktuell benutzt werden<\/i> (Vgl. meine \u201eAutopsie eines Waschzettels\u201c)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>4. <\/i>an Flussers <i>Idee, dass ein Mehr an Kommunikation, ein Zuwachs an Kommunikation (&#8230;) nicht nur das Versprechen einer besseren Kommunikation in sich birgt, sondern auch die Einl\u00f6sung dieses Versprechens. <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>5. Wenn er gezwungen wird, viel \u00fcber die Einl\u00f6sung zu sprechen, b\u00fcchst er aus und dann is\u2019 er ganz woanders.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seiner Bilanz hat er freilich die kritische Spitze abgebogen in nachsichtiger Loyalit\u00e4t: <i>Und das gibt er aber auch zu, das wei\u00df er. Das wei\u00df er.<\/i> Z. entschuldigt er sich anschlie\u00dfend, aber wof\u00fcr? <i>Sorry, ich war zu lang, ein bisschen, es ist halt wichtig, dass wir unseren Horizont auch erweitern<\/i>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seinem Abschlussreferat unter dem poetischen Titel \u201e<i>Sich mit Berechnung verschwenden<\/i>\u201c wird er weitere Kritikpunkte im Vor\u00fcbergehen anrei\u00dfen, aber vor allem einen noch weiteren geistesgeschichtlichen Horizont abschreiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine schwache Hoffnung ist, dass Zielinskis kritische Einw\u00e4nde selbst in dieser improvisierten Form noch jemanden anregen k\u00f6nnen, sie zu entfalten und weiterzudenken und mit anderen zu diskutieren. Es gibt nicht die eine Rezeption Flussers. Also w\u00e4ren f\u00fcr jede Art der Verwendung und Auslegung Flussers andere Schl\u00fcsse zu ziehen Bei einer eingestandenerma\u00dfen kurzen Sichtung von Zielinskis Buch \u201eNach den Medien\u201c (Merve, Berlin 2011) bin ich dazu nicht f\u00fcndig geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gutm\u00fctige S\u00e4tze wie der von Gunter Gebauer im Er\u00f6ffnungsvortrag bringen die Rezeption Flussers nicht weiter. Er sagte dort etwa: Alles (&#8230;.) sei in Flussers kleinem Aufsatz (\u201eGesellschaftsspiele\u201c) angelegt, in dem viel drin stecke, intuitiv und mit Verve. Begr\u00fcndungen k\u00f6nne man ja nachliefern, das sei kein Problem. \u2013 Kein Problem?<\/p>\n<p><i>\u00a0<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zweiter und letzter Bericht von der Tagung in Berlin<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[25],"tags":[],"class_list":["post-2048","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-flusser_tagung"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2048","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2048"}],"version-history":[{"count":8,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2048\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3209,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2048\/revisions\/3209"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2048"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2048"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2048"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}