{"id":1813,"date":"2014-01-13T14:41:50","date_gmt":"2014-01-13T13:41:50","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=1813"},"modified":"2017-01-07T14:47:08","modified_gmt":"2017-01-07T13:47:08","slug":"flusser-als-erzieher","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=1813","title":{"rendered":"Flusser als Erzieher"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #808080;\">B<\/span><span style=\"color: #333333;\"><span style=\"color: #808080;\">eobachtungen zum Verh\u00e4ltnis von Diskurs und Dialog bei Martin Buber (Ich und Du), bei Heinz von Foerster (Kompetenz und Verantwortung) und Vil\u00e9m Flusser (\u00c4sthetische Erziehung, 1991), und zu einer Bemerkung von Andreas Stroehl.<\/span><\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><span style=\"color: #888888;\"><span style=\"color: #999999;\">Eindeutig sind wir als Kinder unserer Kultur in triviale Systeme vernarrt,\u00a0<\/span><\/span><\/em><em><span style=\"color: #888888;\"><span style=\"color: #999999;\">und wann immer die Dinge nicht so funktionieren, wie man es erwartet, werden wir versuchen, sie zu trivialisieren. Erst dann werden sie voraussagbar<\/span><\/span><\/em><span style=\"color: #888888;\"><span style=\"color: #999999;\">.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">1<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beginnen wir beim Dialog im Verst\u00e4ndnis Bubers, auf den sich Flusser immer wieder bezogen hat:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Martin Buber<\/b> schreibt im <span style=\"text-decoration: underline;\">Nachwort zu \u201eIch und du\u201c<\/span>, worin er auf Fragen eingeht, die ihm von Lesern immer wieder gestellt worden sind:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e<i>Wie steht es mit dem Ich-Du-Verh\u00e4ltnis von Menschen. Steht es denn immer in voller Gegenseitigkeit? Kann es das immer, darf es das immer?<\/i> (153) Die Antwort ist nicht \u00fcberraschend: Nein, und zwar nicht nur <i>wegen der Beschr\u00e4nkung durch unsere Unzul\u00e4nglichkeit, sondern auch durch innere Gesetze unseres Zusammenlebens <\/i>\u00a0(154) Die <i>volle Gegenseitigkeit (Mutualit\u00e4t) ist eine Gnade. Erzieher und Psychotherapeuten umfassen <\/i>\u2013 im Idealfall &#8211; <i>die ganze Pers\u00f6nlichkeit des Z\u00f6gling oder Klienten, <\/i>der nicht <i>seinerseits die Umfassung \u00fcben und das Geschehen auch am \u00e4rztlichen <\/i>Pol erleben d\u00fcrfe. <i>Heilen und erziehen kann nur der gegen\u00fcber Lebende und doch Entr\u00fcckte<\/i>. (156) Ansonsten kann die Beziehung etwa <i>den ganz anderen Charakter einer Freundschaft annehmen<\/i>. (155)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">2<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Kybernetiker <b>Heinz von Foerster<\/b> arbeitet seit den 60er Jahren auch mit Therapeuten und P\u00e4dagogen zusammen. Er fragt, <i>was Lernen wirklich ist<\/i> angesichts von <i>Unbestimmbarkeiten, Unentscheidbarkeiten, Unwissbarkeiten<\/i> (128, 126, KybernEthik, Merve Berlin 1993). In <span style=\"text-decoration: underline;\">\u201eKompetenz und Verantwortung (1971)<\/span> schreibt er: <i>Eindeutig sind wir als Kinder unserer Kultur in triviale Systeme vernarrt, und wann immer die Dinge nicht so funktionieren, wie man es erwartet, werden wir versuchen, sie zu trivialisieren. Erst dann werden sie voraussagbar <\/i>(&#8230;)<i> ich (ahne) in manchen Stunden des Zweifels, dass aufgrund mangelnden Verst\u00e4ndnisses dar\u00fcber, wie man mit einem der nicht-trivialsten, sch\u00f6pferischsten, unvoraussagbarsten Gesch\u00f6pfen, die mir bekannt sind, n\u00e4mlich mit unseren Kindern umgehen soll, einige Ausbildungssysteme Lernen mit Trivialisierung verwechseln Beim Lernen w\u00e4chst die Anzahl interner Zust\u00e4nde und die semantische Relationsstruktur (das \u201aProgramm\u2019) wird bereichert. Trivialisierung ist dagegen Amputation interner Zust\u00e4nde, Blockierung der Entwicklung unabh\u00e4ngigen Denkens und Belohnung von vorschriftsm\u00e4\u00dfigem , also voraussagbarem Verhalten: \u201a6\u2019 ist die Antwort auf die Frage \u201aWas ist 2 x 3?