{"id":1937,"date":"2007-08-28T23:23:46","date_gmt":"2007-08-28T22:23:46","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=1937"},"modified":"2014-02-22T00:48:16","modified_gmt":"2014-02-21T23:48:16","slug":"wegwerfen-oder-warhol","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=1937","title":{"rendered":"Wegwerfen oder Warhol?"},"content":{"rendered":"<p>3.10.2003 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <b>Vom Antikmarkt auf der Zeil zu Warhols Time Capsules<\/b><\/p>\n<p><b><\/b>28.8.2007 \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0<b>Wir reden \u00fcber das Wegwerfen \u00a0\u00a0<!--more--><\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>\u00a0\u00a0 \u00a0 \u00a0 Vom Antikmarkt auf der Zeil zu Warhols Time Capsules <\/b><\/p>\n<p>Zuerst zum Antikmarkt, Christian suchen, mit dem Weberschwert aus Nigeria in der Hand. Die falsche Kleidung f\u00fcr die Oktober-Schw\u00fcle! Unentschlossen wegen derLobi-Colon-Figur. Chinesische G\u00f6tterfiguren aus\u00a0 b\u00e4uerlichem Altar faszinieren, sind aber in erb\u00e4rmlichem Zustand. Die Tr\u00f6delwelt ist morbid. Ich bringe es nicht \u00fcber mich, die 150 Euro f\u00fcr den Lobi zu zahlen, vertage die Entscheidung.<\/p>\n<p>Ins MMK zu\u00a0 Warhol. Was findet sich nun hinter den \u201ebeiseite gelegten Resten, die niemand mehr haben will\u201c, den \u201eLeftovers\u201c? Den \u201eVitrinen-Lindwurm\u201c habe ich nicht entdeckt; auch nicht den\u00a0 versprochenen \u201eenzykop\u00e4dischen Kollaps\u201c gesp\u00fcrt. Die \u201eExotik\u201c war bemerkenswert clean und uninspiriert in den Vitrinen verteilt. Ein paar Knicke oder andere Winkeleien schaffen noch kein Leben. Die Materie ist gewiss zensiert, kommt mir in den Sinn, dennoch m\u00fcllig un\u00fcberschaubar und ein Alp f\u00fcr den gewissenhaften Kurator, eine Rache des Stars an der fetischgeilen Szene-Nachwelt. Alles h\u00e4ngt vom Glauben ab &#8211; wie bei Reliquien und Fetischen \u00fcblich. Da ist der\u00a0 durchgehaltene Blick von Beuys ein paar R\u00e4ume weiter von anderer Qualit\u00e4t. Ich begegne ihm mit ruhig gehaltener Kamerahand.<\/p>\n<p>Was war der Kern meines Besuchs und der besichtigten Anstrengungen? Die Frage der Bew\u00e4ltigung des Angesammelten. Hier nicht gelungen und wohl nicht wirklich beabsichtigt. Bilanz: An der Verarbeitung oder der Trennung geht kein Weg vorbei.\u00a0Warhol wollte schmerzlos entsorgen, au\u00dfer haus und \u201evom Assistenten\u00a0 verschlossen und datiert\u201c, aber letztlich nebenan. Den Impuls kenne ich gut. Darum wollte ich heute ja hin. Der Titel aber scheint mir viel zu hoch gegriffen.<\/p>\n<p>Die Besucher waren \u2013 das\u00a0 fiel mir auf und sollte auf dem Film zu h\u00f6ren sein &#8211; konzentriert und still am Werk. Immerhin habe ich einen Satz wie \u201eZwar habe ich keine Campbell-Dose, aber&#8230;\u201c geh\u00f6rt. Ein wenig b\u00fcrgerlichen Glanz, Licht und Neonfarben bringt Warhol auf jeden Fall in die d\u00fcrftig best\u00fcckten Hallen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span class=\"Apple-style-span\" style=\"line-height: 14px;\"><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/kunst\/andy-warhol-besorgen-sie-sich-einen-karton-1112437.html\">Andy Warhol: Besorgen Sie sich einen Karton &#8211; Kunst &#8211; FAZ<\/a><\/span>\u00a0\u00a0= www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/kunst\/andy-warhol-besorgen-sie-sich-einen-karton-1112437.html:<\/p>\n<p>3<em>0. Sept. 2003 &#8230; &#8222;Ich arbeite&#8220;, schreibt Andy Warhol in seiner 1975 erschienenen &#8222;Philosophie&#8220; &#8230; Sechshundertelf