{"id":1926,"date":"2014-02-21T17:33:52","date_gmt":"2014-02-21T16:33:52","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=1926"},"modified":"2017-01-07T18:02:37","modified_gmt":"2017-01-07T17:02:37","slug":"werner-muensterberger-jahrhundertleben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=1926","title":{"rendered":"Werner Muensterberger &#8211; Mit Masken durch das Jahrhundert"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">nach der Lekt\u00fcre von: \u00a0<em>Lisa Zeitz \u2013 Der Mann mit den Masken &#8211;\u00a0Das Jahrhundertleben des Werner Muensterberger, Berlin Verlag 2013, 25 \u20ac<\/em><i>\u00a0\u00a0\u00a0 <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #808080;\"><strong>Hinter gro\u00dfspurigen Masken erscheint der Mensch, der durch das\u00a0 Pathologisieren des Sammlers und Sammelns popul\u00e4r geworden ist,\u00a0 \u00fcbrigens ein Sammler.<\/strong><\/span><i><br \/>\n<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><i><!--more--><\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lisa Zeitz ist Expertin auf dem Gebiet des internationalen Kunstmarkts und hat Muensterberger seit 2005 bis zu seinem Tod 2012 immer wieder besucht. Sein unvollendetes Manuskript \u00fcber \u201eF\u00e4lscher auf der Couch\u201c ver\u00f6ffentlicht sie im Anschluss an den biografischen Teil des Buches, das \u00fcbrigens verf\u00fchrerisch sch\u00f6n illustriert und ausgestattet ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein pralles mond\u00e4nes Leben bis ins biblische Alter, ein Gro\u00dfb\u00fcrger (Industriellensohn und Erbe), Lebemann, Schlitzohr \u2013 wie eben die Leute, die die Stammeskunst seit den zwanziger Jahren in den Klauen haben. Und ebenso die Kunst der Klassischen Moderne, in gewissem Sinn eine verschworene Gemeinde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er erscheint als unkreativer Theoretiker, ob nun als Psychoanalytiker oder Ethnologe, schnell mit dem Urteil, wurschtig doktrin\u00e4r aus Bequemlichkeit, das Wissen und die Konzepte aus der Sekund\u00e4rliteratur gezogen. Er fotografierte nicht. Feldforschung? Genuss, auch auf Bali. Die Dissertation ohnehin zusammenzitiert. Opportunistisch und flexibel. Sein Lehranalytiker arisierte die Analytikerorganisation und diente sp\u00e4ter dem Regime als Gutachter f\u00fcr Simulanten, sein erster kunstethnologischer (!) Mentor arrangierte sich mit den Nazis, ohne dass Muensterberger etwas mitbekommen haben soll. Der Bankier-Kollaborateur von der Heydt hat ihn nach Kriegsende nicht angewidert. Eine Frau hat ihn \u00fcber Jahre buchst\u00e4blich gerettet in Amsterdam. Er verl\u00e4sst sie mit Aussicht auf Amerika.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vital und dickfellig, umtriebig Beziehungen kn\u00fcpfend und nutzend. Bemerkenswert, wie er sich jahrelang im Dritten Reich in der Balance gehalten hatte, immer einen G\u00f6nner in Reichweite. Und ohne erkennbares soziales Gewissen. Er folgte dem Geld, dem Gesch\u00e4ft mit den Klienten und generell dem Genuss. Die Autorin schmeckt den genie\u00dferisch nach und ist sich f\u00fcr Prominentenklatsch nicht zu schade.\u00a0Dem alten Draufg\u00e4nger, der kein privates pers\u00f6nliches Archiv hatte, war nat\u00fcrlich auch kaum mehr als name-dropping und Heldentaten zu entlocken. Die leichte Hand beim Schreiben kann eine L\u00f6sung sein bei so unsicherer, &gt;disparater&lt; Quellenlage. Muss ich mich fragen, ob das Buch ihm \u00fcberhaupt gerecht wird?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was sagen die Rezensionen zur Biografie? Verrisse seines \u201eSammeln, eine unb\u00e4ndige Leidenschaft\u201c werden dokumentiert, vor allem der unbestechliche Verriss durch Louise Bourgeois.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die FAZ-Kunstmarkt-Redaktion ist begeistert. Die Autorin ist sowieso eine Geistesverwandte. Eine Biographie mit exklusivem Zugang im Grunde f\u00fcr einen exklusiven Kreis, der sich von dieser flotten Jahrhundertbiografie einer schillernden Pers\u00f6nlichkeit blendend repr\u00e4sentiert f\u00fchlen kann.<\/p>\n<p>16. Mai 2013, Kreta<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><b>Muss das schon wieder ein Abschied werden?<\/b><\/h4>\n<p>Muensterberg war mir ein Begriff durch sein Buch: <i>Sammeln, eine unb\u00e4ndige Leidenschaft \u2013 Psychologische Perspektiven, Berlin Verlag 1995<\/i>. Ich hatte es im April 2004 auf dem Land gelesen. Es hinterlie\u00df einen bleibenden, etwas einsch\u00fcchternden Eindruck, weil schlie\u00dflich auch in mir als <i>Sammler <\/i>ein schlechtes Gewissen wohnt. Der Analytiker bediente es diffus mit seinem psychoanalytisch souver\u00e4nen Griff in die Kiste der <i>Leidenschaften<\/i>, wenn ich mich auch kaum in seinen exzentrischen \u201aPsychobiographien\u2019 der Oberklasse wiederfand. \u2013 Deren Styling wird nun in Zeitz\u2019 Biografie klar. Nicht ins Schema zu passen, war f\u00fcr Muensterberg schlichtweg Ausschlusskriterium. \u00dcberdies war er selber Kunstsammler und Kunsth\u00e4ndler, alles zusammen eine tr\u00fcbe Mischung! Das sah man der Studie von 1995 nicht an.<\/p>\n<p>\u201aErl\u00f6st\u2019 hat mich viel sp\u00e4ter Manfred Sommers ph\u00e4nomenologische Studie <i>Sammeln \u2013 ein philosophischer Versuch, Suhrkamp 1999<\/i>, worauf ich zuf\u00e4llig 2011 stie\u00df. Er bezeichnet als <i>eine der vielen Entt\u00e4uschungen , die dieses Buch parat h\u00e4lt: <span style=\"text-decoration: underline;\">keine<\/span> neue Theorie dar\u00fcber, <span style=\"text-decoration: underline;\">warum<\/span> wir <span style=\"text-decoration: underline;\">eigentlich<\/span> sammeln, sondern eine Verteidigung des Sammlers gegen die Unterstellungen, die in dieser Frage enthalten sind. <\/i>(ebd.: 16)<\/p>\n<p>21.2.2014<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>nach der Lekt\u00fcre von: \u00a0Lisa Zeitz \u2013 Der Mann mit den Masken &#8211;\u00a0Das Jahrhundertleben des Werner Muensterberger, Berlin Verlag 2013, 25 \u20ac\u00a0\u00a0\u00a0 Hinter gro\u00dfspurigen Masken erscheint der Mensch, der durch das\u00a0 Pathologisieren des Sammlers und Sammelns popul\u00e4r geworden ist,\u00a0 \u00fcbrigens ein Sammler.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24],"tags":[],"class_list":["post-1926","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-sammeln"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1926","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1926"}],"version-history":[{"count":17,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1926\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6656,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1926\/revisions\/6656"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1926"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1926"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1926"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}