{"id":1849,"date":"2014-01-26T18:00:16","date_gmt":"2014-01-26T17:00:16","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=1849"},"modified":"2020-05-20T16:54:17","modified_gmt":"2020-05-20T14:54:17","slug":"vereint-dialog-und-diskurs-in-gesten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=1849","title":{"rendered":"Wieder vereint, Dialog und Diskurs!"},"content":{"rendered":"<p>Und zwar in der &#8222;Geste des Sprechens&#8220;. Wer h\u00e4tte das gedacht<!--more-->Flusser stellt sich immer wieder dumm, posiert als harter Reduktionist f\u00fcr steile Theorien, ob in Reden oder Schreibmaschinentexten. Ich erlebe dieser Tage die befreiende Wirkung von respektlosen Rezensionen Flussers in Feuilletons. Elias Torra (\u201cGetan, fast eh gedacht\u201d, FAZ 22.1.1992) macht mich auf\u00a0<i>die Geste des Sprechens<\/i>\u00a0wieder neugierig, und da finde ich (Gesten, Fischer Wissenschaft 1995, 44f.) folgende Feststellungen Flussers:<\/p>\n<p><i>Die Unterscheidung zwischen dem dialogischen und dem diskursiven Wort, welche f\u00fcr die Analyse des Gespr\u00e4chs so wichtig ist, kann bei der Beobachtung der Geste des Sprechens nicht getroffen werden. Das Wort r\u00fcckt, beim Durchbrechen der Wand des Schweigens aus dem Bereich der verf\u00fcgbaren Worte in den Bereich der zwischenmenschlichen Beziehungen, ohne dass es dabei einen Sinn h\u00e4tte, nach der Struktur dieser Beziehungen zu fragen. Der Sprechende richtet zwar sein Wort an einen Kontext, \u00a0redet nie ins Leere, und in dem Sinne ist sein Sprechen immer Anrede, Aussprache, also dialogisch. Aber die Worte, die er formuliert, bilden Ketten, sie sind aus syntaktischen und semantischen Gr\u00fcnden ineinander verhakt, und in diesem Sinne ist die Geste des Sprechens immer eine diskursive Geste. Wahrscheinlich ist der Unterschied zwischen Dialog und Diskurs erst im Gewebe der menschlichen Beziehungen, im politischen Raum zu treffen und im Augenblick des Sprechens noch in der Schwebe: der Sprechende ist, wenn er spricht, noch f\u00fcr Diskurs und Dialog disponibel.<\/i>(\u2026)<\/p>\n<p>Ja, aber\u2026. In dem Terminus \u00a0<i>politisch\u00a0<\/i>lugt bereits Flussers Kommunikationstheorie hervor. Die muss ja mit dem Tod der Politik auch die Geste des Sprechens \u2018sterben\u2019 lassen. Was das bedeutet, hat er bereits einige Zeilen vorher \u2013 ein Heidegger auf seinem \u2018Feldweg\u2019 \u2013 formuliert: \u00a0<i>Die Tore der Worte haben sich sperrangelweit pathologisch ge\u00f6ffnet, und die Logorrh\u00f6e des Geredes \u00fcberschwemmt die Gegend. Man redet, weil man verlernt hat zu sprechen, und man hat es verlernt, weil es nichts zu verschweigen gibt: die Worte haben ihre Strahlen verloren. Es muss in anderen, fr\u00fcheren Situationen, vor der Inflation des Wortes, ein Gewicht des Sprechens gegeben haben, (\u2026) ein ma\u00dfvolles Sprechen, wie man es noch bei Bauern und einsam Lebenden antrifft, bei welchen das Sprechen sich noch als ein Brechen des Schweigens und nicht als ein Zerreden der Stille auswies. Dieses urspr\u00fcngliche Gewicht der Geste des Sprechens, und nicht die leichtfertige Geste des Geredes, gilt es hier zu fassen.<\/i>\u00a0(44)\u00a0<i>\u00a0<\/i><\/p>\n<p>Wir sind zur\u00fcck in einer kulturpessimistischen Zeitdiagnose, von deren Nutzen ich keineswegs \u00fcberzeugt bin. Hat sie doch Heidegger vor gravierenden Torheiten nicht bewahrt. Und ich mag Flusser nicht von\u00a0<i>Bauern<\/i>\u00a0reden h\u00f6ren. Er kommt nicht von der Alp und hat anderswo deutlich gesagt. was er von der\u00a0<i>heimt\u00fcckischen <\/i>Enge des traditionellen Hauses, seinen\u00a0<i>Mauerl\u00f6chern<\/i>\u00a0und von seinen\u00a0<i>H\u00e4ftlingen <\/i>h\u00e4lt. (\u2018<i>H\u00e4user bauen<\/i>\u2019, in \u2018Migranten\u2019: 66f.)<\/p>\n<p>Bilanz? Die Geste des Sprechens scheint f\u00fcr Flusser ein letztlich zu vernachl\u00e4ssigendes, weil ohnm\u00e4chtiges Moment in einem gr\u00f6\u00dferen politischen oder post-politischen Ganzen zu sein. Er sieht\u00a0<i>die Geste<\/i>\u00a0und mit ihr den Dialog im Sterben liegen:\u00a0<i>Die Tore der Worte haben sich sperrangelweit pathologisch ge\u00f6ffnet, und die Logorrh\u00f6e des Geredes \u00fcberschwemmt die Gegend.\u00a0<\/i>\u2013 Dagegen sollen \u201areversible Kabel\u2019 zwischen \u201aKnoten im universalen digitalen Netz\u2019 noch irgend etwas ausrichten?<\/p>\n<p>26.1.\/18.2.2014 \u00a0\u00a0 Auszug aus meinem Text: &#8222;Martin Buber s\u00e4kularisieren?&#8220;(<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=1782\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">LINK<\/a>; so etwas\u00a0 wollte ich heute nicht mehr schreiben, k\u00f6nnte wohl auch nicht; denn die Theorie-Ebene bringt nichts, au\u00dfer wenn sie auf &#8218;mehr Theorie&#8216; Verzicht leistet. 20.5.20 )<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und zwar in der &#8222;Geste des Sprechens&#8220;. 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