\u2019; unannehmbar w\u00e4ren die Antworten: \u201aeine gerade Zahl\u2019, \u201a3&#215;2\u2019, \u201amein Alter\u2019 und andere<\/i>. (144-145)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und er res\u00fcmiert zwanzig Jahre sp\u00e4ter: <i>Der Gro\u00dfteil unserer institutionalisierten Erziehungsbem\u00fchungen hat zum Ziel, unsere Kinder zu trivialisieren. Ich verwende diesen Begriff so wie in der Automatentheorie. Dort ist eine triviale Maschine durch eine festgelegte Input-Output-Beziehung gekennzeichnet. Da unser Erziehungssystem darauf angelegt ist, berechenbare Staatsb\u00fcrger zu erzeugen, besteht sein Zweck darin, alle jene \u00e4rgerlichen inneren Zust\u00e4nde auszuschalten, die Unberechenbarkeit und Kreativit\u00e4t erm\u00f6glichen<\/i>.\u201c (170-171) Seine Kritik an \u201a<i>Pr\u00fcfung<\/i>\u2019 kurz und b\u00fcndig :<i> Tests testen Tests.<\/i> (145)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die w\u00fcnschenswerte dialogische Situation beschreibt er in kybernetischen Begriffen so: <i>Unter Geschlossenheit versteht man, dass das Ergebnis der Operation eines\u00a0 Systems die n\u00e4chste Operation dieses Systems einleitet: Das System und seine Operationen sind ein \u201ageschlossenes System\u2019. Dadurch ist es m\u00f6glich, dass sich der Experimentator als Teil des Experiments verstehen kann, oder dass der Familientherapeut sich als Partner seiner Familie sehen kann; oder dass der Lehrer sich als Teilnehmer eines Lern\/Lehrprozesses in seinem Klassenzimmer zuhause f\u00fchlt. <\/i>(146) <i><\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist daran bemerkenswert?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Ausgangspunkt existiert , seit es Menschen gibt, wie bei der Dialogik Bubers: jedes einzelne Kind, allgemein jeder Mensch, selbst schlecht funktionierende Kleinfamilien \u2013 unbd dies zusammen mit einem Partner wie etwa dem Lehrer. Keine ausgekl\u00fcgelten Teambildungen, keine hyperkomplexen Schaltungen sind n\u00f6tig, nicht einmal Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Kybernetik, nur das klare Verst\u00e4ndnis, dass man als <i>Teil <\/i>agiert, als <i>Teil eines Lern\/Lehrprozesses<\/i>. Das N\u00e4here hat zu Anfang Martin Buber ausgef\u00fchrt. Sonst wandert das Lernen aus der Konstellation, aus der Institution aus, und beide \u2013 <i>Lehrer<\/i> wie <i>Sch\u00fcler trivialisieren<\/i> sich. Wir kennen das alle. Meine eigenen Erfahrungen stehen im Artikel <span style=\"text-decoration: underline;\">\u201eFlusser an die Schule\u201c<\/span>!