Time Capsules hat Warhol von Anfang der\u00a0&#8230;<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>\u00a0\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Wir reden \u00fcber das Wegwerfen<\/b><\/p>\n<p>Am Tisch mit H., H. und wem noch. Ich sitze einem Stamm von Ger\u00fcmplern-Entr\u00fcmplern gegen\u00fcber, die sich in ihren H\u00e4usern vergessene R\u00e4ume halten und dann radikal aufr\u00e4umen. F\u00fcr K.s Einzug opferte H. z.B. \u201eunbesehen\u201c alles, was er \u201ezwei Jahre nicht angefa\u00dft\u201c hatte \u2013 das k\u00f6nnte mir zwar nicht passieren, der Anla\u00df war aber auch danach. Auch H. geht mit der Zeit.<\/p>\n<p>Ich versuche die historische Erkl\u00e4rung, schlage einen Bogen von Mutters Totalverlust und der versch\u00e4mten Zensur der 50er Jahre \u00fcber den Deutschen Herbst zur v\u00f6lligen Inflation der Materialien in den vergangenen Jahren. Dagegen leiste ich meinen stillen Widerstand. Die \u00fcbliche Trennung zwischen gesellschaftlich unerheblichen Privatem und museumsw\u00fcrdigen G\u00fctern lehne ich ab, wie sie Kuratoren, Handel und Medien vornehmen. Sammler existieren wie eh und je, und selbst die genannten Institutionen leben letztlich von den ernsthaften Eigent\u00fcmern. Die spekulantiven Sammler sind als Opportunisten keine zuverl\u00e4ssige Quelle.<\/p>\n<p>Zwar bringe ich Warhols \u201eTime Capsules\u201c als zeitgem\u00e4\u00dfe Entartung der Erinnerungskultur ins Spiel, habe aber den Verdacht, im Stillen sagten sich die Gespr\u00e4chspartner: Bei Warhol ist das ja auch etwas ganz anderes. \u00a0Es herrscht allen Differenzen zum Trotz die \u00dcbereinkunft einer weitgehenden Toleranz den Wertma\u00dfst\u00e4ben gegen\u00fcber. Typisch ist die Floskel aus den Kreisen des Meinungskartells: \u201eunabh\u00e4ngig von der ewigen Frage, ob das denn alles gerechtfertigt ist\u201c (\u201eDas-Daniel-Richter-Experiment\u201c FAZ,18.8.07). Ich nehme aber mich und Meins wichtig und frage mich manchmal, ob das die M\u00fche lohnt. Man mu\u00df damit leben, von Gro\u00dfkotzigen mitleidig bel\u00e4chelt zu werden.<\/p>\n<p><span class=\"Apple-style-span\" style=\"line-height: 14px;\"><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/kunst\/daniel-richter-ein-starkuenstler-auf-der-strasse-11451441.html\">Ein Stark\u00fcnstler auf der Stra\u00dfe<\/a><\/span>\u00a0\u00a0=\u00a0www.faz.net\/&#8230;\/<b>daniel<\/b>&#8211;<b>richter<\/b>-ein-starkuenstler-auf-der-strasse-11451441.<\/p>\n<p><em>Was passiert, wenn man einen der erfolgreichsten Maler der Gegenwart zwischen Pariser Stra\u00dfenk\u00fcnstler setzt?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3.10.2003 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Vom Antikmarkt auf der Zeil zu Warhols Time Capsules 28.8.2007 \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0Wir reden \u00fcber das Wegwerfen \u00a0\u00a0<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17,24],"tags":[],"class_list":["post-1937","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kunstkommissar","category-sammeln"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1937","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1937"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1937\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1941,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1937\/revisions\/1941"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1937"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1937"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1937"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}