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Realit\u00e4t sind Diskurs und Dialog ineinander verwoben, man k\u00f6nnte sagen: der Diskurs wird vom Dialog getragen. Ohne Dialog kein Diskurs. Buber wie Foerster sehen den Dialog als unhintergehbare Existenzbedingung, nicht als Idealtypus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hingegen hat <b>Vil\u00e9m Flusser<\/b> durchg\u00e4ngig <i>Dialog<\/i> und <i>Diskurs <\/i>\u2013 ich sage boshafterweise \u2013 zu Schulungszwecken in ein Gegensatzpaar <i>trivialisiert<\/i>. Passenderweise ben\u00fctzt er bei dieser Gelegenheit gern ein simples Diagramm, ob auf einer Schultafel im Film oder als Buchillustration. F\u00fcr einen Diskurs in solch verk\u00fcrzter Form kann \u2013 wieder boshaft gesagt \u2013 seine eigene <i>trivialisierende <\/i>Vortrags- und Interviewpraxis stehen, wovon er uns zahlreiche Zeugnisse hinterlassen hat. Indem er gelegentlich im Kontext der Migrationen von <i>m\u00f6rderischen Dialog<\/i>en spricht, erkennt er immerhin die Variationsbreite von <i>Dialogen<\/i> an, aber eben nur beil\u00e4ufig und vor allem ohne Interesse f\u00fcr die <i>operationalen <\/i>(HvF) Aspekte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">3<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur im gesamtgesellschaftlichen Rahmen schenkt er der Beziehung seine Aufmerksamkeit, wie <b>Andreas Stroehl<\/b> vor einem Jahr auf der Tagung in Natal\u00a0 (<i><span style=\"text-decoration: underline;\">Zur dialogischen Entwicklungsm\u00f6glichkeit von Kultur<\/span><\/i> in Vom<i> Begriff zum Bild<\/i>, Tectum 2013), n\u00e4her beleuchtet hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei geben zwei widerstreitende Einstellungen Flussers zu <i>Dialog<\/i> und <i>Diskurs<\/i> als <i>systemimmanentes<\/i> Dilemma Stroehl in der gesellschaftlichen Auswirkung Anlass zu einem <i>Punkt substanzieller Kritik <\/i>(57), ohne die Trennung von <i>Dialog <\/i>und <i>Diskurs<\/i> deutlich<i> <\/i>zu problematisieren:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Als Voraussetzung f\u00fcr die Sinngebung des Einzelnen (Ich) <\/i>sei <i>ein Dialog mit dem anderen (Du) ausreichend<\/i>. Dennoch m\u00fcsse Flusser auf einem Gleichgewicht von Dialog und Diskurs bestehen, weil sonst die Gesellschaft stagnieren w\u00fcrde, <i>weil die dialogisch erzeugten Informationen nicht weitergegeben und verbreitet werden k\u00f6nnen<\/i>. <i>Ein progressives Element bleibt so auch dem Idealtypus einer posthistorischen Gesellschaft eingeschrieben. Dies widerspricht wiederum der kontrastierenden Differenzierung, wie Flusser sie zwischen geschichtlicher und nachgeschichtlicher Gesellschaft vornimmt.<\/i> (56)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er erg\u00e4nzt diese Er\u00f6rterung durch eine Anmerkung (57): <i>Im \u00fcbrigen ist dieser Kritikpunkt v\u00f6llig analog einem \u00e4hnlichen, der den Historischen Materialismus zum Gegenstand hat: Dieser sieht ja vor, dass die Dynamik der Geschichte mit der klassenlosen Gesellschaft zur Ruhe kommt. (&#8230;) Der Kern des Problems in beiden F\u00e4llen ist ein der ihnen zugrunde liegenden Dialektik inh\u00e4renter. Ihre Parallelit\u00e4t belegt erneut, dass sich Flusser zeit seines Lebens nicht vom dialektischen Denkmuster seiner Jugend l\u00f6sen konnte<\/i>.<b> <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum interessanten Stichwort <i>dialektisches Denkmuster <\/i>w\u00e4re<i> <\/i>an anderer Stelle etwas zu sagen, etwa im Kontext seiner (politischen) Gegenwartsbez\u00fcgen. Ich stelle hier nur fest, dass mit einem Verzicht auf rigide Kategorisierungen die bestechende Einfachheit von Flussers Modellen in Gefahr k\u00e4me. F\u00fcr eine kreative B\u00e4ndigung theoretischer Unordnung scheint er schlecht vorbereitet zu sein. Kybernetik? Etwa nicht-triviale?? (HvF)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">4<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich danke dem\u00a0Flusser-Archiv Berlin f\u00fcr\u00a0eine Kopie von Flussers <span style=\"text-decoration: underline;\">Vortrag \u00fcber \u201e\u00c4sthetische Erziehung<\/span>\u201c, erschienen in \u201eSch\u00f6ne Aussichten &#8211; \u00c4sthetische Bildung in einer technisch-medialen Welt\u201c (W. Zacharias, Essen 1991). Ich war vorgewarnt, aber dann ersch\u00fcttert. Doch der Reihe nach!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob man <strong>Vil\u00e9m Flusser<\/strong> auf die Tagung schon als Mann f\u00fcr den dramatischen welthistorischen Bogenschlag eingeladen hat? Er scheint an ein fiktives Publikum adressiert zu sein, das ihm m\u00fchelos und widerspruchslos vom Pal\u00e4olitikum \u00fcber das klassische Athen bis in die unvergleichliche Kulturkrise der Gegenwart hinein folgen k\u00f6nnte, die von un\u00fcberwindlichen Gr\u00e4ben unterschiedlicher<i> Codes<\/i> durchfurcht sein soll. (121) Man verfolgt atemlos die Geburtswehen einer unerh\u00f6rt radikalen Kulturtheorie aus dem Dreiklang des <i>Sch\u00f6nen, Guten, Wahren<\/i>, der unweigerlich zum Missklang wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der H\u00e4lfte der Rede erscheint auch zum ersten Mal das Wort <i>Erziehung, <\/i>und zwar in der Forderung: <i>&#8230; dieser unserer Inkompetenz hat die Erziehung Rechnung zu tragen<\/i>. (124) Es geht dabei um die durch die Menschheit <i>erworbenen Informationen gleich Kultur<\/i>, eine <i>Summe<\/i>, die <i>nicht in einzelnen Ged\u00e4chtnissen unterzubringen ist<\/i>. Das leuchtet ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die L\u00f6sung ist radikal und einfach: <i>Es geht bei der Erziehung nicht mehr darum, Informationen ins eigene Ged\u00e4chtnis zu lagern, sondern darum, in k\u00fcnstlichen Ged\u00e4chtnissen gelagerte Informationen zu manipulieren. Das menschliche Ged\u00e4chtnis ist als ein f\u00fcr die gegenw\u00e4rtige Kultur kompetentes Instrument zugunsten k\u00fcnstlicher zur\u00fcckzustellen, und die menschliche Intelligenz ist auf das Manipulieren von k\u00fcnstlichen zu konzentrieren.<\/i> (&#8230;)\u00a0<i>Die Schule ist nicht mehr als ein Ort von Informations\u00fcbermittlung, sondern als ein Ort der Systemanalyse und \u2013synthese zu sehen.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i><\/i>So! <i>Die Schule <span style=\"text-decoration: underline;\">ist nicht mehr<\/span><\/i> das und das<i>, <\/i>doch was ist sie nun, wie soll sie funktionieren? Der Kybernetiker war sich die banale Frage nicht zu schade!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Nicht mehr Spezialisten, sondern Generalisten in einem radikal neuen Sinne haben wir zu erziehen: \u201aUomini universali\u2019<\/i>. (125) Und der Befehlston des &#8230; <i>haben wir zu erziehen<\/i>!<i> <\/i>Dann den Bogen zur\u00fcck zu den Griechen geschlagen: <i>Auch in der Akademie, dem Lykaion und der Stoa ging es darum, einen systematischen \u00dcberblick \u00fcber die Formen (eideiai, morphai, also Informationen) zu gewinnen und das Ersehene nach spezifischen Regeln den mathematischen und logischen) zu manipulieren<\/i>. Doch heute werden <i>diese Formen als ver\u00e4nderbar und erfindbar angesehen. Nicht kontemplative Philosophen, sondern aktive Erzeuger neuer Informationen, also aktiv an der Mehrung der Kultur Beteiligte sind das Ziel der Erziehung.<\/i> (126)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Flussers Retorte entstehen <i>Kultur<\/i>, <i>Renaissance-Mensch<\/i> und <i>K\u00fcnstler <\/i>nicht anders als in modernen lebensmittelchemischen Labors Erdbeere, naturidentische Vanille und neuerdings Fleisch, aber auch Heilmittel auf der Basis von Hefepilzkulturen! Ein Heilmittel bietet auch Flusser an, gegen <i>den gegenw\u00e4rtigen Kulturverfall<\/i> (126).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fragt noch jemand nach \u00c4sthetik?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Flusser wird unwirsch: <i>Es ist kaum zu glauben, wie viel hochtrabender Unsinn in Bezug auf \u00c4sthetik zusammengeschrieben wurde. Dieser Unsinn ist auf die Trennung von wahr und gut einerseits und sch\u00f6n andererseits zur\u00fcckzuf\u00fchren. Tats\u00e4chlich ist \u00c4sthetik ganz einfach die Lehre vom Erleben (\u201aaisthestai = wahrnehmen, erleben).<\/i>\u201c (126)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Ordnung, aber das P\u00e4dagogische?! Vielleicht will er etwas zum <i>Dialog<\/i> als Kommunikationstheoretiker<i> <\/i>sagen? Welche Art soll die Moderation sein? Auch Anleitung oder blo\u00df Krisenintervention?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Es geht darum, dass eine dialogisch verkn\u00fcpfte aus den in der k\u00fcnstlichen Intelligenz gelagerten Informationen etwas vorher nicht Dagewesenes sch\u00f6pferisch herausholt.<\/i>\u201c(126\/27)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darf man dabei eine freudsche Bruderhorde assoziieren oder an die Gefahr von Stagnation bei <span style=\"text-decoration: underline;\">fehlendem<\/span> Diskurs erinnern?\u00a0Flusser unterbricht:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Eine so verstandene \u00e4sthetische Erziehung h\u00e4tte zum Ziel, \u201euomini universali\u2019 in einem neuen, \u201ah\u00f6heren\u2019 Sinne zu erziehen und damit unserer Kultur neue Horizonte zu er\u00f6ffnen<\/i>. Punkt. (127)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bleibe ratlos zur\u00fcck: Meinte er vielleicht, dass die <i>k\u00fcnstlichen Intelligenzen<\/i>, wie er sie nennt, also &#8218;die Apparate&#8216;\u00a0<i>die Erziehung<\/i> k\u00fcnftig in die Hand nehmen sollen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich frage mich noch eins: Wer soll sich an der <i>Mehrung der Kultur<\/i> eigentlich freuen?\u00a0Und wozu die penetrante Demonstration exklusiver Gymnasialbildung, die Etymologien auf Gymnasialniveau?\u00a0Die sollen doch nicht etwa ein <i>Trivialisierungs<\/i>konzept f\u00fcr Menschen \u2013 mit einem von Flusser gern gebrauchten Ausdruck zu sagen &#8211; \u201a<i>sakralisieren\u2019<\/i>?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">P.S.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe auch <span style=\"text-decoration: underline;\">Schopenhauer als Erzieher<\/span> (siehe dort) nicht geschont. Warum Flusser? Es ist der gleiche Gestus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">7.-13.1.2014<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beobachtungen zum Verh\u00e4ltnis von Diskurs und Dialog bei Martin Buber (Ich und Du), bei Heinz von Foerster (Kompetenz und Verantwortung) und Vil\u00e9m Flusser (\u00c4sthetische Erziehung, 1991), und zu einer Bemerkung von Andreas Stroehl.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[101],"tags":[],"class_list":["post-1813","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-flusser-essays"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1813","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1813"}],"version-history":[{"count":11,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1813\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6623,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1813\/revisions\/6623"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1813"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1813"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1813"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}